Jahresausblick

Termine und Jahrestage 2026

Bis Mitte 2026 muss Deutschland die EU-Asylreform GEAS umsetzen - ebenso wie die anderen EU-Mitgliedstaaten. In fünf Bundesländern finden im Jahr 2026 Landtagswahlen statt. Und die Gründung der Deutschen Islam Konferenz jährt sich zum 20. Mal.

Vor der Küste von Kreta gerettete Migranten erreichen das griechische Lavrio auf dem Festland. Auch 2026 wird das Thema Migration die europäische Politik beherrschen. (Foto: picture alliance / Anadolu | Costas Baltas)

Jahrestage

4. Januar 2026
Vor 10 Jahren: Kölner Polizei veröffentlicht erste Daten zur Silvesternacht
Eine Vielzahl sexueller Übergriffe in Köln und anderen Städten während der Silvesternacht 2015-2016 entfachen eine Debatte über sexualisierte Gewalt von Ausländern. Am 4. Januar veröffentlicht die Kölner Polizei erste Daten über eingegangene Strafanzeigen. Diese nehmen in den folgenden Wochen stark zu: Die Staatsanwaltschaft zählte 1.210 Strafanzeigen, davon 511 wegen sexueller Übergriffe.

18. Januar 2026
Vor 30 Jahren: Brandanschlag auf eine Lübecker Flüchtlingsunterkunft 
Zehn Menschen sterben, als Unbekannte am 18. Januar 1996 ein Lübecker Asylbewerberheim anzünden, mehrere dutzend werden zum Teil schwer verletzt. Bei den Rettungs- und Löscharbeiten kommt es zu Schwierigkeiten, die polizeilichen Ermittlungen führen zu keinem Ergebnis: Wer den Brand gelegt hat, wird nie aufgeklärt. Verdächtigt werden sowohl vier Männer aus der Neonazi-Szene als auch ein Bewohner des Heims. 30 Jahre später startet eine Bürgerinitiative einen erneuten Versuch der Aufklärung und bittet Zeitzeugen, sich zu melden.

17. März 2026
Vor 10 Jahren: Das Asylpaket II tritt in Kraft
Im März vor zehn Jahren tritt ein Bündel an Maßnahmen in Kraft mit dem Ziel, Asylverfahren neu zu gestalten. Dazu zählt etwa das Gesetz zur Einführung beschleunigter Asylverfahren – beispielweise bei Menschen aus „sicheren Herkunftsstaaten“ und Personen, die bei der Identitätsfeststellung nicht kooperieren. Der Familiennachzug zu subsidiär Schutzberechtigten wird für zwei Jahre ausgesetzt. Zudem wird der Abschiebeprozess vereinfacht. Der Plan ist, Asylverfahren in „Ankunftszentren“ zu bearbeiten – und die Menschen bei Ablehnung sofort von dort abzuschieben.

20. März 2026
Vor 10 Jahren: EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen
Vom Abkommen mit der Türkei erhoffen sich die EU-Mitgliedsstaaten im März 2016, dass weniger Flüchtlinge in die EU kommen. Konkret geht es dabei vor allem um Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien fliehen – insbesondere in die benachbarte Türkei. Die türkische Regierung verpflichtet sich zu verstärkten Grenzkontrollen und dazu, Personen ohne Anspruch auf Asyl, die über das Meer nach Griechenland gelangten, wieder zurückzunehmen. Für jede zurückgeschickte Person darf ein syrischer Geflüchteter legal in die EU einreisen.

30. März 2026
Vor 20 Jahren: Die Rütli-Schule ruft um Hilfe
Sie seien am Ende ihrer Kräfte, rat- und hilflos angesichts gewaltbereiter und aggressiver Schüler*innen. Das schreiben Lehrer und Lehrerinnen der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln im März vor 20 Jahren an den Berliner Senat. Ihr Brief gelangt an die Öffentlichkeit und die damalige Hauptschule steht schnell symbolisch für gescheiterte Integration und sogenannte Brennpunktschulen. Die intensive gesellschaftliche Debatte führt schließlich auch dazu, dass die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel am 14. Juli desselben Jahres einen ersten Integrationsgipfel im Kanzleramt veranstaltet.

29. Juni 2026
Vor 20 Jahren: Bundestag beschließt das Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Das AGG ist das erste umfassende Gesetz in Deutschland, das vor Diskriminierung aufgrund von Alter, Behinderung, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung sowie sexueller Identität schützen soll – etwa am Arbeitsplatz oder bei Alltagsgeschäften wie der Wohnungssuche. Das Gesetz wird Ende Juni 2006 im Bundestag beschlossen und tritt am 14. August 2006 in Kraft. Derzeit wird über eine Reform diskutiert. Kritisiert wird unter anderem, dass das Gesetz nicht alle Formen von Diskriminierung abdeckt, Betroffene Diskriminierung oft innerhalb kurzer Fristen anzeigen müssen und es nicht in allen Lebensbereichen greift.

22. Juli 2026
Vor 10 Jahren: Anschlag am Münchner OEZ
Bei einem Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München tötet ein Attentäter neun Menschen und verletzt fünf weitere schwer. Kurz danach stufen Sicherheitsbehörden die Ereignisse als unpolitischen Amoklauf ein. Das ändert sich erst drei Jahre später. Die Tat gilt seitdem als rassistischer Anschlag. Alle neun Todesopfer hatten Migrationsbiografien oder gehörten zur Minderheit der Sinti und Roma.

17. bis 23. September 2026
35 Jahre nach Hoyerswerda
Im September 1991 kommt es in der sächsischen Stadt Hoyerswerda zu Pogromen gegen Geflüchtete und ehemalige DDR-Vertragsarbeiter. An den Ausschreitungen beteiligen sich hunderte Menschen. Insgesamt werden 32 Personen verletzt. Trotz tagelanger Krawalle greift die Polizei zögerlich ein. Die Täter erhalten nur geringe Strafen. Die Ereignisse von Hoyerswerda sind der Beginn einer Reihe von ausländerfeindlichen Angriffen in Städten wie Rostock, Mölln oder Solingen.

27. September 2026
Vor 20 Jahren: Deutsche Islam Konferenz wird gegründet
„Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft.“ Das sagt der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble in einer Regierungserklärung im September 2006. Zuvor hat er die Deutsche Islam Konferenz (DIK) und damit den ersten institutionalisierten Dialog zwischen dem deutschen Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen eröffnet. Von Anfang an ist umstritten, welche Verbände an den Treffen teilnehmen sollen. Zuletzt befasst sich die DIK unter anderem mit Ausbildungsprogrammen für islamisch-religiöses Personal in Deutschland.

30. Oktober 2026
Vor 65 Jahren: Das Anwerbeabkommen mit der Türkei wird unterzeichnet
Ende Oktober 1961 unterzeichnen die deutsche und die türkische Regierung ein Abkommen, das die Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei in die Bundesrepublik regeln soll. Nach Italien, Spanien und Griechenland ist die Türkei das vierte Land, mit dem ein solches Anwerbeabkommen geschlossen wird. Rund 870.000 „Gastarbeiter*innen“ kommen daraufhin bis zum Anwerbestopp 1973 nach Deutschland. Heute leben rund 3 Millionen Menschen mit Migrationsbezug zur Türkei in Deutschland.

Termine

8. und 22. März 2026
Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
Im Jahr 2026 stehen fünf Landtagswahlen an – zwei davon im März. Am 8. März wird in Baden-Württemberg gewählt. Das Bundesland ist neben Hessen und Nordrhein-Westfalen eins der Flächenländer, in denen der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei deutlich mehr als 30 Prozent liegt: 2024 waren es laut Statistischem Bundesamt 37,9 Prozent. Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz findet am 22. März statt. Hier liegt der Anteil der Bewohner*innen mit Migrationshintergrund mit 30,1 Prozent fast genau im deutschlandweiten Schnitt (30,4 Prozent).

22. bis 23. April 2026
Integrationsministerkonferenz in Essen
Die für Integration zuständigen Minister und Senatoren der Länder kommen am 22. und 23. April in Essen zu ihrer jährlichen Konferenz zusammen. Als Gast eingeladen ist die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

12. Juni 2026
GEAS-Reform tritt in Kraft
Anfang Juni tritt die wichtigste Asylreform der letzten Jahre in Kraft: die Reform des gemeinsamen europäischen Asylsystems (GEAS). Entscheidende Änderungen sind einheitliche Screening- und Zulässigkeitsverfahren bei der Ankunft an den EU-Außengrenzen, beschleunigte Asylverfahren und eine Verteilung von Geflüchteten aufgrund eines Solidaritätsmechanismus.

17. bis 19. Juni 2026
Innenministerkonferenz in Hamburg
Die erste Innenministerkonferenz 2026 findet vom 17. bis 19. Juni in Hamburg statt. Es tagen die Innenminister*innen und Innensenator*innen der Länder. Als ständiger Gast ist der Bundesinnenminister eingeladen.

25. Juni 2026
Letztes Urteil in einem NSU-Prozess erwartet
Seit dem vergangenen November steht Susann E. in Dresden vor Gericht. Geklärt werden soll, inwiefern die ehemalige Bekannte der Rechtsextremistin Beate Zschäpe die terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) unterstützt hat. In ihrer Zeugenaussage belastet Zschäpe die Angeklagte schwer: Mehrmals habe sie beispielsweise E.s Krankenkassen- und Bankkarte genutzt und damit sozusagen deren Identität. 15 Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU soll 2026 voraussichtlich ein letztes Urteil in einem zugehörigen Prozess gesprochen werden - Termine sind bis Ende Juni angesetzt.

15. Juli 2026
EU-Richtlinie gegen Menschenhandel wird nationales Recht
Die Bundesregierung soll bis zum 15. Juli die neue europäische Richtlinie gegen Menschenhandel in nationales Recht umsetzen. Ein Gesetzentwurf wurde im Oktober 2025 vorgestellt. Künftig werden Leihmutterschaft, Adoption und Zwangsheirat im Zusammenhang mit Menschenhandel verfolgt. Neu ist zudem die Nachfragestrafbarkeit: Wer wissentlich Leistungen von ausgebeuteten Menschen in Anspruch nimmt – etwa in der Prostitution, im Nagelstudio oder auf dem Bau – macht sich strafbar.

5. und 20. September 2026
Landtagswahlen im Osten
Im September stehen drei Landtagswahlen im Osten Deutschlands an. Am 6. September in Sachsen-Anhalt und zwei Wochen später am 20. September in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sagen Prognosen bislang ein starkes Abschneiden der AfD voraus.

2. bis 4. Dezember 2026
Innenministerkonferenz in Hamburg
Zum Jahresende kommt die Innenministerkonferenz noch einmal in Hamburg zusammen – unter dem Vorsitz von Hamburgs Innensenator Andy Grote.

Von Katja Demirci, Cordula Eubel, Sophie Koch, Carsten Wolf