Bevölkerung

Wie groß ist die Bevölkerung in Deutschland? Wie viele Einwanderer und Nachkommen von Einwanderern sind darunter? Hier stellen wir Ihnen regelmäßig aktualisierte Zahlen mit den Originalquellen zur Verfügung.

Wie viele Ausländer leben in Deutschland?

Die Zahl der Ausländer – also der Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit – variiert je nach Erhebung:

  • Unter den rund 81 Millionen Einwohnern in Deutschland lebten 2015 laut Mikrozensus 7,8 Millionen Ausländer – das entspricht 9,5 Prozent der Bevölkerung. Davon hatten 1,4 Millionen "keine Migrationserfahrung", weil sie in Deutschland geboren sind. Zum Vergleich: 2014 lebten 7,2 Millionen Ausländer in Deutschland.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2
  • Laut Ausländerzentralregister (AZR) lebten Ende 2015 rund 9,11 Millionen Ausländer in Deutschland. 2014 waren es noch 8,15 Millionen.QuelleStatistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 21.03.2016

Grund für die Abweichungen zwischen den Zahlen des Mikrozensus und des Ausländerzentralregisters sind laut Statistischem Bundesamt unterschiedliche Erhebungsmethoden. Mit dem "Zensus 2011" wurde die Bevölkerungsfortschreibung auf eine neue Grundlage gestellt und die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer seit dem Mikrozensus 2013 um über eine Millionen nach unten korrigiert. Zudem weist das Statistische Bundesamt darauf hin, dass der Mikrozensus 2015 die "Zuwanderung des Jahres 2015 nur teilweise widerspiegelt". Der Grund: In Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete werden keine Mikrozensus-Befragungen durchgeführt.

Wie viele "Menschen mit Migrationshintergrund" leben in Deutschland?

Ende 2015 lebten in Deutschland rund 17,1 Millionen Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund (723.000 Personen mehr als 2014) – das entspricht 21 Prozent der Bevölkerung.

  • Mit 9,3 Millionen hat die Mehrheit von ihnen einen deutschen Pass.
  • 7,8 Millionen sind Ausländer.
  • Rund 11,5 Millionen haben "eigene Migrationserfahrung", sind also im Ausland geboren und eingewandert.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2 und Pressemitteilung vom 16.9.2016.

Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund wird nicht nur in Deutsche und Ausländer unterteilt, sondern auch in Personen "mit und ohne eigene Migrationserfahrung". Von den 17,1 Millionen Menschen haben rund 11,5 Millionen eine eigene Migrationserfahrung, sind also aus dem Ausland eingewandert (Stand: Ende 2015).QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, S.7

In einem Informationspapier für den MEDIENDIENST erläutert die Sozialanthropologin Anne-Kathrin Will, wie Zuwanderer und ihre Nachkommen in der Statistik erfasst werden. Wie andere europäische Länder den "Migrationshintergrund" erfassen, erklärt die die Soziologin Linda Supik in einer Expertise.

Bevölkerungsanteile nach Herkunftsland

Von den 11,5 Millionen Menschen, die selbst nach Deutschland eingewandert sind, stammen die meisten aus Europa: Knapp 69 Prozent kommen aus europäischen Ländern (inklusive Türkei), knapp 38 Prozent davon aus EU-Mitgliedsländern.

Von allen Menschen mit Migrationshintergrund stammen

  • 16,7 Prozent aus der Türkei,
  • 9,9 Prozent aus Polen,
  • 7,1 Prozent aus der Russischen Föderation,
  • 5,5 Prozent aus Kasachstan.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, Seite 7

Im Jahr 2015 lebten rund 3,1 Millionen Aussiedler beziehungsweise Spätaussiedler in Deutschland.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1 Reihe 2.2, Seite 62

Wie viele Türkeistämmige leben in Deutschland?

Menschen mit Migrationsbezügen zur Türkei stellen laut Mikrozensus mit knapp 2,85 Millionen die zweitgrößte Einwanderergruppe in Deutschland. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen (1,49 Millionen) sind in Deutschland geboren.QuelleStatistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 2.2, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Seite 62 und 66, eigene Berechnung

Welche Staatsangehörigkeit haben sie?

Angaben zur Staatsangehörigkeit Türkeistämmiger finden sich in zwei unterschiedlichen statistischen Quellen: Laut MikrozensusFür den Mikrozensus wird eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung befragt. Die Ergebnisse werden hochgerechnet. haben etwa 1,4 Millionen Türkeistämmige einen deutschen Pass. Rund 1,5 Millionen haben dem Ausländerzentralregister (AZRIm Ausländerzentralregister werden alle Ausländer erfasst, die sich länger als drei Monate in Deutschland aufhalten.) zufolge einen türkischen Pass. Wie viele der im AZR registrierten Ausländer auch einen deutschen Pass haben, weiß man nicht.

Dem AZR zufolge sinkt die Zahl der türkischen Staatsangehörigen in Deutschland. Laut Migrationsbericht liegt das unter anderem daran, dass viele das Land verlassen oder die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen.QuelleMikrozensus 2015, auf Anfrage beim Statistischen Bundesamt und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Migrationsbericht 2015, Seiten 315 und 224

Wie viele "Doppelstaater" gibt es?

Angaben zur Zahl der türkischen Doppelstaater finden sich sowohl im ZensusIm Zensus 2011 wurden bereits vorhandene Verwaltungsregister ausgewertet und mit Ergebnissen aus Befragungen ergänzt. als auch im Mikrozensus. Dem letzten Zensus von 2011 zufolge hatten knapp 530.000 Menschen sowohl den deutschen als auch den türkischen Pass. Dem letzten Mikrozensus von 2015 zufolge gibt es hingegen nur 246.000 "Doppelstaater". Die tatsächliche Zahl dürfte dazwischen liegen. Genau kann man sie jedoch nicht bestimmen.

Die Zensus-Zahlen, die hauptsächlich auf Auswertungen von Melderegistereinträgen beruhen, dürften zu hoch liegen. Das liegt unter anderem daran, dass die türkischen Behörden die deutschen nicht immer informieren, wenn sie eine Person ausgebürgert haben. Die Mikrozensus-Zahlen hingegen, die auf einer Selbstauskunft der Befragten beruhen, dürften zu niedrig sein. Das liegt unter anderem daran, dass die Befragten ihre zweite Staatsangehörigkeit nicht immer angeben.QuelleStatistisches Bundesamt, Pressemitteilung April 2014, Zensus 2011 und Statistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 2.2, 2016, S. 167

Wie viele Menschen kommen aus der Türkei nach Deutschland?

2015 sind rund 32.700 Menschen aus der Türkei nach Deutschland gezogen. 30.500 Personen verließen Deutschland in Richtung Türkei. Damit kamen 2015 etwas mehr Menschen aus der Türkei als dorthin gingen – anders als in den Jahren davor: Hier war die Zahl der Abwanderungen größer als die der Zuwanderungen.Quelle BAMF, Migrationsbericht 2015, Seite 252

Zahlen und Fakten zu den politischen Einstellungen, zur Religiosität und zum Zugehörigkeitsgefühl von Türkeistämmigen hat der Integrationsforscher Hacı-Halil Uslucan in einem Gastbeitrag für den MEDIENDIENST zusammengestellt.

Wie alt sind Einwanderer und ihre Kinder in Deutschland?

Deutschlands Einwohner mit Migrationshintergrund sind deutlich jünger als diejenigen ohne. In der Gruppe bis 10 Jahre stellen Kinder aus Einwandererfamilien knapp 36 Prozent der Bevölkerung. Unter den älteren Jahrgängen sind dementsprechend weniger Menschen mit Migrationsbezügen.QuelleStatistisches Bundesamt, Ergebnisse des Mikrozensus 2015, Fachserie 1, Reihe 2.2

Eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2011 zeigt Unterschiede zwischen den Bundesländern: Am höchsten ist der Anteil von Einwandererkindern bei den unter 6-Jährigen in Bremen (58 Prozent) gefolgt von Hamburg (49 Prozent) und Hessen (46 Prozent). In den neuen Bundesländern dagegen stammt nur jedes zehnte Vorschulkind aus einer Einwandererfamilie.QuelleStatistisches Bundesamt: Bevölkerung nach Migrationsstatus regional – Ergebnisse des Mikrozensus 2011, S. 10ff

Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2015 © MEDIENDIENST INTEGRATION

Entwicklung der Bevölkerung bis 2060: Wie viel Einwanderung nötig ist

Die aktuell hohe Zuwanderung hat "nur sehr eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung", erklärte das Statistische Bundesamt im Februar 2016. Der Trend zur Alterung der Bevölkerung könne dadurch nicht umgekehrt werden. Die hohe Nettozuwanderung könne lediglich das Tempo und das Ausmaß der Alterung mindern.

Die Statistiker rechnen weiterhin damit, dass die Bevölkerung in den kommenden Jahren schrumpft – auch wenn der Wanderungsgewinn derzeit positiv ausfällt. Denn für die Bevölkerungsgröße ist neben der Einwanderung und der Lebenserwartung der Einwohner auch das so genannte "Geburtendefizit" ausschlaggebend. Und hier ist die Bilanz seit Jahren negativ, mit steigender Tendenz. Ab 2050, so berechnen Statistiker, werden jährlich rund 400.000 mehr Menschen sterben als geboren. Gleichzeitig gehen die Experten davon aus, dass sich der Wanderungsüberschuss in den kommenden Jahren wieder verringert.Quelle13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung zur "Bevölkerung Deutschlands bis 2060", Bundesamt für Statistik, 2015

Statistisches Bundesamt, 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung
Quelle: Statistisches Bundesamt, 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung 2015

Wie viele Migranten gibt es weltweit?

Laut den Vereinten Nationen (UN) gab es 2015 weltweit rund 244 Millionen Migranten. Dazu zählen laut UN alle Menschen, die außerhalb des Landes leben, in dem sie geboren sind. In den letzten Jahrzehnten ist die weltweite Zahl der Migranten deutlich gestiegen: 1990 lag sie noch bei rund 153 Millionen.

2015 kamen die meisten Einwanderer aus Indien, Mexiko und Russland. Die Länder, in denen die meisten Migranten leben, waren die USA (47 Millionen), Russland und Deutschland (jeweils 12 Millionen).QuelleUnited Nations (2016): International Migration Report 2015, S. 1 ff.; Vereinte Nationen (2016): Pressemitteilung vom 12. Januar 2016

WIE HÄTTE SICH DIE BEVÖLKERUNG OHNE EINWANDERUNG ENTWICKELT?