Zahl rechtsextremer Straftaten

Im Jahr 2025 erfasste die Polizei mehr als 40.000 rechtsmotivierte Straftaten. In Deutschland ist rechte Gewalt stärker verbreitet als in den meisten anderen westeuropäischen Staaten.

Im Jahr 2025 zählte die Polizei 41.072 politisch rechts motivierte Straftaten, darunter 1.521 Gewaltdelikte. Die Zahl rechter Gewaltdelikte ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (2024: 1.488). Die Zahlen sind vorläufig, es können Nachmeldungen folgen.Bundestag (2025): "Drucksache 21/4105", S. 52, LINK

2024 gab es 42.788 rechtsmotivierte Straftaten, darunter 1.488 Gewaltdelikte. Die Gesamtzahl war im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gestiegen, sie hatte um 48 Prozent zugenommen. Knapp zwei Drittel der Straftaten waren Propagandadelikte (62 Prozent) wie das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Ein Viertel der Taten wurde online begangen (10.732).Bundesinnenministerium (2025): "Fallzahlen politisch motivierte Kriminalität 2024", S. 4, 8, Link (Download)

Im Jahr 2025 wurden 3.543 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren einer rechten Straftat verdächtigt, 89 Prozent davon waren Jungen. Die Angaben sind vorläufig, es können Nachmeldungen folgen. 2024 hatte sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (s. Grafik). Unter jungen Erwachsenen war die Zahl der Tatverdächtigen bei politisch rechts motivierten Delikten damals ähnlich stark gestiegen.Bundesinnenministerium (2026): Antwort auf "Schriftliche Frage 2/53” (eigene Berechnung: männliche Tatverdächtige 3.163 + weibliche 376 + diverse 4 = 3.543; 3.163 ÷ 3.543 = 0,89), Vorabversion der Daten (liegt dem Mediendienst vor); Bundestag (2025): "Drucksache 21/1990", S. 5, eigene Berechnung; LINK

Studien des Center for Research on Extremism der Universität Oslo zeigen: Die Gefahr rechtsextremer Gewalt ist in Deutschland im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern anhaltend hoch. 2023 verzeichnete Deutschland in absoluten Zahlen die meisten vollendeten rechtsextremen Angriffe. Die absoluten Zahlen können wegen einer anderen Zählweise von den Zahlen der deutschen Behörden abweichen.Center for Research on Extremism (2025): "RTV Trend Report 2024. Right-Wing Terrorism and Violence in Western Europe 1990-2023", S. 3, 7, 10, LINK

Untererfassung rechter Straftaten

Politische Taten erfasst die Polizei in der Statistik zur Politisch Motivierten Kriminalität (PMK). Erfasst werden fünf sogenannte Phänomenbereiche: rechts, links, nicht zuzuordnen, ausländische Ideologie, religiöse Ideologie. Fachleuten zufolge hat die PMK Schwächen, die dazu führen können, dass die Polizei politische Taten nicht erkennt oder nicht zuordnen kann:

  • Eingangsstatistik: Bereits zu Beginn der polizeilichen Ermittlungen prüfen örtliche Beamt*innen, ob eine Tat möglicherweise politisch motiviert war. Die Einordnung als beispielsweise politisch links oder rechts motiviert erfolgt also zu einem sehr frühen Zeitpunkt, spätere Erkenntnisse werden oft nicht in der Statistik berücksichtigt.
  • Fehlende Sensibilisierung: Ob die Polizei eine Tat als politisch motiviert einstuft, hängt maßgeblich von der Einschätzung der zuständigen Beamt*innen ab und ob sie zum Beispiel szenetypische Codes erkennen.
  • Uneinheitliches Vorgehen: Es gibt keine einheitlichen Formulare zur Erfassung politisch motivierter Straftaten. Wie Straftaten eingestuft werden, kann sich zwischen einzelnen Polizeidienststellen und den Bundesländern deutlich unterscheiden.
  • Ungenaue Definitionen: Damit eine Tat als politisch motiviert gilt, muss die politische Motivation "tatauslösend" sein. Das ist schwer festzustellen. Unklar ist dabei etwa, ob das generelle Verhalten und Einstellungen der Verdächtigen entscheidend sind, oder nur die Motivation während der Tat.
  • Untererfassung rechter Straftaten: Verbände weisen darauf hin, dass Betroffene rechter Gewalt oft wenig Vertrauen in Behörden haben und Straftaten nicht anzeigen.Für die Kritik vgl. Straud (2018): "Straf- und Gewalttaten von rechts: Wie entstehen die offiziellen Statistiken? PMK - Methoden und Debatten", bpb., LINK; Lang (2018): "Warum die Zahlen der Behörden zu niedrig sind", Expertise für den MEDIENDIENST, LINK; Habermann und Singelnstein (2019): "Praxis und Probleme bei der Erfassung politisch rechtsmotivierter Kriminalität durch die Polizei", IDZ, LINK