Es ist nicht möglich, die genaue Zahl der Geflüchteten zu ermitteln, die entlang der Haupt-Fluchtrouten in die EU gestorben sind. Das Projekt "Missing Migrants" der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dokumentiert seit 2014 Tote und Vermisste anhand von offiziellen Dokumenten und Berichten von Augenzeugen. Das Dunkelfeld ist allerdings viel größer.
Todesfälle im Mittelmeer
2025 gab es laut Schätzungen der IOM 1.756 Todesfälle im Mittelmeer – darunter 97 Kinder. Die Dunkelziffer könnte aber viel höher liegen. Rund 68 Prozent der Todesfälle ereigneten sich auf der zentralen Mittelmeer-Route zwischen Tunesien/Libyen und Italien.
Hinzu kommen mehr als 380 Todesfälle auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln im Atlantik.
Die Zahl der Todesfälle im Mittelmeer ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 30 Prozent zurückgegangen.
2024 gab es rund 2.600 Todesfälle auf dem Mittelmeer – darunter 125 Kinder. Die IOM hat in dieser Zeit rund 239.200 Versuche gezählt, das Mittelmeer zu überqueren (2023: 3.100 Todesfälle bei 341.000 versuchten Überfahrten). Das heißt: Von 100 Personen, die die Überfahrt versucht haben, ist eine gestorben. Mehr als drei Viertel der Todesfälle ereigneten sich 2024 auf der zentralen Mittelmeer-Route (Italien und Malta).
Auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln gab es mehr als 1.000 Todesfälle (2023: rund 1.000). Die spanische NGO "Caminando Fronteras" hält diese Schätzung für deutlich zu gering: Auf Grundlage von Interviews mit Migrant*innen in der Region schätzt die Organisation, dass 2024 rund 10.000 Menschen auf Route zu den Kanarischen Inseln gestorben sind.
Todesfälle in Nordafrika
Noch schwieriger ist es festzustellen, wie viele Menschen auf dem Weg zu den Mittelmeer-Küsten gestorben sind. In Nordafrika wurden zwischen 2014 und 2025 etwa 7.000 Todesfälle gemeldet. Die IOM geht aber davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen könnten.
Todesfälle innerhalb Europas
Auch an den europäischen Landesgrenzen hat die IOM zahlreiche tote und vermisste Migranten dokumentiert: zwischen 2014 und 2025 waren es circa 1.400 Personen. Besonders viele Personen sind entlang der Westbalkan-Route gestorben (424 Personen) und beim Versuch, den Ärmelkanal nach Großbritannien zu überqueren (360 Personen). Auch an der Grenze zwischen Belarus und Polen wurden Todesfälle dokumentiert (130 Personen).