Bildung

Fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
– knapp 80 Prozent davon sind Deutsche. Doch welche Daten liegen über diese Gruppe(n) überhaupt vor? Wie sind ihre Startbedingungen und wie wirkt sich das auf ihre Bildungschancen aus?

Vor der Schule

Soziale Lage von Kindern aus Einwandererfamilien

In Deutschland ist ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und den Bildungschancen nachweisbar. Kinder mit Migrationshintergrund leben häufiger in Familien mit geringem Einkommen. Laut MikrozensusStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus, Fachserie 1 Reihe 2.2, 2014, S. 386 leben fast ein Drittel (rund 30 Prozent) der unter 18-Jährigen mit Migrationshintergrund in Familien, die von Armut gefährdet sind. Und: Eltern mit Migrationshintergrund haben im Schnitt niedrigere Bildungsabschlüsse und sind häufiger erwerbslos.

Aus dem Mikrozensus 2014 geht zudem hervor, dass selbst ein guter Schulabschluss nicht unbedingt vor Armut schützt:

  • So bleibt die ArmutsgefährdungsquoteDefiniert den Anteil der Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung beträgt. bei Menschen aus Einwandererfamilien selbst dann hoch (20 Prozent), wenn sie Abitur haben.
  • Sie liegt damit sogar deutlich höher als bei Hauptschulabsolventen ohne Migrationshintergrund (16 Prozent).QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus, Fachserie 1 Reihe 2.2, 2014, S. 387

Frühkindliche Bildung – wie wichtig ist sie?

Frühkindliche Bildung meint die institutionelleZu den wichtigsten Angeboten der frühkindlichen Bildung gehören Einrichtungen wie Kindergärten, -tagesstätten und -krippen und die Kindertagespflege bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater. Bildung von Kindern von ihrer Geburt bis zum Schulalter. In Folge des "PISA-SchocksDie erste PISA-Studie von 2001 bescheinigte den Schülern in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Staaten ein schlechtes Abschneiden. Zudem stellte sie einen überdurchschnittlich hohen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung fest." setzte sich in Politik, Wissenschaft und Medien die FormelSiehe hierzu etwa Artikel "Herkunft und Bildungserfolg von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter", in: Sonderheft der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Band 24, 2014, S. 98f sowie Eintrag "Mehr Bildungschancen für Kinder unter sechs Jahren" auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch: Je früher der Eintritt ins Bildungssystem, desto größer die Chance auf einen späteren Bildungserfolg.

So fasst etwa der SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. zusammen: Wenn Kinder bis zu ihrem dritten Lebensjahr eine Krippe besucht haben, vergrößert sich die statistische Wahrscheinlichkeit, später ein Gymnasium zu besuchen, um fast 40 Prozent. Bei Kindern mit Migrationshintergrund erhöhe sie sich sogar um rund 55 Prozent. Besonders Kinder, die zuhause nicht Deutsch lernen, könnten von einem frühen Kitabesuch profitieren.QuelleSVR Jahresgutachten 2010, S. 153f; SVR Jahresgutachten 2012, S. 68, 70f; Policy Brief des SVR-Forschungsbereichs "Hürdenlauf zur Kita", 2013, S. 3, 5

Einige ForscherSiehe hierzu etwa Artikel "Herkunft und Bildungserfolg von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter", in: Sonderheft der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Band 24, 2014, S. 111. kritisieren: Frühkindliche Bildung wirke nicht per se, sondern nur, wenn sie qualitativ hochwertig und der Betreuungsschlüsselalso wie viele Erzieher für wie viele Kinder zur Verfügung stehen gut sei. Andere betonen, dass der Bildungsauftrag den Schulen und nicht den Kindertagesstätten obliege.

Wie viele Kinder im Vorschulalter haben einen Migrationshintergrund?

Der Anteil der Kinder mit MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
in Deutschland nimmt zu. 2014 kamen fast 1,2 Millionen und damit rund ein Drittel der unter Fünfjährigen aus Einwandererfamilien.QuelleStatistisches Bundesamt: Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2014, S. 38; Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2014, S. 14

Dabei gibt es jedoch große regionale Unterschiede. So haben in einigen westdeutschen Ballungzentren bereits mehr als die Hälfte der unter Sechsjährigen eine Migrationsgeschichte. In Frankfurt am Main sind es sogar 75 Prozent – wie eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2011 zeigt.QuelleStatistisches Bundesamt: Bevölkerung nach Migrationsstatus regional, Ergebnisse des Mikrozensus 2011, erschienen 2013, S. 10-36

Wie viele Kinder mit Migrationshintergrund besuchen eine Kita?

Über Dreijährige haben einen RechtsanspruchSiehe hierzu Sozialgesetzbuch § 24 SGB VIII und Eintrag "Das Kinderförderungsgesetz (KiföG)" auf der Website des Bundesfamilienministeriums auf einen Betreuungsplatz in einer öffentlich geförderten Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflege. Für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr wurde er im August 2013 ebenfalls uneingeschränktAlso auch unabhängig davon, ob die Eltern berufstätig sind oder nicht. eingeführt.

Kleinkinder aus Einwanderfamilien werden insgesamt seltener außer Haus betreut. Von den unter Dreijährigen besuchten (vor der Einführung des Rechtsanspruchs):

  • rund 35 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund und
  • rund 17 Prozent derjenigen mit einem solchen eine Kindertagesstätte oder Tagesmutter.

Insgesamt hat sich die Betreuungsquote der unter Dreijährigen zwischen 2009 und 2013 erhöht: Bei Kindern ohne Migrationshintergrund von 25 auf 35, bei Kindern mit von 11 auf 17 Prozent.

Bei den Drei- bis unter Sechsjährigen ist der Unterschied geringer:

  • 98 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund
  • und 85 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund nahmen einen Betreuungsplatz in Anspruch. QuelleAutorengruppe Bildungsberichterstattung, "Bildung in Deutschland 2014", S. 56 sowie Tab. C3-4A, S. 244

Wieso gehen Kinder aus Einwandererfamilien seltener in eine Kita?

Bei allen Kindern hängt die Betreuungsquote weniger mit dem Migrationshintergrund als vielmehr mit dem Bildungsstand der Eltern zusammen:

  • Unter dreijährige Kinder von Eltern mit (Fach-)Hochschulreife besuchten 2012 zu mehr als 30 Prozent eine Kita oder Tagesmutter.
  • Hatten die Eltern einen Hauptschulabschluss, traf dies nur auf knapp 20 Prozent zu.QuelleAutorengruppe Bildungsberichterstattung, "Bildung in Deutschland 2014", S. 56

Auch einer Untersuchung des SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. -Forschungsbereichs zufolge ist der Bildungsstand entscheidender als die Migrationsbezüge:

  • Nur Eltern, die selbst eingewandert sind und wenig Erfahrung mit dem deutschen Bildungssystem haben, betreuten ihre Kleinkinder oft zuhause.
  • Bei allen anderen Eltern hänge die Betreuungsquote vor allem mit der Schulbildung zusammen.QuellePolicy Brief des SVR-Forschungsbereichs "Hürdenlauf zur Kita", 2013, S. 3-4, 7.

Die Chancengerechtigkeit bei der Verteilung der Kitaplätze hängt zudem vom jeweiligen Angebot in den Bundesländern ab. Benachteiligungen konnten bislang offenbar dadurch begünstigt werden, dass die Vergabe von den Trägern selbstverantwortlich vorgenommen wird und oft die Erwerbstätigkeit beider Elternteile als Kriterium herangezogen wurde.Quelle"Herkunft und Bildungserfolg von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter", in: Sonderheft der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, Band 24, 2014, S. 110; Autorengruppe Bildungsberichterstattung, "Bildung in Deutschland 2014", S. 56; SVR Jahresgutachten 2012, S. 72f; Bertelsmann-Stiftung: Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2011, Gütersloh, S. 9

In der Schule

Wie hoch ist der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund?

2014 hatte in Deutschland fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahren einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
. Rund 86 Prozent von ihnen waren hier geboren, rund 78 Prozent hatten den deutschen Pass.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus, Fachserie 1 Reihe 2.2, 2014, S. 38, eigene Auswertung

Zahlen zur "Bildungsbeteiligungsquote" bietet der BildungsberichtAutorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2014, S, 235. von 2014. Für die 16- bis 30-Jährigen, die demnach 2012 in der Schule oder einer Ausbildung waren, zeigt sich Folgendes:

  • Der Anteil der Schüler mit und ohne Migrationshintergrund in der gymnasialen Oberstufedie zum Abitur, zur Fachhochschulreife oder zum Fachabitur führt ist nahezu gleich: 7,6 Prozent der jungen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und acht Prozent derjenigen mit Migrationshintergrund versuchen, das Gymnasium abzuschließen.
  • Das gilt auch für die beruflichen Schulen: 18,6 Prozent ohne und 18,2 Prozent mit Migrationshintergrund sind hier zu finden.
  • Auch in den Hochschulen ist der Anteil nahe beieinander: 16 Prozent ohne und 14 Prozent mit Migrationshintergrund.

Wie ist die Datenlage zu Schülern aus Einwandererfamilien?

Über Kinder und Jugendliche "mit Migrationshintergrund", die oft als Problemgruppe wahrgenommen werden, gibt es nur lückenhafte Daten. Oft sind die vorliegen Daten auch nicht miteinander vergleichbar. Zwar hat die Kultusministerkonferenz (KMK) 2003 beschlossen, den "MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
" in der Schulstatistik zu erfassen, doch bisher hat nur ein Teil der Bundesländer diesen Beschluss umgesetzt. In einigen Bundesländern werden also bis heute nur Daten für ausländischeNur Schüler ohne deutschen Pass. Diejenigen mit deutschem Pass fallen in der Schulstatistik unter die Gruppe der deutschen Schüler. Siehe etwa Statistisches Bundesamt: Schulstatistik, Ausländische Schüler/innen nach Schularten für die Jahrgänge 2011/12 und 2012/13. und deutsche Schüler aufgeführt.

Bisweilen werden die Angaben zu ausländischen Schülern auf die Gesamtgruppe der Schüler mit Migrationshintergrund bezogen. Das kann zu falschen Interpretationen führen. So haben Auswertungen des Mikrozensus gezeigt, dass Schüler mit Migrationshintergrund, die einen deutschen Pass haben, deutlich besser abschneiden als ausländische Schüler. In manchen Herkunftsgruppen erzielten sie sogar bessere Ergebnisse als Deutsche ohne Migrationshintergrund.QuelleSiehe hierzu etwa 1. Integrationsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2008, S. 129-136; SVR Jahresgutachten 2010, S. 137.

Welche Schulabschlüsse werden erreicht?

Zu den Schulabschlüssen liegen Zahlen zu verschiedenen Bevölkerungs- und Altersgruppen vor, die jedoch nicht miteinander vergleichbar sind, da sie jeweils unterschiedliche Ausschnitte abbilden.

Bezogen auf die gesamte Bevölkerung und differenziert nach MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
zeigt sich für 2014 folgendes Bild:

  • Deutlich mehr Einwohner ohne (31 Prozent) als mit Migrationshintergrund (23 Prozent) haben einen Hauptschulabschluss.
  • Etwas mehr Einwohner ohne (26 Prozent) als mit Migrationshintergrund (24 Prozent) haben Abitur oder Fachhochschulreife.
  • Deutlich mehr Einwohner mit (10 Prozent) als ohne Migrationshintergrund (2 Prozent) haben keinen Schulabschluss.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus, Fachserie 1 Reihe 2.2, 2014, S. 50

Betrachtet man nur die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 2012 ihren Abschluss gemacht haben, ergibt sich (in Prozent der Wohnbevölkerung im jeweils typischen Abschlussalteralso 15-17, 16-18 und 18 bis 21 Jahre und unterschieden nach Deutschen und AusländernPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF):

  • Rund 22 Prozent der deutschen und rund 40 Prozent der ausländischen Schüler gingen mit Hauptschulabschluss ab.
  • 55 Prozent der deutschen und 50 Prozent der ausländischen Jugendlichen erlangten einen Mittleren Schulabschluss.
  • 17 Prozent der deutschen und 11 Prozent der ausländischen Schüler verließen die Schule mit Fachhochschulreife.
  • 44 Prozent der deutschen und 16 Prozent der ausländischen Schüler machten Abitur und
  • 5 Prozent der deutschen und 12 Prozent der ausländischen Jugendlichen verließen die Schule ohne Hauptschulabschluss.Quelle10. Lagebericht der Integrationsbeauftragen der Bundesregierung, S. 94; Berechnungen nach Bildungsbericht 2014, Tab. D7-6web.

Bezogen auf die Bevölkerung ab 15 Jahren und unterschieden nach Deutschen und AusländernPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF hatten 2011 in Deutschland:

  • mehr Deutsche (37 Prozent) als Ausländer (32 Prozent) einen Hauptschulabschluss,
  • mehr Deutsche (22 Prozent) als Ausländer (16 Prozent) einen Realschulabschluss,
  • mehr Ausländer (28 Prozent) als Deutsche (27 Prozent) die Fachhochschulreife oder das Abitur,
  • aber mit 19 Prozent auch wesentlich mehr Ausländer als Deutsche (2 Prozent) keinen allgemeinen Schulabschluss.QuelleStatistisches Bundesamt, Bildungsstand der Bevölkerung 2011, destatis, S. 25

Entwicklung der Schulabschlüsse

Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich der Schulerfolg junger Menschen mit MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
verbessert hat. So hat die Zahl derjenigen, die die Schule ohne Abschluss oder mit Hauptschulabschluss verlassen, abgenommen. Dafür werden mehr mittlere und höhere Abschlüsse (Fachhochschulreife und Abitur) erreicht.

Die Entwicklung bei den erlangten Schulabschlüssen verläuft zwar auch bei den Schülern ohne Migrationshintergrund ähnlich, fällt bei denen mit Migrationshintergrund aber zum Teil deutlicher aus:

  • Der Anteil der Absolventen mit Hauptschulabschluss sank in der Gruppe ohne Migrationshintergrund zwischen 2005 und 2012 um 8,2 Prozentpunkte. Bei Schülern mit Migrationshintergrund nahm er um 14 Prozentpunkte ab.
  • Die Zahl derjenigen mit mittlerem Schulabschluss sank bei Schülern ohne Migrationshintergrund um 2 Prozentpunkte. Bei den Schülern aus Einwandererfamilien hingegen stieg sie um 5,7 Prozentpunkte.
  • 2012 erlangten 7,8 Prozent mehr Schüler ohne Migrationshintergrund die Fachhochschulreife als noch 2005. Bei denjenigen mit Migrationshintergrund steigerte sich die Zahl im selben Zeitraum um 4,4 Prozentpunkte.Quelle10. Lagebericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, 2014, Tabelle 9, S. 66, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, Sonderauswertung des Mikrozensus.

Für Schüler ohne Abschluss liegen unterschieden nach Migrationshintergrund erst ab 2008 Daten aus dem Mikrozensus vor. Dabei zeigt sich: Verließen 2008 noch 18,7 Prozent der 15- bis 19-Jährigen aus Einwandererfamilien die Schule ohne Abschluss, sank dieser Anteil bis 2012 auf 14,9 Prozent (bei den Schülern ohne Einwanderungskontext sank er von 10,8 auf 8,2 Prozent).Quelle10. Lagebericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, 2014, Tabelle 9, S. 96, nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, Sonderauswertung des Mikrozensus.

"Segregation" in deutschen Schulen

Mit Segregation sind meist Schulklassen oder ganze Schulen gemeint, in denen überwiegend Kinder aus Einwandererfamilien zu finden sind. Ab welchem Anteil eine Schule oder Klasse "segregiert" ist, ist nicht allgemein definiert. Der SVR Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht deutschen Stiftungen als unabhängiges, wissenschaftliches Expertengremium für die Bereiche Migration und Integration ins Leben gerufen. Seine Aufgaben: Bestandsaufnahmen und Entwicklungsanalysen, kritische Politikbegleitung und Öffentlichkeitsarbeit. -Forschungsbereich verstehtSiehe Studie "Segregation an deutschen Schulen – Ausmaß, Folgen und Handlungsempfehlungen für bessere Bildungschancen", 2013, S. 7 darunter Einrichtungen, an denen mehr als 50 Prozent der Kinder einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
haben. Schülergruppen, in denen der Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien besonders niedrig ist, werden dagegen meist nicht als segregiert bezeichnet.

Einige Bildungsforscher kritisieren: Die Segregation nach kultureller Herkunft gehe oft mit einer Entmischung nach sozialer Herkunft einher. Dieser Aspekt werde durch den Fokus auf den "Migrationshintergrund" jedoch überlagert und das Phänomen damit "kulturalisiert".QuelleSiehe hierzu etwa Juliane Karakayali/Birgit zur Nieden, "Rassismus und Klassenraum. Segregation nach Herkunft an Berliner Grundschulen", erschienen in sub/urban – Zeitschrift für kritische Stadtforschung 2013, Heft 2, S. 61-78

Die wenigen Studien zur schulischen Segregation richten sich vor allem auf staatliche Grundschulen. Sie sind in der Regel nicht frei wählbar, die Schüler werden von den Behörden einer Grundschule in der Nähe ihres Wohnortes zugewiesen ("Einzugsschule"). Dennoch ist bekannt, dass viele Einzugsschulen nicht die kulturelle (und soziale) Mischung des Wohnviertels widerspiegeln. Analysen"Segregation an Grundschulen – Der Einfluss der elterlichen Schulwahl", 2012, und "Segregation an deutschen Schulen – Ausmaß, Folgen und Handlungsempfehlungen für bessere Bildungschancen", 2013 des SVR-Forschungsbereichs und andere UntersuchungenSiehe hierzu etwa Juliane Karakayali/Birgit zur Nieden: "Rassismus und Klassenraum. Segregation nach Herkunft an Berliner Grundschulen", erschienen in sub/urban – Zeitschrift für kritische Stadtforschung 2013, Heft 2, S. 61-78 zeigen:

  • Die Segregation von Schülern mit Migrationshintergrund wird oft durch die Eltern gefördert: Wenn sie Informationen über eine Schule einholen, fragen die meisten nach dem "Migrantenanteil". Ist dieser hoch, gehen viele Eltern von einem schlechten Lernniveau und einem problematischen Umfeld aus und versuchen, ihr Kind auf einer anderen Schule anzumelden. In Großstädten gelingt das immerhin rund zehn Prozent der Eltern.
  • Rund 41 Prozent der Grundschüler aus Einwandererfamilien werden an "segregierten" Schulen unterrichtet, an denen mehr als die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund haben.
  • Knapp 15 Prozent der Schüler in Deutschland lernen an Grundschulen ohne Mitschüler aus Einwandererfamilien.
  • InstitutionelleUnter institutioneller (oder struktureller) Diskriminierung werden ungerechtfertigte Ungleichbehandlung verstanden, die in Handlungsroutinen, Vorschriften, Normen, Gesetzen oder der Infrastruktur angelegt sind und von Institutionen und Behörden befürwortet werden. Dabei handelt es sich nicht um Diskriminierung gegenüber Einzelpersonen, sondern pauschal gegenüber Gruppen. Beispiel: Selektionsmechanismen im Bildungsbereich, trotz formaler Gleichbehandlung.QuelleDeutsches Institut für Menschenrechte, Unterrichtsmaterialien zur Menschenrechtsbildung, 2006, S. 2 Benachteiligungen verstärken die Segregation. Das gilt auch für weiterführendeSchulen, die nach der Grundschule besucht werden, wie Haupt- und Realschule oder Gymnasium Schulen, etwa wenn Schüler mit Migrationshintergrund dort nicht angenommen werden oder Schulleiter (teilweise auf Wunsch von Eltern) Klassen nach Herkunft einteilen. Zudem werden Schüler mit Migrationshintergrund oft weniger gefördert, erhalten bei gleicher Leistung schlechtere Noten und seltener eine Empfehlung für Realschule oder Gymnasium.

Was zeigen PISA und andere Schulvergleichs-Studien?

Die Ergebnisse der ersten PISA-Studie lösten 2001 in Deutschland den "PISA-Schock" aus. Im Vergleich zu vielen anderen OECD-Ländern schnitten die 15-Jährigen in Deutschland relativ schlecht ab. Zudem zeigte sich:

  • Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg ist in Deutschland besonders stark ausgeprägt.
  • Jugendliche aus Einwandererfamilien schnitten in allen Bereichen wesentlich schlechter ab als ihre Mitschüler.

Der Schwerpunkt der letzten Studie PISA 2012 lag auf Mathematik. Den Ergebnissen zufolge konnten Schüler mit MigrationshintergrundDie OECD zählt nur Schüler mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen zur Gruppe der Schüler mit Migrationshintergrund und unterteilt diese in die 1. Generation (beide Elternteile und Jugendlicher im Ausland geboren) und 2. Generation (beide Elternteile im Ausland geboren, Jugendlicher im Inland). Schüler mit nur einem im Ausland geborenen Elternteil haben demnach im Unterschied zur gängigen Definition keinen Migrationshintergrund. ihre Kompetenzen stetig verbessern und an die ihrer Mitschüler annähern. So konnten sich die 15-Jährigen aus Einwandererfamilien etwa in Mathematik seit 2003 um 24 Punkte steigern, was dem Lernfortschritt eines Schuljahres entspricht. Und ihr Anteil an Gymnasien hat sich seither fast verdoppelt: von 16,4 Prozent in 2003 auf 29,4 Prozent in 2012.QuelleErgebnisse der PISA-Studie 2012 für Deutschland, OECD 2013.

Auch die Ergebnisse von anderen Vergleichsstudien wie IGLU/TIMSS, der IQB- oder der Grundschul-Ländervergleich finden sich häufig in der Berichterstattung. Da jedoch sowohl die Testverfahren als auch die Definitionen des Migrationshintergrunds unterschiedlich sind, sind die Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar. Allerdings zeigen sie alle:

  • Die Leistungen von Schülern mit Migrationshintergrund haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert.
  • Es bestehen weiterhin signifikante Unterschiede zu Schülern ohne Migrationshintergrund.
  • Zwar haben Schüler aus sozial schwachen Familien häufiger Erfolg in der Schule, dennoch stehen ihre Chancen auf gute Bildungsabschlüsse weiterhin schlechter als etwa bei Kindern aus Akademikerfamilien.QuelleSiehe hierzu etwa Artikel des MDI zu Ergebnissen der IGLU- und TIMS-Studie 2011 und der PISA-Studie 2012.

Vergleichsstudien: Wie gut schneidet Deutschland in Sachen Bildung ab?

Der "Migrant Integration Policy Index" (MIPEX) vergleicht die Integrationspolitik in 38 Staatenalle Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Australien, Kanada, Island, Japan, Südkorea, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz, die Türkei und die USA. Im Bereich Bildung wird untersucht, inwiefern die Teilhabechancen von Migranten und ihren Nachkommen gestärkt und gefördert werden.

Im aktuellen Index von 2015 erreicht Deutschland bei der Bildungspolitik 47 von 100 möglichen Punkten (MIPEX-Durchschnitt 40 Punkte) und belegt damit Platz 16 unter den 38 untersuchten Staaten. Damit konnte Deutschland im Vergleich zur Untersuchung von 2011siehe MIPEX-Index von 2011, S. 17 um einen Platz aufrücken.

Dennoch kommt der MIPEX-Index 2015 zu dem Ergebnis, dass in Deutschland weiterhin folgende Probleme bestehen:

  • Die Regierungen von Bund und Ländern fordern demnach von Schulen zu wenig ein, unterstützen sie aber auch nicht genug dabei, die soziale Integration und die Bildungschancen der ersten und zweiten Einwanderergeneration zu verbessern.
  • Es gebe zu wenige Maßnahmen, um die kulturelle Vielfalt in Schulen und Klassenzimmern zu fördern und einer Segregation ("Entmischung") der Schülerschaft entgegenzuwirken.
  • Die gezielte Förderung von Schülern aus Einwandererfamilien falle in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich aus. Insgesamt sei sie schwächer ausgesprägt als etwa in skandinavischen Ländern, Kanada und den USA.
  • Die allgemeine Struktur des Bildungssystems (frühe Selektion und Verteilung auf unterschiedliche Schultypen) wirke sich hemmend auf die Erfolgschancen von Einwandererkindern aus.

Zu einem ähnlichen Urteil kommt der Antirassismus-Ausschuss der Vereinten Nationen (CERD). In einer Stellungnahme von 2015 empfiehlt er Deutschland:

  • Seine Bemühungen zu verstärken, Schülern, die Minderheiten angehören, einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung zu gewähren.
  • Mit verstärkten besonderen Maßnahmen das Niveau der Bildungsabschlüsse zu erhöhen und die Abbruchquoten zu verringern.
  • Der Ausgrenzung und Segregation "ethnischer Minderheiten" im Schulsystem stärker entgegenzuwirken, die stark mit der Diskriminierung im Wohnungs- und Erwerbsleben zusammenhänge.QuelleSchlussbemerkungen des CERD zum 19. bis 22. periodischen Bericht der Bundesrepublik Deutschland, Mai 2015, Nichtamtliche Übersetzung des englischen Originals, S. 11

Welche Rolle spielt der Migrationshintergrund?

In den öffentlichen Debatten wird das schlechtere Abschneiden von Kindern und Jugendlichen aus Einwandererfamilien oft auf ihre mangelnden Deutschkenntnisse bzw. die Sprache, die sie zu Hause am meisten sprechen, zurückgeführt. Viele Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, die Deutschkenntnisse zu fördern. Bestimmte Muttersprachen hingegen wie etwa Türkisch oder Arabisch werden kaum gefördert und anerkannt.

Studien zeigen: Viele Menschen mit Migrationshintergrund verinnerlichen die vorherrschende "Defizitperspektive". Sie sehen ihre Herkunft nicht als Chance, sondern als Makel an. Diese Benachteiligungs- und Abwertungserfahrungen beeinträchtigen sie in ihrer Motivation, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Bildungserfolg.QuelleMitteilung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zur Studie "Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben", 2013; "Anti-Immigrant Propaganda by Radical Right Parties and the Intellectual Performance of Adolescents", Studie der Universität Linz, Zusammenfassung in Political Psychology 4/2012; Pressemitteilung zur Studie "Verlorene Jahre" der Universität Düsseldorf, 2013.

Für die schwierigeren Ausgangsbedingungen für Schüler mit Migrationshintergrund ist die soziale Lage der Familie nicht die einzige Erklärung. Auch das SchulsystemSiehe hierzu etwa Interview mit Frank-Olaf Radtke und Zwischenergebnisse einer Studie der Universität Düsseldorf, das sich nur langsam interkulturell öffnet und auf die Bevölkerungsstruktur im Einwanderungsland einstellt, spielt eine wichtige Rolle – ebenso wie politische Rahmenbedingungen.

Die Zahl der Untersuchungen über Diskriminierung im deutschen Bildungssystem ist überschaubar. Aktuelle Untersuchungen kommen zu folgenden Befunden:

  • Die Fähigkeiten und Ressourcen von Kindern aus türkischen und anderen Einwandererfamilien werden von der Grundschule bis zum Studium systematisch unterschätzt.QuellePressemitteilung zur Studie "Verlorene Jahre" der Universität Düsseldorf, 2013; siehe auch Policy Brief zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Ösnabrück, 2015, S. 2f
  • Der Erfolg in der Schule hängt oft stark vom einzelnen Lehrer ab – sowohl im negativen wie auch im positiven Sinnewenn sie sich besonders stark für einzelne Schüler einsetzen.QuellePressemitteilung zur Studie "Verlorene Jahre" der Universität Düsseldorf, 2013; Pressemitteilung zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Osnabrück, 2015
  • Lehrer sind dreimal so oft geneigt, ein Kind für das Gymnasium zu empfehlen, wenn es aus einer höheren sozio-ökonomischen Schicht kommt. Da Schüler mit Migrationshintergrund häufiger aus Familien mit geringerem Einkommen und Bildungsstand kommen, sind sie potentiell öfter davon betroffen.QuellePrüfbericht der Anti-Rassismus-Kommission des Europarats (ECRI), 2013, S 10.
  • Das viergliedrige SchulsystemGymnasium, Realschule, Hauptschule (bzw. die integrierte Gesamtschule für diese drei Schulformen gemeinsam) sowie Sonderschule ist stark selektierend und wirkt sich im Sinne institutioneller Diskriminierung Unter struktureller (oder institutioneller) Diskriminierung werden ungerechtfertigte Ungleichbehandlung verstanden, die in Handlungsroutinen, Vorschriften, Normen, Gesetzen oder der Infrastruktur angelegt sind und von Institutionen und Behörden befürwortet werden. Dabei handelt es sich nicht um Diskriminierung gegenüber Einzelpersonen, sondern pauschal gegenüber Gruppen. Beispiel: Selektionsmechanismen im Bildungsbereich, trotz formaler Gleichbehandlung. Quelle: Deutsches Institut für Menschenrechte Unterrichtsmaterialien zur Menschenrechtsbildung, 2006 auf die Schüler aus.Quelle"Diskriminierung im vorschulischen und schulischen Bereich", Expertise im Auftrag der ADS, 2014, S. 56; siehe dazu auch Policy Brief zur Studie "Pathways to Sucess" der Universität Ösnabrück, 2015, S. 4.

Wie wichtig ist Bildung für Eltern mit Migrationshintergrund?

Einwanderern wird häufig unterstellt, dass sie sich nicht oder nicht genügend um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Bildung, Milieu & Migration" wurden 1.700 Eltern mit Migrationshintergrund zu ihrer Haltung in Bildungsfragen befragt. Den Ergebnissen von 2015 zufolge interessieren sie sich durchaus für die schulischen Leistungen ihrer Kinder:

  • Zwei Drittel der Eltern sagten, dass sie ihren Kindern mehr als eine halbe Stunde jeden Tag bei schulbezogenen Themen helfen.
  • Über 70 Prozent gaben an, ihre Kinder "immer" oder "häufig" bei den Hausaufgaben zu unterstützen.
  • Auch an Elternsprechtagen und Elternabenden nehmen demnach mit 84 beziehungsweise 87 Prozent die meisten Befragten teil.
  • 96 Prozent der Eltern stimmten der Aussage zu: "Bildung ist der wichtigste Schlüssel für ein gelungenes Leben."QuelleStudie der Stiftung Mercator und der Vodaphone Stiftung: "Große Vielfalt, weniger Chancen" 2015, S. 5f und S. 67

Die Studie zeigt auch, was die Eltern in Schulen vermissen:

  • Über 90 Prozent finden die "interkulturelle Kompetenz" von Lehrern wichtig. Doch nur 60 Prozent erklärten, sie in den Schulen ihrer Kinder vorzufinden.
  • Die überwiegende Mehrheit (86 Prozent) wünscht sich Beratung zu Förder- und Stipendienprogrammen für ihre Kinder. Nur ein Fünftel gab jedoch an, diese Informationen in der Schule zu bekommen.QuelleStudie der Stiftung Mercator und der Vodaphone Stiftung: "Große Vielfalt, weniger Chancen" 2015, S. 7

Wie wird Migration und Integration in Schulbüchern dargestellt?

Schulbücher bilden die Vielfalt in der deutschen Bevölkerung bisher nur unzureichend ab. So kommt die 2015 veröffentlichte "Schulbuchstudie Migration und Integration" im Auftrag der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung zu folgenden Ergebnissen:

  • Migration wird meist als Problem und Herausforderung dargestellt.
  • Integration Integration bezeichnet auf Lateinisch die Herstellung einer staatlichen, politischen oder wirtschaftlichen Einheit. Der Begriff wird allerdings sehr unterschiedlich verwendet. Einige verstehen darunter eine Bringschuld von Migranten und ihren Nachkommen, andere das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe aller Bürger. Der Mediendienst versteht unter "Integration" einen Prozess, an dem Einwanderer und Aufnahmegesellschaft gleichermaßen beteiligt sind. gilt als unbedingt notwendig für den sozialen Zusammenhalt, erscheint aber vor allem als Anpassungsleistung, die Menschen mit Migrationshintergrund zu erbringen hätten.
  • In den Texten und Aufgaben wird die Vielfalt in der Gesellschaft fast nie als Normalität abgebildet.
  • Zwar wird Deutschland als Einwanderungsland beschrieben, doch dabei geht man weiterhin von einer homogenen (deutschen) Gesellschaft aus, in die Menschen einwandern. Die Aufnahmegesellschaft wird nicht multikulturell dargestellt.
  • Schüler mit Migrationshintergrund werden meist als "Andere" markiert. So lautet bspw. eine Aufgabe: "Fragt eure ausländischen Mitschüler, was für sie Integration bedeutet."
  • Begriffe wie "MigrantDas Statistische Bundesamt definiert Migranten als Personen, die im Ausland geboren und nach Deutschland gezogen sind. Was viele nicht wissen: Rund die Hälfte aller Migranten sind inzwischen Deutsche (z.B. Spätaussiedler oder Eingebürgerte), die andere Hälfte besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Migranten sowie ihre Kinder und in bestimmten Fällen auch ihre Enkelkinder gelten als "Personen mit Migrationshintergrund". Quelle: Statistisches Bundesamt. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration", "MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
    ", "Fremder" oder "AusländerPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF" werden oft synonym und unkommentiert benutzt.QuelleSiehe auch Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse in Pressemitteilung des Georg-Eeckert-Instituts vom 17.3.2015 sowie in der "Schulbuchstudie Migration und Integration" S. 67-69.

Dies bestätigt die Befunde aus vorherigen Untersuchungen:

  • Die Studie "Repräsentationen der Migrationsgesellschaft" von 2012 hat Schulbücher aus Niedersachsen analysiert. Die Forscher stellten fest: Einwanderer werden meist mit Ausländern gleichgesetzt und vor allem auf ihren Nutzen für die deutsche Wirtschaft reduziert. Die Nationalgeschichte Deutschlands werde wiedergegeben, ohne die Geschichten von Schülern mit Migrationshintergrund einzubeziehen.
  • Die 2011 veröffentlichte Studie "Keine Chance auf Zugehörigkeit" hat die Darstellung von Muslimen und des Islam in Geschichts- und Politikbüchern untersucht und Deutschland mit vier weiteren europäischen LändernFrankreich, Großbritannien, Spanien, Österreich verglichen. Das Ergebnis: Muslime würden als außereuropäische "Andere" markiert. "Der Islam" und "ein modernes Europa" würden als homogene Einheiten dargestellt, die sich gegenseitig ausschließen.Quelle"Keine Chance auf Zugehörigkeit?", Studie des Georg-Eckert-Instituts, 2011, S.3
  • Eine weitere Untersuchung wurden 2005 "Bilder von Fremden" in hessischen und bayerischen Schulbücher analysiert. Das Ergebnis: Bei der Darstellung von Einwanderern werde häufig ihre Andersartigkeit und Fremdheit betont – sei es bei der "Nation", "Kultur", "Religion", ihrer Haltung zur "Modernität" oder gar ihrem Aussehen.QuelleThomas Höhne, Tomas Kunz, Frank-Olaf Radtke "Bilder von Fremden: Was unsere Kinder aus Schulbüchern über Migranten lernen sollen", 2005, Auszug