Wie viele Todesfälle gibt es auf den Fluchtrouten in die EU?

Die Fluchtrouten nach Europa bleiben gefährlich. Vor allem im Mittelmeer sterben viele Flüchtlinge bei der Überfahrt.

Es ist nicht möglich, die genaue Zahl der Geflüchteten zu ermitteln, die entlang der Haupt-Fluchtrouten in die EU gestorben sind. Das Projekt „Missing Migrants” der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dokumentiert seit 2014 Tote und Vermisste anhand von offiziellen Dokumenten und Berichten von Augenzeugen. Das Dunkelfeld ist allerdings viel größer.

Todesfälle im Mittelmeer

Bis Anfang August 2026 sind laut Schätzungen IOM (2026): „Missing Migrants” eigene Berechnung (Daten abgerufen am 10.8.2026) der IOM über 1.600 Personen im Mittelmeer ums Leben gekommen oder werden vermisst – darunter mindestens 55 Kinder (Stand: 18. August 2026). Darunter sind 97 Menschen, die Ende Juli 2026 beim Versuch starben, von Marokko nach Ceuta zu gelangen. Diese Angabe ist noch vorläufigIOM Spanien (12. August 2026) auf Anfrage des Mediendienst Integration.: Auf spanischer Seite sind 83 Personen offiziell bestätigt (Stand: 11. August 2026). Marokkanische Behörden sprechen von 14 Todesfällen (Stand: 7. August), marokkanische Menschenrechtsorganisationen gehen von mehr als 140 Toten aus. IOM (2026): „Missing Migrants” eigene Berechnung (Daten abgerufen am 10.8.2026) – Mittelmeer / Westafrika; IOM Spanien (12. August 2026), auf Anfrage des Mediendienst Integration; EFE (7. August 2026): Marruecos eleva a 14 los muertosy 236 los heridos en la avalancha migratoria de Ceuta; Deutschlandfunk (8. August 2026): „Marokkanische NGOs: Mehr als 140 Menschenbei Andrang auf Ceuta gestorben”

Die Halbjahreszahlen 2026 zeigen einen deutlichen Anstieg der Todesfälle und Vermissten im Mittelmeer: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl um rund 66 Prozent – von 851 im Jahr 2025 auf 1.413 im Jahr 2026. Einen besonderen Anstieg gab es auf der östlichen Mittelmeer-Route: hier hat sich die Zahl der Toten und Vermissten fast verdreifacht. Grund dafür waren starke Unwetter und die Abwesenheit von Such- und Rettungsmissionen auf der Route, die von Ost-Lybien nach Kreta führt. IOM (2026): Europe — Migrants Travelling to Europe by Land and by Sea in 2025, Seite 18; Angaben der IOM auf Anfrage des Mediendienst Integration

Seit 2014 dokumentierte die IOM im Projekt „Missing Migrants” weltweit rund 85.000 Tote und Vermisste – mehr als 40 Prozent davon im Mittelmeer. IOM (2026): „Missing Migrants” eigene Berechnung (Daten abgerufen am 10.08.2026).

Todesfälle auf der Route zu den Kanarischen Inseln

Im 1. Halbjahr 2026 zählte die IOM auf der Route von Westafrika über den Atlantik zu den Kanarischen Inseln 168 Todesfälle und Vermisste, für das gesamte Jahr 2025 waren es 1.176. Seit 2014 registrierte sie auf der Route 6.782 Tote und Vermisste. IOM (2026): „Missing Migrants”, Westafrika - Atlantikroute zu den Kanarischen Inseln (Daten abgerufen am 18.8.2026); 

Todesfälle in Nordafrika

Noch schwieriger ist es festzustellen, wie viele Menschen auf dem Weg zu den Mittelmeer-Küsten gestorben sind. Zwischen 2014 und 2026 wurden in Nordafrika 7.167 Tote/Vermisste gemeldet. Die IOM geht aber davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen könnten.  IOM (2026): „Missing Migrants”, North-Africa, Daten zu „Sahara Desert Crossing” (Daten abgerufen am 18.8.2026); IOM (2017): „Fatal Journeys” Volume 3, 2017, S. 11

Todesfälle innerhalb Europas

Auch an den europäischen Landesgrenzen hat die IOM zahlreiche tote und vermisste Migranten dokumentiert: zwischen 2014 und 2026 waren es circa 1.500 Personen. Besonders viele Personen sind entlang der Westbalkan-Route verstorben oder vermisst (441 Personen) sowie beim Versuch, den Ärmelkanal nach Großbritannien zu überqueren (371 Personen). Auch an der Grenze zwischen Belarus und Polen wurden mehrere Fälle dokumentiert (132 Personen). IOM (2026), „Missing Migrants” (abgerufen am 8.7.2026) - Europe