Asyljahr 2025

Wie sich Fluchtrouten 2025 verändert haben

2025 ging die Zahl der Geflüchteten in Europa zurück. Die Zusammensetzung der Herkunftsländer hat sich stark verändert. Wie haben sich Fluchtrouten entwickelt?

Geflüchtete wurden vor den Küsten Libyens gerettet und zum Hafen von Neapel (Italien) gebracht. Foto: picture alliance / Anadolu | Eliano Imperato

2025 kamen rund 113.200 Schutzsuchende nach Deutschland. Mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 war 2025 das Jahr, in dem die wenigsten Asylerstanträge in den letzten zwölf Jahren gestellt wurden. 2025 waren es 51 Prozent weniger als im Vorjahr.

Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem die Flüchtlingszahlen zurückgegangen sind: In der gesamten Europäischen Union sank die Zahl der Erstanträge in den ersten drei Quartalen 2025 um rund 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – in einigen Ländern wie etwa Zypern und Bulgarien um mehr als 60 Prozent. Damit setzt sich eine Tendenz fort, die sich bereits im Vorjahr abgezeichnet hat. Deutschland ist außerdem nicht mehr an der Spitze der EU-Aufnahmeländer nach Asyl-Erstanträgen – sondern auf Platz vier nach Spanien, Frankreich und Italien.

Ein Blick auf die Haupt-Fluchtrouten, die nach Deutschland und Europa führen, lässt einige Tendenzen erkennen. Die Zahl der irregulären Einreisen geht zurück: An den deutschen Grenzen zählte die Bundespolizei rund 62.500 unerlaubte Einreisen – 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch lässt sich eine Verschiebung der Einreise-Routen erkennen: Während die Zahl der unerlaubten Grenzübertritte an den östlichen und südlichen Grenzen (Polen, Österreich, Schweiz) zurückgeht, steigt sie an den westlichen Grenzen (Frankreich und Niederlande). Die Grenze, an der die meisten unerlaubten Einreisen festgestellt wurden, ist die Luftgrenze über die Flughäfen. 

Die Zahl der Ankünfte geht auf fast allen Routen in Europa zurück, wie Daten zu den Haupt-Fluchtrouten nach Europa zeigen. Laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex gab es 2025 auf allen Fluchtrouten (inklusive Westbalkan- und Belarus-Route) rund ein Viertel weniger versuchte Grenzübertritte als 2024 (Jan-Nov 2025). Das bestätigen auch Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR für die Haupt-Fluchtrouten im Mittelmeer.

In Griechenland kamen etwa 23 Prozent weniger Geflüchtete als im Vorjahr an. Hier ist neuerdings die Insel Kreta zum Haupt-Ankunftspunkt im östlichen Mittelmeer geworden – vor allem für Personen, die aus Libyen starten. Die meisten Geflüchteten, die Griechenland erreichten, kamen aus Aufghanistan, dem Sudan und Ägypten. Darüber hinaus erreichten rund 2.400 Personen die Insel Zypern (63 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr). 

In Italien ist die Zahl der Ankünfte über die zentrale Mittelmeer-Route mit rund 66.000 Personen nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr geblieben. Hier kamen insbesondere Personen aus Bangladesch, Ägypten und Eritrea an – auch hier überwiegend durch Libyen. In Spanien (inklusive der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln) gab es 2025 rund 54.800 Ankünfte. Das sind 14 Prozent weniger als 2024. Die meisten Personen kamen aus Algerien, Mali und Marokko. Die Zahl der Ankünfte auf den Kanarischen Inseln ging um 62 Prozent zurück – vor allem wegen der engeren Kooperation zwischen spanischen, marokkanischen und mauretanischen Behörden bei der Kontrolle der Route.

Auch über die sogenannte Westbalkan-Route (Serbien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina) kamen weniger Menschen in die Europäische Union. Der UNHCR schätzt, dass ungefähr 8.555 Personen zwischen Januar und Oktober 2025 auf der Westbalkan-Route unterwegs waren – 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die meisten von ihnen kamen aus Afghanistan, Ägypten und Marokko. Auf der sogenannten Belarus-Route nach Polen kamen ungefähr so viele Menschen in die Europäische Union wie im vergangenen Jahr: rund 30.000 Menschen.

Weniger Syrer kommen nach Europa

Hinweise dazu, warum die Zahl der Ankünfte in Europa sinkt, geben Daten über die Nationalitäten der Schutzsuchenden, sagt Laura Bartolini, Analystin bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Die Zahl der syrischen Geflüchteten, die nach Europa kommen, ist seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 deutlich zurückgegangen. In den ersten drei Quartalen 2025 lag die Zahl der Asylanträge von syrischen Geflüchteten in der EU lediglich bei einem DrittelEurostat (2025), Asylum applicants by type, citizenship, age and sex - monthly data LINK  der Vorjahresperiode. Insgesamt wurden von Januar bis Ende September 2025 32.160 Erstanträge gestellt. Syrien ist zum ersten Mal seit 2015 vom ersten Platz der Asylherkunftsstaaten auf dem dritten gelandet – hinter Venezuela und Afghanistan. Auch in Deutschland liegt die Zahl der Asyl-Erstanträge von Syrer*innen bei einem Drittel der Anträge von 2024 (Jan-Nov).

Dass weniger Syrer*innen nach Europa kommen, hat besonders zu einem Rückgang der Ankünfte auf den östlichen Routen (über die Türkei, Griechenland und den Westbalkan) geführt. "Gleichzeitig sehen wir, dass mehr Personen aus anderen Ländern Europa erreichen: 2025 ist zum Beispiel die Zahl der Schutzsuchenden aus dem Sudan, Ägypten und Eritrea gestiegen”, so Bartolini. Insbesondere die Situation im Sudan sei sehr volatil: Im Bürgerkriegsland gebe es rund 9,6 Millionen BinnenflüchtlingeIOM (2025) Displacement Tracking Matrix Sudan (abgerufen am 7.1.2026) LINK. 4 Millionen FlüchtlingeIOM (2025) Sudan Crisis, Displacement in Sudan and Cross-Border Movements (abgerufen am 7.1.2026) LINK haben das Land seit April 2023 verlassen und befinden sich überwiegend in den Nachbarländern: 1,2 Millionen “Neuankömmlinge” (New Arrivals) laut IOM in Ägypten, 1,3 Millionen im Südsudan, mehr als 1, 2 Millionen im Tschad, 182.000 in Äthiopien, 151.000 in Libyen. In der Europäischen Union haben bislang verhältnismäßig wenige Geflüchtete aus dem Sudan Schutz gesucht, ihre Zahl ist allerdings 2025 deutlich gestiegen: Von den rund 29.000 AsylanträgenEurostat (2026), Asylum applicants by type, citizenship, age and sex - monthly data LINK, die seit Beginn des Bürgerkriegs 2023 in der EU gestellt wurden, wurden 38 Prozent in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gestellt.

Eine besondere Aufmerksamkeit verlange die Situation in Libyen, das im vergangenen Jahr erneut zum wichtigsten Transit-Land im Mittelmeer-Gebiet geworden sei, so die Analystin. Zwar habe die Mehrheit der Migrant*innen, die sich im Land befinden, offenbar keine Absicht, die Überfahrt nach Europa zu unternehmen. Dennoch ist Libyen der Ausgangspunkt für fast 90 Prozent der PersonenIOM (2025), Europe — Mixed Migration Flows to Europe, Quarterly Overview (July-September 2025) LINK, die Italien über die Mittelmeer-Route erreichen (besonders aus Bangladesch, Ägypten und Eritrea) sowie für Personen, die in Richtung Kreta fahren (insbesondere aus Ägypten und dem Sudan).