Arbeitsmarkt

Ob eingewandert oder nicht – einen Beruf und eine Arbeit zu haben, ist eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft. Hier sind allerdings deutliche Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu erkennen.

Erwerbstätigkeit im Vergleich

Von den knapp 81 Millionen Einwohnern in Deutschland waren 2015 rund 42,2 Millionen "Erwerbspersonen", also Menschen, die für den Arbeitsmarkt in Betracht kommen. Dazu zählen Erwerbstätige und ArbeitsloseMenschen auf Arbeitsuche, unabhängig davon, ob sie bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind oder nicht.

Von diesen Erwerbspersonen hatten etwa 8,4 Millionen einen MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
, darunter rund 3,7 Millionen AusländerPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF. Will man die Integration in den Arbeitsmarkt vergleichen, sollte als Bezugsgruppe immer die Zahl der Erwerbspersonen der jeweiligen Gruppe genommen werden.

Trotz der verhältnismäßig hohen Arbeitslosigkeit unter Eingewanderten und ihren Nachkommen geht die überwiegende Mehrheit einer Arbeit nach: nämlich rund 92 Prozent der Erwerbspersonen mit Migrationshintergrund und rund 91 Prozent der ausländischen Erwerbsfähigen.QuelleStatistisches Bundesamt: Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 51, teilweise eigene Berechnung

Erwerbslosigkeit im Vergleich

Auch wenn meist die Rede von "Arbeitslosen" ist, wird in der Fachwelt von "Erwerbslosen" gesprochen: das sind alle Arbeitslosen – unabhängig davon, ob sie bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet sind oder nicht. Die Erwerbslosenquoteder Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen lag 2015 in der gesamten Bevölkerung bei rund 5 ProzentDie Zahl unterscheidet sich von der Arbeitslosenquote, die nur Personen erfasst, die bei den Arbeitsagenturen gemeldet sind.. Betrachtet man die Zahlen genauer, fallen deutliche Unterschiede für einzelne Gruppen auf. So liegt der Anteil der Erwerbslosen

  • bei Deutschen ohne Migrationshintergrund bei 3,8 Prozent (rund 1,3 Millionen Erwerbslose),
  • bei Menschen mit MigrationshintergrundMit Migrationshintergrund werden statistisch alle Bürger erfasst, die nach 1949 in die heutige Bundesrepublik Deutschland eingewandert sind, sowie alle hier geborenen Ausländer. Auch Eingebürgerte gehören dazu, ebenso wie alle Deutschen mit mindestens einem zugewanderten oder ausländischen Elternteil. Quelle: NdM-Glossar und Statistisches Bundesamt
    bei 7,7 Prozent (rund 641.000 Erwerbslose)
  • und unter AusländernPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF bei 9,1 Prozent (rund 399.000 Erwerbslose).

Arbeitslosigkeit trifft also Menschen ohne deutschen Pass mehr als doppelt so oft wie Deutsche ohne Migrationshintergrund.QuelleStatistisches Bundesamt: Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 51; eigene Auswertung

Auch in anderen industrialisierten Ländern, die zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehören, sind die Berufschancen für Menschen, die im Ausland geboren sind (foreign-born) geringer: Im Durchschnitt liegt deren Erwerbslosenquote 3,3 Prozentpunkte höher als bei Einheimischen.QuelleOECD, Migrationsausblick 2015, Zusammenfassung, Seite 2

Unterschiede in Ost und West

Nach wie vor ist der Anteil an AusländernPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF in WestdeutschlandDie Statistik fasst hier die alten Bundesländer mit Berlin zusammen mit 10,7 Prozent deutlich größer als in Ostdeutschland (2,8 Prozent). Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) mit rund fünf Prozent deutlich unterdurchschnittlich vertreten.QuelleStatistisches Bundesamt: Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 128

Gleichzeitig weist eine Statistik von 2015 auf schlechtere Arbeitsmarktchancen für Migranten und ihre Nachkommen in Ostdeutschlandneue Bundesländer ohne Berlin hin: So betrug die Erwerbslosenquoteder Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen bei Menschen mit Migrationshintergrund dort 2014 rund 16 Prozent, gegenüber 7,8 Prozent im Westen.QuelleStatistisches Bundesamt: Mikrozensus 2014, Auswertung von August 2015 auf Anfrage des Mediendienstes Integration

Selbstständige und Unternehmer mit Migrationshintergrund

Einwanderer schaffen zahlreiche Arbeitsplätze. Das belegen unter anderem die Zahlen zu Unternehmensgründungen. So wurde in den vergangenen Jahren laut KfW jede fünfte Firma von MigrantenDas Statistische Bundesamt definiert Migranten als Personen, die im Ausland geboren und nach Deutschland gezogen sind. Was viele nicht wissen: Rund die Hälfte aller Migranten sind inzwischen Deutsche (z.B. Spätaussiedler oder Eingebürgerte), die andere Hälfte besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Migranten sowie ihre Kinder und in bestimmten Fällen auch ihre Enkelkinder gelten als "Personen mit Migrationshintergrund". Quelle: Statistisches Bundesamt. Zahlen und Fakten: Mediendienst Integration gegründet.

Die Selbstständigenquote liegt bei Personen mit und ohne Migrationshintergrund auf gleichem Niveau. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 710.000 Selbstständige aus Einwandererfamilien, die über zwei Millionen neue ArbeitsplätzeNach einem Schätzmodell stellen Migrantenunternehmen zwischen 2,2 und 2,7 Millionen Arbeitsplätze. Siehe Studie "Ökonomische Bedeutung und Leistungspotenziale von Migrantenunternehmen in Deutschland", 2014, S. 71. schaffen. Dabei haben die Bereiche Gastronomie und Handel abgenommen, während wissensbezogene Dienstleistungen wie Forschung, Beratung, Management und Organisation erheblich gestiegen sind.QuelleStatistisches Bundesamt: Ergebnisse des Mikrozensus 2014, Fachserie 1 Reihe 2.2, S. 68; "Ökonomische Bedeutung und Leistungspotenziale von Migrantenunternehmen in Deutschland", Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2014, S. 54, 71, 73.

Die Zahl der Selbstständigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist viele Jahre deutlich gestiegen, ist allerdings seit Kurzem rückläufig:

Wie Einwanderer die Rente mitfinanzieren

Eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung (RV) zeigt: Rund 4,7 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit waren 2013 aktiv rentenversichert, zahlten also Beiträge in die Rentenkasse. Im Vergleich zu 2010 nahm ihre Zahl um mehr als eine dreiviertel Million zu. Dies hat nach Angaben der RVDeutsche Rentenversicherung: RVaktuell 5/2013, Seite 91f. bzw. 3f. vor allem zwei Gründe:

  • Am 1. Mai 2011 wurde die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit auf weitere acht EU-MitgliedstaatenEstland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn ausgeweitet. Gut die Hälfte (54,3 Prozent) der erstmals 2011 aktiv Versicherten kommt aus EU-Mitgliedstaaten, für die die Arbeitnehmerfreizügigkeit neu gilt.
  • Auch mehr Arbeitnehmer aus den europäischen Krisenländern, den sogenannten GIPS-StaatenGriechenland, Italien, Portugal, Spanien zahlen in die Rentenkasse ein, wie aus dem Beitrag des Fachmagazins RVaktuell hervorgeht.

Löhne im Vergleich

Ausländer verdienen deutlich weniger als Beschäftigte mit einem deutschen Pass. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Bildung und Berufsforschung (IAB), die die Löhne vollzeitbeschäftigter Männer von 2000 und 2008 miteinander verglichen hat. Beim Eintritt in den Arbeitsmarkt erreichen die ausländischen nur 64 Prozent des Durchschnittslohns der deutschen Arbeitnehmer. Acht Jahre später sind es immerhin 72 Prozent.

Die Lohnangleichung fällt jedoch je nach Herkunftsland sehr unterschiedlich aus. So können etwa Franzosen, die bereits beim Eintritt in den Arbeitsmarkt relativ viel verdienen, ihr Lohnniveau in den Folgejahren stärker steigern als Personen aus der Türkei, die überwiegend "am unteren Ende der Lohnverteilung starten". Einwanderer aus Industriestaaten wie Österreich, Großbritannien, den Niederlanden und USA hingegen verdienen oft von Anfang an mehr als den hiesigen Durchschnittslohn, da sie oft als Hochqualifizierte nach Deutschland kommen.

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

In vielen Bereichen werden ausländische Berufsqualifikationen nicht automatisch anerkannt und die Betroffenen können ihren Beruf nicht ausüben. Seit 2012 gibt es deswegen das "Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen", kurz Anerkennungsgesetz. Mit dem Gesetz gibt es einen Anspruch auf Prüfung.

Zahlen 2015: Laut Statistischem Bundesamt wurden 2015 rund 22.400 Anträge auf Anerkennung bearbeitet, das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr. 16.700 Berufsabschlüsse wurden ganz oder teilweise anerkannt. Darunter sind auch Antragsteller, die noch eine Prüfung oder einen Lehrgang absolvieren müssen, um die volle Anerkennung zu erreichen. Etwa die Hälfte von ihnen hatte Abschlüsse aus europäischen Staaten, die meisten aus Rumänien, gefolgt von Polen und Bosnien. Fast drei Viertel der Antragsteller wollen als Ärzte oder Pflegepersonal in Deutschland arbeiten.QuelleStatistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 6.10.2016

In unserer Rubrik "Flucht und Asyl" finden Sie Zahlen und Fakten zu Flüchtlingen, die ihre Berufsabschlüsse anerkennen lassen möchten.

Eine bundesweite Übersicht von Beratungsstellen, die Einwanderer bei der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse unterstützen, bietet das IQ Netzwerk "Integration durch Qualifizierung" auf seiner Website.

Das Anerkennungsgesetz betrifft nur Berufe im Zuständigkeitsbereich des Bundes. Es gibt jedoch zahlreiche Berufe, deren Gleichstellung und Anerkennung über Ländergesetze geregelt werden – dazu gehören etwa Lehrer, Erzieher, Ingenieure, Architekten, Sozialpädagogen und berufsfachschulische Abschlüsse. Alle 16 Bundesländer haben inzwischen eigene Anerkennungsgesetze eingeführt. Die Regelungen weichen jedoch zum Teil stark voneinander ab.

Blaue Karte EU: Aufenthaltstitel für Hochqualifizierte

Die Blaue Karte EU trat am 1. August 2012 in Kraft und ist seither das Pendant zur US-amerikanischen "Green Card". Damit haben die EU-Länder erstmals einen gemeinsamen Aufenthaltstitel für Hochqualifizierte aus Ländern eingeführt, die außerhalb der EU liegen. Am häufigsten wird der Titel in Deutschland genutzt: 87 Prozent aller Blauen Karten gingen an Drittstaatsangehörige in der Bundesrepublik.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Die Blaue Karte EU in Deutschland, Kontext und Ergebnisse der BAMF-Befragung, Seite 68

Die sogenannte Blue Card wird nur an Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium erteilt, die einen Arbeitsvertrag oder ein verbindliches Arbeitsplatzangebot mit einem bestimmten MindestgehaltFür 2016 gilt eine Untergrenze von 49.600 Euro. Für Ärzte, Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler liegt das Mindestgehalt bei 38.688 Euro, da in diesen Branchen besonders viele Stellen unbesetzt sind vorlegen können. Sie ist auf maximal vier Jahre befristet und kann unter bestimmten Voraussetzungen in eine (unbefristete) Niederlassungserlaubnis Die Niederlassungserlaubnis berechtigt zum unbefristeten Aufenthalt in Deutschland. Um sie zu bekommen, muss man zahlreiche Bedingungen erfüllen, für geflüchtete Menschen spielt sie daher zunächst einmal keine Rolle. Einzige Ausnahme: die Kontingentflüchtlinge. Sie können unter bestimmten Umständen direkt eine Niederlassungserlaubnis erhalten. Quelle: BMI münden.

2015: In vergangenen Jahr hat Deutschland 6.800 Blaue Karten ausgestellt. Das ist ein Viertel mehr als 2014 (rund 5.400 Blaue Karten). Die meisten gingen an Staatsangehörige aus Indien (20 Prozent), gefolgt von Russland (11 Prozent), der Ukraine (neun Prozent), China (sieben Prozent) und den USA (fünf Prozent).QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Das Bundesamt in Zahlen 2015, S. 68

Die erste repräsentative BAMF-Befragung von Blue-Card-Inhabern kommt zu folgenden Ergebnissen: Im Dezember 2015 lebten insgesamt 28.000 Ausländer mit diesem Aufenthaltstitel in der Bundesrepublik. Nicht alle sind neu eingewandert, ein großer Teil hielt sich bereits in Deutschland auf.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Die Blaue Karte EU in Deutschland. Kontext und Ergebnisse der BAMF-Befragung, Seite 46.

  • 18.400 Inhaber einer Blauen Karte sind Berufsanfänger, von ihnen lebten 5.900 bereits in Deutschland und absolvierten hier ein Studium, eine Aus- oder Weiterbildung.
  • 89 Prozent von ihnen sind entweder in MINTMathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik-Berufen oder als Ärzte tätig.
  • 61 Prozent sind verheiratet. Der überwiegende Teil der Ehepartner lebt ebenfalls in Deutschland (90 Prozent). 37 Prozent haben ein Kind oder mehrere Kinder.
  • Ein Drittel von ihnen kann sich vorstellen, dauerhaft in Deutschland zu leben und 39 Prozent wollen mindestens zehn Jahre bleiben.QuelleBundesamt für Migration und Flüchtlinge, Die Blaue Karte EU in Deutschland. Kontext und Ergebnisse der BAMF-Befragung, S. 5-9 und S. 64 und 66

Ausländer in Leiharbeitsverhältnissen

AusländerPersonen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (nicht identisch mit "Migranten"). Quelle: BAMF arbeiten in Deutschland überproportional häufig als Leiharbeiter: Ihr Anteil beträgt in der Leiharbeitsbranche 17,4 Prozent, während sie in allen anderen Sektoren 11,1 Prozent ausmachen. Zudem sind hier Männer und jüngere Arbeitnehmer überrepräsentiert. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) von 2014 hervor.

Die Untersuchung zeigt auch, dass ausländische Leiharbeiter im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen kürzer beschäftigt sind. 2012 blieben Deutsche im Durchschnitt 3,5 Monate beschäftigt, während Ausländer durchschnittlich drei Monate in Leiharbeitsverhältnissen waren.QuelleIAB-Kurzbericht 13-2014

Wie hoch ist der Fachkräftemangel?

Immer wieder wird Migration im Zusammenhang mit Fachkräftemangel diskutiert. Anlass gibt vor allem der demographische Wandel: Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt es bis 2025 in Deutschland rund 6,5 Millionen weniger Erwerbspersonen, womit auch weniger FachkräftePersonen mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung zur Verfügung stehen werden.

Zwar ist der Fachkräftemangel ein Dauerthema, genaue Zahlen über das Ausmaß gibt es jedoch wenige. Laut der "Fachkräfteengpassanalyse" der BA liege zurzeit kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland vor, allerdings gebe es Engpässe in bestimmten Branchen und Regionen. So fehlten etwa Fachkräfte in 19 Berufsgruppen, vor allem in technischen BranchenMaschinen- und Metallbau, Elektro(nik)berufe, Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik sowie IT und Eisenbahnverkehr sowie im Bereich Gesundheit und PflegeÄrzte, Pflege- und Altenpflegekräfte, Meister in Orthopädie und Hörakustik. Eine interaktive Karte des Portals zur Fachkräfte-Offensive des Bundes zeigt, dass es derzeit vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen an Fachkräften fehlt.

Laut BA würden in Zukunft auch nicht-akademische Fachkräfte benötigt. Wie viele Fachkräfte der deutschen Wirtschaft künftig fehlen, hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel strukturellen Änderungen am Arbeitsmarkt oder der Konjunktur. Dazu gibt es verschiedene Vorausberechnungen:

  • Das "Erwerbspersonenpotenzial" (ohne Wanderung und bei unveränderten Erwerbsquoten) wird bis 2050 um 16,2 Millionen Arbeitskräfte deutlich sinken, erklären Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Studie der Bertelsmann Stiftung von 2015. Mit anderen Worten: Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter würde um 36 Prozent schrumpfen. Das müsse dringend durch Zuwanderung aufgefangen werden, so die Wissenschaftler. Pro Jahr würden zwischen 276 000 und 491 000 Einwanderer aus DrittstaatenJuristisch gelten alle Länder als Drittstaaten, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind. Als Drittstaatsangehöriger gilt also, wer nicht die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes hat. Der Begriff ist allerdings leicht zu verwechseln mit sicheren Drittstaaten, die damit nichts zu tun haben. Quelle: BAMF benötigt. Quelle"Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland bis 2050", Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, 2015
  • Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) von 2014 müssten pro Jahr 100.000 Personen mehr als bisher zuwandern, um die Engpässe längerfristig abmildern zu können, wie eine interaktive Grafik veranschaulicht.
  • Ein Forschungsbericht der Europäischen Kommission und OECDOrganisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development) vereinigt 34 Mitgliedsländer, "die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft" bekennen. Quelle: OECD

    von 2014 hat für die Europäische Union errechnet, dass die Zahl der Erwerbspersonen in den kommenden 30 Jahren um 6,5 Prozent sinken wird – das entspricht 21,7 Millionen Personen.
  • Das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos AG sagte 2012 voraus, dass bis zum Jahr 2020 rund 1,7 Millionen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen werden und bis 2035 sogar vier Millionen. Solche Rechnungen sind allerdings umstritten, die Prognosen seien wenig belastbar, erklärte unter anderem das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW).

Einwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nennt im "Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept" unter anderem Einwanderung und Integration in den Arbeitsmarkt als wesentliche Faktoren, um den Fachkräftebedarf zu sichern:

  • Migranten und ihre Nachkommen können durch Weiter- und Ausbildung einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt finden.
  • Zudem müssten qualifizierte DrittstaatenangehörigeMenschen, die nicht die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes besitzen. Quelle: BAMF bei der Einreise und Arbeitssuche unterstützt werden, zum Beispiel durch die Internetplattform "Make it in Germany".

Einem Bericht der OECDOrganisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development) vereinigt 34 Mitgliedsländer, "die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft" bekennen. Quelle: OECD

zufolge nutzen deutsche Unternehmen bisher die Möglichkeit zu wenig, Fachkräfte aus Drittstaaten zu rekrutieren. Dabei zähle die deutsche Zuwanderungspolitik für Hochqualifizierte zu den offensten in den OECD-Ländern. Für Migranten mit nicht-akademischen Qualifikationen sei es dagegen oftmals schwierig, ihre Abschlüsse anerkennen zu lassen.QuelleOECD/EU, Matching Economic Migration with Labour Market Needs, 2014