Verschiedene Umfragen zeigen, dass Schwarze Menschen in Deutschland häufig von Rassismus betroffen sind.
- Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (2026, repräsentativ): 57 Prozent der Schwarzen Menschen haben in den vorangegangenen 12 Monaten offenkundigen Rassismus wie Beleidigungen erlebt. Ein Viertel berichtet, solche offenen Diskriminierungen monatlich zu erleben. Subtile Diskriminierungen erleben 80 Prozent. Dazu gehört, dass andere sie unfreundlich behandeln oder Angst vor ihnen haben.
- Afrozensus (2021, nicht repräsentativ): 97 Prozent der Befragten geben an, dass sie anti-Schwarzen Rassismus erleben.
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Being Black in the EU (2024, repräsentativ): In einer repräsentativen Umfrage in 13 EU-Staaten zu Diskriminierungserfahrungen von Schwarzen Menschen schneidet Deutschland am schlechtesten ab. Drei Viertel (76 Prozent) der Befragten in Deutschland geben an, dass sie in den vorangegangenen fünf Jahren rassistisch diskriminiert wurden. Das ist ein Anstieg um 24 Prozent im Vergleich zu 2018. EU-weit lag der Wert 2024 bei 45 Prozent.
Polizei und Racial Profiling
Beim repräsentativen Rassismusmonitor (2026) geben 24 Prozent der Schwarzen Männer an, dass sie im vergangenen Jahr von der Polizei diskriminiert wurden. Bei keiner anderen befragten Gruppe liegt der Wert so hoch (Schwarze Frauen: 13 Prozent). Unter den weißen Befragten berichten vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen von Diskriminierung durch die Polizei.
Unter den Befragten des Afrozensus werden 57 Prozent mindestens einmal im Leben ohne erkennbaren Grund von der Polizei kontrolliert. Der EU-Studie zufolge werden 33 Prozent der Schwarzen Menschen in Deutschland in den vorangegangenen fünf Jahren von der Polizei kontrolliert. Mehr als die Hälfte von ihnen (57 Prozent) empfand die letzte Polizeikontrolle als diskriminierendes Racial Profiling.
Mehr zum Thema finden Sie in unserem Dossier Racial Profiling.
Rassismus im Gesundheitswesen
Mehr als zwei Drittel der Schwarzen Frauen (67 Prozent) geben an, im Gesundheitswesen diskriminiert worden zu sein. Mediziner*innen bieten ihnen beispielsweise ungefragt Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten oder HIV an. In der Kolonialzeit entstanden rassistische Erzählungen, dass Schwarze Frauen sexuell hyperaktiv seien. Schwarzen Männern unterstellen Mediziner*innen häufig, sie seien weniger schmerzempfindlich. Beim Afrozensus geben zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) an, dass Ärzt*innen ihre Beschwerden nicht ernst nehmen. Laut EU-Studie haben 27 Prozent der Schwarzen Menschen in Deutschland in den vorangegangenen fünf Jahren Diskriminierung im Gesundheitssystem erlebt.
Diese Diskriminierung hat Konsequenzen: Jede siebte Schwarze Frau und jeder zwölfte Schwarze Mann geben an, in den letzten 12 Monaten eine medizinische Behandlung verzögert oder gar vermieden zu haben.
Mehr zum Thema finden Sie in unserem Factsheet und unter Rassismus im Gesundheitswesen.
Rassismus bei der Wohnungssuche
Bei dem Versuch, eine Wohnung oder ein Haus zu mieten oder kaufen haben 62 Prozent der Schwarzen Menschen in Deutschland in den vorangegangenen fünf Jahren rassistische Diskriminierung erfahren. Auch im Afrozensus berichteten 74 Prozent von Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt.
Rassismus im Bildungswesen
Fast die Hälfte der Schwarzen Menschen in Deutschland, die in Kontakt mit Bildungseinrichtungen sind, erleben laut EU-Studie dort Diskriminierung (46 Prozent). Im Afrozensus geben das sogar 81 Prozent an.
Rassismus im Arbeitsleben
Laut EU-Grundrechteagentur haben 56 Prozent der befragten Schwarzen Menschen in Deutschland in den vorangegangenen fünf Jahren Rassismus bei der Jobsuche erlebt. 46 Prozent sagen, dass sie im Jahr vor der Befragung am Arbeitsplatz rassistisch diskriminiert wurden. Laut Afrozensus haben 85 Prozent der Befragten schon Rassismus im Job erlebt.
Rassismus im Internet
In einer nicht-repräsentativen Umfrage (2025) geben 74 Prozent der Befragten an, dass sie in den sozialen Medien schon einmal rassistisch beleidigt wurden, 67 Prozent wurden dort schon einmal rassistisch bedroht.
Folgen von Rassismus: Höhere Armutsquote
Die Armutsgefährdungsquote liegt bei Schwarzen Männern und Frauen bei 26 Prozent. Zum Vergleich: Bei weißen Männern beträgt sie 9 Prozent, bei Frauen 10 Prozent. Auch wenn höhere Bildung und Erwerbstätigkeit das Armutsrisiko meist reduzieren, bieten sie keinen vollständigen Schutz. Die Gefahr, trotz Vollzeiterwerbstätigkeit unter der Armutsgrenze zu leben, ist bei Schwarzen Frauen mit 22 Prozent etwa viermal höher als bei nicht rassistisch markierten Männern und Frauen (5 Prozent). Die Studienautor*innen führen das auf strukturelle Benachteiligung zurück, darunter schlechtere Bildungs- und Arbeitsmarktchancen. Wenn Schwarze Personen die deutsche Staatsbürgerschaft haben oder in Deutschland geboren sind, sinkt ihr Armutsrisiko deutlich.
Betroffene melden Rassimusvorfälle selten
Laut EU-Studie haben nur neun Prozent der Schwarzen Menschen in Deutschland im Jahr vor der Studie rassistische Vorfälle gemeldet oder angezeigt. Im Afrozensus geben drei Viertel (78 Prozent) der Befragten an, dass sie selbst den bedeutsamsten rassistischen Vorfall aus den letzten zwei Jahren nicht gemeldet oder angezeigt haben. Einer der Hauptgründe: Betroffene gehen davon aus, dass Anzeigen oder Meldungen folgenlos bleiben.