Im Schuljahr 2025/26 besuchten in Deutschland 84.356 Schüler*innen islamischen Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen. Das zeigt eine Umfrage des Mediendienst Integration unter den Kultusministerien der Länder (August/September 2026). In neun Bundesländern gibt es an Schulen Islamunterricht. Zwei Bundesländer bieten konfessionsübergreifenden Religionsunterricht, der auch den Islam umfasst. Mindestens 780.000 muslimische Schüler*innen gehen in Deutschland zur Schule. Die Gesamtzahl liegt höher, da nur sieben Bundesländer die Zahl erfassen.
Zahl der Schüler im Islamunterricht verdoppelt
Die Zahl der Schüler*innen, die an allgemeinbildenden Schulen Islamunterricht besuchen, hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt: Laut Kultusministerkonferenz waren es 2015/16 noch 42.648.
Die Auswertung des Mediendienst zeigt: Ein flächendeckendes Angebot fehlt. Nur ein Bruchteil der muslimischen Schüler*innen besucht islamischen Religionsunterricht. In Bayern waren es rund 15 Prozent. In NRW besuchten nur rund sieben Prozent der gut 420.000 Schüler*innen an allgemeinbildenden Schulen islamischen Religionsunterricht. In Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und dem Saarland ist der Anteil noch niedriger.
„Das Angebot für islamischen Religionsunterricht reicht bei Weitem nicht aus”, sagt Riem Spielhaus. Sie ist Professorin für Islamwissenschaft mit Schwerpunkt Bildung. „Laut Grundgesetz ist Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach.” Kinder aller Religionen hätten ein Recht darauf. Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) kam bereits 2009 zu dem Ergebnis, dass etwa 580.000 Schüler*innen im Alter von 6 bis 18 Jahren einen islamischen Religionsunterricht besuchen würden. Der Islamische Religionsunterricht ziele nicht darauf ab, Schüler von einem Glauben zu überzeugen, sagt Spielhaus. „Es geht nicht zuletzt darum, Kinder zu befähigen, sich zu ihrem Glauben zu positionieren."
In Bayern, Schleswig-Holstein und Teilen von Hessen gibt es Islamunterricht, den ausschließlich der Staat verantwortet. In anderen Bundesländern sind islamische Organisationen beteiligt.
Lehrkräfte brauchen Perspektiven
„Um den Islamunterricht auszubauen, müssen mehr Stellen für Islamlehrkräfte geschaffen werden”, sagt Islamwissenschaftler Mathias Rohe. Das würde auch angehende Lehrer*innen motivieren, das Fach zu wählen. „Es gibt unter den Studierenden großes Interesse an der islamischen Religionspädagogik. Wenn sie aber für sich keine Berufschancen sehen, weil es nur wenig Stellen gibt, wählen sie ein anderes Fach."
Islamunterricht als Prävention gegen Extremismus
Den Islamuntericht auszubauen, sei auch angesichts islamistischer Onlinepropaganda wichtig, sagt Rohe. „Es gibt in den Sozialen Medien sehr viele islamistische Versuche, Jugendliche religiös zu beeinflussen." Die Botschaften seien „aus theologischer Sicht Schrott”, aber sie würden junge Muslime abholen, die in schwierigen Lebenssituationen sind und die keine anderen religiösen Angebote haben. „Im islamischen Religionsunterricht können die Kinder lernen, dem etwas entgegenzusetzen. Hier können Kinder theologisch und pädagogisch fundiert lernen: Wie gehe ich mit Trauer oder Wut um? Wie gehe ich mit Menschen um, die andere Meinungen oder einen anderen Glauben haben?" Prävention könne allerdings nicht die Hauptaufgabe des Islamunterrichts sein.
Islamischer Religionsunterricht – die Bundesländer im Detail
Die folgenden Angaben beziehen sich auf allgemeinbildende Schulen.
Hintergrund: Islamkunde oder Islamischer Religionsunterricht?
In Deutschland gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Modelle des Islamunterrichts. Sie unterscheiden sich insbesondere dadurch, ob islamische Organisationen beteiligt sind oder nicht. Beim Islamischen Religionsunterricht (auch: bekenntnisorientierter Unterricht; Unterricht in einer Religion) verantworten islamische Organisationen den Unterricht mit. Laut Grundgesetz wird Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Sie bestimmen etwa über Lehrpläne und Schulbücher und erteilen Lehrerlaubnisse für die Lehrkräfte. Der Staat hat dabei ein Aufsichtsrecht. Bei der Islamkunde (Unterricht über eine Religion) liegt der Unterricht in alleiniger staatlicher Verantwortung. Islamische Verbände sind nicht beteiligt. Für Eltern und Schüler*innen sind die Unterschiede zwischen den Modellen mitunter schwer zu erkennen. Hier finden Sie Details zu den rechtlichen Grundlagen des Islamunterrichts.
In Baden-Württemberg gibt es bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht. Im Schuljahr 2025/26 nahmen daran 11.827 Schüler*innen teil. Den sunnitisch geprägten Unterricht verantwortet die Stiftung Sunnitischer Schulrat. Sie wurde 2019 gegründet und wird von zwei islamischen Verbänden getragen. Die Landesregierung will den Religionsunterricht ausbauen und die Stiftung personell stärken.
In Bayern besuchten im Schuljahr 2025/26 rund 22.800 Schüler*innen den Unterricht in Islamkunde – das sind etwa 15 Prozent der rund 152.500 muslimischen Schüler*innen im Land. Bayern bietet Islamkunde in staatlicher Verantwortung an, islamische Organisationen sind nicht beteiligt. Islamische Verbände in Bayern kritisierten diese Praxis in der Vergangenheit. Ihrer Auffassung nach müssten sie selbst über die Inhalte und die Lehrkräfte entscheiden. Seit dem Schuljahr 2021/2022 ist Islamkunde ein Wahlpflichtfach alternativ zu Ethik. Seit 2009 gab es das Fach als Modellprojekt.
In Berlin wird islamischer Religionsunterricht in alleiniger Verantwortung eines islamischen Landesverbands erteilt. Im Schuljahr 2024/25 nahmen am islamischen Religionsunterricht 6.470 Schüler*innen teil. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Teilnahme am Religionsunterricht ist in Berlin generell freiwillig.
In Bremen gibt es gemeinsame, konfessionsübergreifende Religionskunde für alle Schüler*innen. Das Angebot umfasst auch islambezogene Inhalte. Der Unterricht liegt vollständig in staatlicher Verantwortung, weder islamische noch andere religiöse Gemeinschaften sind beteiligt.
In Hamburg gibt es einen gemeinsamen, konfessionsübergreifenden Religionsunterricht. Anders als in Bremen verantworten in Hamburg jedoch nicht der Staat, sondern die Religionsgemeinschaften den Unterricht. Darunter sind drei islamische Gemeinschaften, sowie christliche, jüdische und alevitische Akteure. Die Kooperation zwischen der Stadt und den drei islamischen Religionsgemeinschaften beruht auf dem Staatsvertrag von 2012. Dieser sogenannte „Religionsunterricht für alle” (RUfa) wurde 2023/24 flächendeckend eingeführt.
In Hessen gibt es zwei verschiedene Modelle: Zum einen existiert allein staatlich verantwortete Islamkunde. Daran nahmen 2.862 Schüler*innen im Schuljahr 2025/26 teil. Zum anderen gibt es einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht, der in Kooperation mit islamischen Verbänden angeboten wird. Beteiligt sind der Landesverband der Ditib und die Ahmadiyya-Gemeinde, die jeweils eigenen Unterricht anbieten (2.051 Schüler*innen 2025/26). Hessen hatte die Zusammenarbeit mit Ditib wegen fehlender Unabhängigkeit vom türkischen Staat zum Schuljahr 2020/21 beendet. Der Verband klagte erfolgreich dagegen. Seit 2022/23 findet wieder von Ditib verantworteter Unterricht statt, der auch nach einer Begutachtung weiter fortgeführt wird. Ditib sieht in dem rein staatlichen Islamkundeunterricht ein Konkurrenzangebot und hat dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat die Klage im Juli 2025 abgewiesen. Dagegen hat Ditib Berufung eingelegt, das Verfahren läuft noch (Stand: September 2026).
In Niedersachsen nahmen 3.693 Schüler*innen im Jahr 2025 am islamischen Religionsunterricht teil – das waren lediglich knapp vier Prozent aller muslimischen Schüler*innen dort (95.289). In Niedersachsen sind islamische Organisationen am Unterricht beteiligt, die Zusammenarbeit zwischen dem Land und den religiösen Gemeinden wird durch ein Beiratsmodell organisiert.
In Nordrhein-Westfalen besuchten 30.260 Schüler*innen im Schuljahr 2025/26 islamischen Religionsunterricht. Das sind sieben Prozent der 419.204 muslimischen Schüler*innen. Es handelt sich um bekenntnisorientierten Unterricht, den islamische Verbände mitverantworten. Dazu wurde 2021 eine ständige Kommission eingerichtet, in der fünf islamische Verbände vertreten sind. In einer wissenschaftlichen Evaluation (2025) für NRW stellten Forschende der Uni Münster fest: Schüler, Eltern, Schulen und beteiligte Islamverbände nehmen den Unterricht positiv wahr. Bislang gibt es ihn an 247 Schulen (2025/26). Die Forschenden empfehlen eine flächendeckende Ausweitung auf alle Schulen in NRW.
In Rheinland-Pfalz besuchten 3.076 Schüler*innen im Schuljahr 2025/26 islamischen Religionsunterricht. Das waren fünf Prozent der knapp 58.476 muslimischen Schüler*innen. Der Unterricht wird seit 2004 modellhaft in Kooperation mit muslimischen Vereinen angeboten. Künftig soll bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach eingeführt werden – das steht in den Staatsverträgen, die Rheinland-Pfalz 2024 mit vier islamischen Religionsgemeinschaften unterzeichnete. Zwei dieser Gemeinschaften haben dazu eine Kommission gebildet. Bis Ende des Schuljahres 2026/27 soll sie die Verantwortung für den Unterricht übernehmen. Danach ist eine Ausweitung auf weitere Schulen vorgesehen.
Im Saarland besuchten 320 muslimische Schüler*innen im Schuljahr 2025/26 den islamischen Religionsunterricht, der dort an vier Grundschulen angeboten wird. Das waren zwei Prozent der 15.635 muslimischen Schüler*innen an allgemeinbildenden Schulen. Der islamische Religionsunterricht wird dort als Modell mit sechs muslimischen Kooperationspartnern verantwortet. Bei einer Prüfung 2023 bewerteten die beteiligten Schulen den islamischen Religionsunterricht positiv. Der Modellversuch wurde daraufhin um weitere vier Jahre verlängert.
In Schleswig-Holstein gibt es seit 2007/08 Islamkundeunterricht in alleiniger staatlicher Verantwortung. Im Schuljahr 2024/25 nahmen 997 Schüler*innen teil, aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Das waren drei Prozent der 31.613 muslimischen Schüler*innen an allgemeinbildenden Schulen. Künftig könnte es auch bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterricht geben, den der Landesverband der islamischen Kulturzentren Norddeutschland mitverantwortet. Das stellt der Staatsvertrag in Aussicht, den das Land 2025 mit dem der Verband schloss.
In den fünf östlichen Bundesländern Thüringen, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es keinen Religionsunterricht für muslimische Schüler*innen. Als Alternative zum christlichen Religionsunterricht stehen dort etwa Fächer wie Ethik oder Philosophie zur Auswahl.
Islamunterricht an Berufsschulen
An berufsbildenden Schulen ist der Ausbau des islamischen Religionsunterrichts noch nicht weit fortgeschritten. In Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland gibt es keinen Islamunterricht an beruflichen Schulen, in Baden-Württemberg bieten drei Berufsschulen das Fach an. In Bayern besuchten im Schuljahr 2025/26 rund 49.000 muslimische Schüler*innen eine Berufsschule. Rund 300 von ihnen besuchten den Islamischen Unterricht (0,6 Prozent). In Niedersachsen wird die Einführung des Fachs Islamische Religion an berufsbildenden Schulen vorbereitet, aktuell besuchen die ersten Lehrkräfte dazu Weiterbildungen. In NRW besuchten 100.828 muslimische Schüler*innen 2025/26 eine berufliche Schule, rund 1,4 Prozent von ihnen (1.413) erhielten Islamunterricht.
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