Kriminalität in der Einwanderungsgesellschaft

Kriminalität und Herkunft werden in politischen Debatten häufig in Zusammenhang gebracht: Das Stereotyp vom kriminellen Migranten als "jung, männlich, delinquent" ist weit verbreitet. In jüngster Zeit laufen Debatten jedoch auch um die sogenannte Ausländerkriminalität, die durch Flüchtlinge gestiegen sei. In den meisten Fällen entsprechen die Vorurteile nicht dem Stand der Daten und Forschung.

Was ist "Ausländerkriminalität"?

Der Begriff der "AusländerkriminalitätAusländerkriminalität wird häufig verwendet für Straftaten, die von Ausländern begangen werden. Den Zusatz "Ausländer" zu unterstreichen macht Sinn, wenn es um Straftaten geht, die nur von Ausländern begangen werden können – also bei Verstößen gegen Asylgesetze, Aufenthaltsrecht, Visavergehen etc. Die Polizeiliche Kriminalstatistik versteht darunter ausschließlich Straftaten, denen "eine im Ausland begründete Ideologie zugrunde liegt". Auch Deutsche können also "Ausländerkriminalität" begehen. " ist mehrdeutig und es ist wichtig, zu wissen, wer damit gemeint ist:

  • In den Medien wird der Begriff oft für alle Straftaten verwendet, die von Einwanderern begangen wurden – wobei meist unklar ist, ob damit nur AusländerPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF oder auch Deutsche mit Migrationshintergrund gemeint sind.
  • Polizei und Sicherheitsbehörden sprechen in den letzten Monaten auch von "Ausländerkriminalität" bei Straftaten von Neuzuwanderern, die erst seit Kurzem in Deutschland leben, wie zum Beispiel Flüchtlinge.
  • Der Verfassungsschutz erfasst damit "Politisch Motivierte Kriminalität" (PMK) mit Auslandsbezug, so zum Beispiel Anschläge von Terrorgruppen mit ausländischen Wurzeln, egal ob sie von Ausländern oder Deutschen verübt wurden.

Für Außenstehende erschließt sich oft nicht, auf welche Gruppe sich die genannte Statistik bezieht. Denn zur "Ausländerkriminalität" zählen mitunter auch Straftaten, die von Urlaubern, Geschäftsreisenden oder Tatverdächtigen der international "Organisierten Kriminalität" begangen werden.

Wie häufig werden Menschen mit Migrationshintergrund straffällig?

Das lässt sich nicht ohne Weiteres sagen, denn die Kriminalitätsstatistiken unterscheiden nur zwischen deutschen Staatsangehörigen und Ausländern – Menschen mit Migrationshintergrund werden nicht separat erfasst.

Der Anteil der "Nichtdeutschen" an allen Tatverdächtigen lag bei 27,6 Prozent (ohne ausländerrechtliche Verstöße). In absoluten Zahlen: 2015 wurden rund 556.000 Tatverdächtige ohne deutsche Staatsangehörigkeit gezählt, das waren rund 34 Prozent mehr als 2008. Das heißt aber nicht, dass Ausländer inzwischen stärker zu Kriminalität neigen. Denn von 2008 bis 2015 ist auch die Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung um rund 35 Prozent gestiegen.

Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Denn die die Erfassung von "Ausländerkriminalität" führt zu Verzerrungen:

  • Die Zahl der Tatverdächtigen besagt nicht, wie viele Straftaten begangen wurden. 555.000 "Nichtdeutsche" sind laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2015 als Tatverdächtige registriert worden.
  • Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zählt zu ausländischen Tatverdächtigen auch Personen, die sich nur vorübergehend in Deutschland aufhalten. Zum Beispiel Menschen, die nur eingereist sind, um Straftaten zu begehen (grenzüberschreitende Kriminalität).
  • Straftaten einzelner Gruppen können unterschiedlich sichtbar sein. Einiges deutet darauf hin, dass Angehörige von Minderheiten vergleichsweise häufig von der Polizei kontrolliert werden. Andererseits kann es auch sein, dass Straftaten innerhalb bestimmter Gruppen (auch von Migranten) eher selten bekannt werden.
  • Außerdem wird die besondere soziale Lage und der Altersdurchschnitt der Bevölkerungsgruppe "Ausländer" statistisch nicht berücksichtigt.

"Die Kriminalitätsbeteiligung kann nicht primär herkunftsspezifisch erklärt werden", sagt etwa der Rechtswissenschaftler Christian Walburg 2014 in einer Expertise zum Thema für den Mediendienst.

Politisch Motivierte Ausländerkriminalität: Das Bundesinnenministerium erfasst außerdem Fallzahlen zum Bereich "Politisch Motivierte Ausländerkriminalität". Damit sind Straftaten gemeint, bei denen "eine im Ausland begründete Ideologie zugrunde liegt" – unabhängig von der Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen. Laut dem Bericht "Politisch motivierte Kriminalität im Jahr 2015" ist die Zahl der Straftaten von rund 2.550 im Jahr 2014 auf 2.025 im Jahr 2015 gesunken. Auch die Zahl der Gewalttaten ging von 259 auf 235 zurück, heißt es im Bericht weiter. Wie viele davon von nichtdeutschen Tatverdächtigen begangen wurden, schlüsselt er nicht auf.

Was wissen wir über Kriminalität von Flüchtlingen?

2015 wurden 84.000 tatverdächtige AsylbewerberJemand gilt erst als Asylbewerber, wenn er oder sie bereits einen Asylantrag gestellt hat, über den aber noch nicht entschieden wurde. Zuständig für die Prüfung ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Nach der Einreise werden Flüchtlinge zuerst im EASY-System registriert. Bis zum Antrag gilt man dann für die Behörden als "Asylbegehrender" oder "Asylsuchender". Quelle: Mediendienst Integration. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration (ohne ausländerrechtliche Verstöße) registriertQuelle: Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik, Standardtabelle 61, eigene Berechnung. Zum Vergleich: 1993 waren es 160.000. Die Zahl der Verdächtigen ist in den vergangenen Jahren weniger stark gestiegen als die Zahl der Asylantragsteller. Mit Ladendiebstahl (39 Prozent) und Fahren ohne Ticket (18 Prozent) standen zwei Bagatelldelikte im Vordergrund. Bei 0,5 Prozent ging es um den Tatvorwurf der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung.

Seit 2015 erstellt das Bundeskriminalamt (BKA) "Lagebilder" zur "Kriminalität im Kontext von Zuwanderung". Der aktuellste und umfassendste Bericht liegt für das erste Quartal 2016 vor:

  • Von Januar bis März registrierte das BKA rund 69.000 Straftaten von "Zuwanderern". Unter "Zuwanderer" werden in dem Bericht Asylberechtigte, Asylbewerber, Menschen mit einer "Duldung", Kontingentflüchtlinge/Bürgerkriegsflüchtlinge und Menschen ohne legalen Aufenthalt gezählt.
  • In den drei Monaten sei die Zahl um 18 Prozent gesunken.
  • Die weit überwiegende Mehrheit beging keine Straftaten.
  • Mehr als die Hälfte der Delikte waren Diebstähle (29 Prozent) sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte (28 Prozent). Der Anteil von Sexualstraftaten lag bei einem Prozent.
  • Gemessen an ihrem Anteil an allen "Zuwanderern" traten Algerier, Marokkaner, Georgier, Serben und Tunesier "deutlich überproportional" als Tatverdächtige auf – Syrer, Afghanen und Iraker hingegen waren "deutlich unterproportional" vertreten.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kriminalität und Herkunft?

Für einen kausalen Zusammenhang von Migrationshintergrund und delinquentem Verhalten gibt es keine wissenschaftlichen Belege, erklärt Rechtswissenschaftler Christian Walburg in seinem Gutachten. Auch zeigen Studien keine grundsätzlichen Unterschiede im kriminellen Verhalten zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund auf.

Jugendliche aus Einwandererfamilien berichten in einigen Befragungsstudien allerdings häufiger von Gewaltdelikten und finden sich vermehrt unter Mehrfachgewalttätern wieder, wie etwa eine BefragungDer Anteil von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, die ein Gewaltdelikt verüben, liegt bei rund 12 Prozent. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund aus der Türkei, Südamerika und Italien liegt er dagegen bei 20 Prozent, bei denjenigen aus dem ehemaligen Jugoslawien/Albanien bei 22 Prozent, usw. Zur Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) zeigt. Da dies jedoch auf alle größeren Herkunftsgruppen zutrifft, dient das nicht als Beleg für den Zusammenhang mit einer bestimmten ethnischen Herkunft oder Religionszugehörigkeit.

Die erhöhten Gewalttaten scheinen eher mit Lebenslagen zusammenzuhängen, die oft mit Migration verbunden sind. So verschwinden beispielsweise die Unterschiede bei der Gewalttätigkeit zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund nahezu, wenn sie die gleichen Bildungschancen haben.QuelleGutachten von Christian Walburg zu Jugenddelinquenz und Migration, 2014, S. 18

Dabei spielt auch das jeweilige Umfeld eine wichtige Rolle. Dies zeigt unter anderem die Langzeitstudie "Kriminalität in der modernen Stadt", die seit 2002 in Duisburg durchgeführt wird. Hier liegt der Anteil an türkischstämmigen Schülern allein bei rund 20 Prozent. Bei der regelmäßigen Befragung von Jugendlichen im selben Sozialraum zeigte sich: Im gesamten Jugend- und Heranwachsendenalter ließen sich kaum Unterschiede bei den "Gewalttäteranteilen" unter männlichen Befragten türkischer und deutscher Herkunft feststellen (s. Abbildung).

Welche Ergebnisse liefern Befragungen bei Jugendlichen?

Befragungsstudien ("Dunkelfeld"-Untersuchungen) haben gegenüber offiziellen Kriminalstatistiken den Vorteil, dass sogenannte Kriminalisierungsrisikenwie zum Beispiel ein höheres Risiko, angezeigt zu werden keinen Einfluss haben. Zudem können hier Migrationsbezüge und andere individuelle und soziale Merkmale erfasst werden, die Aufschluss geben. Aus diesen Untersuchungen geht hervor:

  • Es gibt keine grundsätzlichen Unterschiede im Delinquenzverhalten zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.
  • Unterscheidet man nach Deliktbereichen, fällt auf: Migrantenjugendliche berichten in Befragungen insgesamt ähnlich häufig wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund von "Bagatelldelinquenz" wie Sachbeschädigungen oder Diebstahl.
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund berichten nach der Mehrzahl der Studienzum Beispiel "Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt", KFN-Forschungsbericht 2009, Dirk Baier / Christian Pfeiffer u.a. häufiger von Gewaltdelikten und tauchen öfter unter Mehrfachgewalttätern auf.
  • Ein Zusammenhang zwischen erhöhter Gewaltbereitschaft und einer bestimmten ethnischen Herkunft oder Religionszugehörigkeit wird durch StudienZum Beispiel Langzeitstudie "Kriminalität in der modernen Stadt" jedoch nicht belegt. Wenn die Befragungen höhere Anteile von Gewalttätern ergeben haben, traf dies meist auf alle größeren Herkunftsgruppen zu.
  • Eine stärkere Zustimmung zu Gewalt hat offenbar mit einer größeren sozialen Randständigkeit (Marginalisierung) zu tun. Bei gleichen Bildungschancen verschwinden die Unterschiede zwischen den Gruppen nahezu.
  • Speziell für die Nachkommen der sogenannten Gastarbeiter finden sich Hinweise darauf, dass Unterschiede zu Jugendlichen ohne Migrationshintergrund geringer werden oder verschwinden.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Kriminelles Handeln kann nicht herkunftsspezifisch erklärt werden. QuelleGutachten von Christian Walburg zu Jugenddelinquenz und Migration, 2014

Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Gewaltbereitschaft

Ob junge Menschen zu Gewalt neigen oder nicht, hängt zunächst von ihrer grundsätzlichen Einstellung dazu ab, heißt es im Gutachten zu "Migration und Jugenddelinquenz". Für die mitunter erkennbare höhere Gewaltbereitschaft Jugendlicher mit Migrationshintergrund finden sich sowohl in der Wissenschaft als auch in der öffentlichen Debatte verschiedene Erklärungsansätze, die umstritten sind und sich zum Teil widersprechen:

Innerer Kulturkonflikt:
Die Anhänger dieser TheseSo zum Beispiel der Honorardozent für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Hakan Aslan in einer Rede beim Forum über Gewaltprävention in Berlin (2006) betrachten Gewalt und Delinquenz als Begleiterscheinung der Phase, in der Jugendliche ihren Platz in der deutschen Gesellschaft suchen. Dabei entstehen Spannungen und Identitätsprobleme, die zu negativen Selbstbildern führen können. Das Bild des "entwurzelten Migrantenkindes" ist in der Wissenschaft allerdings nicht hinreichend belegt. Einige Forscher weisen darauf hin, dass Multikulturalität für das Wohlbefinden von Jugendlichen auch von Vorteil sein kann.

Äußerer Kulturkonflikt:
In diesem Ansatz wird Gewaltbereitschaft als Folge einer fehlgeschlagenen Integration gesehen und mitunter ein fragwürdiger Gegensatz konstruiert: Zum einen die moderne, gewaltfreie deutsche Gesellschaft und zum anderen die "vormoderne" Herkunftskultur, in der Gewalt zum Alltag gehört. Nach diesem Muster ist Gewalt die Folge einer mangelnden kulturellen Anpassung an die vermeintlich gewaltfreie Aufnahmegesellschaft. Dieser Ansatz fand sich zum Beispiel häufig in der "Ehrenmorde"-Debatte wieder.

Marginalisierung:
Nach dieser TheseSiehe zum Beispiel Dietrich Oberwittler "Geschlecht, Ethnizität und sozialräumliche Benachteiligung" ist Gewalt in erster Linie das Ergebnis einer sozialen Benachteiligung von Migranten. Vor allem jungen Männern fehle es demnach an sozialer Anerkennung. Delinquentes Verhalten diene dann dazu, Stärke und Macht zu demonstrieren. QuelleGutachten von Christian Walburg zu Jugenddelinquenz und Migration, 2014, S. 14-18

Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft

In der Berichterstattungzum Beispiel die Berichterstattung über eine Studie des Forschungsinstituts Niedersachsen aus dem Jahr 2010 auf Spiegel Online, Zeit Online und Bild Online zu Jugendkriminalität und Gewalt kommt es immer wieder vor, dass ein Zusammenhang zwischen Islam und Gewalttätigkeit hergestellt wird. Doch Religiosität hat bei jungen Muslimen keinen Einfluss auf Delinquenz. Das belegt übrigens auch die oft zitierte Studie des Forschungsinstituts Niedersachsen "Kinder und Jugendliche in Deutschland: Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum".

Darüber hinaus zeigen manche Untersuchungenvgl. Christian Walburg: "Wenn Integration gelingt. Delinquenzmindernde Faktoren bei jungen Migranten", in Täter, Taten, Opfer Seite 53, dass ihr Glaube bei jungen Muslimen eher soziale Bindungen und Kontrolle fördert. Die Forscher richten ihren Blick dabei unter anderem auf das Freizeitverhalten: Weniger Alkoholkonsum und weniger Nachtleben verringern demnach "die Delinquenzrisiken" in manchen Migrantengruppen deutlich. QuelleGutachten von Christian Walburg zu Jugenddelinquenz und Migration, 2014, S. 16 f.

Was sind "Ehrenmorde" und wie viele gibt es?

Für die umstrittene Bezeichnung "Ehrenmord" gibt es bis heute keine allgemein gültige Definition, auf die sich die Richter beziehen können. Zwei Juristen vom "Max Planck Institut für ausländisches und internationales Strafrecht" haben jedoch 2011 eine Studie im Auftrag des Bundeskriminalamts verfasst und den Tatbestand folgendermaßen definiert:

"Ehrenmorde sind vorsätzlich begangene, versuchte oder vollendete Tötungsdelikte, die im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände oder Gesellschaften vorrangig von Männern an Frauen verübt werden, um die aus Tätersicht verletzte Ehre der Familie oder des Mannes wiederherzustellen. Die Verletzung der Ehre erfolgt durch einen wahrgenommenen Verstoß einer Frau gegen auf die weibliche Sexualität bezogene Verhaltensnormen."QuelleJulia Kasselt, Dietrich Oberwittler: "Ehrenmorde in Deutschland 1996-2005", erschienen 2011, Seite 13 und ff.

Bundesweit debattiert wurden "Ehrenmorde" immer wieder, unter anderem 2005 mit dem Fall SürücüDie 23-jährige Hatun Sürücü wurde am 7. Februar 2005 in Berlin-Tempelhof von ihrem jüngeren Bruder ermordet. Anlass für den Mord soll die Missbilligung der Familie gegenüber dem Lebensstil der jungen Frau gewesen sein.. Wenn man jedoch von der oben genannten Definition ausgeht, ist ihre Zahl in Deutschland relativ gering: Die Juristen vom Max Planck Institut haben zwischen 1996 und 2005 rund 30 Fälle analysiert, bei denen diese Umstände gegeben waren. Bei etwa 100 weiteren Fällen handelt es sich um Grenzfälle zur sogenannten "Blutrache" oder "Partnertötung".QuelleJulia Kasselt, Dietrich Oberwittler "Ehrenmorde in Deutschland 1996-2005" 2011, Seite 7

Dass es eine Art "Kultur-Rabatt" vor Gericht gebe, ist ein Mythos, wie Julia Kasselt, Mitautorin der Studie, in einem MEDIENDIENST-Interview erklärt. Deutsche Gerichte sehen in der Verteidigung der Ehre einen "niedrigen BeweggrundBeweggründe zu einem Tötungsverbrechen sind "niedrig”, wenn sie nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen und deutlich verwerflicher und verachtenswerter erscheinen als bei einem Totschlag, siehe Strafgesetzbuch § 211." – "Ehrenmorde" werden also in der Regel härter bestraft als vergleichbare Delikte.QuelleJulia Kasselt "The Judicial Interpretation of Honour Killings in Germany" 2014 – Pressemitteilung

Der "Ehrenmord" gilt als kulturelles Phänomen, das seinen Ursprung in archaischen, Stamm-basierten Gesellschaftsmodellen hat, in denen die Ehre als kollektives Gut von den Familienmitgliedern gemeinsam verteidigt werden muss. Ehrenmorde wurden von Ethnologen im vorderasiatischen sowie im Mittelmeer-Raum (Italien, Spanien, Griechenland, Albanien) erforscht.QuelleJulia Kasselt, Interview mit dem MEDIENDIENST INTEGRATION