Lagebericht zur Integration 13.12.2016

Schüler aus Einwandererfamilien machen häufiger Abitur

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Integrationsbeauftragte des Bundes einen Bericht, der Zahlen zur Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund vorstellt. Der aktuelle Bericht zeigt: Schüler aus Einwandererfamilien schließen die Schule im Schnitt häufiger mit Abitur ab als noch 2010. Doch auf dem Ausbildungsmarkt sind ihre Chancen deutlich schlechter als die von Bewerbern ohne Migrationshintergrund. Ein weiterer Befund: Es werden mehr rassistisch motivierte Straftaten begangen.



Schüler in Sigmaringen bei der Abiturprüfung. Foto: dpa

Der Lagebericht der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration zeigt, dass die Teilhabechancen von Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend besser werden. Dem Bericht zufolge profitieren besonders Kinder aus sozial schwächeren Familien von einer frühen Förderung im Kindergarten. Auch Ganztagsschulen scheinen ein "vielversprechender Weg" für Bildungserfolg unabhängig von Herkunft zu sein.

Inzwischen besuchen 90 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen aus Einwandererfamilien eine Kita (Kinder ohne Migrationshintergrund: 97 Prozent). Und eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2015 zeigt, dass Jugendliche mit MigrationshintergrundWer die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt oder mindestens einen Elternteil hat, bei dem das der Fall ist, hat einen "Migrationshintergrund". Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2015 zwischen 15 und 20 Jahren häufiger höhere Schulabschlüsse erzielen als fünf Jahren zuvor:

  • Abitur machen 17 Prozent im Vergleich zu neun Prozent im Jahr 2010.
  • Rund 44 Prozent machen einen mittleren Abschluss (2010: 38 Prozent).
  • Der Anteil der Schulabbrecher ist von 16 auf zwölf Prozent gesunken.

Aber im Schnitt haben junge Menschen mit Migrationshintergrund immer noch niedrigere Schulabschlüsse als ihre Mitschüler ohne. Unter den 15- bis 20-jährigen Schülern ohne Migrationshintergrund schließen 23 Prozent die Schule mit dem Abitur ab, einen mittleren Abschluss macht rund die Hälfte der Schüler und nur fünf Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss.

Das Armutsrisiko ist für "Migrationshintergründler" doppelt so hoch

Der Lagebericht zeigt auch, dass die soziale Lage von Menschen mit Migrationshintergrund noch immer deutlich schlechter ist als die von denjenigen ohne Migrationsgeschichte. Ihr Armutsrisiko ist mehr als doppelt so hoch (28 Prozent im Vergleich zu 12 Prozent). Auch ein guter Bildungsabschluss schützt nicht vor Armut: Menschen aus Einwandererfamilien mit Abitur haben immer noch eine Armutsgefährdungsquote von 20 Prozent, im Gegensatz zu lediglich acht Prozent bei solchen solchen ohne Migrationshintergrund.

Während es bei der schulischen Bildung Erfolge zu vermelden gibt, haben jungen Menschen aus Einwandererfamilien auf dem Ausbildungsmarkt weiterhin deutlich schlechtere Chancen. Sie werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und landen häufiger zunächst in berufsvorbereitenden Maßnahmen. Studien zeigen, dass bei gleicher Qualifikation ein ausländisch klingender Name die Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche halbiert.

Mehr Hasskriminalität und Anschläge auf Asylunterkünfte

Der Lagebericht geht auch auf Einstellungen, Kriminalität und die Vorurteile in Deutschland ein: 2015 haben Straftaten im Bereich "Hasskriminalität" um 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Am stärksten war der Zuwachs bei den "fremdenfeindlichen" Straftaten (plus 116 Prozent). Die Zahl der Straftaten auf Asylunterkünfte hat sich im Vergleich zu 2014 auf rund 1.000 verfünffacht.

Das Thema Flüchtlinge und Kriminalität steht in der öffentlichen Debatte immer wieder im Fokus. Auch hier legt der Bericht Zahlen vor: Zwar ist im Jahr 2015 die Zahl der Straftaten angestiegen, die von FlüchtlingenDas Bundeskriminalamt zählt hier Personen mit Aufenthaltsstatus Asylbewerber, Duldung, Kontingentflüchtling/Bürgerkriegsflüchtling und unerlaubt. begangen wurden. Jedoch sind zur gleichen Zeit auch deutlich mehr Menschen nach Deutschland eingewandert. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung machen weniger als ein Prozent aller Delikte von Tatverdächtigen aus dieser Gruppe aus. Daher kommt das Bundeskriminalamt zum Schluss, dass die weit überwiegende Mehrheit der Asylsuchenden keine Straftaten begeht. Diese Daten seien wichtig, erklärte die Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz (SPD) bei der Vorstellung des Berichts, denn offensichtlich gebe es große Unterschiede zwischen der "gefühlten" Kriminalität von Migranten und der tatsächlichen.

Von Jenny Lindner