Bildungsstudie 13.10.2016

Schulen müssen 200.000 Neuankömmlinge integrieren

Zwar hat sich der Anteil der neu nach Deutschland zugewanderten Kinder und Jugendlichen an allen Schulpflichtigen zwischen 2014 und 2015 verdoppelt. Insgesamt stellen sie jedoch nur zwei Prozent aller Schüler. Fast die Hälfte der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen ist aus Syrien oder Afghanistan geflüchtet. Diese und weitere Zahlen gehen aus einer aktuellen Studie hervor.



Die Studie vergleicht die Zahlen von 2015 mit denen von 2014

Im vergangenen Jahr sind 200.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter nach Deutschland zugewandert. Das geht aus einer gemeinsamen Studie des "Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache" und des "Zentrums für LehrerInnenbildung" der Universität zu Köln hervor. Der Anteil neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher an der Gesamtzahl aller Schulpflichtigen in Deutschland hat sich im Vergleich zum Jahr 2014 verdoppelt. Nun liegt er bei zwei Prozent.

Die Autorinnen der Studie haben Daten des Statistischen Bundesamts sowie des Ausländerzentralregisters ausgewertet. Gezählt wurden alle im Jahr 2015 nach Deutschland zugewanderten ausländischen Personen unter 18 Jahren sowie junge Erwachsene unter 25 Jahren, sofern ihre Aufenthaltsdauer in Deutschland weniger als ein Jahr betrug. Diese Voraussetzungen erfüllten neben Geflüchteten auch Personen aus dem EU-Ausland und aus weiteren Ländern.

Zentrale Ergebnisse der Studie

  • Der Studie zufolge stammten im Jahr 2015 etwa 79.000 neu zugewanderte schulpflichtige Kinder und Jugendliche aus Syrien und Afghanistan. Das entspricht 40 Prozent aller neuen Zuwanderer zwischen 6 und 18 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der neu zugewanderten schulpflichtigen Kinder aus Syrien mehr als vervierfacht. Aus Afghanistan kamen im vergangenen Jahr fast sechsmal mehr schulpflichtige Kinder nach Deutschland als 2014.

  • Mehr als ein Drittel der neu zugewanderten schulpflichtigen Jugendlichen ist zwischen 15 und 18 Jahre alt und benötigt Bildungsangebote an Gymnasien oder beruflichen Schulen.

  • Bei dem Anteil neu zugewanderter Kinder an der Gesamtzahl der schulpflichtigen Kinder gibt es große regionale Unterschiede: Das Saarland und Bremen wiesen im Jahr 2015 mit 3,64 Prozent beziehungsweise 3,62 Prozent die höchsten Anteile neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher auf. Den mit 1,43 Prozent niedrigsten Anteil erreichte Brandenburg.

Wo sehen die Forscher Verbesserungsbedarf?

  • Das Recht auf Bildung für alle Kinder umsetzen. Der Zugang von Geflüchteten zum Schulsystem ist bundesweit noch immer nicht einheitlich geregelt. Wann die Schulpflicht für ein geflüchtetes Kind greift, hängt vom Bundesland ab. "Der Zugang zu Bildung für asylsuchende Kinder ist noch immer erschwert", so Nora von Dewitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator-Institut und Mitautorin der Studie. "Es ist Aufgabe der Länder, den Schulzugang gesetzlich zu verankern und die Umsetzung sicherzustellen. Kein Kind sollte vom Schulbesuch ausgeschlossen werden."

  • Die Förderung verstetigen. Das deutsche Bildungssystem müsse sich nicht nur auf Neuankömmlinge einstellen. Es müsse auch jene im Blick behalten, die schon länger hier sind, betont Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts.

  • Mehr Angebote an der Schwelle zum Berufsleben schaffen. Wegen des hohen Anteils der neu zugewanderten Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren käme es jetzt darauf an, "insbesondere im Berufsschulbereich und am Übergang zwischen Schule und Arbeitsmarkt neue Angebote zu schaffen", fordert Mona Massumi, Mitautorin der Studie.

Von Pavel Lokshin