Wie oft erleben asiatisch gelesene Menschen in Deutschland Rassismus?
Es gibt bislang wenig Forschung zu anti-asiatischem Rassismus in Deutschland. Die Ergebnisse des repräsentativen Rassismusmonitors (2026) zeigen: Viele Menschen in Deutschland, die sich selbst als asiatisch bezeichnen, erleben Diskriminierung. 45 Prozent geben an, dass sie in den vorangegangenen zwölf Monaten offenkundigen Rassismus erfahren haben. Dazu zählen etwa Beleidungen und Drohungen. 16 Prozent passierte das monatlich.
Knapp drei Viertel (74 Prozent) berichten von subtilen Rassismuserlebnissen – etwa, dass man sie unfreundlich behandelt oder anstarrt. Am häufigsten erleben Betroffene Diskriminierung in der Öffentlichkeit, Freizeit und bei Behörden.
In einer nicht-repräsentativen Umfrage (2019) gibt eine große Mehrheit der befragten asiatisch gelesenen Personen an, dass „Asiat*innen” in Deutschland Diskriminierung erfahren (73 Prozent). Von den befragten „nicht-asiatisch aussehenden” Personen dachten das nur 42 Prozent.
Seit 2025 dokumentiert die zivilgesellschaftliche „Meldestelle antiasiatischer Rassismus” (AAR) diskriminierende Vorfälle in Deutschland. Im Jahr 2025 erfasste sie 141 Vorkommnisse. In vielen Fällen wurden Betroffene bedroht (47 Prozent) oder herabwürdigend behandelt (43 Prozent), in 13 Prozent der Fälle wurden sie körperlich angegriffen. Die meisten Vorfälle ereigneten sich in der Öffentlichkeit. Die Meldestelle geht von einer hohen Dunkelziffer aus.
Vermeintliche Vorzeigemigranten und Folgen für Betroffene
Zum einen werden asiatisch gelesene Personen in Deutschland als „anders” oder „gefährlich” stigmatisiert — etwa, wenn sie für die Verbreitung von Krankheiten verantwortlich gemacht werden. Zum anderen gibt es das vermeintlich positive Bild der „fleißigen Vorzeige-Migrant*innen”.
In einer Befragung (2020) asiatischstämmiger Menschen in Deutschland gibt mehr als die Hälfte an, dass sie im Alltag als „extrem fleißiges und angepasstes Vorbild” dargestellt werden. In der zweiten Generationen sagen das sogar 60 Prozent. Aufgrund dieses Stereotyps wird asiatisch gelesenen Menschen häufig abgesprochen, Rassismus zu erleben.
Laut den Autor*innen der Befragung Asiazensus (2025) kann das für Betroffene dazu führen, dass ihre Erfolge nicht als individuelle Leistungen zählen. In der Befragung berichten viele asiatische Menschen von enormem Leistungsdruck.
Anti-asiatischer Rassismus in der Corona-Pandemie
Studien zeigen, dass es während der Coronapandemie zu einem Anstieg anti-asiatischer Vorfälle in Deutschland kam. In der Befragung (2020) von 703 Personen mit asiatischem Migrationshintergrund gaben 55 Prozent an, dass sie während der Pandemie rassistische Diskriminierung erlebt haben. Auch eine weitere Studie deutet darauf hin, dass anti-asiatischer Rassismus zunahm und dass asiatischstämmige Menschen stärker von coronabezogenem Rassismus betroffen waren als andere Minderheiten.
Die meisten Angriffe fanden im öffentlichen Raum statt, zum Beispiel auf der Straße (52 Prozent) oder im öffentlichen Nahverkehr (51 Prozent).
Die Coronapandemie hat Forscher*innen zufolge die bestehende Ablehnung gegenüber asiatisch wahrgenommenen Menschen neu bekannt gemacht. Eine nicht repräsentative Bevölkerungsbefragung zeigt: 15,2 Prozent der Befragten machten asiatisch gelesene Menschen für die Ausbreitung des Coronavirus verantwortlich.
Was ist anti-asiatischer Rassismus?
Als anti-asiatischen Rassismus bezeichnet man Vorurteile und rassistische Narrative gegenüber Menschen, denen eine asiatische Herkunft zugeschrieben wird. Meist geht es um Bezüge zu süd-, südost- und ostasiatischen Ländern. Der Rassismus gegen asiatisch gelesene Menschen beruht auf Einstellungen und Erzählungen, die bis vor die Kolonialzeit zurückreichen.
Zu schweren anti-asiatischen Ereignissen in der jüngeren deutschen Geschichte gehören die rechtsextremen Pogrome in Hoyerswerda (1991) und Rostock-Lichtenhagen (1992), die sich unter anderem gegen Vietnames*innen richteten. Aus rassistischen Motiven ermordet wurden Nguyễn Văn Tú und Tuan Vu Ngo (Berlin 1992), Phan Văn Toàn (Fredersdorf, 1997), Dat Ngo (Berlin, 2008) und Lǐ Yángjié (Dessau 2016).