Schutz von Synagogen in Deutschland

Immer wieder gibt es Übergriffe auf Synagogen in Deutschland. Insbesondere der Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 legte Sicherheitsmängel offen. Bund und Länder versprachen, den Schutz zu verbessern.

Jüdische Einrichtungen erleben immer wieder antisemitische Angriffe – das zeigt eine Umfrage des Zentralrats der Juden im März 2026 unter Vorsitzenden von Gemeinden: Fast die Hälfte46 von 102 berichtet von antisemitischen Vorfällen, bei knapp jedem zweitem Fall geht es auch um Sachbeschädigungen und Schmierereien. Ein Fünftel der Gemeinden haben in den letzten 12 Monaten Veranstaltungen aus Sicherheitsbedenken abgesagt. Ein Drittel sieht Defizite in der Sicherheit, vor allem bei Personal sowie bei der Sicherung von Gebäuden und der technischen Ausstattung.  Zentralrat der Juden in Deutschland (2024): „Lagebild der jüdischen Gemeinden in Deutschland 2026”, S. 2f.

Folgen des Anschlags in Halle/Saale

Der antisemitische Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale am 9. Oktober 2019 legte eklatante Sicherheitsmängel an Synagogen in Deutschland offen. Nach dem Anschlag haben Bund und Länder versprochen, Synagogen und andere jüdische Einrichtungen besser zu schützen (mehr dazu unten). Der Zentralrat der Juden plant für das Jahr 2026 ein Sicherheitszentrum aufzubauen, dort soll es etwa einen Kontrollraum geben, von dem aus beteiligte Einrichtungen überwacht werden. Zudem sollen dort Sicherheitskräfte geschult werden. Zentralrat der Juden in Deutschland (2026): Tätigkeitsbericht 2025, S. 81 

Der Anschlag in Halle/Saale zeigte: Nur wenige Synagogen in Deutschland waren gut geschützt. Die Gemeinden mussten Maßnahmen wie Zäune, Poller, Einlassschleusen oder Videoüberwachung häufig selbst finanzieren. Viele konnten das nicht stemmen. Die Ausgaben gingen zudem auf Kosten des Gemeindelebens. Sicherheitsüberprüfungen der Polizei nach dem Anschlag ergaben, dass mehrere Millionen Euro nötig sind, um Sicherheitslücken zu schließen. Einige Länder wie Berlin, Bayern oder NRW haben schon vor dem Anschlag viel für die Sicherheit von Gemeinden getan. Andere Länder hatten sich nicht an den Kosten für Schutzvorkehrungen beteiligt. 

Drei MEDIENDIENST-Recherchen 2020, 2021 und 2024 zufolge haben Bund und Länder Millionen Euro zugesagt, um den Schutz von Synagogen zu verbessern. Der Bund stellte ein Sondermittel von 22 Millionen Euro bereit. Das Schutzniveau hat sich deutlich verbessert. Die meisten Bundesländer, die Angaben machten, haben Gelder für Schutzmaßnahmen an jüdische Einrichtungen gezahlt und haben das auch in den nächsten Jahren vor. In manchen Ländern wurden die Gelder 2023 nochmal deutlich erhöht, so in Berlin, Bayern und Hessen. Vgl. Mediendienst-Recherche 2020, Recherche 2021, Recherche 2024, Deutscher Bundesag (2025): Drucksache 21/3281, S. 4

Probleme sind weiterhin: 

  • Viele Gemeinden bleiben noch immer auf Kosten sitzen. In Baden-Württemberg gibt es etwa eine Selbstbeteiligung von Gemeinden für Sicherheitsmaßnahmen. 
  • Einige Bundesländer übernehmen nicht die Kosten für private Sicherheitsdienste – viele Gemeinden brauchen aber einen solchen Wachdienst, da die Polizei die Gemeinden nur unregelmäßig oder bei größeren Festen bewacht. 
  • Gemeinden berichten, dass die bürokratischen Hürden, um an die Gelder zu kommen, oft sehr hoch sind. Das ist gerade für kleine Gemeinden mit ehrenamtlichen Mitarbeitern schwierig.

Weitere Informationen 
>> MEDIENDIENST (2024): 5 Jahre nach dem Anschlag in Halle, Recherche mit Experteneinschätzungen
>> MEDIENDIENST (2021): Können Jüdinnen und Juden in Deutschland sicher leben?, Pressegespräch, hier beschreibt Gemeindevorsitzende Seidler, was Sicherheitsmaßnahmen für das Gemeindeleben bedeuten
>> MEDIENDIENST (2021): Schutz jüdischer Einrichtungen zwei Jahre nach Halle, Recherche mit Experteneinschätzungen 
>> MEDIENDIENST (2020): Schutz jüdischer Einrichtungen ein Jahr nach Halle, Recherche
>> MEDIENDIENST (2020): Synagogen sind nicht gut genug geschützt, Pressegespräch, hier berichtet Naomi Henkel-Gümbel, Überlebende des Anschlags in Halle