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Zahl der Flüchtlinge

Die Zahl der Asylbewerber*innen in Deutschland ist zwischen 2015 und 2016 stark gestiegen. Seit dem Frühjahr 2016 ging die Zahl der Neuzugänge von Asylsuchenden wieder zurück. Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine hat sie 2022 einen neuen Höchstwert erreicht.

Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?

2024

  • Im Januar 2024 wurden in Deutschland 28.241 Asylanträge gestellt, davon 26.376 Erstanträge. Diese Zahlen berücksichtigen nicht ukrainischen Geflüchtete, die seit Ende Februar 2022 eingereist sind.
  • Das sind rund 10 Prozent weniger Asylanträge als im gleichen Zeitraum 2023 (die Erstanträge sind um rund 9 Prozent zurückgegangen).
  • Rund 4 Prozent der Erstanträge waren von in Deutschland geborenen Kindern von Geflüchteten.
  • Über 27.363 Asylanträge hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entschieden. Die Schutzquote lag bei 45,1 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes..QuelleBAMF: Aktuelle Zahlen zu Asyl 1/2023, Seite 3

2023

2022 gab es insgesamt 351.915 Asylanträge, davon 329.120 Erstanträge. Diese Zahlen berücksichtigen nicht ukrainischen Geflüchtete, die seit Ende Februar 2022 eingereist sind. In etwa 7 Prozent der Fälle handelte es sich dabei um Kinder von Geflüchteten, die in Deutschland geboren sind. Die meisten Schutzsuchende kamen aus Syrien (102.930 Erstanträge), Türkei (61.181), Afghanistan (51.275) und dem Irak (11.152). Über 261.601 Anträge hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2023 entschieden. Die Schutzquote lag bei 51,7 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes..QuelleBAMF: Aktuelle Zahlen zu Asyl 12/2023, Seite 3

Angaben zur Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten finden Sie hier.

Wie viele irreguläre Einreisen gibt es nach Deutschland?

Die meisten Schutzsuchenden, die aus Krisenländern kommen, haben keine Möglichkeit, ein Visum für eine reguläre Einreise in die Europäische Union zu beantragen. Sie gelten deshalb in der Regel als irreguläre Einwanderer*innen.

Die Zahlen

Die Bundespolizei zählte 2023 rund 127.000 "unerlaubte Einreisen" nach Deutschland. Das sind rund 38 Prozent mehr als 2022. Von ihnen kamen rund 32.800 MenschenAngaben der Bundespolizei auf Anfrage des MEDIENDIENSTES über die polnische Grenze – etwa ein Drittel von ihnen ist über Belarus eingereist. 28.000 Personen wurden an der österreichischen, etwa 18.300 an der schweizerischen und rund 16.700 an der tschechischen Grenze aufgegriffen.QuelleAngaben der Bundespolizei auf Anfrage des MEDIENDIENSTES sowie für 2022 Bundespolizei: Feststellung von unerlaubten Einreisen durch die Bundespolizei, LINK

Personen aus verschiedenen Ländern kommen über unterschiedliche Routen nach Deutschland:

  • Syrer*innen reisten insbesondere über Polen (41 Prozent aller festgestellten Einreisen von Syrer*innen) und Tschechien (27 Prozent) ein,
  • Türkische Staatsbürger*innen kamen besonders über Österreich (53 Prozent) und die Schweiz (13 Prozent),
  • Afghan*innen über die Schweiz (44 Prozent) und Polen (26 Prozent).QuelleAngaben der Bundespolizei auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

Zurückweisungen: 34.860 Personen, die irregulär nach Deutschland einreisen wollten, hat die Bundespolizei an den Grenzen zurückgewiesen.

ACHTUNG: Irreguläre Einreisen lassen sich schlecht beziffern. Zum einen ist die Zahl der "unerlaubten Einreisen" nur bedingt aussagekräftig, denn nicht alle einreisenden Personen werden von Polizist*innen im Grenzgebiet aufgegriffen. Zum anderen versuchen viele Geflüchtete und Migrant*innen, die an den Grenzen zurückgewiesen wurden, erneut die EU-Grenzen an anderer Stelle zu überqueren. Das führt zu Mehrfachzählungen. Wenn etwa die EU-Grenzagentur FRONTEX von 380.000 "irreguläre Grenzübertritt-Versuche" (irregular border crossings) sprichtSiehe FRONTEXT (2024), Significant rise in irregular border crossings in 2023, highest since 2016, 16.1.2024 LINK müssen diese Zahlen kritisch betrachtet werden.

Irreguläre Einreisen in Europa

Auf fast allen Flucht- und Migrationsrouten, die in die EU führen, ist die Zahl der Ankünfte 2023 gestiegen. Rund 157.000 Personen haben ItalienSiehe UHCR, Mediterranean Situation Italy, abgerufen am 10.1.2024 LINK erreicht – 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten von ihnen kamen aus Guinea, Tunesien und der ElfenbeinküsteSiehe Ministero degli Interni, Cruscotto Giornaliero Immigrazione, 31.12.2023, Seite 7 LINK. In SpanienSiehe UHCR, Mediterranean Situation Spain, abgerufen am 10.1.2024 LINK sind etwa 57.500 Migrant*innen und Geflüchtete angekommen. 70 Prozent von ihnen gelangten aus Westafrika zu den Kanarischen Inseln über die gefährliche West-Atlantik-Route. In GriechenlandSiehe UHCR, Mediterranean Situation Greece, abgerufen am 10.1.2024 LINK waren es etwa 48.600 Personen (etwa 2,6 Mal mehr Ankünfte als 2022), vor allem aus Syrien, Palästina und Afghanistan.

Auf der sogenannten Westbalkan-Route ist die Zahl der Ankünfte relativ konstant geblieben: Im Drehkreuz-Land der Region, SerbienSiehe UNHCR, Western Balkans - Refugees, asylum-seekers and other people in Mixed Movements - as of end November 2023 LINK, wurden bis November rund 101.100 Ankünfte gezählt (10 Prozent weniger als im Vorjahr). Hier werden Migrant*innen und Geflüchtete mehrmals erfasst, weil sie in der Regel mehrere Male versuchen, über verschiedenen Grenzen in die EU zu gelangen. Gestiegen ist die Zahl der versuchten (und erfolgten) Grenzübertritte in BulgarienUNHCR, Bulgaria Weekly Snapshot 31.12.2023 LINK, der SlowakeiSiehe Mixed Migration Centre, Quarterly Mixed Migration Update: Europe Quarter 3 - 2023, Seite 4 LINK und in PolenPolnische Grenzpolizei via Statista, Number of attempts to illegally cross the Polish-Belarusian border in Poland from August 2021 to December 2023 LINK. 

Woher kommen die Asylbewerber*innen?

Im Januar 2024 kamen die meisten Asylantragsteller*innen aus folgenden Ländern:

Herkunftsstaaten 2023

Wie viele Frauen und Kinder sind unter den Geflüchteten?

Anders als oft angenommen, machen Frauen und Kinder einen großen Teil der Asylsuchenden aus, die nach Deutschland kommen. Etwa 47 Prozent aller Asylbewerber*innen, die im Januar 2024 in Deutschland zum ersten Mal einen Antrag auf Asyl gestellt haben, waren Frauen sowie Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre (12.450 Personen).QuelleBAMF, Aktuelle Zahlen zu Asyl, 1/2024, Seite 8 und eigene Berechnung

Frauen: Insgesamt waren unter den Asylbewerber*innen im Januar 2024 etwa ein Drittel Mädchen und Frauen (30,8 Prozent). Der Frauenanteil ist je nach Altersgruppe unterschiedlich hoch:

  • Am geringsten ist der Frauenanteil unter den jungen Erwachsenen (18 Prozent der 18- bis 25-Jährigen).
  • Unter älteren Menschen (über 55 Jahre) sind es etwa gleich viele Männer wie Frauen.

Minderjährige und junge Erwachsene: Die Flüchtlinge sind im Durchschnitt sehr jung: Rund 68 Prozent aller Asylbewerber*innen, die im Januar 2024 einen Antrag gestellt haben, waren unter 30 Jahre alt. Minderjährige machten etwa 28 Prozent der Asylbewerber*innen aus.QuelleBAMF, Aktuelle Zahlen zu Asyl, 1/2024, Seite 8 und eigene Berechnung

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb unter den Geflüchteten mehr Männer als Frauen und Kinder sind. Der Hauptgrund ist, dass die Reise sehr gefährlich ist, wie zahlreiche StudienSiehe u.a. Athina Anastasiadou et al. (2023), Sex- and Gender-based Differences in the Migration Process LINK und Eleanor Kofman (2018), Gendered mobilities and vulnerabilities: refugee journeys to and in Europe LINK festgestellt haben. Viele Familien entscheiden sich außerdem bewusst dafür, sich zu trennen, um die Erfolgschancen eines männlichen Mitglieds zu erhöhen – und später eine Familienzusammenführung zu ermöglichen.QuelleAthina Anastasiadou et al. (2023), Sex- and Gender-based Differences in the Migration Process LINK; Eleanor Kofman (2018), Gendered mobilities and vulnerabilities: refugee journeys to and in Europe LINK und Talitha Dubow (2021), Family Strategies in Refugee Journeys to Europe LINK

Offene Asylanträge

Im Januar 2024 lagen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 245.874 Asylanträge, bei denen die Entscheidung noch anstand.QuelleAktuelle Zahlen zu Asyl 1/2024, Seite 13

Viele Asylbewerber*innen haben gegen die Bescheide des BAMF geklagt: Zum Stichtag 15.1.2023 waren an den Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichten rund 125.716Bundestagsdrucksache 20/5709, Seite 47 Verfahren im Bereich Asyl anhängig. Rund 18 Prozent aller Klagen waren 2022 (Januar-November) erfolgreich. Wenn man allerdings die Fälle abzieht, in denen es zu keinem Urteil kam – etwa weil die Klage zurückgenommen wurde oder weil mehrere verbundenen Klagen zusammengezogen wurden – kommt man auf eine Erfolgsquote von rund 37 Prozent. Besonders hoch war die Erfolgsquote von afghanischen Kläger*innen: Bei inhaltlichen Entscheidungen haben sie in rund 95 Prozent der Fälle Schutz zugesprochen bekommen.QuelleBundestagsdrucksache 20/5709 Seite 35, eigene Berechnungen

Wie lange dauern die Verfahren?

6,6 Monate dauerte im Durchschnitt ein Asylverfahren zwischen AntragOhne Feststellung der Zuständigkeit im sogenannten Dublin-III-Verfahren und Entscheidung im ersten Halbjahr 2023. Je nach Herkunftsland kann die Verfahrensdauer allerdings stark variieren: Während die Verfahren für Personen aus Moldau und einigen "sicheren Herkunftsstaaten" wie etwa Albanien oder Montenegro 2-3 Monate dauern, können sie bei Personen aus Nigeria oder dem Senegal 13-16 Monate dauern.QuelleBundestagsdrucksache 20/8787, Seite 4

Gerichtsverfahren bei Asylklagen dauerten in diesem Zeitraum im Schnitt mehr als 22 MonateAngaben zur Bearbeitungszeit bei Asylgerichtsverfahren basieren auf Erfassungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und umfassen Klagen gegen Bescheide bei Erst- und Folgeanträgen. Sogenannte Eilverfahren werden nicht berücksichtigt.QuelleBundestagsdrucksache 20/8787, Seite 21

Seit 2015 gab es wiederholte Versuche, die Asylverfahren zu beschleunigen. Das hat bislang eine geringe Wirkung gezeigt: Die Asylverfahrensdauer schwank in den vergangenen Jahren zwischen 8,3 (im Covid-Jahr 2020) und 6,6 Monaten (2023). Selbst in zentralen Einrichtungen wie etwa AnkER-Zentren ist die Bearbeitungszeit etwas länger als im Durchschnitt (6,7 Monate). Weniger als 0,1 Prozent der Anträge wurden im ersten Halbjahr 2023 mit einem "beschleunigten Verfahren" erledigt. Im Rahmen der Beschlüsse der Ministerpräsident*innenkonferenz vom November 2023 hat die Bundesregierung angekündigt, beschleunigte Asylverfahren für Asylbewerber*innen aus Ländern mit geringer Schutzquote einzuführen.QuelleBundestagsdrucksache 20/8787, Seiten 12 und 39

Wie viele Flüchtlinge erhalten Schutz?

2024

Über 27.363 Asylanträge hat das BAMF im Januar 2024 entschieden. 12.337 Personen wurde Schutz zugesprochen. Das ergibt eine Schutzquote von 45,1 Prozent.QuelleBAMF, Aktuelle Zahlen zu Asyl 1/2024, Seite 3

Von ihnen erhielten:

  • 3.005 Menschen "Flüchtlingsschutz" nach § 3 Asylverfahrensgesetz,
  • 128 Menschen "Asyl" nach Artikel 16a des Grundgesetzes,
  • 7.504 Menschen subsidiären Schutz,
  • 1.700 Menschen ein Abschiebeverbot aufgrund des EU-Rechts oder internationaler Abkommen.

 

2023

Im Gesamtjahr hat das BAMF über 261.601 Asylanträge entschieden und 135.277 Personen Schutz zugesprochen – mit einer Gesamtschutzquote von 51,7 Prozent. 40.701 Menschen haben "Flüchtlingsschutz" nach § 3 Asylverfahrensgesetz erhalten, 1.824 Menschen "Asyl" nach Artikel 16a des Grundgesetzes, 71.290 Menschen subsidiären Schutz und 21.462 Menschen ein Abschiebeverbot aufgrund des EU-Rechts oder internationaler Abkommen.QuelleBAMF, Aktuelle Zahlen zu Asyl 12/2023, Seite 3

Unterschiedliche Schutzquoten

Obwohl Asylbescheide auf Bundesebene vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erlassen werden, gibt es beachtliche Unterschiede zwischen den Schutzquoten in den einzelnen Bundesländern und in einzelnen BAMF-Außenstellen. So lag 2022 die Schutzquote für irakische Asylsuchende bei vergleichbaren Fallzahlen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) bei etwa 47 Prozent – in Neumünster (Schleswig-Holstein) bei lediglich 13 Prozent.QuelleBundestagsdrucksache 20/5709, Seite 18

Das BAMF erklärt die Diskrepanzen zum Teil dadurch, dass Asylanträge ungleichmäßig unter den Bundesländern verteilt sind. Eine Untersuchung der Universität Konstanz führt die Unterschiede hingegen auf den sozioökonomischen Hintergrund der Entscheider sowie auf die bürokratische Überlastung der Behörden zurück.QuelleBundestagsdrucksache 19/6786, Seite 11 und G. Schneider, M. Leue (2019), Föderale Ungleichheiten im gesamten Asylverfahren

Wie viele Asylanträge werden in der EU gestellt?

2023

Im ersten Halbjahr 2023 wurden nach Angaben der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) rund 519.000 Asylanträge in der Europäischen Union gestellt. Das sind etwa 28 Prozent mehr Asylanträge als im Vorjahreszeitraum. In dieser Rechnung sind Geflüchtete aus der Ukraine nicht enthalten, die in der Europäischen Union einen "vorübergehenden Schutz" erhalten haben.

Die meisten Antragsteller*innen kamen aus:

  • Syrien (rund 66.600 Asylbewerber*innen),
  • Afghanistan (55.000),
  • Venezuela (36.500),
  • Türkei (34.000)
  • und Kolumbien (33.700).QuelleAsylagentur der Europäischen Union (EUAA) (2023): "Latest Asylum Trends, January – June 2023, Midterm Review", LINK

Die meisten AnträgeDie Zahl der Asylanträge nach Eurostat kann von den offiziellen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge abweichen. auf Asyl (einschließlich Folgeanträge) wurden von Januar bis Juni 2023 in folgenden Ländern gestellt:

  1. Deutschland: rund 162.000 Anträge
  2. Spanien: 86.800
  3. Frankreich: 81.100
  4. Italien: 62.300
  5. Österreich: 23.000

Im Verhältnis zur Bevölkerung wurden die meisten Asyalnträge pro Tausend Einwohner*innen in folgenden Ländern gestellt:

  1. Zypern: 4,5 Asylanträge pro 1.000 Einwohner*innen
  2. Österreich: 2,5
  3. Estland: 2
  4. Deutschland: 1,9
  5. Luxemburg: 1,8

QuelleEurostat (2023), Asylum and first time asylum applicants - monthly data [TPS00189] abgerufen am 5.9.2023

Im ersten Halbjahr 2023 lag die durchschnittliche Schutzquote in der Europäischen Union bei rund 41 Prozent (Gesamtschutzquote ohne Gerichtsentscheidungen). Rund 95 Prozent der syrischen Asylbewerber*innen haben einen positiven Bescheid erhalten, so wie rund 58 Prozent der afghanischen Antragsteller*innen. Die Schutzquote für russische Schutzsuchende ist im ersten Halbjahr 2023 auf 35 Prozent gestiegen – für türkische Asylbewerber*innen ist sie hingegen auf rund 28 Prozent zurückgegangen. Rund 682.000 Asylanträge waren zum Stichtag 30. Juni 2023 noch in Bearbeitung.QuelleEUAA (2023): "Latest Asylum Trends, January – June 2023, Midterm Review", LINK

2022

2022 wurden nach Angaben der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) rund 966.000 Asylanträge (einschließlich Folgeanträge) in der Europäischen Union gestellt – 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten von ihnen kamen aus: Syrien (rund 132.000 Asylbewerber*innen), Afghanistan (129.000), Türkei (55.000), Venezuela (55.000) und Kolumbien (43.000).QuelleAsylagentur der Europäischen Union (EUAA), Latest Asylum Trends - Annual Overview 2022

Die meisten AnträgeDie Zahl der Asylanträge nach Eurostat kann von den offiziellen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge abweichen. wurden in folgenden Ländern gestellt: Deutschland: rund (215.000 Anträge), Frankreich (141.000), Spanien (109.000), Österreich (102.000), Italien (76.000).QuelleEurostat, Asylbewerber und erstmalige Asylbewerber - monatliche Daten (Abgerufen: Februar 2023)

2022 wurden rund 632.000 Entscheidungen über Asylanträge getroffen. Davon gingen rund 40 Prozent positiv aus. Die besten Aussichten auf einen positiven Asylbescheid hatten Syrer*innen (94 Prozent), Belarusen und Ukrainier*innen (jeweils 88 und 86 Prozent positive Bescheide), gefolgt von Menschen aus Eritrea, dem Jemen (jeweils 84 Prozent) und Mali (70 prozent). Rund 950.000 Asylanträge waren zum Stichtag 30. November 2022 noch in Bearbeitung.QuelleEUAA, Latest asylum trends - Annual Overview 2022 (abgerufen am 23. Februar 2023)

Wie viele Flüchtlinge leben in Deutschland?

Zum Stichtag 31. Oktober 2023 lebten in Deutschland nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 1,59 Millionen MenschenIn dieser Rechnung werden folgende Schutzformen berücksichtigt: Rechtstellung als Flüchtling nach §3 AsylG, Anerkennung als Asylberechtigte*r nach GG Art. 16, subsidiärer Schutz, Abschiebeverbot nach §60 AufenthG, Duldung nach § 60a Absatz 1 AufenthG, § 18a und § 19d (neue Fassung) AufenthG, § 22 AufenthG, § 23a AufenthG, § 23 Absatz 1 AufenthG, § 23 Absatz 2 AufenthG, § 23 Absatz 4 AufenthG, §§ 104a oder 104b AufenthG, § 25 Absatz 4 AufenthG, § 25 Absatz 4a und 4b AufenthG, § 25 Absatz 5 AufenthG, § 25a AufenthG, §60a Abs. 2b, §25b AufenthG, die in Deutschland Schutz bekommen haben. Etwa ein Drittel von ihnen (31 Prozent) sind Minderjährige. Ungefähr 66 Prozent von ihnen leben seit mehr als sechs Jahren in Deutschland.QuelleBundestagsdrucksache 20/9931 Seite 3 ff, eigene Berechnungen

Darunter sind:

  • 44.513 Asylberechtigte nach Artikel 16a des Grundgesetzes
  • 749.858 Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention
  • 319.211  subsidiär Schutzberechtigte
  • 180.555 Menschen, für die ein Abschiebeverbot gilt.
  • Weitere 298.000 Menschen haben Schutz aufgrund unterschiedlicher UmständeDazu zählen Aufenthaltserlaubnisse nach §§ 18a, 19d, 22, 23, 23a, 25, 25a, 60, 104a und 104b AufenthG, eigene Berechnungen bekommen – etwa, weil sie einem Beruf nachgehen oder weil sie aus humanitären Gründen nicht abgeschoben werden können.QuelleBundestagsdrucksache 20/9931 Seite 3 ff, eigene Berechnungen

Zudem lebten rund 276.512 Asylbewerber*innen mit offenem Schutzstatus (und etwa 169.907 "ausreisepflichtige" Personen mit einem abgelehnten Asylantrag, die sich aus unterschiedlichen Gründen noch in Deutschland aufhalten (Stand: 30.6.2023). In der Summe ergibt das rund 2 Millionen Schutzsuchende.QuelleBundestagsdrucksache 20/8182 Seiten 40 und 69, eigene Berechnungen

Hinzu kommen rund 1,09 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine, die Stand: 31. Oktober 2023 im AZR erfasst sind. Etwa ein Drittel von ihnen sind Minderjährige. Von den Geflüchteten aus der Ukraine haben 84 Prozent eine Aufenthaltserlaubnis nach §24 AufenthG (vorübergehenden Schutz). Acht Prozent haben diese beantragt und noch nicht erhalten – fünf Prozent haben einen Asylantrag gestellt. Rund drei Prozent haben noch keinen Aufenthaltstitel bekommen.QuelleBundestagsdrucksache 20/9931 Seite 18

Die aktuellen Zahlen zu ukrainischen Geflüchteten finden Sie hier.

Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts

Die Zahlen des Innenministeriums basieren auf Einträge im Ausländerzentralregister (AZR). Die können jedoch veraltet oder unvollständig sein. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht deshalb eine Sonderauswertung der AZR-Daten. Demnach lebten zum Stichtag 31.12.2023 etwa 3,1 Millionen Schutzsuchende in Deutschland (Rohdatenauszählung, die endgültigen Ergebnisse können abweichen). Als Schutzsuchende gelten laut Statistischem Bundesamt alle Ausländer*innen, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Dazu zählen auch Asylbewerber*innen im Verfahren sowie abgelehnte Asylbewerber*innen. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um etwa 39.300 Personen.QuelleStatistisches Bundesamt, Rohdatenauszählung Schutz­suchende LINK

Rund 2,25 Millionen von ihnen verfügten über einen humanitären Aufenthaltstitel, also einen anerkannten Schutzstatus.QuelleStatistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 125 vom 30. März 2023

Daten 2022

Seit 2022 ist die gewöhnlichste Schutzform der "vorübergehende Schutz" gemäß der sogenannten "Massenzustrom-Richtlinie" der Europäischen Union (EU-Richtlinie 2001/55/EG). Diesen Schutzstatus hatten insgesamt 724.000 Personen, darunter etwa 703.000 ukrainische Kriegsflüchtlinge.QuelleStatistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 125 vom 30. März 2023

Weitere Schutzformen sind Schutz nach Artikel 16 des Grundgesetzes, Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiärer Schutz und das Abschiebeverbot.

In Deutschland leben (Zahlen gerundet):

  • 14.610 Asylberechtigte nach Artikel 16a des Grundgesetzes.
  • 573.645 Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien und dem Irak und sind überwiegend in den letzten fünf Jahren nach Deutschland gekommen.
  • 286.355 subsidiär Schutzberechtigte. Auch von ihnen kommen die meisten aus Syrien und dem Irak und sind erst vor kurzem nach Deutschland eingereist.
  • 157.335 Menschen, für die ein Abschiebeverbot gilt. Die meisten von ihnen kommen aus Afghanistan.QuelleStatistisches Bundesamt, Tabelle 12531-0007 Schutzsuchende: Deutschland, Stichtag, Geschlecht, Schutzstatus

Schutzbedürftige Ausländer*innen können auch ohne einen positiven Asylbescheid Schutz in Deutschland erhalten. Zu den rund 3,1 Millionen Menschen, die Schutz bekommen haben, gehören auch:

  • 23.200 Personen, denen eine Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis "zur Wahrung besonders gelagerter politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland" erteilt wurde (AufenthG §23 Absatz 2). Die meisten von ihnen leben schon seit langem in Deutschland und kommen aus der ehemaligen Sowjetunion.
  • 19.600 Menschen, denen die Bundesländer aus besonderen humanitären GründenAufenthG §23 Absatz 1 Schutz gewährt haben. Das ist zum Beispiel der Fall bei Syrer*innen, die im Rahmen der Aufnahmeprogramme der Länder eingereist sind.
  • 39.600 ausreisepflichtigen Ausländer, deren Ausreise „aus rechtlichen oder tatsächlichen GründenAufenthG §25 Absatz 5“ seit mehr als 18 Monaten nicht möglich ist. Die meisten von ihnen sind abgelehnte Asylbewerber.QuelleStatistisches Bundesamt, Tabelle 12531-0007 Schutzsuchende: Deutschland, Stichtag, Geschlecht, Schutzstatus

Darüber hinaus leben in Deutschland rund 570.000 Personen mit einem offenen Schutzstatus – darunter 271.000 Ukrainer*innen. Auch leben in der Bundesrepublik rund 255.000Aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden weichen die Daten der Sonderauswertung des Statitischen Bundesamts von den Daten des Bundesinnenministeriums zu ausreisepflichtigen Personen ab. Personen, deren Asylgesuch abgelehnt wurde oder die ihren Schutzstatus verloren haben. 86 Prozent von ihnen leben als sogenannte Geduldete in Deutschland.QuelleStatistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 125 vom 30. März 2023

Zahlen zu Familiennachzug

2022: Die deutschen Botschaften haben 2022 rund 117.000 Visa zum Zweck der Familienzusammenführung ausgestellt – davon gingen etwa 18.400 an Angehörige von syrischen (13.750), afghanischen (3.200) und irakischen Staatsbürger*innen (1.450).QuelleAuswärtiges Amt auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

2021 wurden rund 104.100 Visa zum Zweck der Familienzusammenführung ausgestellt – davon etwa 10.000 an Menschen, die aus den drei wichtigsten Flüchtlings-Herkunftsländern kommen: Syrien (9.657), afghanischen (1.635) und irakischen Staatsbürger*innen (1.549).QuelleAuswärtiges Amt auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

Wie ist die Rechtslage?

Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge haben das Recht, Ehegatten und minderjährige Kinder nach Deutschland nachzuholen. Unbegleitete Minderjährige können ihre Eltern nachziehen lassen. Im Unterschied zu anderen Nicht-EU-Bürger*innen haben anerkannte Flüchtlinge beim Familiennachzug besondere Rechte: Sie müssen nicht nachweisen, dass sie dafür über ausreichend Einkommen und Wohnraum verfügen – vorausgesetzt, der Nachzug wird innerhalb von drei Monaten beantragt, nachdem sie als Flüchtlinge anerkannt wurden.QuelleBAMF (2019): "Familienasyl und Familiennachzug"; AufenthG § 29 Abs. 2

Für Geflüchtete, die "subsidiären Schutz" erhalten, gelten andere Regelungen: Zwischen März 2016 und Juli 2018 durften sie keine Familienangehörigen zu sich nach Deutschland holen. Seit dem 1. August 2018 ist das wieder erlaubt. Vorgesehen sind jedoch nur 1.000 Menschen pro Monat – Härtefälle sind davon ausgenommen.Quelle§ 36a AufenthG; Bundesregierung (2018): "Neue Regeln für den Familiennachzug"

Wie viele Flüchtlinge gibt es weltweit?

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) schätzt, dass Ende 2022 die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen (forcibly displaced) weltweit auf mehr als 108,4 Millionen Menschen angestiegen ist (Ende 2021 waren es 89,3 Millionen). Der Anstieg hängt mit Kriegen und Konflikten in verschiedenen Regionen der Welt zusammen, insbesondere in Äthiopien, Burkina Faso, Myanmar, Nigeria, Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo – und zuletzt in der Ukraine.

  • Von ihnen waren rund 62,5 Millionen innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht (Binnenflüchtlinge).
  • Weitere 29,4 Millionen waren anerkannte Flüchtlinge – also Menschen, denen gemäß internationaler AbkommenDazu gehören die "Genfer Flüchtlingskonvention", die "Konvention zur Regelung der besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika", die Satzung des UNHCR sowie eine Reihe regionaler Abkommen zum Flüchtlingsschutz. Eine Übersicht bietet der UNHCR in einem Handbuch, Seite 5-9 Schutz gewährt wurde.
  • 5,9 Millionen waren staatenlose Palästinenser*innen unter Mandat des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA).
  • 5,4 Millionen waren Asylsuchende – also Flüchtlinge, die noch auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten.QuelleUNHCR (2022): "Global Trends. Forced Displacement 2021", S. 2
  • Hinzu kamen 5,2 Millionen Personen, die nach der Definition des UNHCR Schutz benötigen (in need of protection) meistens aus Venezuela.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien (6,5 Millionen Menschen), der Ukraine (5,7 Millionen), Afghanistan (5,7 Millionen), VenezuelaDas UN-Flüchtlingswerk UNHCR erfasst Geflüchtete aus Venezuela als "Venezuelans displaced abroad", denn nur wenige von ihnen konnten einen offiziellen Flüchtlingsstatus in den Nachbarländern erhalten. (5,5 Millionen) und dem Südsudan (2,3 Millionen).QuelleUNHCR (2023): "Global Trends. Forced Displacement 2022", S. 19

Welches Land nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf?

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten: Anders als in Deutschland gibt es in vielen Aufnahmeländern kein funktionierendes Asylsystem. Das heißt, Geflüchtete werden dort nicht automatisch registriert. Rund 58 Prozent der rund 108,4 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, konnten außerdem das eigene Land nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nicht verlassen (Stand: 31.12.2022). Sie werden als sogenannte Internally Displaced People (Binnenflüchtlinge) gezählt. Die meisten Geflüchteten, die Schutz im Ausland finden, bleiben zudem in der Nähe ihrer Heimat.QuelleUNHCR (2023): "Global Trends. Forced Displacement 2022", S.9

News Zum Thema: Zahl der Flüchtlinge

Ukraine-Krieg  "Vom Schuldgefühl zum Fluchtgefühl"

Vor zwei Jahren flüchtete Valeriia Semeniuk mit ihren Kindern aus der Ukraine nach Deutschland. Ihr Mann blieb dort. Im Interview erzählt die Journalistin, was ihr geholfen hat anzukommen und wie sie - genauso wie andere Geflüchtete - gelernt hat, mit Schuldgefühlen und Einsamkeit umzugehen.

Zwei Jahre Krieg   Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland und Europa

Über vier Millionen Geflüchtete aus der Ukraine leben in der EU, mehr als eine Million in Deutschland. Studien zeigen, dass sie zunehmend ankommen: Viele haben Integrationskurse absolviert, mehr und mehr von ihnen arbeiten. Offen ist, wie es mit ihrem Schutzstatus 2025 weitergeht.

Zahlen und Fakten  Kriegsflüchtlinge: Zahlen, Rechtslage, Arbeitsmarkt

Bald jährt sich die Ausweitung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zum zweiten Mal. Wie sind die Geflüchteten aus der Ukraine auf die Bundesländer verteilt? Wie viele arbeiten? Wie steht es um ukrainische Schüler*innen und Studierende? Die Übersicht den wichtigsten Zahlen und Fakten.

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