Treffpunkt Sportverein 27.02.2013

Integration am Mittelkreis

Sportvereine haben ein besonderes Integrationspotenzial, erklärt der Deutsche Olympische Sportbund und gibt eine Expertise über Migrantensportvereine als Partner heraus. Was genau mit diesem Potenzial gemeint ist, zeigt der neue Dokumentarfilm "Weltklasse Kreisklasse", bei dem ein Filmemacher den türkischen Fußballverein Gençlikspor Recklinghausen durch eine Saison begleitet.



Rasenpflege statt Abhängen – die Jugend von Gençlikspor Recklinghausen. Quelle: Fietscher Film

Gençlikspor Recklinghausen ist längst mehr als ein Sportverein: 1994 gegründet, besteht er inzwischen aus neun Jugendmannschaften, darunter auch ein Mädchenteam. Neben den Angeboten auf dem Sportplatz gibt es Nachhilfe- und Sprachkurse für die Mitglieder. In Kooperation mit der Stadt errichtete der Verein sogar einen neuen Spielplatz und hat sich im Laufe der Zeit immer mehr von einem Fußballclub zu einem Stadtteilverein entwickelt.

Über die Menschen, die diesen Verein prägen und das, was die Pflege von Rasen und der Bau von Vereinsräumen mit Einwanderern und ihren Kindern anstellt, hat der Journalist Daniel Huhn einen Dokumentarfilm gedreht. Die Freizeitvertreib der Spieler zwischen Heiratsantrag und Auswärtsspielen, das Engagement der Trainer zwischen Köfte (Bouletten) grillen und Taktikbesprechung gibt einfühlsam Einblicke in das Integrationspotenzial von Sportvereinen. Der Film "Weltklasse Kreisklasse - Eine Sainson bei Gençlikspor Recklinghausen" hat am 16. März Premiere und läuft ab Mai in den Kinos.

www.youtube.com/watch

Der Film ist aus einem Forschungsprojekt zu türkisch geprägten Fußballvereinen hervorgegangen, durchgeführt an der Uni Münster. Ergebnisse dieses Projekt sind in dem Publikation "Türkisch geprägte Fußballvereine im Ruhrgebiet und Berlin – Im Abseits der Gesellschaft?" sowie auf dem Forschungsblog imabseits.org publiziert.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat eine Untersuchung zum Thema Migrantensportvereine in Auftrag gegeben. "Sie sind ein Phänomen des organisierten Sports, das viel diskutiert und wenig erforscht wird", heißt es auf der Internetseite des Programms "Integration durch Sport". Eine neu erschienene Expertise des Potsdamer Sportsoziologen Prof. Silvester Stahl soll hier Licht ins Dunkel bringen.

"Ethnische Vereine haben besondere Integrationspotenziale, da sie meist gut in den jeweiligen ethnischen Communitys verankert sind", heißt es da. "Indem sie gleichzeitig den Sportverbänden angehören und am allgemeinen Sportbetrieb teilnehmen, schaffen sie eine Verbindung zwischen diesen Communitys und der deutschen Mehrheitsgesellschaft." Fazit: Der DOSB soll ethnisch organisierte Sportvereine dringend an sich binden und ihr Potenzial nutzen.

MDI