Bevölkerung

Kurden in Deutschland: Zwischen Asyl, Engagement und antikurdischem Rassismus

Laut einer neuen Schätzung leben rund 1,5 Millionen Kurdinnen und Kurden in Deutschland. Damit stellen sie eine der größten Einwanderergruppen Deutschlands. Eine neue Expertise zu kurdischem Leben in Deutschland.

Eröffnung des 10. Kurdischen Filmfestivals im Kino Babylon in Berlin (Foto: picture alliance| dpa / Gerald Matzka)

Kurden sind eine der größten Einwanderergruppen Deutschlands. Über sie ist wenig bekannt. Das liegt unter anderem daran, dass es keinen kurdischen Staat gibt und Kurden somit in wichtigen StatistikenMikrozensus und Ausländerzentralregister nicht erfasst werden. Die Soziologin und Psychologin Çinur Ghaderi hat für den Mediendienst eine Expertise zum Thema erstellt und bei einem Hintergrundgespräch vorgestellt. Diese enthält unter anderem eine neue Schätzung zur Zahl der Kurdinnen und Kurden in Deutschland. Zudem analysiert Ghaderi neue Entwicklungen zu kurdischen Asylsuchenden aus Syrien und der Türkei, beleuchtet den Forschungsstand zu kurdischer Teilhabe und Engagement in Deutschland und untersucht Erkenntnisse zu antikurdischem Rassismus.

Input von Çinur Ghaderi beim Mediendienst-Hintergrundgespräch am 15.10.2026

Zur Expertise „Kurden in Deutschland” (PDF).

Die wichtigsten Ergebnisse

  • In Deutschland leben schätzungsweise 1,5 Millionen Kurdinnen und Kurden. Sie sind damit eine der größten Einwanderergruppen Deutschlands.
  • Seit 2010 sind mehr als 250.000 kurdische Asylsuchende aus Syrien nach Deutschland gekommen. Für sie ist die aktuelle Situation unsicher: Die deutsche Bundesregierung will vermehrt nach Syrien abschieben – dort sind insbesondere Kurden weiterhin gefährdet. Sie erlebten im Januar, August und Oktober 2026 gewaltsame Übergriffe auch durch die syrische Armee.
  • Auch aus der Türkei kamen in den letzten 15 Jahren mehr als hunderttausend kurdische Asylsuchende nach Deutschland. Für sie gibt es mehrere neue Entwicklungen: Die Selbstauflösung der PKK könnte zu einer politischen Entspannung zwischen der türkischen Regierung und Kurdinnen und Kurden führen. Gleichzeitig werden in der Türkei weiterhin Antiterrorgesetze gegen gewaltfreie politische Aktivitäten eingesetzt und kurdische Medien und Kulturinstitutionen eingeschränkt. 
  • Kurdinnen und Kurden in Deutschland erleben antikurdischem Rassismus: Eine Studie zeigt, dass Diskriminierung für fast alle Kurden Alltag ist. Erste zivilgesellschaftliche Auswertungen zeigen einen Zusammenhang zwischen internationalen politischen Ereignissen und antikurdischen Übergriffen in Deutschland: So gab es im Januar 2026 zahlreiche körperliche und verbale Angriffe auf Kurden in Deutschland, die Bezug nahmen auf die militärische Eskalation gegen Kurden in Nordostsyrien.
  • Studien zeigen ein überdurchschnittliches politisches und gesellschaftliches Engagement von Kurden in Deutschland. Zuweilen werden sie darin entmutigt, wenn ihnen pauschal eine Nähe zur PKK oder die Unterstützung terroristischer Aktivitäten unterstellt wird.
  • Die Bundesregierung geht von einer abstrakten Gefährdung für Kurdinnen und Kurden in Deutschland aus. Gründe sind vor allem türkisch-nationalistische und islamistische Akteure sowie ein Ausspähungsinteresse iranischer Nachrichtendienste an der kurdischen Opposition in Deutschland.

Zur Expertise „Kurden in Deutschland” (PDF).

Zur Autorin der Expertise: Dr. Çinur Ghaderi ist Professorin an der EvH Bochum, Soziologin und Psychologin. Sie forscht seit vielen Jahren zu Kurden in Deutschland. 

 

 

Die Expertise wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert. Das Hintergrundgespräch wurde von der Stiftung Mercator gefördert.