Wie groß ist der Fachkräftemangel in Deutschland?

Der Fachkräftemangel ist eines der größten Probleme der deutschen Wirtschaft: Es gehen mehr Menschen in Rente, als einheimische Arbeitskräfte nachkommen. Deutschland braucht sowohl ausländische Fachkräfte als auch ungelernte Arbeitskräfte.

Der Fachkräftemangel ist in den letzten Jahren zu einem der größten Probleme der deutschen Wirtschaft geworden. Hauptgrund ist der demographische Wandel und die alternde Bevölkerung in Deutschland. In den kommenden Jahren wird sowohl die Bevölkerung als auch die Zahl der Beschäftigten schrumpfen, so eine Schätzung von Ende 2025. Während der Fachkräftemangel 2025 wegen der Wirtschaftsflaute etwas abgenommen hat ist, dürfte er langfristig wieder ansteigen. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): Fachkräftmonitoring für das BMAS - Mittelfristprognose bis 2029, Seite 11

In welchen Berufen fehlen Fach- und Arbeitskräfte?

In vielen Berufen und Regionen sind Fach- und Arbeitskräfte knapp: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verzeichnete für Ende 2025 Engpässe in 157 Berufsgruppen – etwas weniger als in den Jahren zuvor. Damit mangelte es in etwa jedem achten untersuchten Beruf an Fachkräften. Bundesagentur für Arbeit (Mai 2026): Fachkräfteengpassanalyse 2025, Link, Pressemitteilung Nr. 32/2026 (September 2026): „Fachkräfte bleiben knapp”, Link; Presseinfo Nr. 25/2025, „Qualifizierte Fachkräfte weiterhin gesucht”, Link; Fachkräftepassanalyse 2024, im pdf-Bericht Seite 13 LINK, Fachkräfteengpassanalyse 2022, im pdf-Bericht, Seite 14, LINK, sowie Fachkräfteengpassanalyse 2017, Seite 7, LINK. 

Großer Bedarf besteht vor allem in den Pflege- und Gesundheitsberufenz.B. Pflegekräfte, Physiotherapie, (zahn)medizinische Fachangestellte, sowie im Handwerk und in den Bauberufenz.B. Klempnerei, Zimmerei, Dachdeckerei. Darüber hinaus gibt es Engpässe im technischen BereichSanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Mechatronik, Elektrotechnik u.a., im Gastronomieservice, sowie bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr. Zuwanderung wird, laut Bundesagentur für Arbeit, immer wichtiger, um diesem Mangel zu begegnen. Ein Beispiel: Im Vergleich zu Mitte 2024 ist in der Pflege die Zahl der ausländischen Beschäftigten bis Mitte 2025 um 46.000 Personen gestiegen, während die der deutschen Beschäftigten um 5.000 Personen zurückging. Bundesagentur für Arbeit (Mai 2026): Fachkräfteengpassanalyse 2025, Link, Pressemitteilung Nr. 32/2026 (September 2026): „Fachkräfte bleiben knapp”, Link; Presseinfo Nr. 25/2025, „Qualifizierte Fachkräfte weiterhin gesucht”, Link; Fachkräftepassanalyse 2024, im pdf-Bericht Seite 13 LINK, Fachkräfteengpassanalyse 2022, im pdf-Bericht, Seite 14, LINK, sowie Fachkräfteengpassanalyse 2017, Seite 7, LINK. 

Neben der Zahl der Engpass-Berufe kann man auch die „Fachkräftelücke” berechnen, also die Zahl der offenen Stellen, die „rein rechnerisch in einem Jahr nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden kann”. Laut dem Forschungszentrum Kofa lag die Zahl dafür im Jahr 2025 bei rund 370.000 offenen Stellen. Kofa Institut / Institut der deutschen Wirtschaft (2026): Überblick Fachkräftemangel

Verschiedene Zahlen zum Fachkräftemangel

Es gibt verschiedene Schätzungen, wie sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren entwickeln wird. Laut Schätzungen des IAB-Instituts, mit denen auch das Bundesarbeitsministerium arbeitet, werden für die Jahre 2024 bis 2028 insgesamt etwa 440.000 Arbeitskräfte fehlen. Der Mangel ist deutlich größer als bisher angenommen. Hauptgründe für die geänderte Prognose sind aktualisierte Statistiken zum demographischen Wandel und eine gesunkene Zuwanderung im Jahr 2025. In dieser Prognose„Deterministischer” Ansatz: Zum einen wird hier die absehbare Bevölkerungsentwicklung einbezogen. Dann werden konkrete Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Arbeitsmarkts, der Zuwanderung, gesellschaftlicher Entwicklungen usw. getroffen. Wenn man beides zusammenrechnet, entstehen „Wenn-Dann-Szenarien", die mögliche Entwicklungen abbilden. werden aktuelle Veränderungen – wie weniger Zuwanderung – mit einbezogen. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): Fachkräftmonitoring für das BMAS 2024 - Mittelfristprognose bis 2029, S.36, Link

Eine weitere Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft von 2026 erwartet eine "Lücke" von bis zu 723.000 Fachkräften im Jahr 2029. In dieser "Fortschreibung" ist die aktuell gesunkene Zuwanderung enthalten. Langfristig erwartet das Institut einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2036 um jährlich 500.000 Berechnung: Im Schnitt rund 1,3 Millionen Renteneintritte pro Jahr bei 800.000 Neueintritten auf den Arbeitsmarkt, Link Arbeitskräfte – darin ist eine durchschnittlichen Nettozuwanderung von rund 250.000 Personen bereits berücksichtigt. Die zweite Rechnung basiert auf einem anderen „Ansatz”Stochastischer Ansatz: Als Grundlage gelten "langfristige, strukturbruch-bereinigte" Mittelwerte, zu Geburten, Lebenserwartung und Zuwanderung. Rechnerisch wird hier zum Beispiel von einem Mittelwert der jährlichen Zuwanderung pro Jahr ausgegangen. Aktuelle „Peaks” in der Zuwanderung oder hypothetische Annahmen über künftige Entwicklungen spielen - anders als beim deterministischen Ansatz - keine Rolle.: Hier werden langfristige Durchschnittswerte genommen. Aktuelle „Peaks”, zum Beispiel in der Zuwanderung, werden nicht berücksichtigt.  Institut der deutschen Wirtschaft (2026): IW-Kurzbericht 61/2026, "IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2029 :
Beschäftigungspotenzialesinken"; Pressemitteilung, Juni 2026, "Babyboomer in Rente: Bis 2036 fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte", Link; sowie von 2025: Arbeitsmarktfortschreibungbis 2028

Wie viel Zuwanderung wäre nötig?

Die wichtigste Strategie gegen den Fachkräftemangel dürfte laut Fachleuten die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte sein. Laut einer Schätzung der Bertelsmann Stiftung wäre bis 2040 eine jährliche Nettozuwanderung von 288.000 bis 368.000 Personen nötig, um den Arbeitskräftebedarf über Zuwanderung zu decken. Aktuell liegt die Zuwanderung deutlich darunter. Für die Berechnung verwendet sie ein ähnliches ModellSiehe Seite 63: Arbeitskräftebedarf bis 2040 (QuBe): 44.3 Millionen, Erwerbspersonenpotenzial: 45,7 Millionen, jährliche Zuwanderung: 288.000 (progressives Szenario) wie das IAB-Institut. Es gibt auch andere Strategien gegen den Fachkräftemangel, zum Beispiel die Frauenerwerbstätigkeit weiter zu erhöhen und mehr Menschen zu qualifizieren. Bertelsmann Stiftung (2024): Zuwanderung und Arbeitsmarkt, S.5 und Seite 63, Link.

Eine vielzitierte Schätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 2021 ging davon aus, dass langfristig eine Nettozuwanderung von mindestens 400.000 Personen im Jahr notwendig sei, um die Folgen der alternden Bevölkerung auszugleichen. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2021): IAB-Kurzbericht 25/2021 Link, Bertelsmann Stiftung (2024): Zuwanderung und Arbeitsmarkt, S.5 Link

Migranten in Engpassberufen

Schon heute arbeiten viele Migrantinnen und Migranten in Engpassberufen. Das sind Berufe, in denen der Bedarf nach Arbeits- und Fachkräften besonders groß ist und offene Stellen über längere Zeit nicht besetzt Wird von der Bundesagentur anhand von sechs Indikatoren berechnet, zum Beispiel Zahl der offenen Stellen und Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte, Link  werden können. In vielen Engpassberufen sind Migrantinnen und Migranten überdurchschnittlich oft vertreten.  Statistisches Bundesamt (2026): Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte in Engpassberufen, Pressemitteilung Nr. N066 vom 28. September 2026

Daten liegen für Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte und ausländische Beschäftigte vor: 

Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte: In vielen Engpassberufen machen Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte inzwischen die Mehrheit der Beschäftigten aus, zum Beispiel in der Gastronomie oder auf dem Bau. Besonders noch ist ihr Anteil laut Statistischem Bundesamt unter Köchinnen und Köchen (56 Prozent), in der Lebensmittelherstellung (55 Prozent), im Gerüstbau (51 Prozent) oder in der Fleischverarbeitung (51 Prozent). Überdurchschnittlich viele arbeiten außerdem als LKW-Fahrer (Anteil von 41 Prozent) oder in der Pflege (Anteil von 33 Prozent). In der Gesamtwirtschaft hat inzwischen jeder vierte Beschäftigte eine Einwanderungsgeschichte (27 Prozent).  Statistisches Bundesamt (2026): Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte in Engpassberufen, Pressemitteilung Nr. N066 vom 28. September 2026

Ausländische Beschäftigte:  Schaut man auf die etwas kleinere Gruppe der Ausländerinnen und Ausländer, zeigt sich ein ähnliches Bild: In vielen Engpassberufen arbeiten überdurchschnittlich viele Ausländerinnen und Ausländer. Ihr Anteil beträgt teils über die Hälfte der Beschäftigten in einer Branche, so zum Beispiel in Schnellrestaurants ("Systemgastronomie", 61 Prozent) oder unter Fachkräften in der Fleischverarbeitung (57 Prozent). Insgesamt lag der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen Mitte 2026 bei 14,6 Prozent, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2015 (7,6 Prozent). Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt ihr Anteil bei 16,9 Prozent. Bundesregierung auf Anfrage der Linken (2026): Bt-Drucks. 21/7546, ab Seite 16

Ein Problem für Unternehmen

Laut einer Umfrage hatten 2025 mehr als ein Drittel aller befragten Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen (36 Prozent). Besonders betroffen sind mittelständische Unternehmen, so der jüngste Fachkräftereport des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von Dezember 2025. Damit hat sich die Lage etwas entschärft: Im Jahr 2022 hatte noch die Hälfte aller Unternehmen solche Schwierigkeiten. Langfristig dürfte sich die Situation wieder verschlechtern: Fast alle Unternehmen sehen in den kommenden Jahren Probleme bei der Stellenbesetzung (83 Prozent). Mehr als die Hälfte der Unternehmen sah im Report von 2023 Arbeitskräfte aus dem Ausland als mögliche Gegenstrategie (55 Prozent). Deutscher Industrie- und Handelskammertag (2025): Fachkräftereport 2025, S. 4, Link; Fachkräftereport 2023, Seite 4

In welchen Ländern Deutschland um Fachkräfte wirbt 

Laut Medienberichten will die Bundesagentur für Arbeit in Zukunft vor allem in 13 Ländern um Arbeitskräfte werben: in Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Ecuador, Marokko, Tunesien, Ägypten, Jordanien, Indien, Indonesien, Usbekistan und Ghana sowie auf den Philippinen. Die Bundesregierung hat mit einigen der Staaten Migrationsabkommen geschlossen. Spiegel (2024): In diesen 13 Staaten sucht Deutschland nach Fachkräften, Link

Nicht nur Fachkräfte fehlen

Häufig wird in der Debatte um Arbeitskräftezuwanderung von "Fachkräfteeinwanderung" gesprochen. Jedoch werden in vielen Wirtschaftsbereichen auch ungelernte Arbeitskräfte dringend gesucht. Es wäre also präziser, von einem "Fach- und Arbeitskräftemangel" zu sprechen. Bundeszentrale für politische Bildung (2024):"Fach- und Arbeitskräftemangel ohne Ende?", Arbeitsmarktforscher in einem Gastbeitrag, Link

Wichtige Quellen
• Bundesagentur für Arbeit: Jährliche Fachkräfteengpassanalyse, Link
sowie Interaktives Datenportal mit Details zum Bedarf in einzelnen Branchen, Link, und die Übersicht zu Fachkräfte-Engpässen in verschiedenen Berufen, Link
• DIHK-Arbeitsmarkt- und Konjunkturreport: Jährliche Umfrage bei Unternehmen, Link
• Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): Fachkräftemonitoring für das BMAS, Mittelfristprognose bis 2029, Link
• Zu Engpassberufen eine Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken (2026)