Es ist nicht möglich, die genaue Zahl der Geflüchteten zu ermitteln, die entlang der Haupt-Fluchtrouten in die EU gestorben sind. Das Projekt „ Missing Migrants ” der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dokumentiert seit 2014 Tote und Vermisste anhand von offiziellen Dokumenten und Berichten von Augenzeugen. Das Dunkelfeld ist allerdings viel größer.
Todesfälle im Mittelmeer
Im ersten Quartal 2026 sind laut Schätzungen der IOM fast 900 Personen im Mittelmeer ums Leben gekommen oder werden vermisst – darunter mindestens 14 Kinder. Die Zahl der Toten und Vermissten hat sich somit mehr als verdoppelt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (415). 77 Prozent der Fälle ereigneten sich im zentralen Mittelmeer zwischen Tunesien, Libyen, Italien und Malta. Hinzu kommen mindestens 129 Fälle auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln im Atlantik.
2025 gab es 1.756 Tote/Vermisste im gesamten Mittelmeer-Raum – darunter 97 Kinder. Rund 68 Prozent der Fälle ereigneten sich auf der zentralen Mittelmeer-Route. 1.176 Fälle ereigneten sich auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln.
Todesfälle in Nordafrika
Noch schwieriger ist es festzustellen, wie viele Menschen auf dem Weg zu den Mittelmeer-Küsten gestorben sind. In Nordafrika wurden zwischen 2014 und 2025 etwa 7.000 Tote/Vermisste gemeldet. Die IOM geht aber davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen könnten.
Todesfälle innerhalb Europas
Auch an den europäischen Landesgrenzen hat die IOM zahlreiche tote und vermisste Migranten dokumentiert: zwischen 2014 und 2025 waren es circa 1.400 Personen . Besonders viele Personen sind entlang der Westbalkan-Route verstorben oder vermisst (429 Personen) sowie beim Versuch, den Ärmelkanal nach Großbritannien zu überqueren (364 Personen). Auch an der Grenze zwischen Belarus und Polen wurden mehrere Fälle dokumentiert (130 Personen).