Seit dem "Brandbrief" vom März 2006 hat sich viel getan: Die Rütli-Hauptschule im Berliner Stadtteil Neukölln fusionierte mit einer Realschule und einer Grundschule zur "Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli". Hier können Schüler nun auch das Abitur machen.Die Vernetzung ging aber noch weiter: Rund um die Schule ist eine "Bildungslandschaft" entstanden: Der "Ein Quadratkilometer Bildung", hinter dem die Freudenberg Stiftung steht. Kitas, Schulen und Jugendclubs arbeiten dabei zusammen. Das Ziel: Kinder so früh wie möglich zu erreichen – auch da, wo sie ihre Freizeit verbringen. In allen Einrichtungen soll sich das pädagogische Angebot so verbessern, dass auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien einen erfolgreichen Bildungsweg gehen können.
Schule und Kitas arbeiten zusammen
Die Bildungsforscherin Tanja Salem hat das Konzept des "Quadratkilometers" nun evaluiertWas war entscheidend für den Erfolg? Ein zentrales Ergebnis ihrer Untersuchung: Die Mitarbeiter des „Quadratkilometers“ gingen offen auf die Pädagogen zu, statt ein fertiges Rezept mitzubringen. Sie haben gefragt: Welche Fähigkeiten bringen die Lehrer und Erzieher mit? Welche Ansätze gibt es schon an der Schule? Und woran können wir anknüpfen? Eine "Pädagogische Werkstatt" wurde gegründet, die die Zusammenarbeit von Kita, Schule und Jugendclubs vorangetrieben hat. Das sei wichtig gewesen, so Salem: „Im Alltag von Lehrern und Erziehern fehlt oft die Zeit, die pädagogische Arbeit weiterzuentwickeln und besonders, das mit anderen Einrichtungen zu tun.“Die Befragung hat auch gezeigt, dass es auf die Haltung ankommt: „Die Pädagogen haben sich darauf verständigt, nicht auf die Defizite, sondern auf die Potenziale der Kinder und Jugendlichen zu schauen“, so Salem. In der "Pädagogischen Werkstatt" haben sie neues Lern-Material entwickelt, mit dem sie heute in Kita und Schule die Lernfortschritte der Kinder dokumentieren. Die Eltern erfahren in regelmäßigen „Lernentwicklungsgesprächen“, wo ihr Kind steht. Beim "Quadratkilometer" gibt es aber auch finanzielle Unterstützung: Wollen Pädagogen etwa eine Fortbildung machen, können sie unkompliziert und schnell Geld beantragen.Dieses Jahr erreichten 25 Schüler das Abitur, drei die Fachhochschulreife. Und das, obwohl nach wie vor viele Schüler aus sozial benachteiligten Familien kommen. Angaben der Schulleiterin Cordula Heckmann zufolge seien rund 88 Prozent der Schüler in den Klassen sieben bis 13 lernmittelbefreit. In den unteren Jahrgängen sinkt der Anteil der lernmittelbefreiten Schüler allerdings. Denn das Umfeld der Schule verändert sich. Immer mehr junge und akademisch geprägte Familien sind in den Kiez gezogen und melden ihre Kinder an der "Gemeinschaftsschule" an. Zudem hat der heute gute Ruf von Rütli dazu geführt, dass auch bildungsorientierte Eltern aus anderen Stadtteilen sich für die Schule entscheiden.