Zur gesundheitlichen Situation von Geflüchteten gibt es nur wenige Studien. Eine repräsentative Befragung (2023) von Geflüchteten ergab: Mehr als ein Viertel der Befragten nannten lange Wartezeiten als Grund für verzögerte Behandlungen. Etwa 15 Prozent gaben Kosten als Grund an, eine ärztliche Untersuchung oder Behandlung nicht wahrgenommen zu haben. Rund 10 Prozent der Befragten gaben an, dass Entfernungen ihre Versorgung verzögerten.
In einer weiteren Befragung wurden Geflüchtete 2024 dazu interviewt, ob sie sich im Gesundheitssystem gut orientieren können. Sowohl bei der Krankheitsbewältigung als auch bei der Prävention gibt es demnach Probleme: Die Befragten berichteten, dass sie Schwierigkeiten haben, professionelle Hilfe zu finden (33 Prozent) und den Ablauf bei einem medizinischen Notfall nachzuvollziehen (35 Prozent). 43 Prozent fällt es zudem schwer, Vor- und Nachteile von Behandlungen zu verstehen.
Weitere Erhebungen zeigten, dass traumatische Erfahrungen vor und während der Flucht, das Leben in Gemeinschaftsunterkünften und unsichere Zukunftsperspektiven sich negativ auf die Gesundheit auswirken können. Auch der eingeschränkte Zugang zum Gesundheitssystem zu Beginn des Aufenthalts, Sprachbarrieren und Rassismuserfahrungen im Gesundheitswesen können sich negativ auf die Gesundheit auswirken.
Mehr zur psychologischen Versorgung von Geflüchteten hier
Welche Gesundheitsleistung erhalten Asylsuchende?
Asylbewerber*innen erhalten in den ersten 36 Monaten in Deutschland laut Asylbewerberleistungsgesetz ( AsylbLG ) eine eingeschränkte medizinische Versorgung für:
- akut behandlungsbedürftige Erkrankungen,
- chronischen Erkrankungen wie Diabetes,
- Schwangerschaft und Geburt,
- die von den gesetzlichen Krankenkassen empfohlenen Vorsorgen und Impfungen sowie
-
im Einzelfall Zahnersatz.
Erst nach 36 Monaten haben Asylbewerber*innen Anspruch auf nahezu dieselbe medizinische Versorgung wie gesetzlich Versicherte. Die Wartezeit wurde 2024 im Rahmen der Asylreform von 18 auf 36 Monate verdoppelt. Einem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 2024 zufolge hat das negative Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Auch für den Staat gebe es Nachteile: Wenn Behandlungen verzögert werden, fallen später mehr Kosten an.