Zum Umgang mit Bildern

Welche Bilder sehen wir, wenn es um Einwanderer und Integrationsthemen geht? Schon bei einer flüchtigen Analyse fällt auf, dass das verwendete Bildmaterial oft

  • Klischees fördert, wie etwa Aufnahmen von Frauen mit Kopftuch, die passiv auf der Bank sitzen oder einen Kinderwagen schieben
  • oder Integration als Problem darstellt, wie der aggressiv blickende Jugendliche.

Im Ergebnis erhalten wir oft Bilder, die an bereits bekannte Stereotype appellieren, jedoch wenig informativen Wert besitzen. So vielfältig aber die Gesellschaft und die Lebenswirklichkeit von Migranten ist, so vielfältig sollte auch die Berichterstattung darüber sein – in Wort und Bild. Dem Bild kommt dabei aufgrund seiner direkten Wirkung eine besondere Bedeutung zu.

Für die Darstellung eines komplexen Themas wie Integration gilt es unserer Meinung nach folgende Punkte zu beachten:

1. Objektivität bei der Herstellung von Bildmaterial: Als Faustregel gilt, nicht das erste Motiv zu nehmen, das einem in den Sinn kommt, denn es entspricht oft dem Klischee im eigenen Kopf. Ziel sollte eine facettenreiche Bebilderung sein, möglichst ohne die übliche "Symbol-Darstellung". Als Journalist, Redakteur, Chef vom Dienst usw. sollten Sie sich die Zeit nehmen für ein paar Gedanken über die Aussage der Bilder in Ihrem Bericht.

2. Das bedeutet nicht, dass politisch korrekte Selbstzensur geübt werden soll. Hier geht es um die journalistische Sorgfaltspflicht und die Frage: Was ist mein Thema? Wenn Sie zum Beispiel einen Bericht über Türken in Deutschland machen, sollten Sie wissen, dass nur 25,1 Prozent der türkischen Musliminnen in Deutschland immer ein Kopftuch tragen. Das Bild einer Frau mit Kopftuch ist damit für Türken in Deutschland so repräsentativ wie eine Lederhose in einem Bericht über Deutsche. Das Bild einer verhüllten Frau bietet sich dann an, wenn es um das Kopftuch geht.Quelle Muslimisches Leben in Deutschland, Studie im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz, 2009, S. 199.

3. Achten Sie auf den Subtext: Oft werden Einwanderer als Außenstehende, Exoten oder in folkloristischer Kleidung dargestellt werden. Das muss nicht sein.

Entsprechende Bilder sind für Bild-Berichterstattende natürlich nicht so einfach zu finden wie die "türkische Frau mit Kopftuch und Einkaufstüte in Neukölln", können jedoch gerade deswegen das Interesse der Zuschauer oder Leser wecken.

Zusammengefasst ist unser Ziel eine klischeefreie, objektive, vielfältige Darstellung von Einwanderung, die es dem Rezipienten ermöglicht, sich ein ganzheitliches Bild des Themas zu verschaffen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können.