Der Fachkräftemangel ist in den letzten Jahren zu einem der größten Probleme der deutschen Wirtschaft geworden. Hauptgrund ist der demographische Wandel und die alternde Bevölkerung in Deutschland. In den kommenden Jahren wird sowohl die Bevölkerung als auch die Zahl der Beschäftigten schrumpfen, so eine Schätzung von Ende 2025. Während der Fachkräftemangel 2025 wegen der Wirtschaftsflaute etwas abgenommen hat ist, dürfte er langfristig wieder ansteigen.
In welchen Berufen fehlen Fach- und Arbeitskräfte?
In vielen Berufen und Regionen sind Fach- und Arbeitskräfte knapp: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verzeichnete für Ende 2025 Engpässe in 157 Berufsgruppen – etwas weniger als in den Jahren zuvor. Damit mangelte es in etwa jedem achten untersuchten Beruf an Fachkräften.
Großer Bedarf besteht vor allem in den Pflege- und Gesundheitsberufen, sowie im Handwerk und in den Bauberufen. Darüber hinaus gibt es Engpässe im technischen Bereich, im Gastronomieservice, sowie bei Berufskraftfahrern im Güterverkehr. Zuwanderung wird, laut Bundesagentur für Arbeit, immer wichtiger, um diesem Mangel zu begegnen. Ein Beispiel: Im Vergleich zu Mitte 2024 ist in der Pflege die Zahl der ausländischen Beschäftigten bis Mitte 2025 um 46.000 Personen gestiegen, während die der deutschen Beschäftigten um 5.000 Personen zurückging.
Neben der Zahl der Engpass-Berufe kann man auch die „Fachkräftelücke” berechnen, also die Zahl der offenen Stellen, die „rein rechnerisch in einem Jahr nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden kann”. Laut dem Forschungszentrum Kofa lag die Zahl dafür im Jahr 2025 bei rund 370.000 offenen Stellen.
Verschiedene Zahlen zum Fachkräftemangel
Es gibt verschiedene Schätzungen, wie sich der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren entwickeln wird. Laut Schätzungen des IAB-Instituts, mit denen auch das Bundesarbeitsministerium arbeitet, werden für die Jahre 2024 bis 2028 insgesamt etwa 440.000 Arbeitskräfte fehlen. Der Mangel ist deutlich größer als bisher angenommen. Hauptgründe für die geänderte Prognose sind aktualisierte Statistiken zum demographischen Wandel und eine gesunkene Zuwanderung im Jahr 2025. In dieser Prognose werden aktuelle Veränderungen – wie weniger Zuwanderung – mit einbezogen.
Eine weitere Berechnung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft von 2026 erwartet eine "Lücke" von bis zu 723.000 Fachkräften im Jahr 2029. In dieser "Fortschreibung" ist die aktuell gesunkene Zuwanderung enthalten. Langfristig erwartet das Institut einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2036 um jährlich 500.000 Arbeitskräfte – darin ist eine durchschnittlichen Nettozuwanderung von rund 250.000 Personen bereits berücksichtigt. Die zweite Rechnung basiert auf einem anderen „Ansatz”: Hier werden langfristige Durchschnittswerte genommen. Aktuelle „Peaks”, zum Beispiel in der Zuwanderung, werden nicht berücksichtigt.
Wie viel Zuwanderung wäre nötig?
Die wichtigste Strategie gegen den Fachkräftemangel dürfte laut Fachleuten die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte sein. Laut einer Schätzung der Bertelsmann Stiftung wäre bis 2040 eine jährliche Nettozuwanderung von 288.000 bis 368.000 Personen nötig, um den Arbeitskräftebedarf über Zuwanderung zu decken. Aktuell liegt die Zuwanderung deutlich darunter. Für die Berechnung verwendet sie ein ähnliches Modell wie das IAB-Institut. Es gibt auch andere Strategien gegen den Fachkräftemangel, zum Beispiel die Frauenerwerbstätigkeit weiter zu erhöhen und mehr Menschen zu qualifizieren.
Eine vielzitierte Schätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 2021 ging davon aus, dass langfristig eine Nettozuwanderung von mindestens 400.000 Personen im Jahr notwendig sei, um die Folgen der alternden Bevölkerung auszugleichen.
Migranten in Engpassberufen
Schon heute arbeiten viele Migrantinnen und Migranten in Engpassberufen. Das sind Berufe, in denen der Bedarf nach Arbeits- und Fachkräften besonders groß ist und offene Stellen über längere Zeit nicht besetzt werden können. In vielen Engpassberufen sind Migrantinnen und Migranten überdurchschnittlich oft vertreten.
Daten liegen für Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte und ausländische Beschäftigte vor:
Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte: In vielen Engpassberufen machen Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte inzwischen die Mehrheit der Beschäftigten aus, zum Beispiel in der Gastronomie oder auf dem Bau. Besonders noch ist ihr Anteil laut Statistischem Bundesamt unter Köchinnen und Köchen (56 Prozent), in der Lebensmittelherstellung (55 Prozent), im Gerüstbau (51 Prozent) oder in der Fleischverarbeitung (51 Prozent). Überdurchschnittlich viele arbeiten außerdem als LKW-Fahrer (Anteil von 41 Prozent) oder in der Pflege (Anteil von 33 Prozent). In der Gesamtwirtschaft hat inzwischen jeder vierte Beschäftigte eine Einwanderungsgeschichte (27 Prozent).
Ausländische Beschäftigte: Schaut man auf die etwas kleinere Gruppe der Ausländerinnen und Ausländer, zeigt sich ein ähnliches Bild: In vielen Engpassberufen arbeiten überdurchschnittlich viele Ausländerinnen und Ausländer. Ihr Anteil beträgt teils über die Hälfte der Beschäftigten in einer Branche, so zum Beispiel in Schnellrestaurants ("Systemgastronomie", 61 Prozent) oder unter Fachkräften in der Fleischverarbeitung (57 Prozent). Insgesamt lag der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen Mitte 2026 bei 14,6 Prozent, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2015 (7,6 Prozent). Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt ihr Anteil bei 16,9 Prozent.
Ein Problem für Unternehmen
Laut einer Umfrage hatten 2025 mehr als ein Drittel aller befragten Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen (36 Prozent). Besonders betroffen sind mittelständische Unternehmen, so der jüngste Fachkräftereport des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von Dezember 2025. Damit hat sich die Lage etwas entschärft: Im Jahr 2022 hatte noch die Hälfte aller Unternehmen solche Schwierigkeiten. Langfristig dürfte sich die Situation wieder verschlechtern: Fast alle Unternehmen sehen in den kommenden Jahren Probleme bei der Stellenbesetzung (83 Prozent). Mehr als die Hälfte der Unternehmen sah im Report von 2023 Arbeitskräfte aus dem Ausland als mögliche Gegenstrategie (55 Prozent).
In welchen Ländern Deutschland um Fachkräfte wirbt
Laut Medienberichten will die Bundesagentur für Arbeit in Zukunft vor allem in 13 Ländern um Arbeitskräfte werben: in Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Ecuador, Marokko, Tunesien, Ägypten, Jordanien, Indien, Indonesien, Usbekistan und Ghana sowie auf den Philippinen. Die Bundesregierung hat mit einigen der Staaten Migrationsabkommen geschlossen.
Nicht nur Fachkräfte fehlen
Häufig wird in der Debatte um Arbeitskräftezuwanderung von "Fachkräfteeinwanderung" gesprochen. Jedoch werden in vielen Wirtschaftsbereichen auch ungelernte Arbeitskräfte dringend gesucht. Es wäre also präziser, von einem "Fach- und Arbeitskräftemangel" zu sprechen.
Wichtige Quellen
• Bundesagentur für Arbeit: Jährliche Fachkräfteengpassanalyse, Link
sowie Interaktives Datenportal mit Details zum Bedarf in einzelnen Branchen, Link, und die Übersicht zu Fachkräfte-Engpässen in verschiedenen Berufen, Link
• DIHK-Arbeitsmarkt- und Konjunkturreport: Jährliche Umfrage bei Unternehmen, Link
• Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): Fachkräftemonitoring für das BMAS, Mittelfristprognose bis 2029, Link
• Zu Engpassberufen eine Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken (2026)