Zahl der Flüchtlinge

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Frühjahr 2016 ging die Zahl der Neuzugänge von Asylsuchenden wieder zurück.

Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?

Zahlen 2016:

  • Zwischen Januar und Ende Juni 2016 wurden in Deutschland 396.947 Asylanträge gestellt, davon 387.675 Erstanträge.
  • Die Hauptherkunftsländer waren Syrien, Afghanistan und Irak .
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in dieser Zeit über 283.236 Asylanträge entschieden. Die SchutzquoteDie Schutzquote (oder auch "Gesamtschutzquote") benennt in der Amtssprache den Anteil aller Asylanträge, über die vom BAMF positiv entschieden wurde. Sie umfasst alle Entscheidungen auf Asyl, Flüchtlingsschutz, subsidiären Schutz und Abschiebungsverbote. Sie wird von Behörden und der Bundesregierung zum Beispiel verwendet, um Länder nach einer guten oder schlechten "Bleibeperspektive" zu unterscheiden. Für alle Herkunftsländer zusammen lag sie 2015 bei 50 Prozent. Quelle: Mediendienst Integration lag bei rund 62 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes..

Neben den Asylanträgen veröffentlicht das Bundesinnenministerium seit August 2015 auch die Zahl der Schutzsuchenden, die im EASY-Registrierungssystem erfasst sind. Grund dafür ist, dass viele Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland nicht zeitnah ihren Asylantrag stellen können. Bei den EASY-Zahlen sind Fehl- und Doppelerfassungen nicht ausgeschlossen.

Zahlen 2015:

  • 2015 haben rund 477.000 Asylsuchende einen Antrag in Deutschland gestellt – davon waren rund 442.000 Erstanträge. QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2015
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in dieser Zeit über rund 283.000 Asylanträge entschieden.
  • Im Jahr 2015 wurden im EASY-System rund 1.092.000 Menschen auf der Flucht registriert.

Monatlich aktualisierte Zahlen zu den Asylanträgen bietet die BAMF-Asylgeschäftsstatistik.

Wie viele Frauen und Kinder sind auf der Flucht?

Unter den Asylbewerbern, die 2015 in Deutschland einen Antrag gestellt haben, waren 31 Prozent Frauen. In der Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen gab es mit 20 Prozent den geringsten Frauenanteil. Unter den Kindern (null bis zehn Jahre) ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichener, hier überwiegt der Anteil der Jungen nur leicht. Lediglich bei Asylbewerbern über 65 Jahren gibt es mehr Frauen als Männer. Größere Unterschiede zeigen sich in Bezug auf die Herkunftsländer: Aus Serbien und Mazedonien kommen beinahe genauso viele Frauen wie Männer. Unter pakistanischen Asylbewerbern lag der Frauenanteil hingegen nur bei acht Prozent.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Das Bundesamt in Zahlen 2015, Seiten 18-19

Die Flüchtlinge sind im Durchschnitt sehr jung: 71 Prozent der Asylbewerber waren 2015 unter 30 Jahren alt. Mehr als jeder vierte Asylantrag kam von einem Kind (null bis 15 Jahre). Minderjährige machten rund ein Drittel (31 Prozent) der Asylbewerber aus. Die meisten Kinder und Jugendliche, die Asyl beantragen, sind mit ihren Familien in Deutschland. Nur zehn Prozent aller minderjährigen Asylbewerber sind unbegleitet.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Das Bundesamt in Zahlen 2015, Seiten 18-20

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) erfasst Flüchtlinge weltweit. Aus den Daten geht hervor, dass 2015 beinahe genauso viele Frauen wie Männer auf der Flucht waren. Der Anteil der Minderjährigen lag 2015 bei 51 Prozent. Diese Angaben beziehen sich allerdings auf weniger als die Hälfte aller Flüchtlinge, die vom UNHCR gezählt wurden. Für die übrigen liegen keine Informationen zu Alter und Geschlecht vor.

Wie viele Angehörige ziehen zu Flüchtlingen in Deutschland?

AsylberechtigteAsylberechtigte sind Menschen, die einen Schutzstatus nach Art. 16a GG anerkannt bekommen haben. Flüchtlinge dagegen sind Menschen, denen Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt wird. Quelle: Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher und anerkannte FlüchtlingeIn der Debatte wird der Begriff generell für Menschen verwendet, die aus ihrer Heimat geflohen sind. In der offiziellen Amtssprache gilt man jedoch erst als Flüchtling, wenn der Asylantrag erfolgreich war und man Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten hat (Synonym: "anerkannter Flüchtling"). Will man es also genau nehmen, kann man für die allgemeine Gruppe die Begriffe "Geflüchtete" oder "Schutzsuchende" verwenden. haben das Recht, Ehepartner und Kinder nach Deutschland nachzuholen. Asylbewerber, die subsidiärenSubsidiärer Schutz ist der dritte Schutzstatus, den Asylbewerber in Deutschland bekommen können. Um subsidiären ("behelfsmäßigen") Schutz zu bekommen, muss ein Antragssteller nachweisen, dass ihm im Herkunftsland "ernsthafter Schaden" droht, beispielsweise wegen eines Bürgerkriegs, auch wenn bei ihm keine Fluchtgründe für Asyl oder Flüchtlingsschutz vorliegen. Diesen vergleichsweise "geringeren" Schutz erhalten nur sehr wenige Asylbewerber (etwa ein Prozent im Jahr 2015). Quelle: BAMF, Quelle: Mediendienst Integration Schutz erhalten, dürfen bis März 2018 keinen Antrag auf Familienzusammenführung stellenAufenthG §104 Absatz 13. Unbegleitete Minderjährige können ihre Eltern nachziehen lassenAufenthG §36, Absatz 1.

Für anerkannte Flüchtlinge gelten besondere rechtliche BedingungenAufenthG §29 Abs. 2. Im Gegensatz zu anderen DrittstaatenangehörigenMenschen, die nicht die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes besitzen. Quelle: BAMF müssen sie nicht beweisen, dass sie über ausreichend Einkommen und Wohnraum verfügen – vorausgesetzt der Nachzug wird innerhalb von drei Monaten nach Zuerkennung des Flüchtlingsschutzes beantragt.

Die Zahlen

Das Ausländerzentralregister erfasst, wie viele Familienangehörige aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland eingereistDie BAMF-Statistik unterscheidet sich von der des Auswärtigen Amts, weil die tatsächlichen Einreisen gezählt werden und nicht die Vergabe von Visa zum Zweck der Familienzusammenführung. sind. 2015 waren es 82.440. Wie viele von ihnen zu anerkannten Flüchtlingen gezogen sind, lässt sich nicht sagen.

Insbesondere bei Ländern, aus denen zuletzt viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sind die Zahlen gestiegen:

  • Aus Syrien kamen 2015 rund 16.000 Familienangehörige. 2013 waren es noch 860,
  • aus dem Irak waren es 1.800 (2013: 818)
  • und aus Afghanistan 918 (2013: 483).

Etwa die Hälfte der Nachziehenden waren Kinder.

Wie viele werden noch nachziehen?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geht bei syrischen Flüchtlingen von einem Nachzugspotenzial von 0,9 bis 1,2 Familienangehörigen pro Flüchtling aus. Für 2015 wären das rund 100.000 Angehörige, die demnächst nach Deutschland ziehen könnten.

Mitunter müssen Geflüchtete aber sehr lange warten, bis sie ihre Familien nachholen können. Das liegt an den langen Bearbeitungszeiten in deutschen diplomatischen Vertretungen. Bevor Angehörige nach Deutschland reisen können, müssen sie Visa beantragen. Nach AngabenBundestagsdrucksache 18/7200, Seite 15 der Bundesregierung kann es länger als ein Jahr dauern, bis Angehörige einen Termin zur Antragstellung erhalten. Um die Visumvergabe zu beschleunigen, hat das Auswärtige Amt im Juni 2016 eine Kooperation mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gestartet.

Die 10 wichtigsten Herkunftsländer

2016 kamen die meisten Asylantragsteller aus folgenden Ländern (Stand: Juni 2016):

QuelleBAMF, Asylgeschäftsstatistik 6/2016, S.2

Der MEDIENDIENST hat in einem INFORMATIONSPAPIER die Lage in den "Top Ten" Herkunftsländern von 2015 zusammengefasst. Als Quellen dienen staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen.

Wie viele Asylbewerber gibt es in der EU?

Nach Angaben des Europäischen Statistikamts (Eurostat) wurden 2015 in den 28 Staaten der Europäischen Union rund 1,3 Millionen Asylanträge gestellt. Das sind mehr als doppelt so viele Anträge wie im Jahr 2014 (627.000).

  1. Die meisten davon (477.000) wurden in Deutschland gestellt. Das entspricht rund 35 Prozent aller Anträge.
  2. Es folgen Ungarn: 177.000
  3. Schweden: 163.000
  4. Österreich: 88.000
  5. Italien: 84.000
  6. Frankreich: 75.000

Die Reihenfolge ändert sich, wenn man die Zahlen im Verhältnis zur Größe der Bevölkerung betrachtet. Dann rückt Deutschland mit seinen 81 Millionen Einwohnern im europäischen Vergleich auf Platz sechs (mit rund fünf Asylbewerbern pro tausend Einwohner). Auf Platz eins steht 2015 Ungarn mit dem höchsten Asylbewerberanteil pro tausend Einwohner (knapp 18 Asylanträge), wobei hier nur sehr wenige Flüchtlinge bleiben – die meisten ziehen innerhalb Europas weiter.QuelleEurostat, Weltbank, eigene Berechnung

Rund die Hälfte aller Anträge in der Europäischen Union (51 Prozent) wurden positiv beantwortet. In 74 Prozent der Fälle wurde ein Flüchtlingsstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt, in 18 Prozent ein subsidiärer SchutzSubsidiärer Schutz gilt in Fällen, in denen das Asylrecht nicht greift, aber dennoch schwerwiegende Gefahren für Freiheit, Leib oder Leben drohen, zum Beispiel im Falle von bewaffneten Konflikten im Herkunftsland. und in acht Prozent ein sogenannter Schutz aus humanitären Gründen.QuelleEurostat, Asylum Applicans and first instance decisions 2014

Bearbeitungsstau: Rund eine Million Antragsteller warteten Ende 2015 in der gesamten EU auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag, davon etwa 420.000 in Deutschland (wobei Eurostat auch anhängige Gerichtsverfahren einberechnet).

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

In seinem Jahresbericht 2015 schätzt das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen (forcibly displaced) weltweit auf 65,3 Millionen. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Kinder. Allein 2015 ist die Zahl derjenigen, die ihr Zuhause verlassen mussten, um 12,4 Millionen gestiegen – das sind 24 Menschen pro Minute.

  • Der Großteil der Betroffenen, rund 40,8 Millionen, ist innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht (Binnenflüchtlinge).
  • Weitere 21,3 Millionen sind anerkannte Flüchtlinge – also Menschen, denen gemäß internationaler AbkommenDazu gehören die "Genfer Flüchtlingskonvention", die "Konvention zur Regelung der besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika", die Satzung des UNHCR sowie eine Reihe regionaler Abkommen zum Flüchtlingsschutz. Eine Übersicht bietet der UNHCR in einem Handbuch, Seite 5-9. Schutz gewährt wurde.
  • 3,2 Millionen sind Asylsuchende – also Flüchtlinge, die noch auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten.

Mehr als die Hälfte aller Geflüchteten, die in einem anderen Land Schutz fanden, kommen aus drei Ländern:

  • Syrien (4,9 Millionen)
  • Afghanistan (2,7 Millionen)
  • Somalia (1,1 Millionen)

Binnenflüchtlinge und Asylsuchende werden vom UNHCR erst seit 2007 erfasst. Will man die Entwicklung der Flüchtlingszahlen zurückverfolgen, muss man auf die StatistikDiese bezieht sich ausschließlich auf die Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UNHCR liegen. Nicht erfasst sind palästinensische Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) liegen. von "anerkannten Flüchtlingen" zurückgreifen. Danach erreichte die Zahl der Geflüchteten im Jahr 1992 mit rund 18 Millionen ihren Höhepunkt. Seit 2012 steigt sie erneut an.QuelleUNHCR: Weltweite Flüchtlingszahlen 1960 bis 2013, auf Anfrage des Mediendienstes; für 2014 siehe UNHCR: Global Trends 2014, Seite 10

Wer nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf?

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten: Anders als in Deutschland gibt es in vielen Aufnahmeländern kein funktionierendes Asylsystem. Das heißt, Geflüchtete werden dort nicht automatisch registriert. Mehr als 60 Prozent der etwa 65,3 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, konnten außerdem das eigene Land nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR, United Nations High Commissioner for Refugees) wurde am 14. Dezember 1950 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gegründet, um Hilfe für die Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs zu leisten. Auf Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention setzt es sich weltweit dafür ein, dass von Verfolgung bedrohte Menschen in anderen Staaten Asyl erhalten. In vielen Ländern stellt der UNHCR materielle Hilfen für Flüchtlinge zur Verfügung, wie z.B. Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung. Laut Mandat hat er auch die Aufgabe, dauerhafte Lösungen für Flüchtlinge zu finden. nicht verlassen. Sie werden als sogenannte Internally Displaced People (Binnenflüchtlinge) gezählt. Die meisten Geflüchteten, die Schutz im Ausland finden, bleiben zudem in der Nähe ihrer Heimat. 86 Prozent aller Geflüchtete leben in sogenannten Entwicklungsländern.

Der UNHCR veröffentlicht jedes halbe Jahr Daten darüber, wie viele Menschen schätzungsweise als Flüchtlinge oder "in flüchtlingsähnlichen Bedingungen" leben. Wenn man die Zahlen der im Land lebenden Flüchtlinge und Asylbewerber addiert, stand Deutschland 2015 auf Platz sieben der Länder, die die meisten Asylsuchenden weltweit aufgenommen haben.

Wie hoch ist die Schutzquote in Deutschland?

Über rund 283.000 Asylanträge hat das BAMF im ersten Halbjahr 2016 entschieden. Das sind so viele Entscheidungen wie im Gesamtjahr 2015. Rund 174.000 Personen wurde Schutz zugesprochen. Das bedeutet eine Schutzquote von 61,5 Prozent ("Gesamtschutzquote"), wie aus der Asylgeschäftsstatistik des BAMF für Juni 2016 hervorgeht.QuelleAsylgeschäftsstatistik 6/2016

Von ihnen erhielten:

  • rund 147.900 Menschen "FlüchtlingsschutzMenschen, die ihr Land "aus Furcht vor Verfolgung" verlassen mussten, können in Deutschland Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention beantragen. Anders als beim Asyl gilt hier: Auch nichtstaatliche Verfolgung gilt als Fluchtgrund. Ein Beispiel ist die Bedrohung durch die Terrormiliz IS in Syrien. Die große Mehrheit der Menschen, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhält diesen Status als anerkannter Flüchtling (mehr als 97 Prozent). Quellen: BAMF, Mediendienst Integration" nach § 3 Asylverfahrensgesetz,
  • etwa 900 Menschen "AsylLediglich ein bis zwei Prozent der Asylbewerber erhalten in Deutschland Asyl nach dem Grundgesetz ("Asylberechtigte" nach Artikel 16a GG). Das ist möglich, wenn sie durch den Herkunftsstaat oder staatsähnlichen Akteuren verfolgt werden. Die meisten anderen Schutzsuchenden, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhalten "Flüchtlingsschutz". Quelle: BAMF. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration" nach Artikel 16a des Grundgesetzes,
  • rund 23.300 Menschen subsidiärenSubsidiärer Schutz ist der dritte Schutzstatus, den Asylbewerber in Deutschland bekommen können. Um subsidiären ("behelfsmäßigen") Schutz zu bekommen, muss ein Antragssteller nachweisen, dass ihm im Herkunftsland "ernsthafter Schaden" droht, beispielsweise wegen eines Bürgerkriegs, auch wenn bei ihm keine Fluchtgründe für Asyl oder Flüchtlingsschutz vorliegen. Diesen vergleichsweise "geringeren" Schutz erhalten nur sehr wenige Asylbewerber (etwa ein Prozent im Jahr 2015). Quelle: BAMF, Quelle: Mediendienst Integration Schutz,
  • rund 2.100 Menschen ein Abschiebeverbot aufgrund des EU-Rechts oder internationaler Abkommen

2015 gab es 283.000 Entscheidungen, 141.000 davon positiv. Die Schutzquote lag bei 49,8 Prozent ("Gesamtschutzquote").QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2015

Von ihnen erhielten:

  • rund 135.000 Menschen "FlüchtlingsschutzMenschen, die ihr Land "aus Furcht vor Verfolgung" verlassen mussten, können in Deutschland Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention beantragen. Anders als beim Asyl gilt hier: Auch nichtstaatliche Verfolgung gilt als Fluchtgrund. Ein Beispiel ist die Bedrohung durch die Terrormiliz IS in Syrien. Die große Mehrheit der Menschen, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhält diesen Status als anerkannter Flüchtling (mehr als 97 Prozent). Quellen: BAMF, Mediendienst Integration" nach § 3 Asylverfahrensgesetz,
  • etwa 2.000 Menschen "AsylLediglich ein bis zwei Prozent der Asylbewerber erhalten in Deutschland Asyl nach dem Grundgesetz ("Asylberechtigte" nach Artikel 16a GG). Das ist möglich, wenn sie durch den Herkunftsstaat oder staatsähnlichen Akteuren verfolgt werden. Die meisten anderen Schutzsuchenden, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhalten "Flüchtlingsschutz". Quelle: BAMF. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration" nach Artikel 16a des Grundgesetzes,
  • rund 1.700 Menschen subsidiärenSubsidiärer Schutz ist der dritte Schutzstatus, den Asylbewerber in Deutschland bekommen können. Um subsidiären ("behelfsmäßigen") Schutz zu bekommen, muss ein Antragssteller nachweisen, dass ihm im Herkunftsland "ernsthafter Schaden" droht, beispielsweise wegen eines Bürgerkriegs, auch wenn bei ihm keine Fluchtgründe für Asyl oder Flüchtlingsschutz vorliegen. Diesen vergleichsweise "geringeren" Schutz erhalten nur sehr wenige Asylbewerber (etwa ein Prozent im Jahr 2015). Quelle: BAMF, Quelle: Mediendienst Integration Schutz,
  • rund 2.000 Menschen ein Abschiebeverbot aufgrund des EU-Rechts oder internationaler Abkommen

Bereinigte Schutzquote 1. Halbjahr 2016: In den Zahlen zu Entscheidungen bei Asylanträgen sind allerdings auch Anträge enthalten, die "formell" entschieden wurden, also ohne inhaltliche Prüfung. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Asylantrag zurückgezogen wurde oder ein anderes EU-Land zuständig ist. Zieht man von den bearbeiteten Fällen die "formellen EntscheidungenAls formelle Entscheidungen versteht man alle Fälle, die sich anderweitig erledigen, zum Beispiel wenn ein Antrag zurückgezogen wird oder der Bewerber einen deutschen Staatsbürger heiratet oder – was in den meisten Fällen zutrifft – weil nach der Dublin-Verordnung ein anderer Staat für den Asylantrag zuständig ist. " ab (38.600 Verfahren), kommt man für das erste Halbjahr 2016 auf eine "bereinigte" Schutzquote von 71,2 Prozent.QuelleAsylgeschäftsstatistik 6/2016 und eigene Berechnung

Monatlich aktualisierte Zahlen zur Schutzquote finden Sie in der Asylgeschäftsstatistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

Asylanträge I: Wie groß ist der Bearbeitungsstau?

Die Zahl der laufenden Asylanträge beim zuständigen Bundesamt (BAMF) wächst seit Jahren an: Ende Juni 2016 lagen dort nach eigenen AngabenAsylgeschäftsstatistik 06/2016, Seite 7 rund 495.792 Asylanträge, bei denen die Entscheidung noch anstand. Im Dezember 2015 lag diese Zahl noch bei 365.000 (siehe Grafik).Quelle Asylgeschäftsstatistik des BAMF 12/2015, Seite 2

Hinzu kommen schätzungsweise hunderttausende Menschen, die im gesamten Jahr 2015 im EASY-Registrierungssystem erfasst wurden, aber (noch) keinen Asylantrag gestellt haben.

Zu den Umständen, die zum Bearbeitungsstau geführt haben, hat der Politikwissenschaftler Dietrich Thränhardt im Juli 2015 ein Gutachten für den MEDIENDIENST erstellt. Daraus geht hervor, dass der deutsche Antragsberg im europäischen Vergleich einmalig ist. Laut Angaben des Europäischen Statistikamts Eurostat hat die Bundesrepublik mehr unerledigte Asylanträge als alle anderen EU-Länder zusammen. Das lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass die meisten Asylanträge in der Bundesrepublik gestellt werden.

Nach Angaben der Bundesregierung warteten im April 2016 rund 28.500 Asylbewerber seit mehr als zwei Jahren auf eine Entscheidung vom BAMF. Die durch den Stau entstehende Wartezeit belastet sowohl die Flüchtlinge als auch die Gemeinden, in denen sie untergebracht werden.

Asylanträge II: Wie soll der Bearbeitungsstau abgebaut werden?

Einige Asylanträge werden prioritär bearbeitet: Syrische Flüchtlinge werden zügig anerkannt, während Antragsteller aus "sicheren Herkunftsländern" in der Regel in wenigen Wochen abgelehnt werden. Derzeit dauert ein Asylverfahren im Durchschnitt ein halbes Jahr (Stand: Mai 2016).QuelleBundestagsdrucksache 18/8038, Seite 13

Personalaufbau beim zuständigen Bundesamt: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat in den letzten zwei Jahren 1.650 neue Stellen erhalten, um den Bearbeitungsstau abzubauen. Bis November 2015 konnte die Zahl der Entscheider in Asylverfahren allerdings nur auf 660 Mitarbeiter erhöht werden, wie das Bundesamt auf Anfrage bestätigte. Zusätzlich wird das Bundesamt vorübergehend auch von anderen Ministerien und Behörden mit 760 Mitarbeitern unterstützt. Im Jahr 2016 soll sich die Zahl der Mitarbeiter im BAMF laut Medienberichten mehr als verdoppeln auf 7.200 Mitarbeiter.

Kann man die Entwicklung der Asylzahlen vorhersehen?

Genaue Vorhersagen sind nicht möglich. Bis 2013 erarbeitete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausschließlich Quartalsprognosen. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen beschloss das BAMF jedoch im Jahr 2013, auch Jahresprognosen zu erarbeiten, damit die Bundesländer die Unterbringung der neuen Asylbewerber besser planen können.

2015 wurde die Prognose zweimal revidiert: Zunächst war von 300.000 Asylanträgen die Rede. Diese Prognose wurde im Mai auf 450.000 korrigiert. Im August ging man dann von 800.000 Neuzugängen aus. Am Ende des Jahres 2015 gab es 442.000 Asyl-Erstanträge und etwa 1,1 Millionen Neuzugänge im EASY-System.

Wie diese Prognosen erarbeitet werden, erklärt ein Prognoseschreiben des BAMF an die Bundesländer. Weitere Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel.