Zahl der Flüchtlinge

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2015 wurden so viele Asylanträge gestellt wie nie zuvor. Der rasante Anstieg stellt das zuständige Bundesamt (BAMF) sowie die Bundesländer und Kommunen vor große Herausforderungen.

Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?

Zahlen 2016:

  • Zwischen Januar und April 2016 wurden in Deutschland 246.393 Asylanträge gestellt, davon 240.126 Erstanträge – das ist ein Anstieg von rund 116 Prozent im Vergleich zum Vergleichszeitraum im Vorjahr.
  • Die Hauptherkunftsländer waren Syrien, Irak und Afghanistan.
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in dieser Zeit über 194.532 Asylanträge entschieden. Die Schutzquote lag bei rund 62 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes..

Neben den Asylanträgen veröffentlicht das Bundesinnenministerium seit August 2015 auch die Zahl der Schutzsuchenden, die im EASY-Registrierungssystem erfasst sind. Grund dafür ist, dass viele Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland nicht zeitnah ihren Asylantrag stellen können. Bei den EASY-Zahlen sind Fehl- und Doppelerfassungen nicht ausgeschlossen: Einige Asylsuchende werden mehrfach erfasst oder reisen nach der Registrierung in andere Länder.

  • Zwischen Januar und April 2016 wurden rund 190.000 Menschen im EASY-System erfasst.QuelleAsylgeschäftsstatistik April 2016; Bundesinnenministerium, Pressemitteilung 9.5.2016

Zahlen 2015:

  • Von Januar bis Dezember 2015 haben rund 477.000 Asylsuchende einen Antrag in Deutschland gestellt – davon waren rund 442.000 Erstanträge. Damit stieg die Antragszahl im Vergleich zum Vorjahr um 135 Prozent. QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2015
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in dieser Zeit über rund 283.000 Asylanträge entschieden. Der Antragsstau wächst damit weiterhin.
  • Im Jahr 2015 wurden im EASY-System rund 1.092.000 Menschen auf der Flucht registriert.

Zahlen 2014: Im Jahr zuvor wurden in Deutschland 203.000 Asylanträge gestellt, davon 173.000 Erstanträge. QuelleBAMF "Das Bundesamt in Zahlen 2014", S. 11

Monatlich aktualisierte Zahlen zu den Asylanträgen bietet die BAMF-Asylgeschäftsstatistik.

Die 10 wichtigsten Herkunftsländer

Menschen, die einen Asylantrag in Deutschland stellen, kommen aus verschiedenen Ländern. Im Jahr 2015 kamen die meisten Flüchtlinge aus:

  1. Syrien (163.000)
  2. Albanien (55.000)
  3. Kosovo (37.000)
  4. Afghanistan (32.000)
  5. Irak (31.000)
  6. Serbien (27.000)
  7. Ungeklärt (12.000)
  8. Mazedonien (14.000)
  9. Eritrea (11.000)
  10. Pakistan (8.000)

Der MEDIENDIENST hat in einem INFORMATIONSPAPIER die Lage in den "Top Ten" Herkunftsländern von Asylsuchenden zusammengefasst. Als Quellen dienen staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen.

Wie viele Asylbewerber gibt es in der EU?

Nach Angaben des Europäischen Statistikamts (Eurostat) wurden 2015 in den 28 Staaten der Europäischen Union rund 1,3 Millionen Asylanträge gestellt. Das sind mehr als doppelt so viele Anträge wie im Jahr 2014 (627.000).

  1. Die meisten davon (477.000) wurden in Deutschland gestellt. Das entspricht rund 35 Prozent aller Anträge.
  2. Es folgen Ungarn: 177.000
  3. Schweden: 163.000
  4. Österreich: 88.000
  5. Italien: 84.000
  6. Frankreich: 75.000

Die Reihenfolge ändert sich, wenn man die Zahlen im Verhältnis zur Größe der Bevölkerung betrachtet. Dann rückt Deutschland mit seinen 81 Millionen Einwohnern im europäischen Vergleich auf Platz sechs (mit rund fünf Asylbewerbern pro tausend Einwohner). Auf Platz eins steht 2015 Ungarn mit dem höchsten Asylbewerberanteil pro tausend Einwohner (knapp 18 Asylanträge), wobei hier nur sehr wenige Flüchtlinge bleiben – die meisten ziehen innerhalb Europas weiter.QuelleEurostat, Weltbank, eigene Berechnung

Die Hälfte aller Anträge in der Europäischen Union (51 Prozent) wurden positiv beantwortet, weil ein Flüchtlingsstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt wurde (74 Prozent der bewilligten Anträge), ein subsidiärer SchutzSubsidiärer Schutz gilt in Fällen, in denen das Asylrecht nicht greift, aber dennoch schwer wiegende Gefahren für Freiheit, Leib oder Leben drohen, zum Beispiel im Falle von bewaffneten Konflikten im Herkunftsland. (18 Prozent) oder ein sogenannter Schutz aus humanitären Gründen (acht Prozent).QuelleEurostat, Asylum Applicans and first instance decisions 2014

Bearbeitungsstau: Rund eine Million Antragsteller warteten Ende 2015 in der gesamten EU auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag, davon etwa 420.000 in Deutschland (wobei Eurostat auch anhängige Gerichtsverfahren mitberechnet).

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) schätzt die Zahl der Geflüchteten weltweit auf knapp 60 Millionen. Etwa die Hälfte davon sind Kinder. Noch nie hat der UNHCR so viele Flüchtlinge verzeichnet wie derzeit. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Afghanistan und Somalia.

  • Der Großteil der Betroffenen, rund 38 Millionen, ist innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht (Binnenflüchtlinge).
  • Weitere 20 Millionen sind anerkannte Flüchtlinge – also Menschen, denen gemäß internationaler AbkommenDazu gehören die "Genfer Flüchtlingskonvention", die "Konvention zur Regelung der besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika", die Satzung des UNHCR sowie eine Reihe regionaler Abkommen zum Flüchtlingsschutz. Eine Übersicht bietet der UNHCR in einem Handbuch, Seite 5-9. Schutz gewährt wurde.
  • Zwei Millionen sind Asylsuchende – also Flüchtlinge, die noch auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten.

Binnenflüchtlinge und Asylsuchende werden vom UNHCR erst seit 2007 erfasst. Will man die Entwicklung der Flüchtlingszahlen zurückverfolgen, muss man auf die StatistikDiese bezieht sich ausschließlich auf die Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UNHCR liegen. Nicht erfasst sind palästinensische Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) liegen. von "anerkannten Flüchtlingen" zurückgreifen. Danach erreichte die Zahl der Geflüchteten im Jahr 1992 mit rund 18 Millionen ihren Höhepunkt und steigt seit 2012 erneut an.QuelleUNHCR: Weltweite Flüchtlingszahlen 1960 bis 2013, auf Anfrage des Mediendienstes; für 2014 siehe UNHCR: Global Trends 2014, Seite 10

Wer nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf?

Die Frage, wer die meisten Flüchtlinge aufnimmt, lässt sich nicht so einfach beantworten: Anders als in Deutschland gibt es in vielen Aufnahmeländern kein funktionierendes Asylsystem. Das heißt, Geflüchtete werden dort nicht automatisch registriert. Mehr als die Hälfte der etwa 60 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, konnten außerdem das eigene Land nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR, United Nations High Commissioner for Refugees) wurde am 14. Dezember 1950 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gegründet, um Hilfe für die Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs zu leisten. Auf Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention setzt es sich weltweit dafür ein, dass von Verfolgung bedrohte Menschen in anderen Staaten Asyl erhalten. In vielen Ländern stellt der UNHCR materielle Hilfen für Flüchtlinge zur Verfügung, wie z.B. Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung. Laut Mandat hat er auch die Aufgabe, dauerhafte Lösungen für Flüchtlinge zu finden. nicht verlassen. Sie werden als sogenannte Internally Displaced People gezählt.

Der UNHCR veröffentlicht jedes halbe Jahr Daten darüber, wie viele Menschen schätzungsweise als Flüchtlinge oder "in flüchtlingsartigen Bedingungen" leben. Wenn man die Zahl der im Land lebenden Flüchtlinge mit den unerledigten Anträgen zusammenzählt, steht Deutschland auf Platz neun der Länder, die die meisten Asylsuchenden weltweit aufgenommen haben (Stand: Juni 2015). Vor wenigen Jahren war die Bundesrepublik noch nicht unter den zehn wichtigsten Aufnahmeländern.

Wie hoch ist die Schutzquote in Deutschland?

In den vergangenen Jahren tauchte in Medien und politischen Debatten immer wieder die Behauptung auf, nur ein bis zwei Prozent der Asylanträge in Deutschland würden anerkannt. Das stimmt zwar, diese Zahlen geben jedoch nur die Anerkennungen nach dem Grundrecht auf Asyl (Art. 16a GG) wieder. Daneben gibt es internationale und europäische Standards, die im deutschen Asylrecht verankert wurden und nach denen in Deutschland Menschen Schutz gewährt wird.

Schutzquote 2015: Über rund 283.000 Asylanträge hat das BAMF im Jahr 2015 entschieden. Insgesamt wurde rund 141.000 Personen Schutz zugesprochen. Das entspricht 49,8 Prozent der Asylanträge ("Gesamtschutzquote"), wie aus der Asylgeschäftsstatistik des BAMF für 2015 hervorgeht. QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2015, Seite 2

Wie sich die Zahl der Menschen zusammensetzt, die Schutz bekommen haben:

  • rund 137.000 Menschen davon erhielten die Anerkennung als Flüchtling (2.000 erhielten "AsylLediglich ein bis zwei Prozent der Asylbewerber erhalten in Deutschland Asyl nach dem Grundgesetz ("Asylberechtigte" nach Artikel 16a GG). Das ist möglich, wenn sie durch den Herkunftsstaat oder staatsähnlichen Akteuren verfolgt werden. Die meisten anderen Schutzsuchenden, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhalten "Flüchtlingsschutz". Quelle: BAMF. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration" nach Artikel 16a Grundgesetz und 135.000 Personen "FlüchtlingsschutzMenschen, die ihr Land "aus Furcht vor Verfolgung" verlassen mussten, können in Deutschland Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention beantragen. Anders als beim Asyl gilt hier: Auch nichtstaatliche Verfolgung gilt als Fluchtgrund. Ein Beispiel ist die Bedrohung durch die Terrormiliz IS in Syrien. Die große Mehrheit der Menschen, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhält diesen Status als anerkannter Flüchtling (mehr als 97 Prozent). Quellen: BAMF, Mediendienst Integration" nach § 3 Asylverfahrensgesetz), außerdem erhielten
  • rund 1.700 Menschen subsidiären Schutz zugesprochen. Desweiteren wurde bei
  • rund 2.000 Menschen ein Abschiebeverbot aufgrund des EU-Rechts oder internationaler Abkommen festgestellt.

Bereinigte Schutzquote 2015: In den Zahlen zu Entscheidungen bei Asylanträgen sind allerdings auch Anträge enthalten, die "formell" entschieden wurden, also ohne inhaltliche Prüfung. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Asylantrag zurückgezogen wurde oder ein anderes EU-Land zuständig ist. Zieht man von den bearbeiteten Fällen die "formellen EntscheidungenAls formelle Entscheidungen versteht man alle Fälle, die sich anderweitig erledigen, zum Beispiel wenn ein Antrag zurückgezogen wird oder der Bewerber einen deutschen Staatsbürger heiratet oder – was in den meisten Fällen zutrifft – weil nach der Dublin-Verordnung ein anderer Staat für den Asylantrag zuständig ist. " ab (50.300 Verfahren), kommt man für das Jahr 2015 auf eine "bereinigte" Schutzquote von knapp 61 Prozent. QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2015 und eigene Berechnung

Asylanträge I: Wie groß ist der Bearbeitungsstau?

Die Zahl der laufenden Asyläntrage beim zuständigen Bundesamt (BAMF) wächst seit Jahren konstant an: Ende April 2016 lagen dort nach eigenen AngabenAsylgeschäftsstatistik 04/2016, Seite 10 rund 411.300 Asylanträge, bei denen die Entscheidung noch aussteht. Im Dezember 2015 lag diese Zahl bei 365.000 (siehe Grafik).Quelle Asylgeschäftsstatistik des BAMF 12/2015, Seite 2

Hinzu kommen etwa 615.000 Menschen, die im gesamten Jahr 2015 im EASY-Registrierungssystem erfasst wurden, aber (noch) keinen Asylantrag gestellt haben. Die Zahl ergibt sich, wenn man von den 1,1 Millionen registrierten Menschen die Erstanträge abziehtPresseerklärung des Bundesinnenministeriums vom 6.01.2016, eigene Berechnung. Allerdings können im EASY-System laut Behörden manche Personen mehrfach erfasst sein. Mit anderen Worten: Die tatsächlichen Antragszahlen liegen am Ende etwas niedriger als die Registrierungen.

Zu den Umständen, die zum Bearbeitungsstau geführt haben, hat der Politikwissenschaftler Dietrich Thränhardt im Juli 2015 ein Gutachten für den MEDIENDIENST erstellt. Daraus geht hervor, dass der deutsche Antragsberg im europäischen Vergleich einmalig ist. Laut Angaben des Europäischen Statistikamts Eurostat hat die Bundesrepublik allein mehr unerledigte Asylanträge, als alle anderen EU-Ländern zusammen.

Nach Angaben der Bundesregierung warteten im Dezember 2015 rund 24.400 Asylbewerber seit mehr als zwei Jahren auf eine Antwort. Die durch den Stau entstehende Wartezeit belastet sowohl die Flüchtlinge als auch die Gemeinden, in denen sie untergebracht werden.

Asylanträge II: Wie soll der Bearbeitungsstau abgebaut werden?

Einige Asylanträge werden prioritär bearbeitet: Syrische Flüchtlinge werden zügig anerkannt, während Antragsteller aus "sicheren Herkunftsländern" in der Regel in wenigen Wochen abgelehnt werden. Derzeit dauert ein Asylverfahren im Durchschnitt ein halbes Jahr (Stand: Mai 2016).QuelleBundestagsdrucksache 18/8038, Seite 13

Personalaufbau beim zuständigen Bundesamt: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat in den letzten zwei Jahren 1.650 neue Stellen erhalten, um den Bearbeitungsstau abzubauen. Bis November 2015 konnte die Zahl der Entscheider in Asylverfahren allerdings nur auf 660 Mitarbeiter erhöht werde, wie das Bundesamt auf Anfrage bestätigte. Zusätzlich wird das Bundesamt vorübergehend auch von anderen Ministerien und Behörden mit 760 Mitarbeitern unterstützt. Im Jahr 2016 soll sich die Zahl der Mitarbeiter im BAMF laut Medienberichten mehr als verdoppeln auf 7.200 Mitarbeiter.

Kann man die Entwicklung der Asylzahlen vorhersehen?

Es ist unmöglich, genau zu sagen, wie viele Flüchtlinge in Zukunft nach Deutschland kommen werden. Bis 2013 erarbeitete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) deshalb ausschließlich Quartalsprognosen. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen beschloss das BAMF jedoch im Jahr 2013 auch Jahresprognosen zu erarbeiten, um den Bundesländern ein wenig Vorsprung bei der Ausstattung der Unterbringungen zu gewähren.

Die Prognosen werden in der Regel dreimal im Jahr revidiert. So schätzte das BAMF Anfang 2015, dass bis Ende des Jahres rund 300.000 Asylanträge in Deutschland gestellt werden sollten. Im Mai wurde die Prognose zunächst auf 450.000 erhöht und im August sogar auf 800.000. Anders als bisher, bezieht sich die letzte Angabe nicht auf die Zahl der Asylanträge, sondern auf die Zahl der Neuzugänge, die von den Bundesländern erfasst werden. Am Ende des Jahres 2015 wurden letztendllich erfasst: 442.000 Asyl-Erstanträge und etwa 1,1 Millionen Neuzugänge im EASY-System.

Wie diese Prognosen erarbeitet werden, erklärt ein Prognoseschreiben des BAMF an die Bundesländer. Weitere Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel.