Fluchtrouten: Wie viele Flüchtlinge kommen über das Mittelmeer?

Die Flucht über das Mittelmeer ist lebensgefährlich. Dennoch wagen Menschen die Überfahrt nach Europa. Diese Übersicht zeigt, wie viele Menschen über die wichtigsten Fluchtrouten kommen und wer für die Seenotrettung zuständig ist.

2026

Von Januar bis Ende August 2026 ist die Zahl der Ankünfte auf den Haupt-Fluchtrouten im Mittelmeerraum um rund 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken – auf rund 65.300 Personen (Land- und Seewege). 

Die Ankünfte von rund 72.000 Migrant*innen in der spanischen Exklave Ceuta Ende Juli sind darin nicht erfasstDas UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zählt als Ankünfte nur Personen, die in den jeweiligen Ländern registriert wurden. Das ist bei den Grenzübertritte in Ceuta nicht geschehen.. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums wurden die Migrant*innen nach wenigen Tagen zurückgeschoben. Es bleiben zum Stichtag 4. September 2026 rund 5.000 Migrant*innenSpanisches Innenministerium auf Anfrage des Mediendienst Integration in der Exklave (inklusive Personen, die vor dem 30. Juli in Ceuta waren). UNHCR, Europe Sea Arrivals (abgerufen am 15.9.2026), LINK (eigene Berechnung)

Die größte Gruppe von Geflüchteten und Migrant*innen, die in die Europäische Union einreisen konnten, kam 2026 über die östliche Mittelmeer Route nach Griechenland/Kreta. Hier kamen bis Ende August 2026 rund 24.600 Personen an (Land- und Seewege) – das sind rund 17 Prozent weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum. Rund die Hälften landete auf der Insel Kreta, die neuerdings zum Haupt-Ankunftspunkt im östlichen Mittelmeer geworden ist. Besonders auf der Libyen-Kreta Route ist die Zahl der Ankünfte seit 2025 stark gestiegen. Die meisten Geflüchteten, die Griechenland erreichten, kamen ausStand Juli 2026 dem Sudan, Bangladesch und Afghanistan. Darüber hinaus erreichten rund 1.000 Personen die Insel Zypern. UNHCR, Europe Sea Arrivals, Greece (abgerufen am 15.9.2026) LINK (eigene Berechnung); UNHCR, Europe Sea Arrivals, Cyprus, (abgerufen am 15.9.2026) LINK

In Italien ist die Zahl der Ankünfte über die zentrale Mittelmeer-Route zwischen Januar und Ende August 2026 um rund 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen – auf rund 19.200 Personen. Hier kamen insbesondereStand Juli 2026 Personen aus Bangladesch, Somalia, Algerien und dem Sudan an (Ankünfte via Seeweg). UNHCR, Europe Sea Arrivals, Italy (abgerufen am 15.9.2026) LINK (eigene Berechnung)

InSpanien (inklusive der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln) gab es von Januar bis Septmeber 2026 rund 20.400 Ankünfte (Land- und Seewege). Das sind rund 15 Prozent weniger Ankünfte als im Vorjahreszeitraum. Die meisten Personen kamen (Stand: Ende Juli) aus Algerien, Marokko und Mali. In diesen Daten sind die rund 72.000 Migrant*innen nicht enthalten, die zwischen dem 30. Juli und dem 3. August 2026 die Exklave Ceuta erreicht haben. Zum Stichtag 4. September hielten sich in Ceuta nach Angaben des spanischen Innenministeriums auf Anfrage noch rund 5.000 Migrant*innen auf.  UNHCR: Europe Sea Arrivals, Spain (abgerufen am 2.8.2026), LINK (eigene Berechnung); Tagesspiegel (2026): EU-Innenminister loben Krisenmanagement, LINK; UNHCR Deutschland auf Anfrage des Mediendienst

2025

Rund 153.500 Menschen erreichten 2025 die Grenzen der Europäischen Union über das Mittelmeer. Das sind rund 23 Prozent weniger Ankünfte als im Vorjahreszeitraum. UNHCR, Europe Sea Arrivals (abgerufen am 2.1.2026), IOM auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

In Griechenland kamen über die Land- und Seegrenzen rund 47.800 Personen an. Das sind etwa 23 Prozent weniger Geflüchtete als im Vorjahr. Die meisten landeten auf die Insel Kreta (ca. 19.900 Personen), die neuerdings zum Haupt-Ankunftspunkt im östlichen Mittelmeer geworden ist. Besonders auf der Libyen-Kreta Route hat sich die Zahl der Ankünfte mehr als verdreifacht. Die meisten Geflüchtete, die Griechenland erreichten, kamen aus Aufghanistan (rund 26 Prozent), dem Sudan (21 Prozent) und Ägypten (20 Prozent). Darüber hinaus erreichten rund 2.400 Personen die Insel Zypern (63 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr) UNHCR, Europe Sea Arrivals, Greece, (abgerufen am 2.1.2026) LINK; UNHCR, Europe Sea Arrivals, Cyprus, (abgerufen am 2.1.2026) LINK

In Italien ist die Zahl der Ankünfte über die zentrale Mittelmeer-Route mit rund 66.000 Personen nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr geblieben. Hier kamen insbesondere Personen aus Bangladesch (31 Prozent), Ägypten (14 Prozent) und Eritrea (12 Prozent) an. UNHCR, Europe Sea Arrivals, Italy (abgerufen am 2.1.2026) LINK

InSpanien (inklusive der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln) gab es 2025 rund 54.800 Ankünfte – davon 17.700 auf den Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Das sind 14 Prozent weniger Ankünfte als 2024. Die meisten Personen kamen aus Algerien (29 Prozent), Mali (20 Prozent) und Marokko (15 Prozent).

Seenotrettung im Mittelmeer

Das Mittelmeer – insbesondere das Gebiet zwischen der libyschen und italienischen Küste – gilt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) als eine der gefährlichsten Grenze der Welt: Viele Menschen kommen bei der Überfahrt ums Leben. IOM (2017): "New Study Concludes Europe’s Mediterranean Border Remains 'World’s Deadliest'"; IOM (2021): "Missing Migrants"

Wer für die Seenotrettung von Geflüchteten zuständig ist, hängt von der Region im Mittelmeer ab:

Im westlichen Mittelmeer kümmert sich vor allem die staatliche "Sociedad de Salvamento y Seguridad Marítima" aus Spanien um die Rettung von Geflüchteten. Dabei wird sie von der spanischen "Guardia Civil" unterstützt. Seit Februar 2019 arbeitet sie auch mit der marokkanischen Küstenwache zusammen. Laut Medienberichten werden Geflüchtete seitdem verstärkt in Marokko, Algerien und Mauretanien an Land gebracht. Daten zur Zahl der Personen, die von den jeweiligen Küstenwachen aufgegriffen wurden, sind nicht verfügbar. Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

Im östlichen Mittelmeer sind Einheiten der griechischen und türkischen Küstenwache sowie die europäische Frontex-Operation "Poseidon" für die Seenotrettung zuständig. Von den rund 112.500 Menschen, die 2024 die Seereise über die östliche Mittelmeer-Route unternommen haben, wurden etwa die Hälfte von der türkischen Küstenwache aufgegriffen und zurück in die Türkei gebracht. Seit dem EU-Türkei-Abkommen werden alle Geflüchtete, die von der türkischen Küstenwache aufgegriffen werden, zurück in die Türkei gebracht. Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf Anfrage des MEDIENDIENSTES

Im zentralen Mittelmeer wurden 2024 etwa 40 Prozent der Menschen, die die Überfahrt versuchen, von der libyschen und tunesischen Küstenwache aufgegriffen. Die libysche Küstenwache bringt die Schutzsuchenden wieder nach Libyen, wo sie in der Regel wegen "illegaler Zuwanderung" inhaftiert werden. Zudem patrouillieren die italienische Küstenwache sowie vereinzelt Nichtregierungsorganisationen in diesem Gebiet. Angaben von IOM auf Anfrage des MEDIENDIENSTES; IOM (2025), United Nations Human Rights Council (2023), Independent Fact-Finding Mission on Libya LINK

Seenotrettung als Pull-Faktor?

Immer wieder wird diskutiert, ob Seenotrettung als Pull-Faktor wirkt – also ob mehr Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer wagen, weil sie wissen, dass es Rettungsaktionen gibt. Eine Studie des DeZIM-Instituts 2023 zeigt, dass das nicht der Fall ist: Seenotrettung habe keinen Effekt auf die Überfahrten im Mittelmeer. Die Forscher*innnen haben dafür zahlreiche Daten von 2011 bis 2020 ausgewertet. Andere Faktoren hätten hingegen einen Einfluss: etwa Konflikte, Naturkatastrophen oder Rohstoffpreise. Pushbacks, wie von der libyschen Küstenwache, senken die Anzahl an Überfahrten. DeZIM (2023), Search‑and‑rescue in the Central Mediterranean Route does not induce migration, S. 1, 3 und 4, LINK.