Migrationsbericht 2014 06.01.2016

Kaum Arbeitsmigranten, dafür Rekordhoch bei Asylzahlen

Der Bundesinnenminister rechnet für 2015 mit der höchsten Zuwanderung seit Beginn der Zählung. Aus dem aktuellen Migrationsbericht, der sich auf 2014 bezieht, geht hervor: Vor allem kamen EU-Bürger und Asylsuchende, andere wollten studieren oder zogen zu ihrer Familie nach Deutschland. Von den fast 1,5 Millionen Zuwanderern kamen lediglich drei Prozent "zum Zweck der Erwerbstätigkeit".



Antragszahlen der letzten 25 Jahre. Grafik: Mediendienst Integration

"Möglichst aktuell" sollen die Daten im Migrationsbericht sein und "zur Entscheidungsfindung in der Migrationspolitik" beitragen. Doch als erstes erklärt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Vorstellung des Berichts in Berlin, warum die Daten nicht aktuell sind: Die Zahlen vom Ausländerzentralregister (AZR) und dem Melderegister müssen abgeglichen werden, das dauere. Für 2014 lägen die Zahlen erst jetzt vollständig vor. Wegen der anhaltenden Migrationsdebatte finden sich jedoch erstmals auch Angaben für das zurückliegende Jahr und sogar eine Prognose im Migrationsbericht.

"Für 2015 ist mit der höchsten Zuwanderung seit Beginn der Registrierung im Jahr 1950 zu rechnen", heißt es in der Pressemitteilung zum Bericht, "auch wenn für das Gesamtjahr 2015 noch keine abschließenden Aussagen getroffen werden können". Nach Angaben des AZR stieg die Zahl der Zuzüge im ersten Halbjahr 2015 auf 668.000 – im selben Zeitraum 2014 waren es noch 501.000 Zuzüge.

Laut de Mazière sei es jedoch wichtig, die Gesamtzahlen differenziert zu betrachten. Grundsätzlich gebe es vier verschiedene Zuwanderungswege:

  • EU-Freizügigkeit
  • Arbeitsmigration aus Drittstaaten
  • Familiennachzug
  • Schutzsuchende: Asyl und Flüchtlinge

Für jede Gruppe gelten unterschiedliche Regeln und Wanderungsmotive. "Für eine seriöse Debatte ist eine differenzierte Betrachtung dieser Gruppen geboten", so der Innenminister.

Zahlen für 2015

Für 2015 liegen vor allem Zahlen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vor. Demnach wurden dort 476.600 formelle Asylanträge gestellt (2014: 203.000 Asylanträge). Tatsächlich eingereist sind jedoch deutlich mehr Asylsuchende, von denen ein Teil noch keinen Asylantrag stellen konnten. Im EASY-System sind bundesweit 1,1 Millionen "Zugänge von Asylsuchenden" registriert. Allerdings wurden manche davon mehrfach erfasst, andere reisen weiter in andere EU-Staaten – die tatsächliche Zahl dürfte etwas niedriger liegen.

"Wir haben im vergangenen Jahr die bislang höchste Zahl von Asylbewerberzugängen erreicht, die je in Deutschland verzeichnet worden ist", erklärte de Maizière in einer Pressemitteilung zu den Asylzahlen. "Dieser enorme Zustrom hat uns vor Herausforderungen gestellt, wie es sie seit der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht mehr gegeben hat."

2016 werde die Bundesregierung das BAMF mit 4.000 weiteren Mitarbeitern ausstatten und den Ländern und Kommunen 670 Euro pro Asylbewerber und Monat zur Verfügung stellen. Und die Bundesregierung werde "auf allen Politikfeldern darauf hinwirken, dass die Zahl der nach Deutschland kommenden Asylsuchenden deutlich verringert wird".

Ergebnisse aus dem Migrationsbericht für 2014

Deutschland weiter attraktiv für Einwanderer: Die Zahl der Zugewanderten – also sämtliche Menschen, die neu in Deutschland registriert wurden – ist 2014 erneut gestiegen. Mehr als 1,46 Millionen Personen sind zugezogen – so viele, wie zuletzt 1992. Gleichzeitig sind mehr als 914.000 Personen ausgewandert, so dass sich für 2014 ein "Wanderungsgewinn" von rund 550.000 ergab (2013 lag diese Zahl bei 430.000). Diese Ergebnisse sind allerdings nicht neu, das Statistische Bundesamt hatte sie vor Monaten bekannt gegeben.

Die meisten Zuwanderer waren EU-Bürger: Rund 880.000 Menschen kamen aus der Europäischen Union nach Deutschland, das entspricht rund 60 Prozent aller Zuwanderer. 200.000 weitere kamen aus anderen europäischen Ländern, 220.000 aus Asien, 75.000 aus Afrika sowie 75.000 aus Amerika, Australien und Ozeanien. Etwa 122.000 der Zugezogenen, also 15 Prozent, waren deutsche Staatsangehörige – die meisten davon Rückkehrer, nur ein Bruchteil waren Spätaussiedler.

Deutlich mehr Studenten und Familienangehörige, etwas mehr Fachkräfte: Unter den "Drittstaatsangehörigen", also Zuwanderern aus nicht EU-Staaten, kamen knapp 93.000 zum Studium, etwa 51.000 als Familiennachzug und rund 37.000 "zum Zweck der Erwerbstätigkeit". Das bedeutet, der Anteil der expliziten Arbeitsmigration entspricht gerade mal knapp drei Prozent aller Zuwanderer. Die meisten davon kamen aus Indien, den USA, Bosnien-Herzegowina und China. Darunter: 27.000 Fachkräfte beziehungsweise Hochqualifizierte, die zum Beispiel im Pflege- und Gesundheitsbereich untergekommen sind, sowie 5.400 Einreisende mit der Blauen Karte-EU.

Von Ferda Ataman