Wie oft erfahren Menschen Rassismus in Deutschland?

In Befragungen berichten Deutsche mit Migrationshintergrund, dass sie regelmäßig Diskriminierung und Rassismus erleben – etwa aufgrund der Hautfarbe oder des Nachnamens.

Etwa jede achte Person berichtete 2022 von Diskriminierung in Deutschland — ein erhöhtes Risiko tragen dabei unter anderem Menschen, die einer ethnischen oder religiösen Minderheit angehören, wie die repräsentative Sonderauswertung aus dem Sozio-oekonomischen Panels, die ca. 30.000 Menschen jährlich befragt. Befragungszeitraum: Mai 2022 - Januar 2023.   Befragung des Sozio-oekonomischen Panels zeigt: Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2026): „Wie Deutschland Diskriminierung erlebt – Kurzfassung ", S. 14; vollständige Studie S. 18.

57 Prozent der Schwarzen und 50 Prozent der muslimischen Menschen in Deutschland wurden im Jahr 2025 beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen. Ein Viertel der Schwarzen Menschen gibt an, solche Diskriminierungen mindestens einmal im Monat zu erleben, bei Muslim*innen sind es 17 Prozent. Auch rund 40 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund berichten von Diskriminierungen wie etwa Beleidigungen, 11 Prozent davon erlebten diese mindestens einmal pro Monat. Das zeigen Ergebnisse Repräsentative Befragung zwischen Oktober 2025 und Januar 2026. (n=8.171)  des Nationalen Rassismus- und Diskriminierungsmonitor (2026). Der Monitor zeigt außerdem, dass es häufig zu Mehrfachdiskriminierungen kommt. So geben 23 Prozent der Befragten an, sowohl aufgrund ihrer sozialen Klasse als auch aus rassistischen Gründen benachteiligt worden zu sein. Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (2026): „Verfestigte Abwertungen, fragiles Vertrauen - Rassismus und Diskriminierung in Deutschland;” S.43f., 48f. 

Menschen, die nicht als deutsch wahrgenommen werden, erfahren zudem häufig subtile Diskriminierung wie unfreundliche Behandlung, nicht ernst genommen oder ignoriert werden. So berichten rund 80 Prozent der Schwarzen Menschen und 71 Prozent der Muslim*innen von solchen Erfahrungen in den vergangenen zwölf Monaten. Unter Deutschen mit Migrationshintergrund sind es 59 Prozent. Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (2026): „Verfestigte Abwertungen, fragiles Vertrauen - Rassismus und Diskriminierung in Deutschland;” S.43f.

Menschen mit Migrationshintergrund können aus unterschiedlichen Gründen Diskriminierung erfahren. In einer Befragung des Nationalen Rassismus- und Diskriminierungsmonitors 2023 geben Deutsche mit Migrationshintergrund als besonders häufigen Grund für Diskriminierung an, dass sie nicht als deutsch wahrgenommen werden. Weitere häufig genannte Gründe sind: Diskriminierung aufgrund ihrer Deutschkenntnisse, des Namens, des Alters, der Religion und der Hautfarbe. DeZIM/NaDiRA (2023): "NaDiRa-Bericht 2023. Rassismus und seine Symptome", S. 88, LINK

In der Befragung berichten viele Deutsche mit Migrationshintergrund von regelmäßiger Diskriminierung:

Dass Menschen aus Einwandererfamilien bei Behörden und im Kontakt mit der Polizei öfter diskriminiert werden als Menschen ohne Migrationshintergrund zeigt auch eine repräsentative Befragung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) (2025). Antidiskriminierungsstelle (2025): "Diskriminierung durch den Staat", S. 20f, 29f, LINK

Im Jahr 2025 erhielt die ADS 4.571 Anfragen wegen Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft, Rassismus und Antisemitismus – ein Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2024: 3.858). Seit 2021 hat sich die Zahl dieser Anfragen verdoppelt. Beratungsanfragen wegen rassistischer Diskriminierung waren 2025 der häufigste Grund für Anfragen an die ADS (43 Prozent aller Anfragen). Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2026): " Jahresbericht 2025 ", S. 12, 25; s. auch Zeit Online (2025): "Ferda Ataman beklagt Zunahme rassistischer Diskriminierungen", LINK (teils eigene Berechnung: 4.571 / 3.858 = 1,18)

In einer repräsentativen Studie der Bertelsmann Stiftung 2023 gaben 35 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund an, in den letzten 12 Monaten rassistische Diskriminierung erlebt zu haben, 28 Prozent wegen ihrer Religion oder Weltanschauung. Zudem berichten Befragte mit Migrationshintergrund deutlich häufiger von Diskriminierung wegen ihres Bildungsabschlusses als Personen ohne Migrationshintergrund. Bertelsmann Stiftung (2023): " Diskriminierung in der Einwanderungsgesellschaft", S. 27f.

Rassistische Diskriminierung statistisch erfassen
Um rassistische Diskriminierung in Deutschland zu untersuchen, wird in Studien und Analysen oft untersucht, ob Menschen mit Migrationshintergrund Benachteiligung erleben. Das ist aber nur bedingt geeignet: "Migrationshintergrund" bedeutet laut Statistischem Bundesamt, dass eine Person selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsbürgerschaft geboren wurde. Es gibt aber viele Personen, die Rassismus erfahren und keinen Migrationshintergrund haben – weil ihre Familien seit Generationen deutsche Staatsbürger sind. Darunter sind zum Beispiel Schwarze Menschen oder Sinti und Roma. Hier geht es zu unseren Dossiers