Wie viele Menschen tatsächlich von Menschenhandel betroffen sind, lässt sich wegen des großen Dunkelfelds schwer bestimmen. Offizielle Daten (das Hellfeld) für Deutschland veröffentlichen jährlich das Bundeskriminalamt (BKA) mit Angaben zu abgeschlossenen Ermittlungsverfahren und der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) mit Daten aus den Fachberatungsstellen. Seit 2024 veröffentlich das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) alle zwei Jahre den „Monitor Menschenhandel in Deutschland”.
Im Jahr 2025 wurden 566 Ermittlungsverfahren (2024: 576) im Bereich Menschenhandel und Ausbeutung abgeschlossen. Davon betrafen 391 Verfahren sexuelle Ausbeutung (2024: 364) und 58 Arbeitsausbeutung (2024: 41).
Dabei zählte das BKA 800 Betroffene. 574 Personen waren von sexueller Ausbeutung betroffen – 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Arbeitsausbeutung waren es 207 Personen, ein Anstieg um 21 Prozent.
Im Jahr 2024 registrierte der KOK 198 neue Fälle – 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt begleiteten die Beratungsstellen 868 Fälle von Menschenhandel. Die meisten Betroffenen waren von sexueller Ausbeutung betroffen, gefolgt von Arbeitsausbeutung. Rund 84 Prozent waren Frauen.
Woher kommen die Betroffenen?
Migrant*innen sind besonders gefährdet, in ausbeuterische Verhältnisse zu geraten. Etwas mehr als zwei Drittel der vom BKA registrierten Betroffenen hatte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Rund ein Drittel war deutsch.
Fachberatungsstellen zeigen ein anderes Bild: Im Jahr 2024 stammte rund die Hälfte der Klient*innen von Fachberatungsstellen aus westafrikanischen Ländern. Acht Prozent waren deutsche Staatsangehörige. Ein Grund für diesen Unterschied könnte sein, dass deutsche Betroffene ihre Rechte oft besser kennen, mehr Vertrauen in Behörden haben und deshalb eher Anzeige erstatten.
Eine Analyse des Deutschen Instituts für Menschenrechte 2025 zeigt, dass unter Kindern und Jugendlichen minderjährige unbegleitete Geflüchtete besonders gefährdet sind, Opfer von Menschenhandel zu werden.
Das BKA spricht von einer hohen Dunkelziffer von Betroffenen, da diese selten zur Polizei gehen.
- Betroffene erkennen sich oft nicht als "Opfer".
- Sie haben Angst vor Behörden, insbesondere aufgrund rechtlicher Probleme wie einem unsicheren Aufenthaltsstatus.
- Sie haben Angst vor den Tätern. Häufig besteht eine emotionale, finanzielle oder auf den Wohnort bezogene Abhängigkeit von den Tätern.
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Sie befürchten Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung.
Was führt dazu, dass eine Person von Menschenhandel betroffen ist?
Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) sind Armut und fehlende Lebensperspektiven die Hauptursachen. Der Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) spricht zudem von Krisen, Diskriminierung, Gewalt und mangelnder sozialer Absicherung als weitere entscheidende Risikofaktoren. Der UN zufolge erhöhen eine restriktive Migrationspolitik und fehlende Zugänge zum regulären Arbeitsmarkt das Risiko für Ausbeutung. Weitere Faktoren sind globale Ungleichheiten und die hohe Nachfrage nach billigen Arbeitskräften.
Tatverdächtige und Verurteilte wegen Menschenhandel
Insgesamt registrierte das BKA m Jahr 2025 etwa 680 Tatverdächtige wegen Menschenhandel, Arbeitsausbeutung, sowie weiterer Ausbeutungsformen. Rund drei Viertel der Tatverdächtigen hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit, etwa ein Viertel war deutsch. Menschenhandel ist häufig international organisiert. Vor allem bei Betroffenen aus Drittstaaten übernehmen oft verschiedene internationale Tätergruppen die Anwerbung, den Transport und die Ausbeutung.
- Bei sexueller Ausbeutung hatten mehr als ein Viertel der Tatverdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit (27,5 Prozent), gefolgt von rumänischen (11 Prozent) und bulgarischen Staatsangehörigen (9 Prozent).
- Bei Arbeitsausbeutung waren ebenfalls 25 Prozent Deutsche, gefolgt von rumänischen Staatsangehörigen (14 Prozent) sowie türkischen und vietnamesischen Staatsangehörigen (je 9 Prozent).
Aus dem Bundeslagebild des BKA geht nicht hervor, wie viele Personen wegen Menschenhandels und Ausbeutung verurteilt wurden. Laut dem Monitor Menschenhandel in Deutschland 2024 wurden in Deutschland zwischen 2020 und 2022 insgesamt 509 Personen wegen Menschenhandel verurteilt.
Internationale Zahlen und Schätzungen zu Menschenhandel
- Laut Eurostat waren in der EU 2024 insgesamt 9.678 Menschen von Menschenhandel betroffen – rund 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren rund 63 Prozent Frauen und Mädchen. Rund 84 Prozent waren von sexueller Ausbeutung (46 Prozent) und Zwangsarbeit (37 Prozent) betroffen.
- Das UN-Büro für Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) spricht für 2022 von 74.785 von Menschenhandel Betroffenen aus 156 Staaten (2021: 55.290 Betroffene).
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Im Bericht "Global Estimates of Modern Slavery" schätzen International Labour Organization, International Organization for Migration und Walk Free, dass 2021 rund 50 Millionen Menschen weltweit von moderner Sklaverei betroffen waren. Die Zahlen der UNODC sind deutlich niedriger, da sie auf registrierten Fällen von Behörden basieren. "Global Estimates of Modern Slavery" nutzt Daten aus Befragungen und Schätzungen.
- Das UNODC Global Report enthält auch Zahlen zu Tatverdächtigen und Verurteilungen: Etwa 2.400 Personen in 75 Ländern wegen Menschenhandels wurden 2022 wegen Menschenhandel verurteilt. Zudem gab es rund 20.600 Tatverdächtige in 76 Ländern.