Ende Februar 2026 begannen die USA und Israel eine Reihe von Luftangriffen auf den Iran. Einige Tage später griff Israel auch Positionen der Miliz Hisbollah in Libanon an. Mehrere Millionen Menschen mussten daraufhin ihre Wohnorte verlassen.
Der Iran und Libanon zählten schon vor den Angriffen zu den Ländern mit der größten Flüchtlingsbevölkerung weltweit. In der Region leben:
- insgesamt rund 7 Millionen Flüchtlinge
- mindestens 12 Millionen Binnenvertriebene
Vor diesem Hintergrund haben Vertreter*innen der Europäischen Kommission, der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und der Asylagentur der Europäischen Union (EUAA) vor einer weitreichenden humanitären Krise in der Region und einer entsprechenden Zunahme der Fluchtmigration auch in Richtung Europa gewarnt.
Sowohl die Zahl der Ankünfte auf Zypern als auch auf den griechischen Inseln blieb in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Offenbar hat sich die Krise noch nicht auf die Fluchtmigration in Richtung Europa ausgewirkt.
Iran
Seit Anfang des Krieges der USA und Israels gegen Iran mussten zwischen 1,9 und 3,2 Millionen Iraner*innen ihre Wohnorte verlassen, blieben jedoch im Land (Binnenflüchtlinge). Die meisten flüchteten aus den Städten in ländliche Regionen, die seltener von Luftangriffen betroffen sind (Stand: März 2026).
Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (Stand: Mitte März 2026) gab es keinen signifikanten Anstieg der Ausreisen aus dem Iran. Rund 17.400 Iraner*innen sind dem UNHCR zufolge in die Türkei ausgereist (Iraner*innen können für 90 Tage ohne Visum einreisen). Rund 26.800 Personen sind nach Afghanistan ausgereist.
Der Iran ist eines der Länder mit der höchsten Flüchtlingsbevölkerung weltweit: Es wird geschätzt, dass zwischen 2,5 Millionen und 4,5 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan im Land leben. Nach den vorherigen Luftangriffen Israels auf den Iran im Juni 2025 wurden afghanische Geflüchtete vieleorts als Staatsfeinde bezeichnet und verfolgt – etwa eine halbe Million von ihnen wurde innerhalb weniger Monate nach Afghanistan abgeschoben.
Libanon
Seit Beginn der jüngsten Offensive Israels auf den Libanon im März 2026 mussten nach Schätzungen der IOM mehr als eine Million Menschen ihre Wohnorte verlassen. Das sind rund 150.000 mehr Binnenvertriebene als bei dem vorherigen Angriff Israels auf den Südlibanon und Beirut im Jahr 2024.
Seit Beginn der Angriffe sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mehr als 318.000 Personen aus dem Libanon nach Syrien geflohen – 87 Prozent von ihnen sind Syrer*innen.
Der UNHCR schätzt, dass rund eine Million Syrer*innen noch im Land leben – die meisten als Flüchtlinge. Hinzu kommt eine unbestimmte Zahl palästinensischer Flüchtlinge: Nach Schätzungen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) sind es mehr als 230.000 Personen. Das bedeutet, dass im Libanon etwa jeder fünfte Einwohner ein Flüchtling ist.
Türkei
Die Türkei war zwischen 2015 und 2022 das Land mit der größten Flüchtlingsbevölkerung weltweit: Zwischenzeitlich lag sie bei 4 Millionen Menschen. Die meisten von ihnen waren Kriegsflüchtlinge aus Syrien – aber auch Geflüchtete aus Afghanistan, Irak und dem Iran. Seit dem Machtwechsel in Syrien im Dezember 2024 sind viele syrische Geflüchtete aus der Türkei in ihre Heimat zurückgekehrt: Etwa 470.000 Syrer*innen sollen nach Schätzungen des UNHCR aus der Türkei nach Syrien ausgereist sein (Stand: Februar 2026).
Derzeit beobachtet die Internationale Organisation für Migration keine außergewöhnlichen Migrationsbewegungen zwischen dem Iran und der Türkei.