Arbeit und Bildung

Ein Arbeitsplatz, Bildung und Deutschkenntnisse werden immer wieder als "Schlüssel zur Integration" genannt. Unter welchen Bedingungen aber dürfen Geflüchtete einem Beruf nachgehen? Welche Qualifizierungsangebote gibt es? Und wann können Flüchtlinge an Integrationskursen teilnehmen? In unserer Rubrik haben wir aktuelle Zahlen und Fakten zum Thema zusammengefasst.

Erwerbstätige und arbeitslose Flüchtlinge

Experten können noch nicht abschätzen, wie viele der neu angekommenen Flüchtlinge in Deutschland Arbeit finden werden. Laut einem "Aktuellen BerichtInstitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Aktueller Bericht 14/2015, ab Seite 9" des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) konnten in der Vergangenheit weniger als acht Prozent der Flüchtlinge eine Beschäftigung im ersten Jahr nach der Einreise finden. Das hatte zum Teil mit den bisherigen Einschränkungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu tun. In den folgenden fünf Jahren stieg dieser Anteil auf knapp 50 Prozent. Nach 15 Jahren war kein Unterschied mehr zu anderen Einwanderergruppen festzustellen (siehe IAB-Kurzbericht 21.3/2014).

Die Zahlen

Bis Ende 2015 hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) den Aufenthaltsstatus der "Klienten" nicht erfasst. Die Zahlen der erwerbstätigen und arbeitslosen Flüchtlinge ließ sich nur anhand der Herkunftsstaaten schätzen. Erst seit Juni 2016 liegen der Agentur Angaben zur Zahl der Geflüchteten vor, die sich seit Anfang des Jahres arbeitssuchend oder arbeitslos gemeldet haben. Um auch ältere Fälle zu berücksichtigen, benutzt die BA also zwei getrennte Datengrundlagen für ihre Statistiken:

  • Die Zahl der Asylbewerber, anerkannten Flüchtlinge und Geduldeten, die seit 2016 bei der Bundesagentur für Arbeit registriert sind
  • und die Zahl der Menschen aus den nicht-europäischen TOP-8Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Pakistan und Nigeria-"Asylherkunftsstaaten", die als arbeitssuchend gelten – unabhängig davon, wann sie bei der BA registriert wurden.

Geflüchtete

Im April 2017 waren etwa 476.000 geflüchtete Menschen bei der Bundesagentur für Arbeit oder einem Jobcenter als arbeitssuchend gemeldet. Die Mehrheit von ihnen befand sich in Integrations- oder Ausbildungsmaßnahmen und stand somit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. 179.000 Menschen waren als arbeitslos registriert. Das heißt: Sie standen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. 466.000 Geflüchtete im erwerbsfähigen Alter haben im Januar 2017 Leistungen nach SGB II bezogen.QuelleBundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Kürze: Fluchtmigration, Seite 4

Erwerbspersonen aus den TOP-8-"Asylherkunftsstaaten"

135.000 Menschen aus Asylherkunftsländern waren im Februar 2017 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit ist die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote betrug in dieser Gruppe knapp 51,4 Prozent und war somit deutlich höher als bei der Gruppe der Ausländer insgesamt (circa 16 Prozent).QuelleBundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Kürze: Fluchtmigration, Seite 8 und 9

Als arbeitslos waren im April 2017 rund 191.000 Menschen aus Asylherkunftsländern gemeldet – nicht alle sind jedoch Flüchtlinge. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen.QuelleBundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Kürze: Fluchtmigration, Seite 9

Der Ausblick

Langfristig kann der wachsende Bedarf an Arbeitskräften in Deutschland durch die Flüchtlingszuwanderung teilweise ausgeglichen werden, so der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung". Dazu müssten die Flüchtlinge allerdings zügiger in die Arbeit kommen. Je nachdem wie gut das gelingt, rechnenSachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Jahresgutachten 2015/2016, Seite 248 die Experten mit 250.000 bis 500.000 neu erwerbstätigen Flüchtlingen bis 2020. Gleichzeitig wären rund 325.000 Flüchtlinge arbeitslos. Deutsche Arbeitnehmer werden laut Expertenprognosen dadurch nicht verdrängt, da viele Flüchtlinge in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft im Niedriglohnsektor arbeiteten.QuellenInstitut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Aktueller Bericht 14/2015, Seite 8; Institut für Wirtschaftsforschung: Konjunkturprognose 2015-2017, Seite 42

Unter welchen Bedingungen dürfen Flüchtlinge arbeiten?

Für anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte gilt laut Asylverfahrensgesetz§ 61 Asylverfahrensgesetz: Sie können uneingeschränkt arbeiten. Asylbewerber hingegen, die sich noch im Asylverfahren befinden, dürfen frühestens nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten. Das Gleiche gilt für Menschen, die in Deutschland geduldet werden.

In den ersten 15 Monaten ist der Zugang zum Arbeitsmarkt jedoch in einigen RegionenLaut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gehören dazu alle Regionen in Mecklenburg-Vorpommern sowie einige Regionen in Bayern (Aschaffenburg, Bayreuth-Hof, Bamberg-Coburg, Fürth, Nürnberg, Schweinfurt, Weiden, Augsburg, München, Passau, Traunstein) und Nordrhein-Westfalen (Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen, Recklinghausen) mit hoher Arbeitslosigkeit nach dem Integrationsgesetz noch eingeschränkt: Asylsuchende und Geduldete können sich um eine Arbeit bemühen, allerdings haben nach dem "Vorrangprinzip§ 39 AufenthG" alle deutschen Arbeitnehmer, EU-Bürger und bestimmte andere AusländerBürger aus einem EWR-Staat, der Schweiz sowie Ausländer mit Arbeitsberechtigung, unbefristeter Aufenthaltserlaubnis oder Aufenthaltsberechtigung in Deutschland zuerst Anrecht auf die Stelle. Geprüft wird das von der Bundesagentur für Arbeit. Bei Fachkräften für ausgewiesene MangelberufeDie Bundesagentur für Arbeit hat die "Positivliste" mit allen Mangelberufen veröffentlicht. entfällt die "Vorrangprüfung".

Eine Ausnahme beim Arbeitsmarktzugang gilt für Asylsuchende aus "sicheren HerkunftsstaatenDas sind Staaten, die als "sicher" erklärt wurden, weil die Behörden annehmen, dass den Menschen dort keine Gefahr droht. Asylanträge aus diesen Staaten werden schneller bearbeitet. Siehe Asylverfahrensgesetz § 29a": Sie dürfen für die gesamte Zeit des Asylverfahrens nicht arbeiten. Auch für Geduldete aus diesen Ländern gibt es keine Arbeitserlaubnis. In einem Artikel hat der MEDIENDIENST die Bestimmungen für Asylbewerber aus "sicheren Herkunftsländern" zusammengefasst.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat eine Übersicht zum Thema Arbeitsmarktzugang veröffentlicht.

Welche Qualifikationen bringen Flüchtlinge mit?

Eine repräsentative Studie gibt Auskunft über die Bildungsqualifikationen von Flüchtlingen. Dafür haben das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Erwachsene befragt, die seit 2013 Asyl beantragt haben. Die Untersuchung zeigt: 37 Prozent haben eine weiterführende Schule besucht, die zwölf Schuljahre umfasst, und fast jeder dritte war auf einer Mittelschule, die über zehn Jahre geht. Doch: Jeder fünfte Geflüchtete hat lediglich die Grundschule oder keine Schule besucht (siehe Grafik).

Die Forscher stellten fest: Aus Bürgerkriegsländern und Konfliktregionen wie Afghanistan, Somalia, Sudan und auch aus Teilen Pakistans kommen besonders viele Menschen, die den Schulbesuch abbrechen oder gar nicht erst beginnen konnten. Häufig gebe es dort kein funktionierendes Schulsystem. Zugleich stellt die Studie fest, dass diskriminierte Minderheiten oft ein eher geringes Bildungsniveau aufweisen, vermutlich weil sie einen schlechteren Zugang zu Bildung hätten.

Außerdem zeigt die Untersuchung: Obwohl 73 Prozent der befragten Migranten bereits gearbeitet haben, kann nur jeder Fünfte einen betrieblichen oder akademischen Berufsabschluss nachweisen. Eine Mehrheit von 66 Prozent der Flüchtlinge strebt einen beruflichen Abschluss an. Viele planen jedoch, zuerst zu arbeiten und sich später weiterzubilden. Und 46 Prozent wollen einen Schulabschluss in Deutschland erlangen.

Für eine andere Untersuchung befragte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Asylbewerber auf freiwilliger Basis, ob sie in ihrem Herkunftsland gearbeitet haben. Die aktuellsten ErgebnisseMatthias Neske, Anna-Katharina Rich, Asylantragsteller in Deutschland im ersten Halbjahr 2016. Sozialstruktur, Qualifikationsniveau und Berufstätigkeit, Ausgabe 4/2016 beziehen sich auf Flüchtlinge, die 2016 Asyl beantragt haben.

  • Hier gaben 64 Prozent der Befragten an, dass sie im Herkunftsland einem bezahlten Beruf nachgegangen waren. Sechs Prozent hatten keine Arbeit und 30 Prozent fielen in die Kategorie "Hausfrau, Rentner, Schüler, Student".
  • 15 Prozent haben im handwerklichen Bereich und zehn Prozent im Dienstleistungssektor gearbeitet. Jeweils acht Prozent gingen Hilfstätigkeiten nach oder waren im Baugewerbe beschäftigt.
  • Unter den Frauen, die beruftstätig waren, stellen Lehrerinnen die größte Berufsgruppe (21 Prozent).
  • Insgesamt haben lediglich 29 Prozent der befragten Frauen angegeben, dass sie zuvor gearbeitet haben. Fünf Prozent waren arbeitslos und 66 Prozent Hausfrauen, Rentnerinnen, Schülerinnen oder Studentinnen.Quelle Auf Anfrage des Mediendienstes beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Wie viele Flüchtlinge lassen ihre Abschlüsse anerkennen?

Der Aufenthaltsstatus von Antragstellern ist in der Statistik zur Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen nicht erfasst. Deswegen kann man nicht genau sagen, wie viele Flüchtlinge einen Antrag auf Anerkennung gestellt haben. Einen Anhaltspunkt bietet laut dem "Bericht zum Anerkennungsgesetz 2016" die Staatsangehörigkeit: Zwischen 2012 und 2014 stellten 1.362 Syrer, 573 Iraner und 393 Kosovaren einen Antrag auf Anerkennung. Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 44.000 Anträge.QuelleBundesministerium für Bildung und Forschung, Bericht zum Anerkennungsgesetz 2016, Seiten 71 und 4

Sicher ist: Immer mehr Flüchtlinge informieren sich über die Möglichkeit, ihre Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Die Beratungsstelle des Förderprogramms "Integration durch Qualifizierung" teilte dem MEDIENDIENST auf Anfrage mit: Im ersten Quartal 2016 suchten rund 2.600 Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge und Geduldete Beratung. Für 2015 liegen im "Bericht zum AnerkennungsgesetzBundesministerium für Bildung und Forschung, Bericht zum Anerkennungsgesetz 2016, Seiten 67 und 68" lediglich Zahlen für das zweite Halbjahr vor: Zwischen Juni und Dezember 2015 suchten 2.869 Flüchtlinge Beratungsbüros auf. Rund 61 Prozent von ihnen waren Syrer, gefolgt von Iranern (acht Prozent) und Afghanen (vier Prozent). Die meisten von ihnen möchten als Ingenieure, Ärzte oder Lehrer arbeiten.

Wenn jemand als Flüchtling unter schwierigen Umständen nach Deutschland kommt, kann er häufig keine schriftlichen Nachweise über Abschlüsse oder Arbeitserfahrung vorlegen. Um die Anerkennung dennoch zu ermöglichen, können Arbeitsproben oder Fachgespräche als Nachweislaut § 14 des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) und § 50b der Handwerksordnung (HwO) dienen. Das Projekt "Prototyping Transfer" unterstützt Handwerkskammern und andere Stellen dabei.

Für welche Berufsgruppen ist die Anerkennung wichtig?
Die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses ist vor allem dann wichtig, wenn der angestrebte Beruf "reglementiert" ist. Dann darf der Beruf ohne ein staatliches Zulassungsverfahren und ohne eine Anerkennung der Berufsqualifikation nicht ausgeübt werden. Das betrifft beispielsweise Ärzte, Krankenpfleger, Erzieher oder, unter bestimmten Umständen, Selbstständige. Ist der Beruf "nicht-reglementiert", dann ist die Anerkennung nicht zwingend erforderlich, aber kann dennoch sinnvoll sein, damit Arbeitgeber die Qualifikationen besser einschätzen können.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Hintergrundinformationen zur Anerkennung

Kinder aus Flüchtlingsfamilien an Schulen

Die Schulpflicht in Deutschland gilt auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche. In einigen Bundesländern (Berlin, Bremen, Hamburg, Saarland und Schleswig-Holstein) setzt die Schulpflicht schon mit dem Asylantrag ein. In anderen dagegen beginnt sie nach drei (wie in Bayern und Thüringen) oder sechs Monaten (wie in Baden-Württemberg). Unabhängig davon gilt das Recht auf einen Schulbesuch.

Wie viele Flüchtlingskinder in Deutschland zu Schule gehen werden, lässt sich bisher nur schätzenGrundlage dafür sind die 1,1 Millionen Registrierte im EASY-System 2015. Das System erfasst nicht das Alter der Schutzsuchenden. Deswegen wird Altersstruktur der Asylbewerber von 2015 auf die EASY-Zahlen hochgerechnet. Bei den EASY-Zahlen sind Fehl- und Doppelerfassungen nicht ausgeschlossen.. Der im Auftrag des Bundesbildungsministeriums (BMBF) erstellte Bericht "Bildung in Deutschland 2016", geht von 90.000 bis 120.000Siehe hierzu "Bildung in Deutschland 2016, S. 200 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren mit Fluchterfahrung aus, die 2015 angekommen sind. Das entspräche einem Anteil zwischen 0,8 bis 1,1 ProzentIm Schuljahr 2015/2016 besuchten rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler eine allgemeinbildende Schule, siehe Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 11.03.2016 an allen Schülern in Deutschland.

Einer Studie des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache zufolge sind im Jahr 2015 knapp 56.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus Syrien nach Deutschland zugewandert. Aus Afghanistan kamen 23.500, aus dem Irak 11.000. Die Studie hat Daten des Statischen Bundesamtes und des Ausländerzentralregisters ausgewertet. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 wanderten knapp 13.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus Syrien und 4.000 aus Afghanistan ein.QuelleMercator-Institut, "Neu zugewanderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Entwicklungen im Jahr 2015", 2016, S.19

Wie viele Lehrer für die neuen Schüler gebraucht werden, kann zur Zeit ebenfalls nur geschätzt werden. Das BMBF rechnet mit dem Bedarf von 10.500 bis 14.000 Lehrkräften sowie 600 bis 800 Sozialarbeitern. Das würde zwischen 837 Millionen Euro und 1,1 Milliarden kosten.QuelleBMBF, Bildung in Deutschland 2016, S. 201

Je nach Bundesland nehmen geflüchtete Kinder und Jugendliche entweder von Anfang am regulären Unterricht oder sie werden eine Zeitlang in gesonderten Klassen unterrichtet. Die "Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik" hat eine Übersicht für die Willkommensklassen, Sprachlernklassen, Auffangklassen und Vorlaufklassen aller Bundesländer erstellt.

In einer Expertise für den MEDIENDIENST schreiben die Bildungswissenschaftlerinnen Juliane Karakayali und Birgit zur Nieden zu Berliner "Willkommensklassen": Die separierte Beschulung produziert eine Reihe von organisatorischen Problemen – etwa durch eine hohe Fluktuation in den Klassen. Die Forscherinnen empfehlen, geflüchtete Kinder möglichst schnell in Regelklassen zu integrieren und separaten Deutschunterricht anzubieten.

Flüchtlinge an Hochschulen

Flüchtlinge gelten für deutsche Hochschulen als ausländische StudienbewerberSiehe Webseite "Studieren als Flüchtling" des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Wie diese müssen sie eine Hochschulzugangsberechtigung und ausreichende Sprachkenntnisse vorweisen. Um sich einzuschreiben ist kein bestimmter Aufenthaltsstatus erforderlich. Laut einer Studie der Universität Hildesheim stehen Geflüchtete jedoch vor besonderen Schwierigkeiten, wenn ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist oder sie geduldet werden: Die Wohnsitzauflage für Asylsuchende und Geduldete schränkt die Wahl des Studienorts ein. Zudem sind sie in den ersten 15 Monaten in Deutschland nicht gesetzlich krankenversichert, die Hochschulen verlangen jedoch den Nachweis einer Krankenversicherung.

Zeugnisse, die belegen, dass sie die Hochschulzugangsberechtigung in ihrem Herkunftsland bereits erworben haben, können Flüchtlinge häufig nicht vorlegen. Für diesen Fall hat sich die Kultusministerkonferenz im Dezember 2015 auf ein dreistufiges Verfahren zu Anerkennung geeinigt. Wie dieses in der Praxis umgesetzt wird, bestimmen die Bundesländer selbst.

Rund 70.000 Bewerbungen von Flüchtlingen in den kommenden drei Jahren erwarten Hochschulen in Deutschland der Bundesregierung zufolge. Laut einer weiteren Bundestagsdrucksache hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung beschlossen, in vier Jahren 100 Millionen Euro zur Integration "studierwilliger und -fähiger Flüchtlinge" auszugeben. Damit werden unter anderem Sprach- und Studierfähigkeits-Tests sowie 2.400 zusätzliche Plätze an StudienkollegsAn Studienkollegs können ausländische Studienbewerber Vorbereitungskurse belegen, wenn ihr Schulabschluss nicht als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt wird. finanziert. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist für die Umsetzung verantwortlich.

Integrationskurse für Flüchtlinge

Mit der Reform des Zuwanderungsrechts wurden 2005 sogenannte Integrationskurse eingeführt, von denen auch Flüchtlinge profitieren. Neben einem Orientierungskurs beinhalten sie einen SprachkursDer Sprachkurs umfasst 600 Unterrichtsstunden, der Orientierungskurs 100 Unterrichtsstunden., der "ausreichendeAusreichende Kenntnisse entsprechen dem Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) für Sprachen" Deutschkenntnisse vermitteln soll. Verpflichtend ist die Teilnahme an einem Integrationskurs für Flüchtlinge nur dann, wenn ihr Asylantrag bewilligt wurde und die Ausländerbehörde eine solche Teilnahme anordnet.

Asylbewerber, die sich noch im laufenden Asylverfahren befinden, durften bis Oktober 2015 nicht an den Integrationskursen teilnehmen. Um auch ihre Integration zu beschleunigen, hat die Bundesregierung eine entsprechende Reform im AsylverfahrensbeschleunigungsgesetzSiehe Artikel der Bundesregierung vom 26.10.2015 beschlossen, wonach auch "Asylbewerber und Geduldete mit guter BleibeperspektiveEine "gute Bleibeperspektive" ist laut BAMF gewährleistet, wenn ein Mensch aus einem Herkunftsland kommt, das eine Schutzquote von über 50 Prozent aufweist. Derzeit sind das Syrien, Irak, Eritrea, Iran und Somalia." einen Integrationskurs besuchen können. Menschen aus bestimmten Herkunftsländern dürfen seither an den Kursen teilnehmen, sobald sie einen Asylantrag gestellt und eine Aufenthaltsgestattung erhalten haben (das BAMF hat dazu ein FAQ-Papier veröffentlicht). Mit dem Integrationsgesetz können Asylbewerber nun auch zu Integrationskursen verpflichten werden.

Welche Qualifizierungsangebote gibt es für Flüchtlinge?

Sprachkurse

Neben Integrationskursen gibt es weitere AngeboteEinen guten Überblick bietet das Themendossier "Sprachvermittlung und Spracherwerb für Flüchtlinge der Robert Bosch Expertenkommission, ab Seite 10 für Sprachkurse. Einige Bundesländer bieten Kurse für Flüchtlinge an, die nicht an Integrationskursen teilnehmen dürfen. Zum Beispiel: Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und das Saarland. Daneben organisieren bundesweit Ehrenamtliche Sprachkurse in Vereinen oder Kirchengemeinden.

Junge Flüchtlinge, die in Deutschland ein Studium beginnen oder weiterführen wollen, können vom Bundesprogramm "Garantiefonds Hochschule" unterstützt werden. Es bietet Stipendien und Sprachkurse sowie Hilfe bei der Anerkennung von Leistungen, der Studienwahl und der Qualifizierung. Das Familienministerium (BMFSFJ) fördert das Programm.

Das große Interesse an Sprachkursen für Flüchtlinge, die noch im Asylverfahren sind, wurde durch eine einmalige Initiative der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Herbst 2015 deutlich: Für die sogenannten "Einstiegskurse" hatte die BA mit 100.000 Teilnehmern gerechnet. Letztlich meldeten sich etwa 223.000 Menschen an, wie die Bundesagentur im Januar 2016 mitteilte. Die Kurse sind Ende 2015 ausgelaufen.

Berufsvorbereitende (Sprach-)Kurse

Für 2016 sind laut einer Pressemitteilung des Bundesarbeitsministeriums 100.000 Teilnahmeplätze in berufsbezogenen Sprachkursen vorgesehen. Ab 2017 soll es jährlich 200.000 Plätze geben. Flüchtlinge können damit an die Integrationskurse anschließen. Sie müssen also ein gutes Sprachniveaunach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen ist das Niveau B1 vorweisen. Wer teilnehmen darf, entscheiden Arbeitsagenturen und Jobcenter. Die Umsetzung erfolgt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Diese Kurse sollen die derzeitigen ESF-BAMF-Kurse nach und nach ersetzen.

Die sechs- bis achtwöchige Maßnahme "Perspektiven für Flüchtlinge" (PerF) der Bundesagentur für Arbeit wendet sich an Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte sowie Geduldete mit Arbeitsmarktzugang. Sie erhalten Informationen über den deutschen Arbeitsmarkt, die Anerkennung von Abschlüssen in Deutschland sowie Hilfe bei Bewerbungen, der Arbeitsplatzsuche und der Weiterentwicklung berufsbezogener Sprachkenntnisse.