In Deutschland arbeiten etwa 2.200 Imame. Ein Großteil von ihnen kommt aus dem Ausland: Rund drei Viertel sind zugewandert, 70 Prozent haben ihre Ausbildung im Ausland erworben. Viele sind im Herkunftsstaat angestellt: Die türkische Religionsbehörde Diyanet entsendet etwa Imame im Rotationssystem nach Deutschland in die rund 900 Moscheen der DITIB (Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion).
Ende 2023 vereinbarte die Bundesregierung mit der Türkei und DITIB, die Entsendung von Imamen aus der Türkei schrittweise zu beenden: Es sollen jährlich 100 Imame in Deutschland ausgebildet und entsprechend weniger aus der Türkei entsandt werden. Zuvor startete bereits 2021 ein Ausbildungsprogramm am Islamkolleg in Osnabrück und 2020 ein Programm der DITIB in Dahlem/Eifel, um Imame in Deutschland und auf Deutsch auszubilden. Beide Standorte kooperieren seit 2025 bei einem Programm in Dormagen zur Ausbildung von Absolventen v.a. aus der Türkei. Mehr zu den Programmen unten.
Dass andere Staaten Imame nach Deutschland entsenden, stand immer wieder in der Kritik: andere Staaten – insbesondere die Türkei – könnten Einfluss auf deutsche Moscheegemeinden oder Verbände nehmen. Viele entsandte Imame können zudem nicht auf Deutsch predigen. bei den DITIB-Gemeinden verfügten 2022 nur 13 Prozent der Imame über mindestens gute Deutschkenntnisse. Dadurch können sie vor allem mit jüngeren Gläubigen teils schlecht kommunizieren.
Perspektiven für Absolventen fehlen
Bis mehr Imame an Moscheen arbeiten, die in Deutschland ausgebildet wurden, wird es eine Weile dauern: Seit Start der Programme in Dahlem und Osnabrück 2020/2021 werden bis Ende 2026 insgesamt 137 Absolventen die Programme abgeschlossen haben.
Zudem werden nicht alle Absolventen eine Stelle als Imam antreten: Viele Moscheen können die Imame nicht angemessen bezahlen und nur befristete Stellen anbieten. Fachleute weisen darauf hin, dass sich auch die Berufsperspektiven für Imame in Deutschland verbessern müssten.
Welche Ausbildungsprogramme gibt es in Deutschland?
Die Ausbildungsmöglichkeiten für Imame in Deutschland wurden in den letzten Jahren ausgeweitet. Grundsätzlich gibt es zwei Modelle:
Eine Ausbildung nach dem Studium der Islamischen Theologie. Dafür gibt es folgende Programme:
- Islamkolleg in Osnabrück: Das Programm zur Imamausbildung startete 2021 in Kooperation mit islamischen Verbänden, ist deutschsprachig und wird öffentlich gefördert. Das Kolleg bietet auch Schulungen für aus dem Ausland entsandte Imame an. Bis Ende 2026 werden insgesamt 71 Absolventen das Programm des Islamkollegs abgeschlossen haben.
- Ditib-Akademie in Dahlem/Eifel (NRW): 2020 eröffnete DITIB eine eigene Akademie zur Ausbildung von Imamen, das Programm erfolgt zu großen Teilen auf Deutsch. Bisher haben 66 Personen (Stand Juni 2026) das Programm abgeschlossen, 41 sollen Ihren Abschluss bis 2028 erwerben.
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Eine Kooperation zwischen der Ditib-Akademie und dem Islamkolleg zur Ausbildung von Imamen aus der Türkei startete 2025 in Dormagen. Aktuell sind hier 92 Personen in Ausbildung, die ihre Abschlüsse 2027 und 2028 erwerben werden (Stand September 2026).
Die zweite Möglichkeit ist eine Berufsausbildung der islamischen Verbände. Der Unterricht erfolgt häufig in anderen Sprachen. Folgende Verbände bieten eine eigene Ausbildung an:
- Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in Köln
- Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in Riedstadt, Hessen
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Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland in Mainz sowie Bergkamen, NRW.
Was macht ein Imam?
Imame leiten die Pflichtgebete und das Freitagsgebet in islamischen Gemeinden an. Weitere Aufgaben sind die praktische Gemeindearbeit wie Seelsorge oder religiöser Unterricht. Ein Imam ist kein geweihter Amtsträger wie etwa ein Priester. In kleineren Gemeinden übernehmen oft Freiwillige die Aufgaben. In größeren Gemeinden arbeitet meistens ein professioneller Imam, der eine Ausbildung absolviert hat und fest angestellt ist.
Wer kann Imam werden?
Welche Voraussetzung man als Imam braucht, bestimmen in Deutschland die Gemeinden, zum Beispiel ein abgeschlossenes Studium der islamischen Theologie und eine praktische Ausbildung. Die Ausbildung zum Imam ist aber nicht zwingend eine akademische, sie unterscheidet sich je nach Land und Ausbildungsprogramm.
Gibt es Imaminnen?
Frauen können als Imamin arbeiten, es gibt jedoch wenige praktizierende Imaminnen in Deutschland. Die Ditib etwa beschäftigt Imaminnen, sie predigen jedoch nicht und sind eher auf die Gemeindearbeit mit Frauen fokussiert. In einigen wenigen liberalen Gemeinden leiten auch Frauen die Gebete an, in Deutschland etwa Seyran Ateş. Es handelt sich aber um Ausnahmen.