Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund

Menschen mit Migrationshintergrund bewerten ihre Gesundheit in Befragungen relativ gut. Dabei sind sie häufiger von Faktoren betroffen, die der Gesundheit schaden, etwa beengter Wohnraum oder Rassismuserfahrungen.

Daten zur Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund sind lückenhaft. Es lässt sich nicht pauschal sagen, ob sie einen besseren oder schlechteren Gesundheitszustand haben als Menschen ohne Einwanderungsgeschichte.Vgl. Bartig et al. (2019): „Gesundheitsberichterstattung zu Menschen mit Migrationshintergrund – Auswahl und Definition von (Kern-)Indikatoren“, LINK; SVR (2022): „Systemrelevant: Migration als Stütze und Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland“, S. 90ff. LINK

Studien deuten auf eine bessere körperliche Gesundheit von Personen mit Migrationshintergrund hin. In Befragungen bewerten sie ihren Gesundheitszustand häufig besser oder gleich gut wie Menschen ohne Einwanderungsgeschichte. Zugewanderte zeigen jedoch höhere Risikofaktoren bei bestimmten chronischen Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Das wurde unter anderen während der Corona-Pandemie deutlich. Dezim (2023): "NaDiRa-Bericht. Rassismus und seine Symptome", S. 124ff., LINK; SVR (2022): "Systemrelevant: Migration als Stütze und Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland", S 98ff. LINK

Migranten sind bei Ankunft gesünder, mit der Zeit verschlechtert sich die Gesundheit

Die Forschung spricht oft von einem „Healthy Migrant Effekt”: Einwanderer haben tendenziell einen besseren Gesundheitszustand als die Gesamtbevölkerung. Erklärt wird das damit, dass eher gesündere Personen migrieren. Der Gesundheitszustand verschlechtert sich, je länger die Personen in Deutschland sind – etwa wegen der Arbeitsbedinungen oder weil sie weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen. 

Das bestätigt auch eine BefragungSVR (2026): Jung und gesund – alt und krank? Wie Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ihre Gesundheit einschätzen. Basierend auf Daten des Integrationsbarometers 2024  unter Migrant*innen in verschiedenen Altersklassen: In den ersten Jahren nach ihrer Ankunft schätzen Zugewanderte ihre Gesundheit besser ein als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Ihre Gesundheit verschlechtert sich jedoch mit zunehmender Aufenthaltsdauer und der anfängliche Gesundheitsvorteil geht verloren. Im höheren Alter fällt die Einschätzung der eigenen Gesundheit oft sogar schlechter aus als bei Personen ohne Migrationsgeschichte. SVR (2022): „Systemrelevant: Migration als Stütze und Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland“, S. 98, LINK; SVR (2026): Jung und gesund – alt und krank? Wie Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ihre Gesundheit einschätzen.

Soziale Lage ist entscheidend

Entscheidend für die Verschlechterung der Gesundheit ist weniger die Migration als die ökonomische und soziale Lage: Menschen mit Migrationshintergrund können von schlechteren Bedingungen häufiger betroffen sein, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Dazu gehören:

  • Arbeitsbedingungen: etwa schwere körperliche Arbeit oder weniger Möglichkeiten für Home Office
  • Wohnsituation: etwa beengter Wohnraum und schlechte Unterbringungsbedingungen
  • Geringes Einkommen und Bildungsstand: Können die Möglichkeiten und das Wissen beeinflussen, sich über Vorsorge und Gesundheitsleistungen zu informieren und diese wahrzunehmen.
  • Sprachliche Barrieren: Fehlende Sprachkenntnisse erschweren es, sich zu informieren und zu verständigen.
  • Rechtliche Hürden: Asylsuchende haben zu Beginn nur eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsleistungen, gleiches gilt für irreguläre Migrant*innen.
  • Rassismuserfahrungen: Menschen mit Diskriminierungserfahrungen weisen höhere psychische Belastungen auf. Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitssystem können etwa dazu führen, dass Betroffene Besuche bei Ärzt*innen vermeiden oder Krankheiten verschleppen. Personen bewerten ihren Gesundheitszustand schlechter, wenn sie solche Erfahrungen gemacht haben.vgl. Kajikhina et al. (2023): „Rassismus und Diskriminierung im Kontext gesundheitlicher Ungleichheit – ein narratives Review“, LINK; SVR (2022): „Systemrelevant: Migration als Stütze und Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland“, S. 98ff., LINK; Nadira-Monitoring-Bericht (2025): "Verborgene Muster, sichtbare Folgen", S. 35, LINK

Informationen zu Rassismus im Gesundheitswesen finden Sie in dieser Übersicht.