Soziale Herkunft, Wohnort und der Bildungsstand der Eltern spielen in Deutschland eine entscheidende Rolle beim Bildungserfolg. Auch Diskriminierungserfahrungen – wie schlechtere Leistungsbewertung – können zu ungleichen Bildungschancen führen. Eine Übersicht zu Studien zum Thema.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Themenübersicht zu Chancengleichheit an Schulen.
Diskriminierung an Kitas
Bisher gibt es wenig Forschung zu Diskriminierungserfahrungen an Kitas. Die Beratungsanfragen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zeigen, dass bereits Kleinkinder rassistische Diskriminierung erfahren, zum Beispiel bei der Vergabe von Kita-Plätzen oder in der Betreuung.
Eine Studie zeigt, dass Kinder von Familien mit türkischem Namen seltener Rückmeldungen bei einer Bewerbung auf einen Kita-Platz erhalten.
Im Rahmen einer qualitativen Studie des DeZIM-Instituts an Berliner Kitas berichten Familien von fehlender Sensibilität und Strategien im Umgang mit Diversität, es gebe wenig diverse Kinderbücher oder Spielmaterialien. Wie Eltern damit umgehen, erläutert die Forscherin Seyran Bostancı im Mediendienst-Interview.
Diskriminierung an Schulen
Umfassende empirische Studien zu rassistischer Diskriminierung an deutschen Schulen gibt es nicht. Einzelne Befunde zeigen, dass Schüler*innen verschiedene Diskriminierungserfahrungen machen:
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In einer repräsentativen Befragung (2026) gaben rund 11 Prozent der Personen, die Diskriminierung erfahren haben, an, dass das in der Schule geschah. Rund die Hälfte von ihnen sagte, dass sie aufgrund ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert wurden (51,2 Prozent), gefolgt von weiteren Gründen wie Aussehen (32,5 Prozent) und Religion (27,2 Prozent).
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Eine quantitative Studie (2026) untersuchte, wie Schüler*innen Rassismus wahrnehmen – sowohl in Bezug auf sich selbst als auch im Vergleich zwischen Gruppen. Die meist gaben an, Rassismus “selten” wahrzunehmen. Doch es zeigten sich Unterschiede je nach Herkunft: Schüler*innen mit Bezug zur Türkei oder zu arabischen Ländern berichteten häufiger von persönlichem sowie gruppenbezogenem Rassismus. Außerdem fühlten sich Jungen stärker diskriminiert als Mädchen.
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Schüler*innen mit Familienbezug zur Türkei, zum Nahen Osten, nach Nord- oder Subsahara-Afrika oder zu kurdischen Regionen nahmen das Schulklima häufiger diskriminierend wahr als andere Gruppen. Das zeigt eine Analyse auf Basis von PISA-Daten (2018).
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Laut Afrozensus 2020 erleben Schwarze und PoC-Schüler*innen regelmäßig Mobbing und rassistische Diskriminierung wegen ihrer Hautfarbe oder aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse.
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Eine Studie von 2024 zeigte: Schüler*innen mit Migrationshintergrund einer 9. Klasse erhielten in allen fünf untersuchten Fächern schlechtere Zeugnisnoten als ihre Mitschüler*innen ohne Zuwanderungsgeschichte, obwohl sie in objektiven Leistungstests gleiche Ergebnisse erzielt hatten.
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Eine weitere Studie von 2024 kommt zu anderen Ergebnissen: Lehrer benoteten Schüler mit Migrationshintergrund in den Fächern Deutsch und Mathematik besser als ihre Ergebnisse in anonymen Tests tatsächlich waren. Die Autoren vermuten, dass Lehrkräfte die sozialen Nachteile der betroffenen Schüler durch eine bessere Benotung ausgleichen wollen.
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Muslimische Schüler*innen berichten von negativen Zuschreibungen, zum Beispiel weil sie ein Kopftuch tragen, aber auch wegen ihrer Namen.
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In einer Studie berichten jüdische Eltern und junge Erwachsene von Erfahrungen mit Antisemitismus an Schulen, darunter angedrohte körperlicher Gewalt, Beschimpfungen und antisemitische Kommentare. Sie schildern zudem die Überforderung der Lehrkräfte, angemessen mit antisemitischen Vorfällen umzugehen.
Zahlen und Studien zu Antisemitismus an Schulen finden Sie in dieser Themenübersicht.
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Sinti und Roma in Deutschland sind im Bildungssystem stark benachteiligt. Das geht aus Studien der Arbeitsgemeinschaft "RomnoKher" hervor. 40 Prozent der Befragten mit Kindern gaben 2021 an, dass ihre Kinder Diskriminierung in der Schule erfahren haben. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass Lehramtsstudierende den Schüler*innen, die als Roma gelesen wurden, bei gleichen Leistungsergebnissen eher den Besuch einer Hauptschule empfahlen als Schülern, die keiner Minderheit angehören.
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Diskriminierung kann auch durch schulische Strukturen erfolgen: Lehrpläne und Schulbücher sind Studien zufolge wenig sensibel für Diversität und bilden Vielfalt nur unzureichend ab. 2023 forderte etwa ein Bündnis, Schulordnungen an Berliner Schulen wegen diskriminierender Vorgaben anzupassen, darunter die Pflicht, ausschließlich Deutsch auf dem Schulgelände zu sprechen oder ein pauschales Verbot der Religionsausübung.
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Jugendliche mit Migrationshintergrund im Alter von 12 bis 17 Jahren erfuhren 2023 mindestens ein- bis zweimal im Monat Mobbing. Besonders betroffen waren Mädchen mit Migrationshintergrund: 17 Prozent gegenüber 9 Prozent ohne Einwanderungsgeschichte.
Auch Lehrende berichten von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen, auch im Kollegium. Laut Afrozensus führt das zur Isolation der betroffenen Lehrkräfte.
Hier finden Sie eine Expertise zum Thema rassistische Diskriminierung in der Schule.
Folgen von Rassismus in der Schule: Stress, schlechtere Leistungen, Schulwechsel
Eine Metaanalyse mit 68 Studien zu mehreren Ländern, darunter vor allem die USA und auch Deutschland, zeigt die Folgen für Betroffene: Schüler*innen leiden unter anderem an chronischen Depressionen sowie Verhaltensauffälligkeiten und erbringen schlechtere schulische Leistungen, wenn sie Diskriminierung erfahren.
Zudem mindern sich ihr Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit. Stress und Angstzustände können zu schlechteren Leistungen bis hin zum Schulwechsel führen. Die Folgen erschweren einen erfolgreichen Schulabschluss oder die Aufnahme einer Lehre, wodurch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sinken.
Schutz vor Diskriminierung an Schulen
Zwischen 2021 und 2023 gingen 1.336 Beratungsanfragen zum Bereich Bildung bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ein. Etwa die Hälfte davon (51 Prozent) bezog sich auf rassistische Diskriminierung. Die ADS ist zuständig für Fälle des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes (AGG) – und das schützt nicht vor Diskriminierung in Bildungseinrichtungen. Die ADS förderte 2024 den Aufbau einer bundesweiten Fachstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen.
Bisher hat Berlin als einziges Bundesland ein Landesgesetz, das vor Diskriminierung in Bildungseinrichtungen schützt. Das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) gibt Betroffenen die Möglichkeit, gegen die Diskriminierung vorzugehen. In Berlin gibt es auch eine unabhängige Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS).
Diskriminierung an Universitäten
Diskriminierungserfahrungen machen auch Studierende an deutschen Hochschulen – etwa aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit. In einer Befragung 2022 gaben 10 Prozent der befragten Studierenden an, mindestens einmal rassistische Diskriminierung an ihrer Universität erlebt zu haben.
Auch bei Studierenden wirkt sich erlebte Diskriminierung negativ auf die Studienzufriedenheit aus und führt häufig zu erhöhtem Stress.