Zahl der Flüchtlinge

Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Frühjahr 2016 ging die Zahl der Neuzugänge von Asylsuchenden wieder zurück.

Wie viele Asylanträge werden in Deutschland gestellt?

Zahlen 2017

  • Im Januar 2017 wurden 17.964 Asylanträge gestellt, davon 16.057 Erstanträge.
  • Das sind etwa ein Drittel der Anträge, die im Vorjahreszeitraum gestellt wurden.
  • Über 70.750 Anträge hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in dieser Zeit entschieden. Die SchutzquoteDie Schutzquote (oder auch "Gesamtschutzquote") benennt in der Amtssprache den Anteil aller Asylanträge, über die vom BAMF positiv entschieden wurde. Sie umfasst alle Entscheidungen auf Asyl, Flüchtlingsschutz, subsidiären Schutz und Abschiebungsverbote. Sie wird von Behörden und der Bundesregierung zum Beispiel verwendet, um Länder nach einer guten oder schlechten "Bleibeperspektive" zu unterscheiden. Für alle Herkunftsländer zusammen lag sie 2015 bei 50 Prozent. Quelle: Mediendienst Integration lag bei 47,4 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes..
  • 14.476 Asylsuchende sind in dieser Zeit nach Deutschland eingereist und wurden im Kerndatensystem erfasst.QuelleAsylgeschäftsstatistik 1/2017 und Bundesinnenministerium, Pressemitteilung vom 8.2.2017

Zahlen 2016:

  • Im Jahr 2016 wurden in Deutschland insgesamt 745.545 Asylanträge gestellt, davon 722.370 Erstanträge. Das waren 56 Prozent mehr Anträge als 2015 (476.649, davon 441.899 Erstanträge)
  • Die Hauptherkunftsländer waren Syrien, Afghanistan und Irak.
  • Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in dieser Zeit über 695.733 Asylanträge entschieden. Die SchutzquoteDie Schutzquote (oder auch "Gesamtschutzquote") benennt in der Amtssprache den Anteil aller Asylanträge, über die vom BAMF positiv entschieden wurde. Sie umfasst alle Entscheidungen auf Asyl, Flüchtlingsschutz, subsidiären Schutz und Abschiebungsverbote. Sie wird von Behörden und der Bundesregierung zum Beispiel verwendet, um Länder nach einer guten oder schlechten "Bleibeperspektive" zu unterscheiden. Für alle Herkunftsländer zusammen lag sie 2015 bei 50 Prozent. Quelle: Mediendienst Integration lag bei rund 62 ProzentDazu zählen Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte und Fälle von Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes.. Die Zahl der Entscheidungen ist im Vergleich zu 2015 um 145 Prozent gestiegen (282.726)

Eingereist sind 2016 laut Angaben des Innenministeriums rund 280.000 Asylsuchende. 2015 waren es 890.000. Viele von ihnen konnten aber erst 2016 einen Ansylantrag stellen.QuelleAsylgeschäftsstatistik Dezember 2016; Bundesinnenministerium, Pressemitteilung 11.01.2017

Monatlich aktualisierte Zahlen zu den Asylanträgen bietet die BAMF-Asylgeschäftsstatistik.

Wie viele Frauen und Kinder sind auf der Flucht?

Unter den Asylbewerbern, die 2016 in Deutschland einen Antrag gestellt haben, waren 34 Prozent Mädchen und Frauen. In der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen gab es mit rund 20 Prozent den geringsten Frauenanteil. Unter den Kindern (unter 16 Jahre) ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichener, hier überwiegt der Anteil der Jungen nur leicht. Im Vergleich zu 2015 ist der Frauenanteil unter den Flüchtlingen um drei Prozentpunkte gestiegen.QuelleAktuelle Zahlen zu Asyl, Dezember 2016, Seite 7

Die Flüchtlinge sind im Durchschnitt sehr jung: 73 Prozent der Asylbewerber waren 2016 unter 30 Jahren alt. Minderjährige machten rund ein Drittel (36 Prozent) der Asylbewerber aus.QuelleAktuelle Zahlen zu Asyl, Dezember 2016, Seite 7

Wie viele Angehörige ziehen zu Flüchtlingen in Deutschland?

AsylberechtigteAsylberechtigte sind Menschen, die einen Schutzstatus nach Art. 16a GG anerkannt bekommen haben. Flüchtlinge dagegen sind Menschen, denen Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt wird. Quelle: Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher und anerkannte FlüchtlingeIn der Debatte wird der Begriff generell für Menschen verwendet, die aus ihrer Heimat geflohen sind. In der offiziellen Amtssprache gilt man jedoch erst als Flüchtling, wenn der Asylantrag erfolgreich war und man Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten hat (Synonym: "anerkannter Flüchtling"). Will man es also genau nehmen, kann man für die allgemeine Gruppe die Begriffe "Geflüchtete" oder "Schutzsuchende" verwenden. haben das Recht, Ehepartner und Kinder nach Deutschland nachzuholen. Unbegleitete Minderjährige können ihre Eltern nachziehen lassenAufenthG §36, Absatz 1. Asylbewerber, die subsidiärenSubsidiärer Schutz ist der dritte Schutzstatus, den Asylbewerber in Deutschland bekommen können. Um subsidiären ("behelfsmäßigen") Schutz zu bekommen, muss ein Antragssteller nachweisen, dass ihm im Herkunftsland "ernsthafter Schaden" droht, beispielsweise wegen eines Bürgerkriegs, auch wenn bei ihm keine Fluchtgründe für Asyl oder Flüchtlingsschutz vorliegen. Diesen vergleichsweise "geringeren" Schutz erhalten nur sehr wenige Asylbewerber (etwa ein Prozent im Jahr 2015). Quelle: BAMF, Quelle: Mediendienst Integration Schutz erhalten, dürfen bis März 2018 keinen Antrag auf Familienzusammenführung stellenAufenthG §104 Absatz 13.

Für anerkannte Flüchtlinge gelten besondere rechtliche BedingungenAufenthG §29 Abs. 2. Im Gegensatz zu anderen DrittstaatenangehörigenMenschen, die nicht die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes besitzen. Quelle: BAMF müssen sie nicht beweisen, dass sie über ausreichend Einkommen und Wohnraum verfügen – vorausgesetzt der Nachzug wird innerhalb von drei Monaten nach Zuerkennung des Flüchtlingsschutzes beantragt.

Die Zahlen

Das Ausländerzentralregister erfasst, wie viele Familienangehörige aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland eingereistDie BAMF-Statistik unterscheidet sich von der des Auswärtigen Amts, weil die tatsächlichen Einreisen gezählt werden und nicht die Vergabe von Visa zum Zweck der Familienzusammenführung. sind. 2015 waren es 82.440. Wie viele von ihnen zu anerkannten Flüchtlingen gezogen sind, lässt sich nicht sagen.

Insbesondere bei Ländern, aus denen zuletzt viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sind die Zahlen gestiegen wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dem MEDIENDIENST auf Anfrage mitteilte:

  • Aus Syrien kamen 2015 rund 16.000 Familienangehörige. 2013 waren es noch 860,
  • aus dem Irak waren es 1.800 (2013: 818)
  • und aus Afghanistan 918 (2013: 483).

Etwa die Hälfte der Nachziehenden waren Kinder. Mitunter müssen Geflüchtete sehr lange warten, bis sie ihre Familien nachholen können. Das liegt an den langen Bearbeitungszeiten in deutschen diplomatischen Vertretungen. Bevor Angehörige nach Deutschland reisen können, müssen sie Visa beantragen. Nach AngabenBundestagsdrucksache 18/7200, Seite 15 der Bundesregierung kann es länger als ein Jahr dauern, bis Angehörige einen Termin zur Antragstellung erhalten. Um die Visumvergabe zu beschleunigen, hat das Auswärtige Amt im Juni 2016 eine Kooperation mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gestartet.

Die 10 wichtigsten Herkunftsländer

Im Januar 2017 kamen die meisten Asylanatragsteller aus folgenden Ländern:

TOP-Herkunftsländer 2016

QuelleBAMF, Asylgeschäftsstatistik 1/2017 und 12/2016, Seite 2

Der MEDIENDIENST hat in einem INFORMATIONSPAPIER die Lage in den "Top Ten" Herkunftsländern von 2015 zusammengefasst. Als Quellen dienen staatliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen.

Wie viele Asylbewerber gibt es in der EU?

2016

Nach Angaben des Europäischen Statistikamts (Eurostat) wurden im ersten Halbjahr 2016 rund 620.000 Asylanträge in den 28 Staaten der Europäischen Union gestellt. Das sind rund 40 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2015.

  1. Die meisten davon in Deutschland: rund 400.000
  2. Es folgen Italien: ca. 50.000
  3. Frankreich: 40.000
  4. Österreich: 26.000
  5. Ungarn: 22.500

2015

Im Gesamtjahr 2015 wurden in den 28 Staaten der Europäischen Union rund 1,3 Millionen Asylanträge gestellt. Die TOP-5 Aufnahmeländer waren:

  1. Deutschland: 477.000 (35 Prozent aller Anträge).
  2. Ungarn: 177.000
  3. Schweden: 163.000
  4. Österreich: 88.000
  5. Italien: 84.000

Bearbeitungsstau: Rund eine Million Antragsteller warteten Ende 2015 in der gesamten EU auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag, davon etwa 420.000 in Deutschland (wobei Eurostat auch anhängige Gerichtsverfahren einberechnet).

Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

In seinem Jahresbericht 2015 schätzt das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen (forcibly displaced) weltweit auf 65,3 Millionen. Nach Angaben des UNHCR sind beinahe genauso viele Frauen wie Männer auf der Flucht. Mehr als die Hälfte aller Geflüchtete sind KinderDas Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen "UNICEF" hingegen schätzt die Zahl der Flüchtlingskinder weltweit auf 28 Millionen. Allein 2015 ist die Zahl derjenigen, die ihr Zuhause verlassen mussten, um 12,4 Millionen gestiegen – das sind 24 Menschen pro Minute.

  • Der Großteil der Betroffenen, rund 40,8 Millionen, ist innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht (Binnenflüchtlinge).
  • Weitere 21,3 Millionen sind anerkannte Flüchtlinge – also Menschen, denen gemäß internationaler AbkommenDazu gehören die "Genfer Flüchtlingskonvention", die "Konvention zur Regelung der besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika", die Satzung des UNHCR sowie eine Reihe regionaler Abkommen zum Flüchtlingsschutz. Eine Übersicht bietet der UNHCR in einem Handbuch, Seite 5-9. Schutz gewährt wurde.
  • 3,2 Millionen sind Asylsuchende – also Flüchtlinge, die noch auf den Ausgang ihres Asylverfahrens warten.

Mehr als die Hälfte aller Geflüchteten, die in einem anderen Land Schutz fanden, kommen aus drei Ländern:

  • Syrien (4,9 Millionen)
  • Afghanistan (2,7 Millionen)
  • Somalia (1,1 Millionen)

Binnenflüchtlinge und Asylsuchende werden vom UNHCR erst seit 2007 erfasst. Will man die Entwicklung der Flüchtlingszahlen zurückverfolgen, muss man auf die StatistikDiese bezieht sich ausschließlich auf die Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UNHCR liegen. Nicht erfasst sind palästinensische Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) liegen. von "anerkannten Flüchtlingen" zurückgreifen. Danach erreichte die Zahl der Geflüchteten im Jahr 1992 mit rund 18 Millionen ihren Höhepunkt. Seit 2012 steigt sie erneut an.QuelleUNHCR: Weltweite Flüchtlingszahlen 1960 bis 2013, auf Anfrage des Mediendienstes; für 2014 siehe UNHCR: Global Trends 2014, Seite 10

Wer nimmt weltweit die meisten Flüchtlinge auf?

Die Frage lässt sich nicht so einfach beantworten: Anders als in Deutschland gibt es in vielen Aufnahmeländern kein funktionierendes Asylsystem. Das heißt, Geflüchtete werden dort nicht automatisch registriert. Mehr als 60 Prozent der etwa 65,3 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, konnten außerdem das eigene Land nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR, United Nations High Commissioner for Refugees) wurde am 14. Dezember 1950 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gegründet, um Hilfe für die Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs zu leisten. Auf Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention setzt es sich weltweit dafür ein, dass von Verfolgung bedrohte Menschen in anderen Staaten Asyl erhalten. In vielen Ländern stellt der UNHCR materielle Hilfen für Flüchtlinge zur Verfügung, wie z.B. Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung. Laut Mandat hat er auch die Aufgabe, dauerhafte Lösungen für Flüchtlinge zu finden. nicht verlassen. Sie werden als sogenannte Internally Displaced People (Binnenflüchtlinge) gezählt. Die meisten Geflüchteten, die Schutz im Ausland finden, bleiben zudem in der Nähe ihrer Heimat. 86 Prozent aller Geflüchtete leben in sogenannten Entwicklungsländern.

Der UNHCR veröffentlicht jedes halbe Jahr Daten darüber, wie viele Menschen schätzungsweise als Flüchtlinge oder "in flüchtlingsähnlichen Bedingungen" leben. Wenn man die Zahlen der im Land lebenden Flüchtlinge und Asylbewerber addiert, stand Deutschland 2015 auf Platz sieben der Länder, die die meisten Asylsuchenden weltweit aufgenommen haben.

Wie hoch ist die Schutzquote in Deutschland?

Über 70.750 Asylanträge hat das BAMF im Januar 2017 entschieden. Rund 33.500 Personen wurde Schutz zugesprochen. Das bedeutet eine Schutzquote von 47,4 Prozent (Gesamtschutzquote).QuelleAsylgeschäftsstatistik 1/2017

Von ihnen erhielten:

  • 16.222 Menschen "FlüchtlingsschutzMenschen, die ihr Land "aus Furcht vor Verfolgung" verlassen mussten, können in Deutschland Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention beantragen. Anders als beim Asyl gilt hier: Auch nichtstaatliche Verfolgung gilt als Fluchtgrund. Ein Beispiel ist die Bedrohung durch die Terrormiliz IS in Syrien. Die große Mehrheit der Menschen, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhält diesen Status als anerkannter Flüchtling (mehr als 97 Prozent). Quellen: BAMF, Mediendienst Integration" nach § 3 Asylverfahrensgesetz,
  • 253 Menschen "AsylLediglich ein bis zwei Prozent der Asylbewerber erhalten in Deutschland Asyl nach dem Grundgesetz ("Asylberechtigte" nach Artikel 16a GG). Das ist möglich, wenn sie durch den Herkunftsstaat oder staatsähnlichen Akteuren verfolgt werden. Die meisten anderen Schutzsuchenden, deren Asylantrag erfolgreich ist, erhalten "Flüchtlingsschutz". Quelle: BAMF. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration" nach Artikel 16a des Grundgesetzes,
  • 13.016 Menschen subsidiärenSubsidiärer Schutz ist der dritte Schutzstatus, den Asylbewerber in Deutschland bekommen können. Um subsidiären ("behelfsmäßigen") Schutz zu bekommen, muss ein Antragssteller nachweisen, dass ihm im Herkunftsland "ernsthafter Schaden" droht, beispielsweise wegen eines Bürgerkriegs, auch wenn bei ihm keine Fluchtgründe für Asyl oder Flüchtlingsschutz vorliegen. Diesen vergleichsweise "geringeren" Schutz erhalten nur sehr wenige Asylbewerber (etwa ein Prozent im Jahr 2015). Quelle: BAMF, Quelle: Mediendienst Integration Schutz,
  • 4.010 Menschen ein Abschiebeverbot aufgrund des EU-Rechts oder internationaler Abkommen.

Jahreszahlen 2016

  • Entscheidungen: 695.733
  • Positive Entscheidungen: 433.920
  • Schutzquote: 62,4 Prozent
  • Flüchtlingsschutz: 254.016 / Asylberechtigte nach Artikel 16a GG: 2.120 / subsidiärer Schutz: 153.700 / Abschiebeverbot: 24.084QuelleAsylgeschäftsstatistik 12/2017

Bereinigte Schutzquote: Die Gesamtschutzquote gibt keine Askunft darüber, wie viele Asylbewerber tatsächlich schutzbedürftig sind. Denn viele Anträge werden "formell" entschieden, also ohne inhaltliche Prüfung. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Asylantrag zurückgezogen wurde oder ein anderes EU-Land zuständig ist. Zieht man von den bearbeiteten Fällen die "formellen EntscheidungenAls formelle Entscheidungen versteht man alle Fälle, die sich anderweitig erledigen, zum Beispiel wenn ein Antrag zurückgezogen wird oder der Bewerber einen deutschen Staatsbürger heiratet oder – was in den meisten Fällen zutrifft – weil nach der Dublin-Verordnung ein anderer Staat für den Asylantrag zuständig ist. " ab (76.200 Verfahren), kommt man für 2016 auf eine "bereinigte" Schutzquote von rund 57 Prozent.QuelleAsylgeschäftsstatistik 1/2017

Asylanträge I: Wie groß ist der Bearbeitungsstau?

Im Januar 2017 lagen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach eigenen AngabenAsylgeschäftsstatistik 1/2017, Seite 7 rund 384.500 Asylanträge bei denen die Entscheidung noch anstand. Ende 2016 waren es noch ca. 434.000 (siehe Grafik). Nachdem die Zahl über Jahre angestiegen ist, geht diese Zahl seit Oktober 2016 zurück.

Zu den Umständen, die zum Bearbeitungsstau geführt haben, hat der Politikwissenschaftler Dietrich Thränhardt im Juli 2015 ein Gutachten für den MEDIENDIENST erstellt. Daraus geht hervor, dass der deutsche Antragsberg im europäischen Vergleich einmalig ist. Laut Angaben des Europäischen Statistikamts Eurostat hat die Bundesrepublik mehr unerledigte Asylanträge als alle anderen EU-Länder zusammen. Das lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass die meisten Asylanträge in der Bundesrepublik gestellt werden.

Nach Angaben der Bundesregierung warteten Ende September 2016 rund 36.311 Asylbewerber seit mehr als zwei Jahren auf eine Entscheidung vom BAMF. Die durch den Stau entstehende Wartezeit belastet sowohl die Flüchtlinge als auch die Gemeinden, in denen sie untergebracht werden.

Asylanträge II: Wie soll der Bearbeitungsstau abgebaut werden?

Personalaufbau beim zuständigen Bundesamt: Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde das Personal stark erweitert: Zwischen Juli 2015 und Januar 2017 ist die Zahl der "Vollzeitäquivalente" von rund 3.000 auf rund 9.200 gestiegen. Derzeit arbeiten nach eigenen Angaben rund 3.300 "Entscheider" beim BAMF – einige von ihnen sind jedoch nur temporär beschäftigt (Stand Januar 2017).

Im Jahr 2016 dauerte ein Asylverfahren im Durchschnitt 7,1 Monate – dazu zählen jedoch auch viele Altfälle. Bei Asylbewerbern, die im 2. Halbjahr 2016 ihren Antrag gestellt haben, beträgt die Bearbeitungszeit rund 2,1 Monate.QuelleJahresbilanz 2016, Seite 4

Kann man die Entwicklung der Asylzahlen vorhersehen?

Genaue Vorhersagen sind nicht möglich. Bis 2013 erarbeitete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausschließlich Quartalsprognosen. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen beschloss das BAMF jedoch im Jahr 2013, auch Jahresprognosen zu erarbeiten, damit die Bundesländer die Unterbringung der neuen Asylbewerber besser planen können.

2015 wurde die Prognose zweimal revidiert: Zunächst war von 300.000 Asylanträgen die Rede. Diese Prognose wurde im Mai auf 450.000 korrigiert. Im August ging man dann von 800.000 Neuzugängen aus.

Tatsächlich sind laut Bundesinnenministerium 2015 rund 890.000 Asylsuchende in Deutschland eingereist. Zuvor hatte das Ministerium mitgeteilt, dass 2015 knapp 1,1 Millionen Menschen im EASY-System erfasst wurden. Es ist aber möglich, dass Asylsuchende bei der EASY-Verteilung mehrfach registriert werden.

Wie diese Prognosen erarbeitet werden, erklärt ein Prognoseschreiben des BAMF an die Bundesländer. Weitere Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel.