Zahl antisemitischer Vorfälle an Schulen
Es gibt keine offiziellen bundesweiten Daten zu antisemitischen Vorfällen an Schulen. Einzelne Bundesländer haben eine Meldepflicht eingeführt, etwa Baden-Württemberg und Hessen. Für 2025 dokumentierten die zivilgesellschaftlichen Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) 258 antisemitische Vorfälle an Schulen, 2024 waren es 284. Nach dem 7. Oktober 2023 nahmen die Vorfälle deutlich zu.
Antisemitische Vorfälle und Übergriffe haben nach dem 7. Oktober 2023 an Schulen zugenommen. In einer Studie aus 2026 berichten Eltern und Kinder in Interviews von den Erfahrungen, von Ausgrenzungen und Anfeindungen gegen jüdische Schüler*innen an Schulen, ständigen Sicherheitsabwägungen und Überlegungen, aufgrund der Erfahrungen die Schule zu wechseln.
In einer Befragung für den "Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus" (UEA) unter Jüdinnen und Juden 2016 gab rund ein Drittel der Personen an, in den vergangenen zwölf Monaten in Kindergarten, Schule, Hochschule oder am Ausbildungsplatz Antisemitismus erfahren zu haben.
Eine Befragung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) unter Jüdinnen und Juden 2023 zeigte: 21 Prozent der Befragten, die in Deutschland eine Schule oder Universität besuchten, erfuhren dort negative Kommentare oder einen negativen Umgang, weil sie jüdisch sind. Fast genauso viele haben dort negative Haltungen gegenüber jüdischen Personen miterlebt. 41 Prozent gaben an, dass sie in der Schule oder der Universität verbergen, dass sie jüdisch sind.
Wie äußert sich Antisemitismus an Schulen?
Unter den Fällen, die RIAS dokumentiert, sind etwa antisemitische Beleidigungen von Schüler*innen oder Schmierereien an Schulgebäuden. Laut Studien des UEA zeige sich Antisemitismus an Schulen in Provokationen mit Bezügen zur NS-Zeit, starken anti-israelischen Haltungen sowie der Verwendung des Wortes "Jude" als Beschimpfung.
Maßnahmen gegen Antisemitismus an Schulen
Im Juni 2021 legte die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten Vorschläge gegen Antisemitismus an Schulen vor: Schüler*innen und Lehrer*innen sollen Antisemitismus besser erkennen und Vorfälle als solche benennen können. Es sollen Verfahren geschaffen werden, damit antisemitische Vorfälle gemeldet und aufgearbeitet werden. Auch zivilgesellschaftliche Beratungsstellen sollen dafür eingebunden werden. Die Empfehlungen sehen darüber hinaus Fortbildungen für Lehrkräfte und eine Anpassung der Lehrpläne vor. Schüler*innen sollen sich etwa stärker mit der Vergangenheit und Gegenwart des Judentums auseinandersetzen.
Eine qualitative Studie zu Antisemitismus an Schulen in mehreren Bundesländern (Stand 2024) zeigt, dass Lehrer*innen abstrakt zum Thema Bescheid wissen, Antisemitismus aber in der konkreten Situation oft nicht zuordnen können und sich nicht sicher sind, wie sie damit umgehen sollen. Antisemitische Vorfälle bleiben somit oft ohne Konsequenz.
Materialen zum Thema "Antisemitismus an Schulen"
Mehrere Institutionen stellen aktuelle Materialien und Methoden zu antisemitismuskritischer Bildungsarbeit auf ihren Webseiten zur Verfügung: