Wie viele Todesfälle gibt es auf den Fluchtrouten in die EU?

Die Fluchtrouten nach Europa bleiben gefährlich. Vor allem im Mittelmeer sterben zahlreiche Flüchtlinge bei der Überfahrt. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle ist unbekannt.

Es ist nicht möglich, die genaue Zahl der Geflüchteten zu ermitteln, die entlang der Haupt-Fluchtrouten in die EU gestorben sind. Das Projekt „ Missing Migrants ” der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dokumentiert seit 2014 Tote und Vermisste anhand von offiziellen Dokumenten und Berichten von Augenzeugen. In dieser Zeit hat das Projekt weltweit knapp 84.000 Tote und Vermisste gezählt – mehr als 40 Prozent davon im Mittelmeer. Das Dunkelfeld ist allerdings viel größer.

Todesfälle im Mittelmeer

Im ersten Halbjahr 2026 sind laut Schätzungen IOM (2026): „ Missing Migrants ” eigene Berechnung (Daten abgerufen am 8.7.2026)  der IOM rund 1.400 Personen im Mittelmeer ums Leben gekommen oder werden vermisst – darunter mindestens 51 Kinder. Hinzu kommen mindestens 168 Fälle auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln im Atlantik. IOM (2026): „Missing Migrants” eigene Berechnung (Daten abgerufen am 8.7.2026) – Mittelmeer / Westafrika

Die Zahl der Toten und Vermissten im Mittelmeer ist somit um rund 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen (851) – und das obwohl die Zahl der Ankünfte auf allen Hauptrouten zurückgeht. Einen besonderen Anstieg hat „Missing Migrants” auf der östlichen Mittelmeer-Route festgestellt: hier hat sich die Zahl der Toten und Vermissten fast verdreifacht. Grund dafür waren starke Unwetter und die Abwesenheit von Such- und Rettungsmissionen (SAR) auf der Route, die von Ost-Lybien nach Kreta führt. IOM (2026): Europe — Migrants Travelling to Europe by Land and by Sea in 2025, Seite 18; Angaben der IOM auf Anfrage des Mediendienst Integration

Im Gesamtjahr 2025 gab es 1.756 Tote/Vermisste im gesamten Mittelmeer-Raum – darunter 97 Kinder. Rund 68 Prozent der Fälle ereigneten sich auf der zentralen Mittelmeer-Route. 1.176 Fälle ereigneten sich auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln. IOM (2026): „Missing Migrants” – Mittelmeer / Westafrika

Todesfälle in Nordafrika

Noch schwieriger ist es festzustellen, wie viele Menschen auf dem Weg zu den Mittelmeer-Küsten gestorben sind. In Nordafrika wurden zwischen 2014 und 2026 etwa 7.100 Tote/Vermisste gemeldet. Die IOM geht aber davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen könnten. IOM (2026): „Missing Migrants”, North-Africa , Daten zu "Sahara Desert Crossing", eigene Berechnung; IOM (2017): „ Fatal Journeys ” Volume 3, 2017, S. 11

Todesfälle innerhalb Europas

Auch an den europäischen Landesgrenzen hat die IOM zahlreiche tote und vermisste Migranten dokumentiert: zwischen 2014 und 2026 waren es circa 1.500 Personen . Besonders viele Personen sind entlang der Westbalkan-Route verstorben oder vermisst (441 Personen) sowie beim Versuch, den Ärmelkanal nach Großbritannien zu überqueren (371 Personen). Auch an der Grenze zwischen Belarus und Polen wurden mehrere Fälle dokumentiert (132 Personen). IOM (2026), „Missing Migrants” (abgerufen am 8.7.2026) - Europe