Was denkt die Bevölkerung?

Zahlreiche Studien und Umfragen beschäftigten sich in den letzten Jahren mit dem "Integrationsklima" und der Frage, welche Einstellungen die Menschen in Deutschland gegenüber Einwanderern und Minderheiten haben. Die Ergebnisse zeigen: Die Bevölkerung ist sehr gespalten, was ihre Sicht auf die deutsche Gesellschaft angeht.

Wie wichtig finden Bürger das Thema Einwanderung?

Das Thema Einwanderung hat inzwischen nicht nur für Politik und Medien, sondern auch für Bürger in Deutschland Priorität. 2016 stellte die von der EU-Kommission veröffentlichte "Eurobarometer"-Umfrage fest: Die häufigste Antwort der Deutschen auf die Frage "Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Probleme, denen Ihr Land derzeit gegenübersteht?" lautete mit 56 Prozent "Einwanderung", gefolgt von "Terrorismus" (26 Prozent).QuelleStandard-Eurobarometer 85 (2016): Public Opinion in the European Union, Seite 27

Eine Studie des GfK-Vereins von 2016 kommt auf noch höhere Werte: Die Zahl der Befragten, die Zuwanderung und Integration als dringendste Aufgabe in Deutschland genannt haben, lag 2016 bei 83 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sie sich mehr als verdoppelt. Es sei der höchste vom GfK-Verein jemals gemessene Wert und liege 15 Prozentpunkte über dem bisherigen Höchstwert von 1992.QuelleDiese Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie "Challenges of Nations 2016". Sie wurde in 24 Ländern durchgeführt und ist in ausführlicher Fassung nur für Mitglieder des GfK-Vereins einsehbar.

Was hält die Bevölkerung von Migration?

Mit der Studie "Eurobarometer" wird im Auftrag der Europäischen Kommission die öffentliche Meinung in der Europäischen Union abgefragt. Die Befragung vom Frühjahr 2016 hat ergeben, dass vor allem die Skepsis gegenüber Einwanderern aus Drittstaaten in Deutschland nach wie vor sehr groß ist.

  • Auf die Frage, ob Einwanderung von Menschen von außerhalb der EU "ein positives oder negatives Gefühl" hervorrufe, antworteten 58 Prozent mit negativ und 35 Prozent mit positiv. QuelleStandard-Eurobarometer 85 (2016): Europeans´Views on Priorities of the European Union, Seite 53
  • Noch höher als in Deutschland ist die Ablehnung etwa in Italien (65 Prozent), Ungarn (83) oder in der Slowakei (84) – geringer fiel sie in Schweden (36) und Luxemburg (40) aus.
  • Einer Einwanderung aus EU-Ländern standen dagegen 62 Prozent der Befragten in Deutschland positiv gegenüber, während 32 Prozent sie ablehnten.QuelleStandard-Eurobarometer 85 (2016): Europeans´Views on Priorities of the European Union, Seite 52

Wie viele empfinden Einwanderung als Belastung?

Die Bevölkerung in Deutschland hat große Vorbehalte gegenüber Einwanderung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der "Bertelsmann Stiftung" von 2017:

  • Rund 80 Prozent der Bürger sind der Ansicht, dass Zuwanderung eine zusätzliche Belastung für den Sozialstaat darstellt.
  • 72 Prozent der Befragten befürchten mehr soziale Konflikte und 68 Prozent Probleme an Schulen als Folge von Einwanderung.
  • Mehr als zwei Drittel haben Bedenken, dass Migranten größtenteils in Städte ziehen und dadurch der Wohnraum knapp und teuer wird.QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", S. 16

Die Studie zeigt auch: Menschen in den alten Bundesländern sind Einwanderung gegenüber positiver eingestellt als Menschen in den neuen Bundesländern. So befürchten im Osten mehr Menschen als im Westen, dass Einwanderung soziale Konflikte verschärfen könnte. Die Skepsis gegenüber Zuwanderung wächst jedoch bundesweit. So sorgen sich in beiden Landesteilen deutlich mehr als drei Viertel der Befragten, dass Zuwanderung den Sozialstaat zusätzlich belaste (im Westen 78 Prozent, im Osten 84 Prozent). Zum Teil sind die Bedenken in den alten Bundesländern größer als in den neuen. So befürchten im Westen 68 Prozent der Befragten, der Wohnraum könne durch Einwanderung knapp werden. In den weniger dicht besiedelten neuen Bundesländern sind es 51 Prozent.QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", S. 17 f.

Was denkt die Bevölkerung über Flüchtlinge?

Die meisten vorliegenden Untersuchungen zeigen ein gemischtes Bild. Doch fast immer wird deutlich, dass die Skepsis oder sogar Ablehnung gegenüber Asylbewerbern in der Bevölkerung hoch ist:

  • Eine repräsentative Studie der "Bertelsmann Stiftung" von 2017 zeigt: Die Mehrheit der Bürger möchte keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen und sagt, Deutschland sei an seiner Belastungsgrenze angekommen (54 Prozent). Diese Meinung hatten noch vor zwei Jahren nur 40 Prozent. Für eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus humanitären Gründen sprechen sich 37 Prozent aus, das sind 14 Prozentpunkte weniger als 2015.QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", S. 11 f.
  • Laut der "Mitte"-Studie 2016 der Friedrich-Ebert-Stiftung befürworten 56 Prozent der Bevölkerung die Aufnahme von Flüchtlingen. Etwa 20 Prozent sprechen sich dagegen aus. Grundsätzlich scheinen die Menschen in Deutschland gespalten in der Flüchtlingsfrage: Während rund 53 Prozent für eine sogenannte Obergrenze sind, sprechen sich etwa 34 Prozent dagegen aus. Zudem zeigt die Studie eine deutliche Abwertung von Asylsuchenden: Jede zweite Person in Deutschland hat Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern. 2014 waren es noch 44 Prozent.Quelle"Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände", 2016, S. 86, 51
  • Interessante Ergebnisse liefert auch die "Mitte"-Studie der Universität Leipzig. Demnach zweifeln viele an der tatsächlichen Schutzbedürftigkeit von Geflüchteten: Rund 60 Prozent der Befragten waren der Auffassung, dass die meisten Asylbewerber "nicht wirklich" befürchten, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden.Quelle"Die enthemmte Mitte – Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2016", Seite 50
  • Laut der ZuGleich-Studie von 2016 sind die Einstellungen in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen ambivalent: Die Befragten zeigen einerseits eine große Offenheit: Dem Satz "Jeder Flüchtling hat das Recht auf auf ein besseres Leben – auch in Deutschland" stimmten 73 Prozent zu. Und Flüchtlinge als Nachbarn sind 65 Prozent aller Befragten recht. Jedoch nehmen 37 Prozent eine Gefahr durch Geflüchtete für Deutschlands Zukunft wahr. Und 55 Prozent der Befragten plädieren dafür, Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückzuschicken, sobald sich die Lage dort verbessert hat.QuelleKurzbericht zum Projekt "ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit 2016, Seite 21
  • Im Februar 2016 waren laut einer repräsentativen Umfrage viele Einwohner skeptisch, was die Folgen der Flüchtlingsmigration angeht: Rund 47 Prozent der Befragten waren demnach der Meinung, die Zuwanderung von Geflüchteten sei schlecht für die deutsche Wirtschaft. Nur 34 Prozent der Befragten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) glaubten das Gegenteil. Darüber hinaus befürchteten 57 Prozent, dass Deutschland durch Flüchtlinge "ein schlechterer Ort zum Leben" werde. Lediglich 19 Prozent vertraten die Meinung, Deutschland werde durch Flüchtlinge "ein besserer Ort". Fast 80 Prozent sehen kurzfristig mehr Risiken als Chancen.Quelle DIW Berlin, Befragung im Rahmen des Sozio-oekonomischen Panels, Februar 2016

Mitunter gibt es auch eindeutig positive Signale in den Bevölkerungs-Befragungen:

  • Das Integrationsbarometer 2016 des "Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration" zeigt: Mehr als 90 Prozent der Befragten spricht sich dafür aus, Geflüchteten früh Zugang zu Integrationsangeboten zu gewähren.
  • Aus den Transatlantic Trends 2014 im Auftrag des German Marshall Funds (GMF) ging hervor: Jeder Dritte (31 Prozent) in Deutschland war der Meinung, dass die Regelungen gegenüber Flüchtlingen gelockert werden sollten. Das war ein Spitzenwert im Vergleich zu anderen Ländern in Europavgl. Zusammenstellung unter Topline Data, S. 73 bzw. 79.

Wie steht die Bevölkerung zur Vielfalt in der Gesellschaft?

Bei dieser Frage ist die Bevölkerung in Deutschland ambivalent:

  • Laut einer repräsentativen Studie der "Bertelsmann Stiftung" von 2017 sehen fast drei Viertel der Bevölkerung kulturelle Vielfalt als Bereicherung (72 Prozent). Ein Viertel der Bürger äußert sich kritisch über Vielfalt, elf Prozent davon empfinden sie klar "als Problem". Im Vergleich zu 2011 sind die Werte weitestgehend konstant geblieben.QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", S. 23
  • Laut der ZuGleich-Studie der Universität Bielefeld von 2016 befürworten 43 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund eine pluralistische und multiethnische Gesellschaft. Unter den Befragten mit Migrationshintergrund sprechen sich 46 Prozent für eine vielfältigere Gesellschaft aus.Quelle ZuGleich-Studie der Universität Bielefeld von 2016, Seite 4 und 5
  • Die "Mitte"-Studie von 2016 zeigt hingegen: Knapp 62 Prozent der Bevölkerung sind unentschieden oder stimmen zu, dass die Bundesrepublik "durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" ist (Zustimmung: rund 34 Prozent, Unentschiedene: rund 28 Prozent).Quelle"Mitte"-Studie der Universität Leipzig von 2016, Seite 35f.
  • Mit der Einstellung der Bevölkerung zu wachsender religiöser Vielfalt aufgrund des Zuzugs von Flüchtlingen und Asylsuchenden befasst sich eine repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2016. Ein Drittel der Befragten sieht demnach die mit der steigenden Anzahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden zunehmende religiöse Vielfalt als Bereicherung für die Gesellschaft. Die Hälfte allerdings äußert die Besorgnis, die Stärkung der religiösen Vielfalt könne Konflikte verursachen, während 15 Prozent darin sowohl eine Chance als auch einen möglichen Grund für Konflikte sehen.QuelleStudie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: "Akzeptanz religiöser und weltanschaulicher Vielfalt in Deutschland" (2016), S. 13f.

Wie integrationsfreundlich ist das Klima?

Der Integrationsbarometer im SVR-Jahresgutachten misst alle zwei Jahre "die Befindlichkeiten" im Einwanderungsland und das Integrationsklima. Letzteres sei "anhaltend freundlich", erklärte der Sachverständigenrat bei der Präsentation der Studie im April 2014. In allen bisherigen Barometern gaben Befragte mit und ohne Migrationshintergrund der Integration in Deutschland die Schulnote Zwei für "gut".

Auch aus den Transatlantic Trends 2014, einer internationalen Vergleichs-Umfrage im Auftrag des German Marshall Funds (GMF), geht hervor: Zwei Drittel der Deutschen stehen den Themen Migration und Integration positiv und offen gegenüber. Die Zahl der Deutschen, die die Integration der Nachkommen aus Einwandererfamilien als gelungen einschätzen, ist auf 52 Prozent gestiegenvgl. Seite 84 bzw. 90 in den Topline Data.

Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass die Ablehnung gegenüber Asylbewerbern und einigen anderen Minderheiten in der Bevölkerung hoch ist. Laut einer Studie der Universität Bielefeld hegt etwa jeder Fünfte in Deutschland starke Vorurteile und Ablehnung gegenüber Asylbewerbern, Sinti und Roma sowie Muslimen.QuelleStudie "ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit" des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von 2014, Seite 37

Wie steht die Bevölkerung zur "Willkommenskultur"?

Mit "Willkommenskultur" ist die positive Haltung gegenüber Einwanderern und Flüchtlingen gemeint. 2017 haben Forscher im Auftrag der "Bertelsmann Stiftung" Menschen dazu befragt, wie sie die Willkommenskultur bei Behörden und in der Bevölkerung einschätzen. Die repräsentative Studie zeigt:

  • Rund drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass Einwanderer und Flüchtlinge von den Behörden willkommen geheißen werden (Einwanderer: 77 Prozent; Flüchtlinge: 73 Prozent).QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", Seite 8
  • Die Haltung der Bevölkerung schätzen die Befragten etwas negativer ein: 70 Prozent vermuten, dass die Bevölkerung Einwanderern gegenüber wohlwollend eingestellt ist. Gegenüber Flüchtlingen gehen nur 59 Prozent der Befragten von einer positiven Haltung aus.QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", S. 8
  • Menschen in den neuen Bundesländern schätzen die Haltung der Bevölkerung positiver ein als Menschen in den alten Bundesländern. So gehen im Westen knapp drei Viertel der Befragten davon aus, dass die Gesellschaft gegenüber Einwanderern aufgeschlossen ist, im Osten ist es nur etwa die Hälfte. Noch deutlicher zeigt sich der Unterschied bei den Einschätzungen zu Geflüchteten: In den neuen Bundesländern glauben lediglich 33 Prozent, diese seien in der Bevölkerung willkommen, in den alten Ländern sind es fast doppelt so viele (65 Prozent).QuelleUmfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (2017): "Willkommenskultur im 'Stresstest'", S. 10

Die ZuGleich-Studie des "Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung" der Universität Bielefeld kam 2016 zu dem Ergebnis, dass die Vorbehalte gegen eine "Willkommenskultur" gewachsen sind. Im Jahr 2013/2014 sprachen sich noch 40 Prozent der Befragten für eine Willkommenskultur. 2016 waren es nur noch 32 Prozent. Dabei stehen Befragte aus Einwandererfamilien der Willkommenskultur grundsätzlich offener gegenüber als Befragte ohne Migrationshintergrund. QuelleZuGleich-Studie 2015/16 des Instituts für interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung der Universität Bielefeld, gefördert von der Stiftung Mercator. Zum Vgl. Kurzbericht von 2016, Seite 3f.

Umfragen: Gehört der Islam zu Deutschland?

"Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

Mit diesem Statement erregte 2010 der damalige Bundespräsident Christian Wulff viel Aufmerksamkeit. Der letzte Satz, dem sich mittlerweile auch Bundeskanzlerin Angela Merkel angeschlossenIm Rahmen eines Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am 12. Januar 2015 in Berlin sagte Merkel: "Der frühere Bundespräsident Wulff hat gesagt, der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch." hat, ist zum Meinungsindikator geworden: Immer wieder wird er in Umfragen genutzt, um die Stimmung der Bevölkerung zu ermitteln.

Das SVR-Jahresgutachten 2016 zeigt: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten ohne Migrationshintergrund stimmte der Aussage "Der Islam ist ein Teil Deutschlands" gar nicht oder eher nicht zu.QuelleSVR-Jahresgutachten 2016, S. 41

2015 ergab eine Umfrage des Instituts YouGov, dass nur 23 Prozent der Befragten "voll und ganz" oder "eher" der Meinung sind, der Islam gehöre zu Deutschland. 72 Prozent sind demnach der Auffassung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört.

Im November 2014 kam eine Emnid-Umfrage für den "Religionsmonitor" der Bertelsmann Stiftung zu folgenden Ergebnissen: Während im Jahr 2012 bereits 57 Prozent der Bevölkerung der Meinung waren, der Islam passe nicht in die westliche Welt, denken das Ende 2014 sogar 61 Prozent. Das vorherrschende Negativbild übertrage sich bei vielen auch auf das Bild der Muslime: Fast jeder zweite der rund 950 Befragten fühlt sich demnach durch Muslime "wie ein Fremder im eigenen Land".QuelleSonderauswertung Islam des Religionsmonitors der Bertelsmann-Stiftung, veröffentlicht im Januar 2015

In einer Sonderauswertung der Ergebnisse der "ZuGleich"-Studie zum Thema "Gehört der Islam zu Deutschland" betonen die Forscher: Die Ergebnisse hängen erheblich davon ab, wie die Fragestellung lautet. So kehren sich die Verhältnisse um, wenn nicht nach der Zugehörigkeit des Islams in die deutsche Gesellschaft gefragt werde, die nach der "vorherrschenden Meinung christlich-jüdisch geprägt" sei, sondern nach der Anerkennung der Religion. 57 Prozent der Bevölkerung stimmen demnach der Aussage zu: "Der Islam sollte als Religionsgemeinschaft genauso anerkannt werden wie die evangelische oder katholische Kirche."QuelleGehört der Islam zu Deutschland? Sonderauswertung der Ergebnisse unter der nicht-muslimischen Bevölkerung aus der Studie "ZuGleich - Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit", 2015, Universität Bielefeld, Seite 3

Wie sind die Meinungen in Deutschland zum Kopftuch?

Laut einer repräsentativen Umfrage von TNS-Infratest ist es 62 Prozent der Befragten "egal", ob muslimische Frauen in Deutschland Kopftücher tragen, rund ein Drittel findet es "nicht gut". An der Studie im Auftrag des baden-württembergischen Integrationsministeriums nahmen im Januar 2014 rund 750 Menschen in Baden-Württemberg und weitere 750 aus ganz Deutschland teil (Veröffentlichung: März 2015). Demnach sieht sowohl in Baden-Württemberg als auch in ganz Deutschland die Mehrheit das Tragen eines Kopftuchs deutlich gelassener, wenn es um "eher nicht-öffentliche Lebensbereiche" geht:

  • 80 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg und 78 Prozent in ganz Deutschland finden es bei Ärztinnen unproblematisch.
  • Etwas weniger Menschen denken so bei Erzieherinnen (62 Prozent aller Befragten) und Lehrerinnen (55 Prozent) mit Kopftuch.
  • Am wenigsten toleriert wird es offenbar für Medien: 50 Prozent finden Nachrichtensprecherinnen mit Kopftuch "nicht gut" (45 Prozent: "egal", fünf Prozent: "gut").

Mit der Einstellung der Bevölkerung gegenüber Lehrerinnen mit Kopftuch befassen sich zwei weitere Studien:

  • Laut einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2016 finden 57 Prozent der Bevölkerung, muslimische Lehrerinnen sollten in der Schule kein Kopftuch tragen dürfen. Die Ablehnung gilt aber auch weiteren religiösen Symbolen. So sind beispielsweise 56 Prozent dagegen, dass christliche Lehrer im Priestergewand unterrichten.Quelle Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: "Akzeptanz religiöser und weltanschaulicher Vielfalt in Deutschland" (2016), S. 11f.
  • Die Studie "Deutschland Postmigrantisch II" des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) von 2015 zeigt eine größere Offenheit bei der jüngere Generation: 71 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in Deutschland meinen, dass Lehrerinnen das Recht zugestanden werden soll, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Bei älteren Erwachsenen denkt demnach knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten so.Quelle Studie des BIM: "Deutschland postmigrantisch II" (2015), S. 8.

Wie zufrieden sind Einwanderer in Deutschland?

2013 wurde im "Glücksatlas" erstmals die Zufriedenheit von Einwanderern und ihren Nachkommen erhoben. Daraus geht hervor: Die Migrationshintergründler sind ziemlich zufrieden mit ihrem Leben in Deutschland, so zufrieden wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (6,9 auf einer Skala von 0 bis 10). Dabei sind Menschen, die selbst eingewandert sind, im Durchschnitt weniger einverstanden mit ihrer Situation, während ihre Nachkommen überdurchschnittlich zufrieden sind. Der MEDIENDIENST hat die Ergebnisse in einem Artikel zusammengefasst.

Auch die SOEP-Migrationsstichprobe von 2014 kommt zu diesem Ergebnis: Menschen aus Einwandererfamilien sind insgesamt genauso zufrieden wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. Das Wohlbefinden hängt offenbar stark damit zusammen, in welchem Maß Einwanderer und ihre Nachkommen "soziale Kontakte zu Menschen ohne Migrationshintergrund unterhalten", sprich: am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilhaben.QuelleIAB-SOEP-Migrationsstichprobe von 2014, Seite 29

Eine internationale Studie des US-amerkianischen Think-Tanks "Brookings Institution" betont die Bedeutung der Zufriedenheit von Zuwanderern für die Gesamtgesellschaft. Sie kommt zu dem Schluss, dass Migration zu einem höheren Einkommen führt; vor allem aber auch eine höhere Lebenszufriedenheit und mehr wahrgenommene Freiheiten für Zuwanderer bringt.