Zahl der Flüchtlinge

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Frühjahr 2016 ging die Zahl der Neuzugänge von Asylsuchenden wieder zurück.

Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?

Zahlen 2017

  • Zwischen Januar und Juli 2017 wurden 129.903 Asylanträge gestellt, davon 117.313 Erstanträge.
  • Das sind weniger als ein Drittel der Anträge, die im Vorjahreszeitraum gestellt wurden.
  • Über 444.359 Anträge hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in dieser Zeit entschieden. Die Schutzquote lag bei 44,4 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes..
  • 106.604 Asylsuchende sind in dieser Zeit nach Deutschland eingereist und wurden im Kerndatensystem erfasst.QuelleAsylgeschäftsbericht 7/2017, Bundesinnenministerium, Pressemitteilung vom 9.9.2017

Zahlen 2016:

  • Im Jahr 2016 wurden in Deutschland insgesamt 745.545 Asylanträge gestellt, davon 722.370 Erstanträge. Das waren 56 Prozent mehr Anträge als 2015 (476.649, davon 441.899 Erstanträge)
  • Die Hauptherkunftsländer waren Syrien, Afghanistan und Irak.
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in dieser Zeit über 695.733 Asylanträge entschieden. Die Schutzquote lag bei rund 62 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes.. Die Zahl der Entscheidungen ist im Vergleich zu 2015 um 145 Prozent gestiegen (282.726)

Eingereist sind 2016 laut Angaben des Innenministeriums rund 280.000 Asylsuchende. 2015 waren es 890.000. Viele von ihnen konnten aber erst 2016 einen Asylantrag stellen.QuelleAsylgeschäftsstatistik Dezember 2016; Bundesinnenministerium, Pressemitteilung 11.01.2017

Monatlich aktualisierte Zahlen zu den Asylanträgen bietet der BAMF-Asylgeschäftsbericht.

Woher kommen die Antragsteller?

Von Januar bis Juli 2017 kamen die meisten Asylantragsteller aus folgenden Ländern:

TOP-Herkunftsländer 2016

QuelleBAMF, Asylgeschäftsbericht 7/2017 und 12/2016, Seite 2

Der MEDIENDIENST hat in einem INFORMATIONSPAPIER die Lage in den "Top Ten" Herkunftsländern von 2015 zusammengefasst. Als Quellen dienen staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen.

Wie hoch ist die Schutzquote in Deutschland?

Über 444.359 Asylanträge hat das BAMF von Januar bis Juli 2017 entschieden. 197.119 Personen wurde Schutz zugesprochen. Das ergibt eine Schutzquote von 44,4 Prozent (Gesamtschutzquote).QuelleAsylgeschäftsbericht 7/2017, Seite 6

Von ihnen erhielten:

Jahreszahlen 2016

  • Entscheidungen: 695.733
  • Positive Entscheidungen: 433.920
  • Schutzquote: 62,4 Prozent
  • Flüchtlingsschutz: 254.016 / Asylberechtigte nach Artikel 16a GG: 2.120 / subsidiärer Schutz: 153.700 / Abschiebeverbot: 24.084QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2016

Bereinigte Schutzquote: Die Gesamtschutzquote gibt keine Auskunft darüber, wie viele Asylbewerber tatsächlich schutzbedürftig sind. Denn viele Anträge werden "formell" entschieden, also ohne inhaltliche Prüfung. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Asylantrag zurückgezogen wurde oder ein anderes EU-Land zuständig ist. Zieht man von den bearbeiteten Fällen die "formellen EntscheidungenAls formelle Entscheidungen versteht man alle Fälle, die sich anderweitig erledigen, zum Beispiel wenn ein Antrag zurückgezogen wird oder der Bewerber einen deutschen Staatsbürger heiratet oder – was in den meisten Fällen zutrifft – weil nach der Dublin-Verordnung ein anderer Staat für den Asylantrag zuständig ist. " ab (74.519 Verfahren), kommt man für den Zeitraum Januar-Juli 2017 auf eine "bereinigte" Schutzquote von rund 53,2 Prozent. Im Gesamtjahr 2016 lag sie bei 71,4 Prozent.QuelleAsylgeschäftsstatistik 7/2017, Seite 6, und Bundestagsdrucksache 18/11262, Seite 4

Wie hoch ist der Anteil von Frauen und Kindern?

Unter den Asylbewerbern, die von Januar bis Juli 2017 in Deutschland einen Antrag gestellt haben, waren 38,3 Prozent Mädchen und Frauen. In der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen gab es mit rund 20,8 Prozent den geringsten Frauenanteil. Unter den Kindern (unter 16 Jahre) ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichener, hier überwiegt der Anteil der Jungen nur leicht. Im Vergleich zum Gesamtjahr 2016 ist der Frauenanteil unter den Flüchtlingen um etwa vier Prozentpunkte gestiegen.QuelleAktuelle Zahlen zu Asyl, Juli 2017, Seite 7

Die Flüchtlinge sind im Durchschnitt sehr jung: 75,7 Prozent der Asylbewerber waren im ersten Halbjahr 2017 unter 30 Jahren alt. Minderjährige machten knapp 44 Prozent der Asylbewerber aus.QuelleAktuelle Zahlen zu Asyl, Juli 2016, Seite 7

Wie viele Angehörige ziehen zu Flüchtlingen in Deutschland?

Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge haben das Recht, Ehepartner und Kinder nach Deutschland nachzuholen. Unbegleitete Minderjährige können ihre Eltern nachziehen lassenAufenthG §36, Absatz 1. Asylbewerber, die subsidiären Schutz erhalten, dürfen bis März 2018 keinen Antrag auf Familienzusammenführung stellenAufenthG §104 Absatz 13.

Für anerkannte Flüchtlinge gelten besondere rechtliche BedingungenAufenthG §29 Abs. 2. Im Gegensatz zu anderen Drittstaatenangehörigen müssen sie nicht beweisen, dass sie über ausreichend Einkommen und Wohnraum verfügen – vorausgesetzt der Nachzug wird innerhalb von drei Monaten nach Zuerkennung des Flüchtlingsschutzes beantragt.

Die Zahlen

2016 wurden rund 40.000 Visa Angehörigen von Syrern erteilt, die in Deutschland Schutz bekommen haben. 8.300 Visa wurden Angehörigen von schutzbedürftigen Irakern erteilt.QuelleBundestagsdrucksache 18/11473, Seite 21

2015 waren es rund 16.000 Angehörigen aus Syrien und 1.800 Angehörigen aus dem Irak.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

Die Gesamtzahl der Familienzusammenführungen von Flüchtlingen lässt sich nicht ermitteln. Das Ausländerzentralregister erfasst lediglich, wie viele Familienangehörige insgesamt aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland eingereistDie BAMF-Statistik unterscheidet sich von der des Auswärtigen Amts, weil die tatsächlichen Einreisen gezählt werden und nicht die Vergabe von Visa zum Zweck der Familienzusammenführung. sind. 2015 waren es 82.440. Wie viele von ihnen zu anerkannten Flüchtlingen gezogen sind, lässt sich nicht sagen.

Mitunter müssen Geflüchtete sehr lange warten, bis sie ihre Familien nachholen können. Das liegt an den langen Bearbeitungszeiten in deutschen diplomatischen Vertretungen. Bevor Angehörige nach Deutschland reisen können, müssen sie Visa beantragen. Insgesamt werden derzeit in den Auslandsvertretungen Beirut, Istanbul, Ankara, Izmir, Amman, Kairo und Erbil rund 26 000 Visumanträge bearbeitet (Stand: Februar 2017). Nach AngabenBundestagsdrucksache 18/11473, Seite 22 der Bundesregierung kann es länger als ein Jahr dauern, bis Angehörige einen Termin zur Antragstellung erhalten. Um die Visumvergabe zu beschleunigen, hat das Auswärtige Amt im Juni 2016 eine Kooperation mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gestartet.

Wie viele Flüchtlinge leben in Deutschland?

In Deutschland leben laut dem Ausländerzentralregister (AZR) mehr als 700.000 Menschen, die unter verschiedenen Voraussetzungen hierzulande Schutz bekommen haben. Fast ein Drittel von ihnen ist minderjährig (Stand: Dezember 2016).QuelleBundestagsdrucksache 18/11388, eigene Berechnungen

Dazu zählen unter anderem (Zahlen gerundet):

  • 40.000 Asylberechtigte nach Artikel 16a des Grundgesetzes. Die meisten von ihnen kommen aus der Türkei und leben schon länger in Deutschland.
  • 452.000 Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien und dem Irak und sind überwiegend in den letzten zwei Jahren nach Deutschland gekommen.
  • 73.500 subsidiär Schutzberechtigte. Auch von ihnen kommen die meisten aus Syrien und dem Irak und sind erst vor kurzem nach Deutschland eingereist.
  • 37.300 Menschen, für die ein AbschiebeverbotAbschiebeverbot aufgrund der UN-Anti-FolterKonvention (CAT) gilt. Die meisten von ihnen kommen aus Afghanistan.

Darüber hinaus gibt es mehrere Zehntausend Menschen, die aus anderen Gründen einen Aufenthaltstitel bekommen haben. Dazu gehören etwa (Zahlen gerundet):

  • 24.400 Menschen, denen aus "dringenden humanitären oder persönlichen Gründen" ein befristeter AufenthaltAufenthG §25 Absatz 4 gewährt wird.
  • 30.600 Menschen, denen die Bundesländer aus besonderen humanitären GründenAufenthG §23 Schutz gewährt haben. Das ist zum Beispiel der Fall bei den Syrern, die im Rahmen der Aufnahmeprogramme der Länder eingereist sind.
  • 50.000 abgelehnte Asylbewerber, deren Ausreise "aus rechtlichen oder tatsächlichen GründenAufenthG §25 Absatz 5" seit mehr als 18 Monaten nicht möglich ist.

Hinzu kommen mehr als eine halbe Million Menschen, die erst vor kurzem als Asylsuchende eingereist sind beziehungsweise auf eine Entscheidung im Asylverfahren warten. Rund 153.000 abgelehnte Asylbewerber, die nicht abgeschoben werden konnten, leben zudem als sogenannte Geduldete in Deutschland.QuelleBundestagsdrucksache 18/11388, eigene Berechnungen

Wie groß ist der Bearbeitungsstau bei Asylanträgen?

Ende Juli 2017 lagen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach eigenen AngabenAsylgeschäftsstatistik 7/2017, Seite 7 rund 129.500 Asylanträge bei denen die Entscheidung noch anstand. Nachdem die Zahl über Jahre angestiegen ist, geht sie seit Oktober 2016 zurück.

Zu den Umständen, die zum Bearbeitungsstau geführt haben, hat der Politikwissenschaftler Dietrich Thränhardt im Juli 2015 ein Gutachten für den MEDIENDIENST erstellt. Daraus geht hervor, dass der deutsche Antragsberg im europäischen Vergleich einmalig ist. Laut Angaben des Europäischen Statistikamts Eurostat hat die Bundesrepublik mehr unerledigte Asylanträge als alle anderen EU-Länder zusammen. Das lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass die meisten Asylanträge in der Bundesrepublik gestellt werden.

Nach Angaben der Bundesregierung warteten Ende Dezember 2016 rund 25.300 Asylbewerber seit mehr als zwei Jahren auf eine Entscheidung vom BAMF. Die durch den Stau entstehende Wartezeit belastet sowohl die Flüchtlinge als auch die Gemeinden, in denen sie untergebracht werden.

Wie viele Asylbewerber gibt es in der EU?

2016

Nach Angaben des Europäischen Statistikamts (Eurostat) haben 2016 rund 1,2 Millionen Menschen erstmals einen Asylantrag in den 28 Staaten der Europäischen Union gestellt – die meisten von ihnen kamen aus Syrien (334.800), Afghanistan (183.000) und Irak (127.000). Das sind etwa 50.000 weniger Asylsuchende als 2015.

Die meisten Asylanträge gab es in folgenden Ländern:

  1. Deutschland: rund 722.300
  2. Italien: ca. 121.200
  3. Frankreich: 76.000
  4. Griechenland:49.000
  5. Österreich: 39.900

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl war die Zahl der Erstantragsteller am höchsten in:

  1. Deutschland: etwa 8,8 Antragsteller pro Tausend Einwohner
  2. Griechenland: etwa 4,6
  3. Österreich: 4,6
  4. Malta: 4
  5. Luxemburg: 3,5

QuelleEurostat, Asylbewerber und erstmalige Asylbewerber, jährlich aggregierte Daten

Bearbeitungsstau: Rund 1,1 Million Antragsteller warteten Ende 2016 in der gesamten EU auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag, davon etwa 600.000 in Deutschland (wobei Eurostat auch anhängige Gerichtsverfahren einberechnet).

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

In seinem Jahresbericht 2016 schätzt das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen (forcibly displaced) weltweit auf 65,6 Millionen. Mehr als die Hälfte aller Geflüchtete sind KinderDas Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen "UNICEF" hingegen schätzt die Zahl der Flüchtlingskinder weltweit auf 28 Millionen. Allein 2016 ist die Zahl derjenigen, die ihr Zuhause verlassen mussten, um 10,3 Millionen gestiegen – das sind 20 Menschen pro Minute.

  • Der Großteil der Betroffenen, rund 40,3 Millionen, ist innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht (Binnenflüchtlinge).
  • Weitere 22,5 Millionen sind anerkannte Flüchtlinge – also Menschen, denen gemäß internationaler AbkommenDazu gehören die "Genfer Flüchtlingskonvention", die "Konvention zur Regelung der besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika", die Satzung des UNHCR sowie eine Reihe regionaler Abkommen zum Flüchtlingsschutz. Eine Übersicht bietet der UNHCR in einem Handbuch, Seite 5-9. Schutz gewährt wurde.
  • 2,8 Millionen sind Asylsuchende – also Flüchtlinge, die noch auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten.

Mehr als die Hälfte aller Geflüchteten, die in einem anderen Land Schutz fanden, kommen aus drei Ländern:

  • Syrien (5,5 Millionen)
  • Afghanistan (2,5 Millionen)
  • Süd-Sudan (1,4 Millionen)

Binnenflüchtlinge und Asylsuchende werden vom UNHCR erst seit 2007 erfasst. Will man die Entwicklung der Flüchtlingszahlen zurückverfolgen, muss man auf die StatistikDiese bezieht sich ausschließlich auf die Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UNHCR liegen. Nicht erfasst sind palästinensische Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) liegen. von "anerkannten Flüchtlingen" zurückgreifen. Danach erreichte die Zahl der Geflüchteten im Jahr 1992 mit rund 18 Millionen ihren Höhepunkt. Seit 2012 steigt sie erneut an.QuelleUNHCR: Weltweite Flüchtlingszahlen 1960 bis 2013, auf Anfrage des Mediendienstes; für 2014 siehe UNHCR: Global Trends 2014, Seite 10

Wer nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf?

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten: Anders als in Deutschland gibt es in vielen Aufnahmeländern kein funktionierendes Asylsystem. Das heißt, Geflüchtete werden dort nicht automatisch registriert. Mehr als 60 Prozent der etwa 65,3 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, konnten außerdem das eigene Land nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nicht verlassen. Sie werden als sogenannte Internally Displaced People (Binnenflüchtlinge) gezählt. Die meisten Geflüchteten, die Schutz im Ausland finden, bleiben zudem in der Nähe ihrer Heimat. 84 Prozent aller Geflüchtete leben in sogenannten Entwicklungsländern.

Der UNHCR veröffentlicht jedes halbe Jahr Daten darüber, wie viele Menschen schätzungsweise als Flüchtlinge oder "in flüchtlingsähnlichen Bedingungen" leben. Wenn man die Zahlen der im Land lebenden Flüchtlinge und Asylbewerber addiert, stand Deutschland 2016 auf Platz drei der Länder, die die meisten Asylsuchenden weltweit aufgenommen haben.