Staatenlos ist, wer keine Staatsangehörigkeit eines Landes hat. Dem Ausländerzentralregister
(AZR)Das Ausländerzentralregister ist eine umfangreiche Datensammlung zu allen Personen, die in Deutschland leben und nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Viele Behörden haben Zugriff auf die Datenbank, darunter Polizei, Jobcenter und Gerichte. In den letzten Jahren hat die Bundesregierung das AZR einige Male erweitert, zuletzt im Juli 2021.
zufolge leben in Deutschland insgesamt 116.821 Personen ohne Staatsangehörigkeit eines Landes (zum Stichtag 31.12.2025). Rund 37 Prozent von ihnen sind minderjährig (43.192). Anerkannt staatenlos sind 28.327 Menschen. Bei 88.494 Personen ist die Staatsangehörigkeit (noch)
ungeklärtMenschen ohne Nachweis einer Staatsangehörigkeit werden von den Behörden als Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit eingestuft, sofern ihre Staatenlosigkeit (noch) nicht anerkannt ist. Nach internationalem Recht können auch Menschen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit als staatenlos gelten. In Deutschland sollen Behörden sie unter bestimmten Voraussetzungen entsprechend behandeln. Nähere Erläuterung möglicher Auswirkungen einer ungeklärten Staatsangehörigkeit in diesem Dossier, unter: " Rechtliche Situation Staatenloser ".
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Menschen mit ungeklärter Staatsbürgerschaft sind eine heterogene Personengruppe : Teilweise befinden sich die Personen im laufenden Asylverfahren, teilweise kamen sie in Deutschland zur Welt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Schwierigkeiten dabei haben, eine ausländische Staatsangehörigkeit oder eine Staatenlosigkeit durch Dokumente zu belegen.
AZR, übermittelt durch das BMI auf Anfrage des Mediendienst Integration (2026); UNHCR: FAQ Staatenlose ; UN Menschenrechtskonvention (2010): „LEGAL AND PROTECTION POLICY RESEARCH SERIES UNHCR and De Facto Statelessness ”, S. 29; Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) (2023): "Ein Leben ohne Pass: Die Situation staatenloser Menschen in Deutschland ", Policy Brief, S. 6, 8-9; und Hoffmann (2017) „Aus der Beratungspraxis: Welche Rechte haben Staatenlose? ”, Asylmagazin.
Woher kommen Staatenlose?
Viele Staatenlose in Deutschland haben zuvor in Syrien oder im Libanon gelebt. Ihre Zahl in Deutschland ist insbesondere seit 2014 deutlich gestiegen . Meist waren sie bereits in diesen Ländern staatenlos, wie etwa Kurd*innen aus dem Norden Syriens. Auch Palästinenser sind häufig staatenlos, darunter palästinensische Geflüchtete aus dem Libanon oder Syrien, oder Personen aus dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen. Rund 47 Prozent der anerkannten Staatenlosen in Deutschland kamen in Syrien zur Welt (Stand Ende Dezember 2025).
Statistischer Bundesamt (2026): Ausländische Bevölkerung 2025 (1252-11); Schlotzer, (2019) „Staatsangehörigkeit und Einbürgerung von Palästinensern”, Merkblatt, November. LINK ; European Network on Statelessness (2022) „Advocacy Briefing:Palestinians and the search for protection as refugees and stateless persons in Europe”, LINK . Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Staatenlose Diaspora - Das Beispiel der Kurdinnen und Kurden in Deutschland, LINK ; Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) (2024): „Ohne Pass, ohne Rechte? Der U mgang mit Staatenlosigkeit in Deutschland ”
Etwa 18 Prozent der anerkannten Staatenlosen wurden in Deutschland geboren (Stand Ende 2025). Nach dem Staatsangehörigkeitsrecht erhalten Kinder ohne deutsche Eltern die Staatsangehörigkeit nicht automatisch, sondern nur, wenn ein Elternteil bei Geburt des Kindes seit mindestens fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und sie ein unbefristetes Aufenthaltsrecht haben.
Statistischer Bundesamt (2026): Ausländische Bevölkerung 2025 (1252-11); SVR (2024): Kein Pass. Nirgends? ", S. 18-20.
Der Anteil der Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit, die in Deutschland geboren wurden, lag 2024 bei 35 Prozent. Kinder von Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit haben oft große Hürden die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, da ihre Eltern weder eine ausländische Staatsangehörigkeit nachweisen können noch als anerkannte Staatenlose gelten und daher meist keinen unbefristeten Aufenthaltstitel besitzen.
SVR-Studie (2024): "Kein Pass. Nirgends? Politische, rechtliche und verwaltungspraktische Ansätzte im Umgang mit Staatenlosigkeit " S. 19-20.