Was denkt die Bevölkerung?

Zahlreiche Studien und Umfragen beschäftigten sich in den letzten Jahren mit dem "Integrationsklima" und der Frage, welche Einstellungen die Menschen in Deutschland gegenüber Einwanderern und Minderheiten haben. Die Ergebnisse zeigen: Die Bevölkerung ist sehr gespalten, was ihre Sicht auf die deutsche Gesellschaft angeht.

Wie wichtig finden die Deutschen das Thema Einwanderung?

Das Thema hat inzwischen nicht nur für Politik und Medien, sondern auch für Bürger in Deutschland Priorität. Laut einer Studie des GfK-Vereins von 2015 betrachten die meisten Deutschen erstmals seit über 20 Jahren Zuwanderung als dringendste Aufgabe:

  • Waren es im Vorjahr noch 13 Prozent, so stieg die Zahl der "Besorgten" in 2015 auf 35 Prozent, heißt es in der Pressemitteilung.
  • Der Anteil derjenigen, die eine "Bekämpfung der Ausländerfeindlichkeit" und eine bessere Integration fordern, sei stark gewachsen und mache nun 10 Prozent aus.
  • Die Zahl derjenigen, die explizit eine Ausweisung von Asylbewerbern fordern, sei dagegen seit Jahren rückläufig: 1992 betrug sie noch 17 Prozent, inzwischen seien es nur noch neun Prozent.QuelleDiese Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie "Challenges of Nations 2015". Sie wurde im Frühjahr 2015 in 22 Ländern durchgeführt und ist in ausführlicher Fassung nur für Mitglieder des GfK-Vereins einsehbar.

Ende 2014 bestätigte sich diese Wahrnehmung im "Eurobarometer": Die häufigste Antwort der Deutschen auf die Frage "Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Probleme, denen Ihr Land derzeit gegenübersteht?" lautete mit 37 Prozent "Einwanderung".QuelleEurobarometer von November 2014, Seite T18

Was halten die Deutschen von Einwanderung?

Mit der Studie "Eurobarometer" wird im Auftrag der Europäischen Kommission die öffentliche Meinung in der Europäischen Union abgefragt. Die Befragung von November 2014 hat ergeben, dass vor allem die Skepsis gegenüber Einwanderern aus DrittstaatenJuristisch gelten alle Länder als Drittstaaten, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind. Als Drittstaatsangehöriger gilt also, wer nicht die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes hat. Der Begriff ist allerdings leicht zu verwechseln mit sicheren Drittstaaten, die damit nichts zu tun haben. Quelle: BAMF in Deutschland nach wie vor sehr groß ist.

  • Auf die Frage, ob Einwanderung von Menschen von außerhalb der EU "ein positives oder negatives Gefühl" hervorrufe, antworteten 61 Prozent mit negativ und 29 Prozent mit positiv. QuelleEurobarometer von November 2014, Seite T61
  • Noch höher als in Deutschland ist die Ablehnung etwa in Italien und Griechenland (75 Prozent), Lettland (79) oder in der Slowakei (74) – geringer fiel sie in Schweden (25), Großbritannien (57) und Frankreich (58) aus.
  • Einer Einwanderung aus EU-Ländern standen dagegen 50 Prozent der Befragten in Deutschland positiv gegenüber, während 41 Prozent sie ablehnten.QuelleEurobarometer von November 2014, Seite T60

Wie viele Bürger halten Einwanderung für eine Belastung?

2015 bestätigt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zum Thema "Willkommenskultur in Deutschland" starke Bedenken gegenüber Einwanderung: Zwei Drittel der Bürger sind demnach der Auffassung, dass Einwanderung die Sozialsysteme belaste (64 Prozent), zu Konflikten mit Einheimischen führe (63 Prozent) und zu Problemen in Schulen (61 Prozent).

Diese Werte sind zwar im Vergleich zur Umfrage von 2012 nahezu konstant geblieben, doch in den Altersgruppen haben sich die Einstellungen offenbar verschoben: Wiesen 2012 noch vor allem über 60-Jährige die höchsten Skepsiswerte auf, seien inzwischen die mittleren und jüngeren Altersgruppen "punktuell skeptischer gegenüber Einwanderung".QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung: "Willkommenskultur in Deutschland – Entwicklungen und Herausforderungen", zum Vgl. Ergebnisse von 2015 Seite 11f und Ergebnisse von 2012 Seite 5

Auch zwischen Ost- und Westdeutschland zeigen sich drei Jahre später in einigen Punkten deutlichere Differenzen: Während 2012 kaum Unterschiede in den Einstellungen festzustellen waren, stimmten 2015 in den neuen Bundesländern sechs Prozent mehr der Aussage "Zuwanderung belastet den Sozialstaat" zu.QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung: "Willkommenskultur in Deutschland – Entwicklungen und Herausfordeurngen", Ergebnisse von 2015, Seite 15

Was denkt die Bevölkerung über Flüchtlinge?

Die meisten vorliegenden Untersuchungen zeigen ein gemischtes Bild. Doch fast immer wird deutlich, dass die Skepsis oder sogar Ablehnung gegenüber Asylbewerbern in der Bevölkerung hoch ist:

  • Laut der "Mitte"-Studie 2016 der Friedrich-Ebert-Stiftung befürworten 56 Prozent der Bevölkerung die Aufnahme von Flüchtlingen. Etwa 20 Prozent sprechen sich dagegen aus. Grundsätzlich scheinen die Menschen in Deutschland gespalten in der Flüchtlingsfrage: Während rund 53 Prozent für eine sogenannte Obergrenze sind, sprechen sich etwa 34 Prozent dagegen aus. Zudem zeigt die Studie eine deutliche Abwertung von Asylsuchenden: Jede zweite Person in Deutschland ist Asylbewerbern gegenüber feindlich eingestellt. 2014 waren es noch 44 Prozent.Quelle"Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände", 2016, S. 86, 51
  • Interessante Ergebnisse liefert auch die "Mitte"-Studie der Universität Leipzig. Demnach zweifeln viele an der tatsächlichen Schutzbedürftigkeit von Geflüchteten: Rund 60 Prozent der Befragten waren der Auffassung, dass die meisten Asylbewerber "nicht wirklich" befürchten, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden.Quelle"Die enthemmte Mitte – Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2016", Seite 50
  • Laut der ZuGleich-Studie von 2016 sind die Einstellungen in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen ambivalent: Die Befragten zeigen einerseits eine große Offenheit: Dem Satz "Jeder Flüchtling hat das Recht auf auf ein besseres Leben – auch in Deutschland" stimmten 73 Prozent zu. Und Flüchtlinge als Nachbarn sind 65 Prozent aller Befragten recht. Jedoch nehmen 37 Prozent eine Gefahr durch Geflüchtete für Deutschlands Zukunft wahr. Und 55 Prozent der Befragten plädieren dafür, Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückzuschicken, sobald sich die Lage dort verbessert hat.QuelleKurzbericht zum Projekt "ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit 2016, Seite 21
  • Im Februar 2016 waren laut einer repräsentativen Umfrage viele Einwohner skeptisch, was die Folgen der Flüchtlingsmigration angeht: Rund 47 Prozent der Befragten waren demnach der Meinung, die Zuwanderung von Geflüchteten sei schlecht für die deutsche Wirtschaft. Nur 34 Prozent der Befragten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) glaubten das Gegenteil. Darüber hinaus befürchteten 57 Prozent, dass Deutschland durch Flüchtlinge "ein schlechterer Ort zum Leben" werde. Lediglich 19 Prozent vertraten die Meinung, Deutschland werde durch Flüchtlinge "ein besserer Ort". Fast 80 Prozent sehen kurzfristig mehr Risiken als Chancen.Quelle DIW Berlin, Befragung im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels, Februar 2016

Mitunter gibt es auch eindeutig positive Signale in den Bevölkerungs-Befragungen:

  • Das Integrationsbarometer 2016 des "Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration" zeigt: Mehr als 90 Prozent der Befragten spricht sich dafür aus, Geflüchteten früh Zugang zu Integrationsangeboten zu gewähren.
  • Aus den Transatlantic Trends 2014 im Auftrag des German Marshall Funds (GMF) ging hervor: Jeder Dritte (31 Prozent) in Deutschland war der Meinung, dass die Regelungen gegenüber Flüchtlingen gelockert werden sollten. Das war ein Spitzenwert im Vergleich zu anderen Ländern in Europavgl. Zusammenstellung unter Topline Data, S. 73 bzw. 79.

Wie steht die Bevölkerung zur Vielfalt in der Gesellschaft?

Bei dieser Frage ist die Bevölkerung in Deutschland sehr ambivalent:

  • Laut der "ZuGleich-Studie" der Universität Bielefeld von 2014 befürwortet rund die Hälfte (47 Prozent) der Deutschen eine pluralistische und multiethnische Gesellschaft, 36 Prozent fordern sogar eine stärkere Willkommenskultur in Deutschland.Quelle ZuGleich-Studie der Universität Bielefeld von 2014, Seite 13
  • Die "Mitte"-Studie von 2016 zeigt hingegen: Knapp 62 Prozent der Bevölkerung sind unentschieden oder stimmen zu, dass die Bundesrepublik "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" ist (Zustimmung: rund 34 Prozent, Unentschiedene: rund 28 Prozent).Quelle"Mitte"-Studie der Universität Leipzig von 2016, Seite 31

Im Hinblick auf religiöse Vielfalt gibt es ähnlich ambivalente Ergebnisse: 2012 meinten dem ReligionsmonitorReligionsmonitor der Bertelsmann Stiftung von 2013, Seite 36f zufolge 80 Prozent der Menschen in Deutschland, man sollte allen Religionen gegenüber offen sein. Gleichzeitig sahen jedoch 62 Prozent in der zunehmenden religiösen Vielfalt ein Potenzial für Konflikte. 53 Prozent gaben an, im Islam eine Bedrohung zu sehen. 2014 stieg die Zustimmung zu dieser Aussage auf 57 Prozent. Die Zustimmung zur Aussage, der Islam passe nicht in die westliche Welt, ist im selben Zeitraum von 52 auf 61 Prozent gestiegen.QuelleSonderauswertung Religionsmonitor Islam 2015, Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick, S. 7.

Wie integrationsfreundlich ist das Klima?

Der Integrationsbarometer im SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. -Jahresgutachten misst alle zwei Jahre "die Befindlichkeiten" im Einwanderungsland und das Integrationsklima. Letzteres sei "anhaltend freundlich", erklärte der Sachverständigenrat bei der Präsentation der Studie im April 2014. In allen bisherigen Barometern gaben Befragte mit und ohne Migrationshintergrund der Integration in Deutschland die Schulnote Zwei für "gut".

Auch aus den Transatlantic Trends 2014, einer internationalen Vergleichs-Umfrage im Auftrag des German Marshall Funds (GMF), geht hervor: Zwei Drittel der Deutschen stehen den Themen Migration und Integration positiv und offen gegenüber. Die Zahl der Deutschen, die die Integration der Nachkommen aus Einwandererfamilien als gelungen einschätzen, ist auf 52 Prozent gestiegenvgl. Seite 84 bzw. 90 in den Topline Data.

Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass die Ablehnung gegenüber Asylbewerbern und einigen anderen Minderheiten in der Bevölkerung hoch ist. Laut einer Studie der Universität Bielefeld hegt etwa jeder Fünfte in Deutschland starke Vorurteile und Ablehnung gegenüber Asylbewerbern, Sinti und Roma sowie Muslimen.QuelleStudie "ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit" des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von 2014, Seite 37

Wie stehen die Deutschen zu "mehr Willkommenskultur"?

"Willkommenskultur" ist ein Schlagwort, das in der Diskussion um Migration und Integration immer wieder auftaucht. Ursprünglich bezog es sich vor allem auf die Themen Fachkräftezuwanderung und Umgang der Behörden mit Einwanderern. Seit dem vergangenen Jahr sind mit "Willkommenskultur" auch positive Einstellungen gegenüber Flüchtlingen gemeint. Im Sommer und Herbst 2015 hatten sich viele Initiativen gegründet, um die Aufnahme von Geflüchteten zu organisieren und sie vor Ort willkommen zu heißen.

Die ZuGleich-Studie des Instituts für interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung der Universität Bielefeld kommt zu folgendem Ergebnis: Die Willkommenskultur wird weniger positiv bewertet als noch vor zwei Jahren.

  • Während sich 2013/2014 noch 40 Prozent der Befragten für mehr Willkommenskultur aussprachen, waren es jetzt nur 32 Prozent.
  • Befragte mit Migrationshintergrund stehen der Willkommenskultur grundsätzlich offener gegenüber.

Zu einem positiveren Ergebnis kam 2015 die Untersuchung "Willkommenkultur in Deutschland" der Bertelsmann Stiftung. Sie definiert Willkommenskultur "als eine Haltung der Offenheit gegenüber Migranten".

  • Demnach gehen 59 Prozent der Befragten davon aus, dass Einwanderer "vor Ort freundlich empfangen" werden. 2012 meinten das nur 49 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen. Die Autoren schließen daraus: "Die Willkommenskultur wird in Deutschland heute deutlich positiver bewertet als noch vor wenigen Jahren."
  • Diese Tendenz gilt auch für Migranten: 68 Prozent der zugewanderten Befragten sind demnach der Ansicht, Einwanderer werden von staatlichen Stellen willkommen geheißen – 2012 äußerten das lediglich 57 Prozent.

Umfragen: Gehört der Islam zu Deutschland?

"Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

Mit diesem Statement erregte 2010 der damalige Bundespräsident Christian Wulff viel Aufmerksamkeit. Der letzte Satz, dem sich mittlerweile auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angeschlossenIm Rahmen eines Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am 12. Januar 2015 in Berlin sagte Merkel: "Der frühere Bundespräsident Wulff hat gesagt, der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch." hat, ist zum Meinungsindikator geworden: Immer wieder wird er in Umfragen genutzt, um die Stimmung der Bevölkerung zu ermitteln.

2015 ergab eine Umfrage des Instituts YouGov, dass nur 23 Prozent der Befragten "voll und ganz" oder "eher" der Meinung sind, der Islam gehöre zu Deutschland. 72 Prozent sind demnach der Auffassung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört.

Im November 2014 kam eine Emnid-Umfrage für den "Religionsmonitor" der Bertelsmann Stiftung zu folgenden Ergebnissen: Während im Jahr 2012 bereits 57 Prozent der Bevölkerung der Meinung waren, der Islam passe nicht in die westliche Welt, denken das Ende 2014 sogar 61 Prozent. Das vorherrschende Negativbild übertrage sich bei vielen auch auf das Bild der Muslime: Fast jeder zweite der rund 950 Befragten fühlt sich demnach durch Muslime "wie ein Fremder im eigenen Land".QuelleSonderauswertung Islam des Religionsmonitors der Bertelsmann-Stiftung, veröffentlicht im Januar 2015

Deutlich mehr Personen befragte der SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. für sein Integrationsbarometer 2014. Auch bei dieser Erhebung wurde der Satz "Der Islam ist ein Teil Deutschlands" von den 5.660 Befragten mehrheitlich verneint. 53 Prozent der Teilnehmer ohne und 44 Prozent mit Migrationshintergrund antworteten: "eher nicht" oder "gar nicht" (siehe Grafik). Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass die ablehnende Haltung gegenüber dem Islam laut einer Studie von 2010 in Deutschland deutlich stärker sei als in Frankreich, den Niederlanden oder Dänemark.QuelleSVR: Jahresgutachten mit Integrationsbarometer 2014, Seite 38f. bzw. 36f.

In einer Sonderauswertung der Ergebnisse der "ZuGleich"-Studie zum Thema "Gehört der Islam zu Deutschland" betonen die Forscher: Die Ergebnisse hängen erheblich davon ab, wie die Fragestellung lautet. So kehren sich die Verhältnisse um, wenn nicht nach der Zugehörigkeit des Islams in die deutsche Gesellschaft gefragt werde, die nach der "vorherrschenden Meinung christlich-jüdisch geprägt" sei, sondern nach der Anerkennung der Religion. 57 Prozent der Bevölkerung stimmen demnach der Aussage zu: "Der Islam sollte als Religionsgemeinschaft genauso anerkannt werden wie die evangelische oder katholische Kirche."QuelleGehört der Islam zu Deutschland? Sonderauswertung der Ergebnisse unter der nicht-muslimischen Bevölkerung aus der Studie "ZuGleich - Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit", 2015, Universität Bielefeld, Seite 3

Wie sind die Meinungen in Deutschland zum Kopftuch?

Laut einer repräsentativen Umfrage von TNS-Infratest ist es 62 Prozent der Befragten "egal", ob muslimische Frauen in Deutschland Kopftücher tragen, rund ein Drittel findet es "nicht gut". An der Studie im Auftrag des baden-württembergischen Integrationsministeriums nahmen im Januar 2014 rund 750 Menschen in Baden-Württemberg und weitere 750 aus ganz Deutschland teil (Veröffentlichung: März 2015). Demnach sieht sowohl in Baden-Württemberg als auch in ganz Deutschland die Mehrheit das Tragen eines Kopftuchs deutlich gelassener, wenn es um "eher nicht-öffentliche Lebensbereiche" geht:

  • 80 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg und 78 Prozent in ganz Deutschland finden es bei Ärztinnen unproblematisch.
  • Etwas weniger Menschen denken so bei Erzieherinnen (62 Prozent aller Befragten) und Lehrerinnen (55 Prozent) mit Kopftuch.
  • Am wenigsten toleriert wird es offenbar für Medien: 50 Prozent finden Nachrichtensprecherinnen mit Kopftuch "nicht gut" (45 Prozent: "egal", fünf Prozent: "gut").

Die Studie "Deutschland Postmigrantisch II" des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) zeigt eine größere Offenheit bei der jüngere Generation: 71 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in Deutschland meinen, dass Lehrerinnen das Recht zugestanden werden soll, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Bei älteren Erwachsenen denkt demnach knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten so.

Wie zufrieden sind Einwanderer in Deutschland?

2013 wurde im "Glücksatlas" erstmals die Zufriedenheit von Einwanderern und ihren Nachkommen erhoben. Daraus geht hervor: Die Migrationshintergründler sind ziemlich zufrieden mit ihrem Leben in Deutschland, so zufrieden wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (6,9 auf einer Skala von 0 bis 10). Dabei sind Menschen, die selbst eingewandert sind, im Durchschnitt weniger einverstanden mit ihrer Situation, während ihre Nachkommen überdurchschnittlich zufrieden sind. Der MEDIENDIENST hat die Ergebnisse in einem Artikel zusammengefasst.

Auch die SOEP-Migrationsstichprobe kommt zu diesem Ergebnis: Menschen aus Einwandererfamilien sind insgesamt genauso zufrieden wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. Das Wohlbefinden hängt offenbar stark damit zusammen, in welchem Maß Einwanderer und ihre Nachkommen "soziale Kontakte zu Menschen ohne Migrationshintergrund unterhalten", sprich: am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilhaben.QuelleIAB-SOEP-Migrationsstichprobe von 2014, Seite 29

Eine internationale Studie betont die Bedeutung der Zufriedenheit von Zuwanderern für die Gesamtgesellschaft. Sie kommt zu dem Schluss, dass Migration zu einem höheren Einkommen führt; vor allem aber auch eine höhere Lebenszufriedenheit und mehr wahrgenommene Freiheiten für Zuwanderer bringt.