Betroffene von Menschenhandel

Die konkrete Zahl der von Menschenhandel Betroffenen und von Tätern ist unbekannt. Die wichtigsten Statistiken und Schätzungen zum Thema.

Wie viele Menschen tatsächlich von Menschenhandel betroffen sind, lässt sich wegen des großen Dunkelfelds schwer bestimmen. Offizielle Daten (das Hellfeld) für Deutschland veröffentlichen jährlich das Bundeskriminalamt (BKA) mit Angaben zu abgeschlossenen Ermittlungsverfahren und der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) mit Daten aus den Fachberatungsstellen. Seit 2024 veröffentlich das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) alle zwei Jahre den „Monitor Menschenhandel in Deutschland”.

Im Jahr 2025 wurden 566 Ermittlungsverfahren (2024: 576) im Bereich Menschenhandel und Ausbeutung abgeschlossen. Davon betrafen 391 Verfahren sexuelle Ausbeutung (2024: 364) und 58 Arbeitsausbeutung (2024: 41).BKA (2026): "Fallzahlen im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Arbeitsausbeutung erreichen 2025 neuen Höchststand," ; BKA (2026): "Menschenhandel und Ausbeutung - Bundeslagebild 2025" S.6 und 16

Dabei zählte das BKA 800 BetroffeneDie genaue Gesamtzahl lässt sich aus dem Bundeslagebild des BKA jedoch nicht ermitteln, da Betroffene unter mehreren Strafformen erfasst werden können. Eigene Berechnung auf Grundlage der Angaben des BKA zu den einzelnen Formen von Menschenhandel und Ausbeutung.. 574 Personen waren von sexueller Ausbeutung betroffen – 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Arbeitsausbeutung waren es 207 Personen, ein Anstieg um 21 Prozent.BKA (2026): "Fallzahlen im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Arbeitsausbeutung erreichen 2025 neuen Höchststand," ; BKA (2026): "Menschenhandel und Ausbeutung - Bundeslagebild 2025" S.6 und 16

Im Jahr 2024 registrierte der KOK 198 neue Fälle – 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt begleiteten die Beratungsstellen 868 FälleFür eine Person können mehrere Fälle erfasst worden sein. von Menschenhandel. Die meisten Betroffenen659 dieser Fälle konnten ausgewertet. Nur die Fälle, für die das Einverständnis der Betroffenen vorlag, wurden für die Auswertung erfasst.  waren von sexueller Ausbeutung betroffen, gefolgt von Arbeitsausbeutung. Rund 84 Prozent waren Frauen.Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (2025):"Datenerhebung zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland. Erfassungszeitraum Januar - Dezember 2024", S. 9 f., 12, 14f. LINK; Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (2024):"Datenerhebung zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland. Erfassungszeitraum Januar - Dezember 2023" S. 6, LINK.

Woher kommen die Betroffenen?

Migrant*innen sind besonders gefährdet, in ausbeuterische Verhältnisse zu geraten. Etwas mehr als zwei Drittel der vom BKA registrierten Betroffenen hatte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Rund ein Drittel war deutsch.Eurostat (2026): „Victims of trafficking in human beings by citizenship”, basierend auf Daten des BKA

Fachberatungsstellen zeigen ein anderes Bild: Im Jahr 2024 stammte rund die Hälfte der Klient*innen von Fachberatungsstellen aus westafrikanischen Ländern. Acht Prozent waren deutsche Staatsangehörige. Ein Grund für diesen Unterschied könnte sein, dass deutsche Betroffene ihre Rechte oft besser kennen, mehr Vertrauen in Behörden haben und deshalb eher Anzeige erstatten.Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (2025):"Datenerhebung zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland. Erfassungszeitraum Januar - Dezember 2024", S. 11-12, LINK; Bundeskriminalamt (2025): "Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung", S.8 LINK.

Eine Analyse des Deutschen Instituts für Menschenrechte 2025 zeigt, dass unter Kindern und Jugendlichen minderjährige unbegleitete Geflüchtete besonders gefährdet sind, Opfer von Menschenhandel zu werden. Deutsches Institut für Menschenhandel (2025): "Durch Raster gefallen? Kinder und Jugendliche als Betroffene von Menschenhandel in Deutschland," S. 49 LINK

Das BKA spricht von einer hohen Dunkelziffer von Betroffenen, da diese selten zur Polizei gehen.

  • Betroffene erkennen sich oft nicht als "Opfer".
  • Sie haben Angst vor Behörden, insbesondere aufgrund rechtlicher Probleme wie einem unsicheren Aufenthaltsstatus.
  • Sie haben Angst vor den Tätern. Häufig besteht eine emotionale, finanzielle oder auf den Wohnort bezogene Abhängigkeit von den Tätern.
  • Sie befürchten Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung.BKA: „Menschenhandel und Ausbeutung

Was führt dazu, dass eine Person von Menschenhandel betroffen ist?

Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) sind Armut und fehlende Lebensperspektiven die Hauptursachen. Der Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) spricht zudem von Krisen, Diskriminierung, Gewalt und mangelnder sozialer Absicherung als weitere entscheidende Risikofaktoren. Der UN zufolge erhöhen eine restriktive Migrationspolitik und fehlende Zugänge zum regulären Arbeitsmarkt das Risiko für Ausbeutung. Weitere Faktoren sind globale Ungleichheiten und die hohe Nachfrage nach billigen Arbeitskräften.BKA: "Menschenhandel und Ausbeutung", LINK; KOK: "Hintergründe und Lebenssituation", LINK; UN Human Rights Office (2014): "Human Rights and Human Trafficking", LINK

Tatverdächtige und Verurteilte wegen Menschenhandel

Insgesamt registrierte das BKA m Jahr 2025 etwa 680 Tatverdächtige(Eigene Berechnung). Die Gesamtzahl der Tatverdächtigen von Menschenhandel und Ausbeutung ist nur eine Schätzung, da Fälle in mehrere Kategorien fallen können. wegen Menschenhandel, Arbeitsausbeutung, sowie weiterer Ausbeutungsformen. Rund drei Viertel der Tatverdächtigen hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit, etwa ein Viertel war deutsch. Menschenhandel ist häufig international organisiert. Vor allem bei Betroffenen aus Drittstaaten übernehmen oft verschiedene internationale Tätergruppen die Anwerbung, den Transport und die Ausbeutung.BKA (2026): "Fallzahlen im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Arbeitsausbeutung erreichen 2025 neuen Höchststand"; BKA (2026): "Menschenhandel und Ausbeutung - Bundeslagebild 2025," und eigene Berechnung, S. 15,19, 21-22. 

  • Bei sexueller Ausbeutung hatten mehr als ein Viertel der Tatverdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit (27,5 Prozent), gefolgt von rumänischen (11 Prozent) und bulgarischen Staatsangehörigen (9 Prozent). 
  • Bei Arbeitsausbeutung waren ebenfalls 25 Prozent Deutsche, gefolgt von rumänischen Staatsangehörigen (14 Prozent) sowie türkischen und vietnamesischen Staatsangehörigen (je 9 Prozent). 

BKA (2026): "Fallzahlen im Bereich der sexuellen Ausbeutung und der Arbeitsausbeutung erreichen 2025 neuen Höchststand" ; BKA (2026): "Menschenhandel und Ausbeutung - Bundeslagebild 2025," und eigene Berechnung, S. 15,19, 21-22.

Aus dem Bundeslagebild des BKA geht nicht hervor, wie viele Personen wegen Menschenhandels und Ausbeutung verurteilt wurden. Laut dem Monitor Menschenhandel in Deutschland 2024 wurden in Deutschland zwischen 2020 und 2022 insgesamt 509 Personen wegen Menschenhandel verurteiltEine Person, die wegen mehrerer Straftaten verurteilt wird, fällt in der Statistik nur unter eine Straftat - die schwerste..Deutsches Institut für Menschenrechte (2024): "Monitor Menschenhandel in Deutschland - Erster Periodischer Bericht;" S. 48; LINK

Internationale Zahlen und Schätzungen zu Menschenhandel

  • Laut Eurostat waren in der EU 2024 insgesamt 9.678 Menschen von Menschenhandel betroffen – rund 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren rund 63 Prozent Frauen und Mädchen. Rund 84 Prozent waren von sexueller Ausbeutung (46 Prozent) und Zwangsarbeit (37 Prozent) betroffen. 

EUROSTAT (29.01.2026): "Victims of Trafficking in Human Beings by all forms of Exploitation" LINK; EUROSTAT (01. 2026): "Trafficking in Human Berings Statistics", LINK; KOK. "Daten/Zahlen/Fakten.", LINK

  • Das UN-Büro für Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) spricht für 2022 von 74.785 von Menschenhandel Betroffenen aus 156 Staaten (2021: 55.290 Betroffene). 
  • Im Bericht "Global Estimates of Modern Slavery" schätzen International Labour Organization, International Organization for Migration und Walk Free, dass 2021 rund 50 Millionen Menschen weltweit von moderner Sklavereiweiter gefasst als Menschenhandel, unter "moderne Sklaverei" versteht man: Zwangsarbeit, sexuelle Ausbeutung, Zwangsverheiratung oder staatlich auferlegte Zwangsarbeit. betroffen waren. Die Zahlen der UNODC sind deutlich niedriger, da sie auf registrierten Fällen von Behörden basieren. "Global Estimates of Modern Slavery" nutzt Daten aus Befragungen und Schätzungen.

IOM, ILO & Walk Free (2022): Global Estimates of Modern Slavery: Forced Labour and Forced Marriage; S. 10 LINK. dataUNODC: Trafficking in Persons. LINK;UNDHC (2022): "Global Report on Trafficking in Persons 2022", S. 31,LINK; UNDHC (2024):"Global Report on Trafficking in Persons 2024, S. 26, LINK

  • Das UNODC Global Report enthält auch Zahlen zu Tatverdächtigen und Verurteilungen: Etwa 2.400 Personen in 75 Ländern wegen Menschenhandels wurden 2022 wegen Menschenhandel verurteilt. Zudem gab es rund 20.600 Tatverdächtige in 76 Ländern.

Eigene Berechnungen aus dataunodc: „Trafficking in Persons”, LINK; UNODC (2024): "Global Report on Trafficking in Persons 2024," S. 42, 54; LINK