SVR-Integrationsbarometer 12.04.2016

Was denkt die Bevölkerung über Geflüchtete?

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung will eine schnelle Integration von Flüchtlingen. Gleichzeitig wächst die Angst, dass Asylbewerber eine Bedrohung für den Wohlstand darstellen könnten. Das zeigt eine Umfrage des "Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration". Der MEDIENDIENST hat die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.



Integrationsbarometer: 90 Prozent der Befragten wollen, dass Flüchtlinge früh Zugang zu Integrationsmaßnahmen haben. Foto: dpa

Regelmäßig befragt der "Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration" (SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. ) Menschen mit und ohne MigrationshintergrundWer die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt oder mindestens einen Elternteil hat, bei dem das der Fall ist, hat einen "Migrationshintergrund". Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2015 zu ihrer Meinung über Entwicklungen in der Einwanderungsgesellschaft. Für das diesjährige "Integrationsbarometer" wurden unter anderem Einstellungen gegenüber Flüchtlingen erhoben. Die Befragung umfasste drei Themen: die Integration von Geflüchteten, ihre Unterbringung in der eigenen Wohngegend und mögliche Gefahren für den Wohlstand in Deutschland.

Integration für alle Flüchtlinge? Mehr als 90 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, allen Geflüchteten früh Zugang zu Integrationsangeboten zu gewähren – unabhängig davon, ob sie gute Aussichten haben, zu bleiben. Bislang dürfen nur anerkannte FlüchtlingeIn der Debatte wird der Begriff generell für Menschen verwendet, die aus ihrer Heimat geflohen sind. In der offiziellen Amtssprache gilt man jedoch erst als Flüchtling, wenn der Asylantrag erfolgreich war und man Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten hat (Synonym: "anerkannter Flüchtling"). Will man es also genau nehmen, kann man für die allgemeine Gruppe die Begriffe "Geflüchtete" oder "Schutzsuchende" verwenden. und AsylbewerberJemand gilt erst als Asylbewerber, wenn er oder sie bereits einen Asylantrag gestellt hat, über den aber noch nicht entschieden wurde. Zuständig für die Prüfung ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Nach der Einreise werden Flüchtlinge zuerst im EASY-System registriert. Bis zum Antrag gilt man dann für die Behörden als "Asylbegehrender" oder "Asylsuchender". Quelle: Mediendienst Integration. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration mit "guter Bleibeperspektive" an Integrationskursen teilnehmen.

Unterbringung in der Nachbarschaft? Die meisten Befragten sehen es nicht als Problem an, wenn Asylbewerber in der eigenen Wohngegend untergebracht würden. Von den Befragten ohne Migrationshintergrund äußerten lediglich 22 Prozent Vorbehalte, bei den Befragten aus Einwandererfamilien lag der Anteil etwas höher. Anders fällt die Einschätzung der eigenen Nachbarschaft aus: In fast allen Gruppen ging etwa die Hälfte davon aus, dass ihre Nachbarn keine Asylbewerber in der Umgebung haben wollen.

Asylbewerber als "Bedrohung" für den Wohlstand?

Der SVR fragte auch, wer Asylbewerber als "Bedrohung" für den Wohlstand wahrnimmt. Hier gab es deutlichere Unterschiede zwischen den Befragten mit und ohne Migrationshintergrund: Während in der Mehrheitsbevölkerung knapp 30 Prozent von einer solchen Bedrohung ausgingen, war es bei Spätaussiedlern und Türkeistämmigen jeweils etwa die Hälfte der Befragten.

Laut SVR hat die Angst vor wirtschaftlichen Belastungen durch Flüchtlinge im letzten Jahr zugenommen – vor allem bei den Befragten ohne Migrationshintergrund. Während im März 2015 noch rund 20 Prozent eine Bedrohung für den Wohlstand befürchteten, waren es im Frühjahr 2016 bereits mehr als 40 Prozent.

Die Befragung zeigt auch: Geringqualifizierte und wirtschaftlich schlechter Gestellte neigen eher dazu, Asylbewerber als Gefahr für den Wohlstand zu sehen. Von den Befragten ohne Migrationshintergrund, die mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden sind, äußerten 25 Prozent diese Sorge. Bei den wirtschaftlich schlechter Gestellten waren es mehr als 50 Prozent.

Zur Methodik: Der SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. befragte zwischen März und August 2015 rund 5.400 Menschen in Deutschland zu ihren Einstellungen gegenüber Flüchtlingen. An einer Zusatzbefragung im Februar 2016 nahmen über 900 Personen teil.

Von Jennifer Pross