Bildung

Fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
– knapp 80 Prozent davon sind Deutsche. Doch welche Daten liegen über diese Gruppe(n) überhaupt vor? Wie sind ihre Startbedingungen und wie wirkt sich das auf ihre Bildungschancen aus?

Vor der Schule

Soziale Lage von Kindern aus Einwandererfamilien

In Deutschland ist ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und den Bildungschancen nachweisbar. Kinder mit Migrationshintergrund leben häufiger in Familien mit geringem Einkommen. Laut MikrozensusStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 314 leben rund ein Drittel der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund in Familien, die von Armut gefährdet sind. Und: Eltern mit Migrationshintergrund haben im Schnitt niedrigere Bildungsabschlüsse und sind häufiger erwerbslos.

Aus dem Mikrozensus 2015 geht zudem hervor, dass selbst ein guter Schulabschluss nicht unbedingt vor Armut schützt:

  • So bleibt die ArmutsgefährdungsquoteDefiniert den Anteil der Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung beträgt. bei Menschen aus Einwandererfamilien selbst dann hoch (21 Prozent), wenn sie Abitur haben.
  • Sie liegt damit sogar deutlich höher als bei Hauptschulabsolventen ohne Migrationshintergrund (16 Prozent).QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 307

Frühkindliche Bildung – wie wichtig ist sie?

Frühkindliche Bildung meint die institutionelleZu den wichtigsten Angeboten der frühkindlichen Bildung gehören Einrichtungen wie Kindergärten, -tagesstätten und -krippen und die Kindertagespflege bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater. Bildung von Kindern von ihrer Geburt bis zum Schulalter. Nach dem "PISA-Schock"Die erste PISA-Studie von 2001 bescheinigte den Schülern in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Staaten ein schlechtes Abschneiden. Zudem stellte sie einen überdurchschnittlich hohen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung fest." setzte sich in Politik, Wissenschaft und Medien die FormelSiehe hierzu etwa Artikel "Herkunft und Bildungserfolg von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter", in: Sonderheft der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Band 24, 2014, S. 98f durch: Je früher der Eintritt ins Bildungssystem, desto größer die Chance auf einen späteren Bildungserfolg.

So fasst etwa der SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. zusammen: Wenn Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr eine Krippe besucht haben, vergrößert sich die statistische Wahrscheinlichkeit, später ein Gymnasium zu besuchen, um fast 40 Prozent. Bei Kindern mit Migrationshintergrund erhöhe sie sich sogar um rund 55 Prozent. Besonders Kinder, die zuhause kein Deutsch lernen, könnten von einem frühen Kitabesuch profitieren.QuelleSVR Jahresgutachten 2010, S. 153f; SVR Jahresgutachten 2012, S. 68, 70f; Policy Brief des SVR-Forschungsbereichs "Hürdenlauf zur Kita", 2013, S. 3, 5

Einige ForscherSiehe hierzu etwa Artikel "Herkunft und Bildungserfolg von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter", in: Sonderheft der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Band 24, 2014, S. 111. kritisieren: Frühkindliche Bildung wirke nicht per se, sondern nur, wenn sie qualitativ hochwertig und der Betreuungsschlüsselalso wie viele Erzieher für wie viele Kinder zur Verfügung stehen gut sei. Andere betonen, dass der Bildungsauftrag den Schulen und nicht den Kindertagesstätten obliege.

Wie viele Kinder im Vorschulalter haben einen Migrationshintergrund?

Der Anteil der Kinder mit MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
in Deutschland nimmt zu. 2015 kamen 1,24 Millionen und damit rund ein Drittel der unter Fünfjährigen aus Einwandererfamilien.QuelleStatistisches Bundesamt: Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2015, S. 36

Dabei gibt es jedoch große regionale Unterschiede. So haben in einigen westdeutschen Ballungzentren bereits mehr als die Hälfte der unter Sechsjährigen eine Migrationsgeschichte. In Frankfurt am Main sind es sogar 75 Prozent – wie eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2011 zeigt.QuelleStatistisches Bundesamt: Bevölkerung nach Migrationsstatus regional, Ergebnisse des Mikrozensus 2011, erschienen 2013, S. 10-36

Wie viele Kinder mit Migrationshintergrund besuchen eine Kita?

Seit dem 1. August 2013 besteht für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ein RechtsanspruchSiehe hierzu Sozialgesetzbuch § 24 SGB VIII und Eintrag "Das Kinderförderungsgesetz (KiföG)" auf der Website des Bundesfamilienministeriums auf einen Betreuungsplatz in einer öffentlich geförderten Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege. Das gilt unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind oder nicht.

Kleinkinder aus Einwandererfamilien werden insgesamt seltener außer Haus betreut. Von den unter Dreijährigen besuchten im Jahr 2015:

  • rund 38 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund und
  • rund 22 Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund eine Kindertagesstätte oder wurden von einer Tagesmutter betreut.

Insgesamt hat sich die Betreuungsquote der unter Dreijährigen zwischen 2013 und 2015 erhöht: Bei Kindern ohne Migrationshintergrund von 35 auf 38, bei Kindern mit Migrationshintergrund steig sie von 17 auf 22 Prozent.QuelleAutorengruppe Bildungsberichterstattung, "Bildung in Deutschland 2016", Tab. H2-1A, S.326

Bei den Drei- bis unter Sechsjährigen war der Unterschied im Jahr 2015 geringer:

  • 97 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund
  • und 90 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund nahmen einen Betreuungsplatz in Anspruch.QuelleAutorengruppe Bildungsberichterstattung, "Bildung in Deutschland 2016", Tab. H2-1A, S.326ff.

Wieso gehen Kinder aus Einwandererfamilien seltener in eine Kita?

Die Betreuungsquote hängt weniger mit der Herkunft der Eltern als mit ihrem Bildungsstand zusammen, wie Daten aus dem Bildungsbericht 2014 zeigen:

  • Mehr als 30 Prozent der Kinder unter drei Jahren von Eltern mit (Fach-)Hochschulreife besuchten im Jahr 2012 eine Kita oder Tagesmutter.
  • Bei Kindern, deren Eltern einen Hauptschulabschluss hatten, traf dies nur auf knapp 20 Prozent zu.QuelleAutorengruppe Bildungsberichterstattung, "Bildung in Deutschland 2014", S. 56; Tab. C3-8

Auch einer Untersuchung des SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. -Forschungsbereichs zufolge ist der Bildungsstand entscheidender als der Migrationshintergrund:

  • Nur Eltern, die selbst eingewandert sind und wenig Erfahrung mit dem deutschen Bildungssystem haben, betreuten ihre Kleinkinder oft zuhause.
  • Bei allen anderen Eltern hänge die Betreuungsquote vor allem mit der Schulbildung zusammen.QuellePolicy Brief des SVR-Forschungsbereichs "Hürdenlauf zur Kita", 2013, S. 3-4, 7.

In der Schule

Wie hoch ist der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund?

Im Jahr 2015 hatte in Deutschland rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
. 85 Prozent von ihnen waren hier geboren, 76 Prozent hatten den deutschen Pass.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 36, eigene Auswertung

Zahlen zur "Bildungsbeteiligungsquote" bietet der BildungsberichtAutorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2016, Tabelle B4-6web von 2016. Für die 16- bis 30-Jährigen, die demnach im Jahr 2014 in der Schule oder in einer Ausbildung waren, zeigt sich Folgendes:

  • Der Anteil der Schüler mit und ohne Migrationshintergrund in der gymnasialen Oberstufedie zum Abitur, zur Fachhochschulreife oder zum Fachabitur führt ist nahezu gleich: 7,5 Prozent der jungen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und 8,3 Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund versuchen, das Gymnasium abzuschließen.
  • Das gilt auch für die beruflichen Schulen: 18,8 Prozent ohne und 18,1 Prozent mit Migrationshintergrund sind hier zu finden.
  • Auch in den Hochschulen ist der Anteil nahe beieinander: 18,2 Prozent ohne und 15,7 Prozent mit Migrationshintergrund besuchen diese.

Welche Schulabschlüsse werden erreicht?

Zu den Schulabschlüssen liegen Zahlen zu verschiedenen Bevölkerungs- und Altersgruppen vor, die jedoch nicht miteinander vergleichbar sind, da sie jeweils unterschiedliche Ausschnitte abbilden. Zwar hat die Kultusministerkonferenz (KMK) 2003 beschlossen, den "MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
" in der Schulstatistik zu erfassen, doch bisher hat nur ein Teil der Bundesländer diesen Beschluss umgesetzt. In einigen Bundesländern werden weiterhin nur Daten für ausländischeNur Schüler ohne deutschen Pass. Diejenigen mit deutschem Pass fallen in der Schulstatistik unter die Gruppe der deutschen Schüler. Siehe etwa Statistisches Bundesamt: Schulstatistik, Ausländische Schüler/innen nach Schularten für die Jahrgänge 2011/12 und 2012/13. und deutsche Schüler aufgeführt, der "Migrationshintergrund" ist also weiterhin keine Kategorie der bundesweiten Schulstatistik. Deshalb kann man etwa keine Angaben zum Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in einem Jahrgang machen.

Bezogen auf die gesamte Bevölkerung und differenziert nach MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
zeigt sich für 2015 folgendes Bild:

Betrachtet man nur die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 2012 ihren Abschluss gemacht haben, ergibt sich (in Prozent der Wohnbevölkerung im jeweils typischen Abschlussalteralso 15-17, 16-18 und 18 bis 21 Jahre und unterschieden nach Deutschen und AusländernPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF):

  • Rund 22 Prozent der deutschen und rund 40 Prozent der ausländischen Schüler gingen mit Hauptschulabschluss ab.
  • 55 Prozent der deutschen und 50 Prozent der ausländischen Jugendlichen erlangten einen Mittleren Schulabschluss.
  • 17 Prozent der deutschen und 11 Prozent der ausländischen Schüler verließen die Schule mit Fachhochschulreife.
  • 44 Prozent der deutschen und 16 Prozent der ausländischen Schüler machten Abitur und
  • 5 Prozent der deutschen und 12 Prozent der ausländischen Jugendlichen verließen die Schule ohne Hauptschulabschluss.Quelle10. Lagebericht der Integrationsbeauftragen der Bundesregierung, S. 94; Berechnungen nach Bildungsbericht 2014, Tab. D7-6web.

Entwicklung der Schulabschlüsse

Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich der Schulerfolg junger Menschen mit MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
verbessert hat. Es werden mehr mittlere und höhere Abschlüsse (Fachhochschulreife und Abitur) erreicht als noch vor einigen Jahren. Die Zahl derjenigen, die die Schule ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss verlassen, hat abgenommen.

Die Entwicklung bei den erlangten Schulabschlüssen verläuft zwar auch bei den Schülern ohne Migrationshintergrund ähnlich, fällt bei denen mit Migrationshintergrund nach Mikrozensus-Daten aber zum Teil deutlicher aus:

  • Der Anteil der Absolventen mit Hauptschulabschluss sank in der Gruppe ohne Migrationshintergrund zwischen 2005 und 2012 um 8,2 Prozentpunkte. Bei Schülern mit Migrationshintergrund nahm er um 14 Prozentpunkte ab.
  • Die Zahl derjenigen mit mittlerem Schulabschluss sank bei Schülern ohne Migrationshintergrund um 2 Prozentpunkte. Bei den Schülern aus Einwandererfamilien hingegen stieg sie um 5,7 Prozentpunkte.
  • Im Jahr 2012 erlangten 7,8 Prozentpunkte mehr Schüler ohne Migrationshintergrund die (Fach)hochschulreife als 2005. Bei denjenigen mit Migrationshintergrund steigerte sich die Zahl im selben Zeitraum um 4,4 Prozentpunkte.Quelle10. Lagebericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, 2014, Tabelle 9, S. 64, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, Sonderauswertung des Mikrozensus.

Für junge Menschen ohne Abschluss liegen unterschieden nach Migrationshintergrund erst ab 2008 Daten aus dem Mikrozensus vor. Dabei zeigt sich: Im Jahr 2008 verließen in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen aus Einwandererfamilien noch 18,7 Prozent die Schule ohne Abschluss. Bis 2012 sank dieser Anteil auf 14,9 Prozent (bei den Schülern ohne Einwanderungskontext sank er von 10,8 auf 8,2 Prozent).Quelle10. Lagebericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, 2014, Tabelle 9, S. 96, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, Sonderauswertung des Mikrozensus.

Segregation in deutschen Schulen

Von Segregation spricht man meist bei Schulklassen oder ganzen Schulen, in denen überwiegend Kinder aus Einwandererfamilien lernen. Ab welchem Anteil eine Schule oder Klasse als segregiert gilt, ist nicht allgemein definiert. Der SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. -Forschungsbereich verstehtSiehe Studie "Segregation an deutschen Schulen – Ausmaß, Folgen und Handlungsempfehlungen für bessere Bildungschancen", 2013, S. 7 darunter Einrichtungen, an denen mehr als 50 Prozent der Kinder einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
haben. Schülergruppen, in denen der Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien besonders niedrig ist, werden dagegen meist nicht als segregiert bezeichnet.

Einige Bildungsforscher kritisieren: Der Fokus auf den Migrationshintergrund lässt aus dem Blick, dass neben der kulturellen Herkunft auch die soziale Schicht bei der Segregation eine Rolle spielt. So wird das Phänomen Segregation "kulturalisiert".QuelleSiehe hierzu etwa Juliane Karakayali/Birgit zur Nieden, "Rassismus und Klassenraum. Segregation nach Herkunft an Berliner Grundschulen", erschienen in sub/urban – Zeitschrift für kritische Stadtforschung 2013, Heft 2, S. 61-78

Die wenigen Studien zur schulischen Segregation beziehen sich vor allem auf staatliche Grundschulen. Diese sind in der Regel nicht frei wählbar, die Schüler werden von den Behörden einer Grundschule in der Nähe ihres Wohnortes zugewiesen ("Einzugsschule"). Dennoch ist bekannt, dass viele Einzugsschulen nicht die kulturelle (und soziale) Mischung des Wohnviertels widerspiegeln. Analysen"Segregation an Grundschulen – Der Einfluss der elterlichen Schulwahl", 2012, und "Segregation an deutschen Schulen – Ausmaß, Folgen und Handlungsempfehlungen für bessere Bildungschancen", 2013 des SVR-Forschungsbereichs und andere UntersuchungenSiehe hierzu etwa Juliane Karakayali/Birgit zur Nieden: "Rassismus und Klassenraum. Segregation nach Herkunft an Berliner Grundschulen", erschienen in sub/urban – Zeitschrift für kritische Stadtforschung 2013, Heft 2, S. 61-78 zeigen:

  • Segregation wird oft durch die Eltern gefördert: Wenn sie Informationen über eine Schule einholen, fragen die meisten nach dem "Migrantenanteil". Ist dieser hoch, gehen viele Eltern von einem schlechten Lernniveau und einem problematischen Umfeld aus und versuchen, ihr Kind auf einer anderen Schule anzumelden. In Großstädten gelingt das immerhin rund zehn Prozent der Eltern.
  • Rund 41 Prozent der Grundschüler aus Einwandererfamilien werden an "segregierten" Schulen unterrichtet, an denen mehr als die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund haben.
  • Knapp 15 Prozent der Schüler in Deutschland lernen an Grundschulen ohne Mitschüler aus Einwandererfamilien.

InstitutionelleUnter institutioneller (oder struktureller) Diskriminierung werden ungerechtfertigte Ungleichbehandlung verstanden, die in Handlungsroutinen, Vorschriften, Normen, Gesetzen oder der Infrastruktur angelegt sind und von Institutionen und Behörden befürwortet werden. Dabei handelt es sich nicht um Diskriminierung gegenüber Einzelpersonen, sondern pauschal gegenüber Gruppen. Beispiel: Selektionsmechanismen im Bildungsbereich, trotz formaler Gleichbehandlung.QuelleDeutsches Institut für Menschenrechte, Unterrichtsmaterialien zur Menschenrechtsbildung, 2006, S. 2 Benachteiligungen verstärken die Segregation. Das gilt auch für weiterführendeSchulen, die nach der Grundschule besucht werden, wie Haupt- und Realschule oder Gymnasium Schulen, etwa wenn Schüler mit Migrationshintergrund dort nicht angenommen werden oder Schulleiter (teilweise auf Wunsch von Eltern) Klassen nach Herkunft einteilen. Zudem werden Schüler mit Migrationshintergrund oft weniger gefördert, erhalten bei gleicher Leistung schlechtere Noten und seltener eine Empfehlung für Realschule oder Gymnasium.

Was zeigen PISA und andere Schulvergleichs-Studien?

Die Ergebnisse der ersten PISA-Studie lösten 2001 in Deutschland den "PISA-Schock" aus. Im Vergleich zu vielen anderen OECD-Ländern schnitten die 15-Jährigen in Deutschland relativ schlecht ab. Zudem zeigte sich:

  • Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg ist in Deutschland besonders stark ausgeprägt.
  • Jugendliche aus Einwandererfamilien schnitten in allen Bereichen wesentlich schlechter ab als ihre Mitschüler.

Der Schwerpunkt der letzten Studie PISA 2012 lag auf Mathematik. Den Ergebnissen zufolge konnten Schüler mit MigrationshintergrundDie OECD zählt nur Schüler mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen zur Gruppe der Schüler mit Migrationshintergrund und unterteilt diese in die 1. Generation (beide Elternteile und Jugendlicher im Ausland geboren) und 2. Generation (beide Elternteile im Ausland geboren, Jugendlicher im Inland). Schüler mit nur einem im Ausland geborenen Elternteil haben demnach im Unterschied zur gängigen Definition keinen Migrationshintergrund. ihre Kompetenzen stetig verbessern und an die ihrer Mitschüler annähern. So konnten sich die 15-Jährigen aus Einwandererfamilien etwa in Mathematik seit 2003 um 24 Punkte steigern, was dem Lernfortschritt eines Schuljahres entspricht. Immer mehr Einwandererkinder gehen aufs Gymnasium: Im Jahr 2003 taten dies 16,4 Prozent aller 15-Jährigen mit Migrationshintergrund, im Jahr 2012 bereits 29,4 Prozent.QuelleErgebnisse der PISA-Studie 2012 für Deutschland, OECD 2013, S.298.

Auch die Ergebnisse von anderen Vergleichsstudien wie IGLU/TIMSS, der IQB- oder der Grundschul-Ländervergleich finden sich häufig in der Berichterstattung. Da jedoch sowohl die Testverfahren als auch die Definitionen des Migrationshintergrunds unterschiedlich sind, sind die Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar. Allerdings zeigen sie alle:

  • Die Leistungen von Schülern mit Migrationshintergrund haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert.
  • Es bestehen weiterhin signifikante Unterschiede zu Schülern ohne Migrationshintergrund.
  • Zwar haben Schüler aus sozial schwachen Familien häufiger Erfolg in der Schule, dennoch stehen ihre Chancen auf gute Bildungsabschlüsse weiterhin schlechter als etwa bei Kindern aus Akademikerfamilien.QuelleSiehe hierzu etwa Artikel des MDI zu Ergebnissen der IGLU- und TIMS-Studie 2011 und der PISA-Studie 2012.

Deutsche Bildungspolitik im internationalen Vergleich

Der "Migrant Integration Policy Index" (MIPEX) vergleicht die Integrationspolitik in 38 Staatenalle Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Australien, Kanada, Island, Japan, Südkorea, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz, die Türkei und die USA. Im Bereich Bildung wird untersucht, inwiefern die Teilhabechancen von Migranten und ihren Nachkommen gestärkt werden.

Im Index von 2015 erreicht Deutschland bei der Bildungspolitik 47 von 100 möglichen Punkten (MIPEX-Durchschnitt 40 Punkte) und belegt damit Platz 16 unter den 38 untersuchten Staaten. Damit konnte Deutschland im Vergleich zur Untersuchung von 2011siehe MIPEX-Index von 2011, S. 17 um einen Platz aufrücken.

Der MIPEX-Index 2015 kommt zu dem Ergebnis, dass im deutschen Schulsystem weiterhin eine Reihe von Problemen besteht: So unterstütze der Staat die Schulen nicht genug dabei, die soziale Integration und die Bildungschancen der ersten und zweiten Einwanderergeneration zu verbessern. Die gezielte Förderung von Schülern aus Einwandererfamilien sei in Deutschland schwächer ausgeprägt als etwa in den USA, Kanada oder den skandinavischen Ländern. Weiterhin wirke sich frühe Selektion und Verteilung auf unterschiedliche Schultypen hemmend auf die Erfolgschancen von Einwandererkindern aus.

Zu einem ähnlichen Urteil kommt der Antirassismus-Ausschuss der Vereinten Nationen (CERD). In einer Stellungnahme von 2015 empfiehlt er Deutschland, mehr für den Bildungszugang von Schülern mit Migrationshintergrund zu tun: das Niveau der Bildungsabschlüsse sollte gesteigert, die Abbruchquoten gesenkt werden. Schließlich sollte Deutschland stärker der Ausgrenzung und Segregation "ethnischer Minderheiten" im Schulsystem entgegenwirken, die stark mit der Diskriminierung im Wohnungs- und Erwerbsleben zusammenhänge.QuelleSchlussbemerkungen des CERD zum 19. bis 22. periodischen Bericht der Bundesrepublik Deutschland, Mai 2015, Nichtamtliche Übersetzung des englischen Originals, S. 11

Wie steht es um die Chancengleichheit an deutschen Schulen?

In Sachen BildungsgerechtigkeitAlso der Frage der gleichen Chancen für alle, unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft bekommt Deutschland im internationalen Vergleich schlechte Noten:

  • Bereits die erste PISADie PISA-Studien der OECD vergleichen international die Kompetenzen 15-jähriger Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen. Sie werden seit 2000 in dreijährigem Turnus in den meisten OECD- und anderen Partnerstaaten von den jeweiligen Regierungen durchgeführt. Quelle: OECD -Studie von 2001 zeigte: In keinem anderen OECD-Staat hängen die Leistungen der Schüler stärker von der sozialen LageZu der Faktoren wie der Beruf, Einkommen und Bildung zählen, siehe auch Unterpunkt "Soziale Lage von Kindern aus Einwandererfamilien" sowie "Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung 2013, S. 5f, 16; "Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung 2012, S. 80-82, 85f der Eltern ab als in Deutschland.
  • Die IGLUIGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) ist eine internationale Vergleichsstudie, die 2001, 2006 und 2011 die Lesestärke von Grundschülern getestet hat. Weitere Infos: Kultusministerkonferenz-Untersuchungen wiesen nach, dass Kinder aus ärmeren und bildungersferneren Familien bereits in der Grundschule schlechter abschneiden.
  • Lehrer sind dreimal so oft geneigt, ein Kind für das Gymnasium zu empfehlen, wenn es aus einer höheren sozio-ökonomischen Schicht kommt. Das früh selektierende, viergliedrige Schulsystem begünstigt die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund.QuellePrüfbericht der Anti-Rassismus-Kommission des Europarats (ECRI), 2013, S. 10; Policy Brief zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Ösnabrück, 2015, S. 4

Die soziale Schere klafft in Deutschland laut OECD besonders weit auseinander, soziale Unterschiede werden "weitervererbt": Nur 19 Prozent der jungen Erwachsenen erwerben einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern. Zum Vergleich: In anderen Industrieländern gelingt das im Schnitt 32 Prozent.QuelleOECD Bildung auf einen Blick, Ländernotiz Deutschland 2015

Welche Rolle spielt der Migrationshintergrund?

In den öffentlichen Debatten wird das schlechtere Abschneiden von Kindern und Jugendlichen aus Einwandererfamilien oft auf ihre mangelnden Deutschkenntnisse bzw. die Sprache, die sie zu Hause am meisten sprechen, zurückgeführt. Viele Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Deutschkenntnisse zu fördern. Bestimmte Muttersprachen hingegen wie etwa Türkisch oder Arabisch werden kaum gefördert und anerkannt.

Studien zeigen: Viele Menschen mit Migrationshintergrund verinnerlichen die vorherrschende "Defizitperspektive". Sie sehen ihre Herkunft nicht als Chance, sondern als Makel an. Diese Benachteiligungs- und Abwertungserfahrungen beeinträchtigen sie in ihrer Motivation, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Bildungserfolg.QuelleMitteilung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zur Studie "Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben", 2013; "Anti-Immigrant Propaganda by Radical Right Parties and the Intellectual Performance of Adolescents", Studie der Universität Linz, Zusammenfassung in Political Psychology 4/2012; Pressemitteilung zur Studie "Verlorene Jahre" der Universität Düsseldorf, 2013.

Für die schwierigeren Ausgangsbedingungen für Schüler mit Migrationshintergrund ist die soziale Lage der Familie nicht die einzige Erklärung. Auch das SchulsystemSiehe hierzu etwa Interview mit Frank-Olaf Radtke und Zwischenergebnisse einer Studie der Universität Düsseldorf, das sich nur langsam interkulturell öffnet und auf die Bevölkerungsstruktur im Einwanderungsland einstellt, spielt eine wichtige Rolle – ebenso wie politische Rahmenbedingungen.

Die Zahl der Untersuchungen über Diskriminierung im deutschen Bildungssystem ist überschaubar. Aktuelle Untersuchungen kommen zu folgenden Befunden:

  • Die Fähigkeiten und Ressourcen von Kindern aus türkischen und anderen Einwandererfamilien werden von der Grundschule bis zum Studium systematisch unterschätzt.QuellePressemitteilung zur Studie "Verlorene Jahre" der Universität Düsseldorf, 2013; siehe auch Policy Brief zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Ösnabrück, 2015, S. 2f
  • Der Erfolg in der Schule hängt oft stark vom einzelnen Lehrer ab – sowohl im negativen wie auch im positiven Sinnewenn sie sich besonders stark für einzelne Schüler einsetzen.QuellePressemitteilung zur Studie "Verlorene Jahre" der Universität Düsseldorf, 2013; Pressemitteilung zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Osnabrück, 2015
  • Lehrer sind dreimal so oft geneigt, ein Kind für das Gymnasium zu empfehlen, wenn es aus einer höheren sozio-ökonomischen Schicht kommt. Da Schüler mit Migrationshintergrund häufiger aus Familien mit geringerem Einkommen und Bildungsstand kommen, sind sie potentiell öfter davon betroffen.QuellePrüfbericht der Anti-Rassismus-Kommission des Europarats (ECRI), 2013, S 10.
  • Das viergliedrige SchulsystemGymnasium, Realschule, Hauptschule (bzw. die integrierte Gesamtschule für diese drei Schulformen gemeinsam) sowie Sonderschule ist stark selektierend und wirkt sich im Sinne institutioneller Diskriminierung Unter struktureller (oder institutioneller) Diskriminierung werden ungerechtfertigte Ungleichbehandlung verstanden, die in Handlungsroutinen, Vorschriften, Normen, Gesetzen oder der Infrastruktur angelegt sind und von Institutionen und Behörden befürwortet werden. Dabei handelt es sich nicht um Diskriminierung gegenüber Einzelpersonen, sondern pauschal gegenüber Gruppen. Beispiel: Selektionsmechanismen im Bildungsbereich, trotz formaler Gleichbehandlung. Quelle: Deutsches Institut für Menschenrechte Unterrichtsmaterialien zur Menschenrechtsbildung, 2006 auf die Schüler aus.Quelle"Diskriminierung im vorschulischen und schulischen Bereich", Expertise im Auftrag der ADS, 2014, S. 56; siehe dazu auch Policy Brief zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Ösnabrück, 2015, S. 4.

Wie wichtig ist Eltern mit Migrationshintergrund Bildung?

Einwanderern wird häufig unterstellt, dass sie sich nicht oder nicht genügend um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Bildung, Milieu & Migration" wurden 1.700 Eltern mit Migrationshintergrund zu ihrer Haltung in Bildungsfragen befragt. Den Ergebnissen von 2015 zufolge interessieren sie sich durchaus für die schulischen Leistungen ihrer Kinder:

  • Zwei Drittel der Eltern sagten, dass sie ihren Kindern mehr als eine halbe Stunde jeden Tag bei schulbezogenen Themen helfen.
  • Über 70 Prozent gaben an, ihre Kinder "immer" oder "häufig" bei den Hausaufgaben zu unterstützen.
  • Auch an Elternsprechtagen und Elternabenden nehmen demnach mit 84 beziehungsweise 87 Prozent die meisten Befragten teil.
  • 96 Prozent der Eltern stimmten der Aussage zu: "Bildung ist der wichtigste Schlüssel für ein gelungenes Leben."QuelleStudie der Stiftung Mercator und der Vodaphone Stiftung: "Große Vielfalt, weniger Chancen" 2015, S. 5f und S. 67

Die Studie zeigt auch, was die Eltern in Schulen vermissen:

  • Über 90 Prozent finden die "interkulturelle Kompetenz" von Lehrern wichtig. Doch nur 60 Prozent erklärten, sie in den Schulen ihrer Kinder vorzufinden.
  • Die überwiegende Mehrheit (86 Prozent) wünscht sich Beratung zu Förder- und Stipendienprogrammen für ihre Kinder. Nur ein Fünftel gab jedoch an, diese Informationen in der Schule zu bekommen.QuelleStudie der Stiftung Mercator und der Vodaphone Stiftung: "Große Vielfalt, weniger Chancen" 2015, S. 7

Wie werden Migration und Integration in Schulbüchern dargestellt?

Schulbücher bilden die Vielfalt in der deutschen Bevölkerung bisher nur unzureichend ab. So kommt die 2015 veröffentlichte "Schulbuchstudie Migration und Integration" im Auftrag der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung zu folgenden Ergebnissen:

  • Migration wird meist als Problem und Herausforderung dargestellt.
  • Integration Integration bezeichnet auf Lateinisch die Herstellung einer staatlichen, politischen oder wirtschaftlichen Einheit. Der Begriff wird allerdings sehr unterschiedlich verwendet. Einige verstehen darunter eine Bringschuld von Migranten und ihren Nachkommen, andere das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe aller Bürger. Der Mediendienst versteht unter "Integration" einen Prozess, an dem Einwanderer und Aufnahmegesellschaft gleichermaßen beteiligt sind. gilt als unbedingt notwendig für den sozialen Zusammenhalt, erscheint aber vor allem als Anpassungsleistung, die Menschen mit Migrationshintergrund zu erbringen hätten.
  • In den Texten und Aufgaben wird die Vielfalt in der Gesellschaft fast nie als Normalität abgebildet.
  • Zwar wird Deutschland als Einwanderungsland beschrieben, doch dabei geht man weiterhin von einer homogenen (deutschen) Gesellschaft aus, in die Menschen einwandern. Die Aufnahmegesellschaft wird nicht multikulturell dargestellt.
  • Schüler mit Migrationshintergrund werden meist als "Andere" markiert. So lautet beispielsweise eine Aufgabe: "Fragt eure ausländischen Mitschüler, was für sie Integration bedeutet."
  • Begriffe wie "MigrantDas Statistische Bundesamt definiert Migranten als Personen, die im Ausland geboren und nach Deutschland gezogen sind. Was viele nicht wissen: Rund die Hälfte aller Migranten sind inzwischen Deutsche (z.B. Spätaussiedler oder Eingebürgerte), die andere Hälfte besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Migranten sowie ihre Kinder und in bestimmten Fällen auch ihre Enkelkinder gelten als "Personen mit Migrationshintergrund". Quelle: Statistisches Bundesamt. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration", "MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
    ", "Fremder" oder "AusländerPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF" werden oft synonym und unkommentiert benutzt.QuelleSiehe auch Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse in Pressemitteilung des Georg-Eeckert-Instituts vom 17.3.2015 sowie in der "Schulbuchstudie Migration und Integration" S. 67-69.

Dies bestätigt die Befunde aus vorangehenden Untersuchungen: Einwanderer würden meist mit Ausländern gleichgesetzt und vor allem auf ihren Nutzen für die deutsche Wirtschaft reduziert. Muslime würden als außereuropäische "Andere" markiert, der "Islam" und das "moderne Europa" würden als unvereinbar dargestellt, wie eine Studie des Georg-Eckert-Institutes aus dem Jahr 2011 zeigt.