Flüchtlingsmigration 07.10.2016

Was ist dran an den Ängsten in der Bevölkerung?

Terroranschläge, Staatsverschuldung, Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt: Mehrere Umfragen zeigen, dass Menschen in Deutschland wegen des Zuzugs von Flüchtlingen beunruhigt sind. Der MEDIENDIENST hat die "größten" Ängste recherchiert und ihnen Zahlen, Statistiken und Studien gegenübergestellt. Das Ergebnis: Schaut man sich die Fakten an, erscheinen viele Sorgen übertrieben.



Halten die verbreitetsten Ängste in der Bevölkerung einem Realitätscheck stand? Um das herauszufinden, hat der MEDIENDIENST INTEGRATION in einem Informationspapier zusammengetragen, welche Ängste in Umfragen am häufigsten genannt werden. Und was Forschung und offizielle Statistiken dazu sagen.

Folgende Ängste haben wir untersucht:

  • "Flüchtlinge nehmen Einheimischen die Jobs weg."
  • "Die Sozialausgaben steigen."
  • "Der Zuzug von Flüchtlingen ist schlecht für die deutsche Wirtschaft."
  • "Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte steigt."
  • "Die Gefahr von Terroranschlägen nimmt zu."
  • "Die Kriminalität nimmt zu."
  • "Die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt wird größer."
  • "Die Qualität des Schulunterrichts sinkt."
  • "Die Behörden sind überfordert."
  • "Der Einfluss des Islams wird zu stark."

Der Fakten-Check zeigt unter anderem: Es ist nicht damit zu rechnen, dass Arbeitnehmer durch Flüchtlinge "in größerem Umfang" verdrängt werden. Ökonomen gehen zudem nicht von wirtschaftlichen Verlusten durch die Flüchtlingsmigration aus. Experten des "Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung" prognostizieren sogar, dass die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen langfristig dazu führen wird, dass alteingesessene Arbeitnehmer im Schnitt etwa 0,5 Prozent mehr verdienen als zuvor.

Nimmt die Kriminalität in Deutschland zu? Nein, sagen offizielle Statistiken. 2015 wurden bundesweit rund 6 Millionen Straftaten registriert (ohne ausländerrechtliche Verstöße). Das entspricht dem Niveau der Vorjahre. Die Zahl der Straftaten, bei denen Personen mit Bezug zum Asylverfahren verdächtigt wurden, ist rückläufig: Von Januar bis Juni 2016 sank sie um mehr als ein Drittel.

Weitere Hintergrundinformationen dazu und zu den anderen genannten Ängsten finden Sie im INFORMATIONSPAPIER.

Von Jennifer Pross