Wer kommt, wer geht?

Anders als oft wahrgenommen ist Deutschland ein traditionelles Einwanderungsland. Im Deutschen Reich, in der Weimarer Republik und der Bundesrepublik Deutschland hat es immer Migranten gegeben. Allerdings sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Menschen ein- als ausgewandert. Grundsätzlich zeigt die Statistik, dass die Wanderungszahlen für Deutschland sehr stark schwanken. Zieht man von den Zugewanderten die Zahl der Ausgewanderten ab, erhält man folgende Wanderungsbilanz:

Aktuelle Wanderungszahlen für 2015 bis 2017

Zahlen für 2017: Nach Angaben des Wanderungsmonitorings sind im ersten Halbjahr 2017 rund 560.000 ausländische Staatsangehörige nach Deutschland zugezogen, rund 307.000 sind abgewandert. Unter den Zugewanderten befanden sich rund 307.000 EU-Bürger. Das Wanderungsmonitoring stützt sich auf Zahlen des Ausländerzentralregisters und erfasst nur ausländische Staatsangehörige.Quelle BAMF: Wanderungsmonitoring 2017

Zahlen für 2016: 2016 sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 1,87 Millionen Menschen nach Deutschland zugezogen, von diesen hatten 1,72 Millionen einen ausländischen Pass. Rund 1,37 Millionen Menschen sind 2016 abgewandert. Damit gab es eine Netto-Zuwanderung von 500.000.QuelleBAMF: Wanderungsmonitoring 2016

Zahlen für 2015: Laut dem Migrationsbericht wurden 2015 rund 2,14 Millionen Zuzüge registriert, zugleich haben etwa 998.000 Menschen Deutschland verlassen. Der "Wanderungsüberschuss" lag damit bei 1,14 Millionen. Von den 2,14 Millionen Zugezogenen hatten 2,02 Millionen einen ausländischen Pass.QuelleBAMF: Migrationsbericht 2015

Unklar ist, bei wie vielen der Zugezogenen es sich wirklich um "Zuwanderer" handelt – die also nur vorübergehend nach Deutschland kommen – und bei wie vielen um "Einwanderer", die dauerhaft hier bleiben. Dasselbe gilt für die Fortzüge: Auch hier weiß man nicht, ob es sich um eine temporäre oder eine bleibende Auswanderung handelt.

Woher kommen die Zuwanderer?

Detaillierte Angaben zu Herkunftsländern liegen für das Jahr 2015 vor. Die Mehrheit der Zuwanderer waren 2015 Europäer. Von den rund 2,14 Millionen Zugezogenen waren laut Migrationsbericht 45 Prozent EU-Bürger, 13 Prozent hatten die Staatsangehörigkeit eines anderen europäischen Staates. Aus Asien kamen 30 Prozent der Zuwanderer, aus Afrika wanderten fünf Prozent ein.QuelleBAMF: Migrationsbericht 2015

Die meisten Zuzüge gab es 2015 aus folgenden Ländern:

  1. Syrien: 327.000 (Fortzüge: 10.000)
  2. Rumänien: 213.000 (Fortzüge: 127.000)
  3. Polen: 196.000 (Fortzüge: 132.000)
  4. Afghanistan: 94.000 (Fortzüge: 5.000)
  5. Bulgarien: 84.000 (Fortzüge: 46.000)

Anzahl der erteilten Visa für Deutschland

Rund 2,2 Millionen Visa hat die Bundesrepublik 2016 erteilt – etwas mehr als im Vorjahr. Gut 200.000 Anträge wurden abgelehnt – etwa 11.500 sind zurückgezogen worden. Das entspricht einer Ablehnungsquote von 9,3 Prozent. Die wichtigsten Herkunftsländer waren China (mit 435.185 bearbeiteten Anträgen), Russland (314.785 Anträge) sowie die Türkei (298.521 Anträge). Die meisten Menschen kamen für Kurzaufenthalte. 2017 wurden rund 118.000 Visa für den Ehegatten- und Familiennachzug nach Deutschland ausgestellt – 2016 waren es rund 104.000.QuelleAntwort auf eine Anfrage der Linken, Bundestagsdrucksache 19/2035, S. 20ff.

Die wichtigsten Einwanderungsphasen

Es lassen sich in der deutschen Einwanderungsgeschichte verschiedene Phasen und Haupt-Wanderungsmotive erkennen.

Der meisten Einwanderer kamen

  • mittels Anwerbeabkommen als sogenannte "Gastarbeiter" (1955 bis 1973),
  • durch den Familiennachzug zu bereits in Deutschland lebenden Ausländern (vor allem zwischen 1973 und 1985, aber auch bis heute),
  • als Aussiedler und Spätaussiedler (vor allem zwischen 1987 und 1999),
  • als Flüchtlinge (Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre und verstärkt wieder seit 2014),
  • und als Bürger der Europäischen Union im Zuge der Freizügigkeit.

Der MEDIENDIENST hat in einem Artikel die wichtigsten Migrationsbewegungen seit dem 18. Jahrhundert dargestellt.