Informationspapier 21.04.2015

Was wissen wir über Mittelmeer-Flüchtlinge?

Die Mittelmeer-Route ist derzeit der wichtigste Korridor für Menschen, die aus Afrika und dem Mittleren Osten nach Europa gelangen wollen. 2013 zählte Frontex mehr als 40.000 Migranten, 2014 waren es bereits über 170.000, die über Italien und Malta nach Europa kamen. Immer wieder kostet die Überfahrt Menschen das Leben. Doch wie viele Menschen betrifft das? Und wie wird sich die Situation 2015 entwickeln? Der MEDIENDIENST hat alle vorliegenden Informationen in einem Papier zusammengefasst.



Es ist Glückssache, ob Flüchtlinge in Seenot Hilfe bekommen oder nicht. Foto: picture alliance/AA

2014 registrierte das "Missing Migrants Project" rund 3.300 tote oder vermisste Geflüchtete im Mittelmeer. Seit Anfang des Jahres 2015 zählte die Organisation 866 Tote oder Vermisste – dazu kommen die Opfer des jüngsten Unglücks am 18. April 2015, deren Zahl auf 700 bis 950 geschätzt wird. Niemand weiß, wie viele Boote sich tatsächlich auf den Weg machen, weshalb die Dunkelziffer wahrscheinlich höher liegt.

Trotzdem setzen viele Flüchtlinge auf der Mittelmeerroute zwischen Nordafrika und Italien weiterhin ihr Leben aufs Spiel.

Doch wer sind diese Menschen? Und warum riskieren sie ihr Leben auf der gefährlichen Überfahrt? Der MEDIENDIENST hat diese Fragen in einem INFORMATIONSPAPIER mit Quellenangaben beantwortet.

Die Ergebnisse in aller Kürze:

  • Die meisten Flüchtlinge kommen auf illegalen Wegen nach Europa, weil sie keine Alternative haben.
  • Seenotrettungsoperationen sind kein Anreiz für Schlepperbanden und Flüchtlinge. Sie beeinflussen die Zahl der Menschen nicht, die sich auf den Weg machen.
  • Die Mehrheit der Flüchtlinge weiß anfangs nicht, wohin sie will. Sie weiß nur, wovor sie flieht.
  • Seit Jahresbeginn sind 23.000 Menschen auf dem Mittelmeer-Weg angereist. Ihre Zahl soll in den nächsten Monaten steigen.

Von Fabio Ghelli und Jenny Lindner