PISA-Studie 2015 09.12.2016

Wie schneiden Schüler mit Migrationshintergrund ab?

Schüler in Deutschland haben bei der PISA-Studie vergleichsweise gute Ergebnisse erzielt. Doch der Abstand zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund bleibt unverändert hoch. Zudem zeigt die Untersuchung: In verschiedenen Ländern variieren die Leistungen von Schülern aus Einwandererfamilien stark. Entscheidend sind unter anderem die Qualität und die Aufnahmebereitschaft der Bildungssysteme.



Auf einer Pressekonferenz in Berlin wurde die PISA-Studie vorgestellt. Foto: dpa

Die PISA-Studie vergleicht die Leistungen von 15-jährigen Schülern in 72 Ländern. In diesem Jahr konzentrierte sich die Untersuchung auf naturwissenschaftliche Fächer. Ein wichtiges Ergebnis: Schüler in Deutschland halten weiterhin ein "hohes Leistungsniveau”. Aber nach wie vor gibt es große Unterschiede zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund.

Von 2006 bis 2012 war der Abstand bei den Leistungen zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund geringer geworden. Dieser Trend setzt sich nun aber nicht fortOECD PISA Study 2015, Annex B1, Table I.7.15a-c. Schüler aus Einwandererfamilien erreichen beim Lesen (468 Punkte) und in Mathematik (465 Punkte) niedrigere Punktzahlen als diejenigen ohne Migrationshintergrund (526 beziehungsweise 519 Punkte). Auch bei den Naturwissenschaften erreichen sie im Schnitt niedrigere Kompetenzen (455 Punkte im Vergleich zu 527 Punkten).

In einigen anderen europäischen Ländern zeigt sich ein anderes Bild. In Belgien, Italien und Portugal hat sich der Abstand von Schülern mit Migrationshintergrund zu denen ohne Migrationshintergrund seit 2006 teils deutlich reduziertOECD PISA Study 2015, Annex B1, Table I.7.15a-c. Jedoch muss man beachten: Die Zusammensetzung von Schülern mit Migrationshintergrund können sich in den einzelnen Ländern stark voneinander unterscheiden. So leben etwa in Spanien relativ viele Einwanderer aus Lateinamerika, die Spanisch sprechen.

Leistungen variieren je nach Aufnahmeland stark

Dennoch deuten die Ergebnisse der PISA-Studie darauf hin, dass sich die Leistungen von Schülern mit ähnlichem Migrationshintergrund und sozio-ökonomischem Hintergrund je nach Aufnahmeland stark unterscheiden. Zwei Beispiele: Nachfahren türkeistämmiger Einwanderer erzielten in den Naturwissenschaften in den Niederlanden und in der Schweiz bessere Leistungen als in DeutschlandPISA 2015 Ergebnisse, Band I, S. 276. Und in den Niederlanden erzielten Nachfahren von arabischsprachigen Einwanderern bessere PISA-Ergebnisse als in Finnland, Dänemark oder Katar.

Für den schulischen Erfolg seien nicht nur der ökonomische Hintergrund und die persönlichen Einstellungen ausschlaggebend. Auch die Qualität und die Aufnahmebereitschaft des Bildungssystems spielen eine große Rolle, betonen die Autoren der StudiePISA 2015 Ergebnisse, Band I, S.299. Um die Leistungen von Schülern mit Migrationshintergrund zu verbessern, empfehlen sie den Ausbau von hochwertiger frühkindlicher Bildung sowie eine nachhaltige Sprachförderung in allen Klassenstufen.

Von Pavel Lokshin