Insgesamt überwiesen Migranten im Jahr 2025 etwa 8,5 Milliarden Euro aus Deutschland in ihre Herkunftsländer ("Remittances"), so Schätzungen der Bundesbank. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von rund drei Prozent. Experten schätzen , dass der Großteil der Gelder von Arbeitsmigranten in Deutschland stammt – und nicht von Geflüchteten. Die meisten Überweisungen gingen ins europäische Ausland (ca. 5,8 Milliarden).
Am meisten Geld ging in die Türkei, nach Rumänien, Ukraine und Polen. Aus diesen Ländern kamen in der Vergangenheit die meisten Arbeitskräfte nach Deutschland, aus der Ukraine viele Geflüchtete. Besonders stark stiegen zwischen 2023 und 2025 Rücküberweisungen in die Ukraine (+35 Prozent), nach Indien (+27 Prozent) und Afghanistan (+22 Prozent).
In Herkunftsländer von Geflüchteten wurden 2025 ca. 1,85 Milliarden Euro überwiesen, das sind 22 Prozent aller Remittances aus Deutschland (+2 Prozent im Vergleich zu 2023, acht Asylherkunftsländer plus Ukraine). Die Weltbank kommt zu deutlich niedrigeren Schätzungen für diese Länder (siehe unten).
Werden Sozialleistungen ins Ausland geschickt?
Nur ein geringer Teil dieses Geldes dürfte aus Asylleistungen stammen. So zeigte eine Studie von 2024: Während unter Migrant*innen 12 Prozent Geld ins Ausland überweisen, sind es unter Geflüchteten 7 Prozent ( Befragungen zwischen 2013 bis 2022 ). Die Gelder dürften vor allem von Geflüchteten stammen, die einen Job gefunden haben.
Die Zahlen zu Remittances beruhen auf Schätzungen anhand verschiedener Statistiken (zur Methode siehe Box unten). Dazu werden freiwillige Meldungen von Kreditinstituten abgeglichen mit der Zahl der ausländischen Beschäftigten aus dem jeweiligen Land in Deutschland. Es ist nicht möglich, zu unterscheiden, ob Arbeits-Migrant*innen oder Geflüchtete das Geld überwiesen haben. Die Bundesbank betont: Auf Basis dieser Zahlen lässt sich keine Aussage treffen darüber, ob Geflüchtete Teile ihrer Sozialleistungen ins Ausland überweisen.
Zur Methode
Der größte Teil privater Rücküberweisungen wird von der Bundesbank geschätzt, im Rahmen der Zahlungsbilanz. Meldungen zu einzelnen Geldüberweisungen erhält sie nur bei Überweisungen von mehr als 12.500 Euro.
Die Schätzungen erfolgen in zwei Schritten: Die Bundesbank erhält monatlich freiwillige Meldungen von Banken und Kreditinstituten zu vermutlich privaten Überweisungen (gesammelte, nicht einzelne Werte). Im zweiten Schritt werden diese freiwilligen Meldungen einem "Plausibilitäts-Check" unterzogen. Anhand der aktuellen Zahlen der ausländischen Beschäftigten aus dem jeweiligen Land legt die Bundesbank einen "Plausibilitäts-Intervall" fest, in dem die Rücküberweisungen liegen sollten.
Bei Abweichungen – oder wenn nur sehr wenige Daten zu Überweisungen in ein Land vorliegen – entscheidet die Zahl der Beschäftigten. Besonders für Länder, in denen kein funktionierendes Banken-System existiert – wie zum Beispiel Syrien – ist es wahrscheinlich, dass vor allem anhand der syrischen Beschäftigten in Deutschland geschätzt wird. Ob das so ist, wollte die Bundesbank auf Anfrage des Mediendienstes nicht mitteilen, mit Verweis auf "statistische Geheimhaltung". Die Weltbank veröffentlicht keine Schätzungen zu Syrien. Weitere Infos zu Berechnung .
Remittances weltweit
Auch weltweit steigen Rücküberweisungen seit Beginn der Erfassung an. Expert*innen schätzen, dass dieser Trend anhalten wird. Nach einer kurzen Stagnation 2023 sieht die Weltbank für 2024 ein weiteres Wachstum bei den Remittances. Die meisten Remittances weltweit gehen laut Weltbank nach Indien, Mexiko, China, die Philippinen und Pakistan.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz vier der Länder, aus denen die höchsten Rücküberweisungen ausgehen. Die Weltbank schätzt für Asyl-Länder vergleichsweise niedrige Werte von Zahlungen aus Deutschland für 2021: Afghanistan (24 Mio. USD), Irak (83 Mio. USD), für Syrien gibt es keine Angaben (mehr zur Methode ).
Folgen von Rücküberweisungen
Vorteile : Mit den Geldern finanzieren die Empfänger-Familien in den Herkunftsländern etwa Arztbesuche oder ermöglichen es Kindern, zur Schule zu gehen. Und Rücküberweisungen reduzieren generell die Armut der Empfänger. Diese können damit alltägliche Kosten bezahlen, Arztbesuche oder das Schulgeld für ihre Kinder. Rücküberweisungen reduzieren damit direkt die Armut der Empfänger*innen. Sie übersteigen in den letzten Jahren deutlich den Wert aller Entwicklungshilfen zusammen und auch den von Investitionen durch Unternehmen. In einigen Ländern, wie zum Beispiel Moldawien, gab es durch die höhere Nachfrage teilweise sehr schnelle Lohnsteigerungen.
Nachteile : Rücküberweisungen schwächen die Wirtschaft im Zielland. Sie können die Inflation verstärken, da die Wirtschaft dadurch mehr importiert und selbst weniger konkurrenzfähig ist. Importe werden billiger und konkurrierende inländische Unternehmen sowie Exporteure werden weniger wettbewerbsfähig. Einige Haushalte, die keine Rücküberweisungen erhalten, leiden möglicherweise unter steigenden Preisen für lokale Güter und Dienstleistungen. Kinder leiden an Abwesenheit eines Elternteils, wenn es im Ausland arbeitet.
Kaum Rückgänge bei Heimatüberweisungen während Corona
Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Rücküberweisungen war gering. Der Anstieg bei den Überweisungen setzte sich fort, wenn auch etwas verlangsamt. Auch weltweit sind die Werte der Rücküberweisungen im Jahr 2021 insgesamt stabil geblieben und vergleichbar mit denen vor Beginn der Pandemie. Dafür könnte es verschiedene Gründe geben: Migrant*innen schicken oft kurzfristig mehr Geld in ihr Heimatland, wenn es benötigt wird, etwa bei Naturkatastrophen oder anderen Krisen. Viele würden eher bei sich sparen, als Rücküberweisungen an die Familie einzustellen.
Die wichtigsten Fragen zu Rücküberweisungen / Remittances beantworten wir in einem Factsheet (Stand 2024)
Eine aktuelle Übersicht zum Forschungsstand zu "Rücküberweisungen" bietet die Bundeszentrale für politische Bildung