Angaben der Bundesagentur für Arbeit zufolge hatten im November 2025 rund 373.900 Ukrainerinnen und Ukrainer – darunter auch nicht geflüchtete Personen – in Deutschland eine Beschäftigung. Die meisten von ihnen waren sozialversicherungspflichtig angestellt. Die Beschäftigungsquote von allen Ukrainer*innen lag bei 37,5 Prozent.
Unter den zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 nach Deutschland gekommenen Ukrainer*innen lag die Beschäftigungsquote Mitte 2025 bei 50 Prozent, so eine IAB-Studie von Anfang 2026. Die Arbeitsmarkt-Integration lief demnach schneller als bei den 2015 eingereisten Geflüchteten.
Eine BiB-Studie von Ende 2025 kam zu ähnlichen Ergebnissen: Demnach lag die Erwerbstätigenquote von Ukrainer*innen Ende 2025 im Schnitt bei 51 Prozent (50 Prozent bei Frauen, 57 Prozent bei Männern).
Durch die Einführung des „Jobturbos“ 2023 sind deutlich mehr Ukrainer*innen in Arbeit gekommen, so eine Studie des “Immigration Policy Lab”. Rund 58.000 Ukrainerinnen und Ukrainer hätten durch das Maßnahmenpaket der Ampel-Regierung zusätzlich innerhalb von zwei Jahren einen Job gefunden. Ein Hauptgrund: häufigere Beratungsgespräche im Jobcenter. Auf diese Schätzung kommen die Forscher*innen durch den Vergleich mit anderen Migrantengruppen.
Auch Befragungen unter ukrainischen Geflüchteten ergeben, dass immer mehr von ihnen in Deutschland Arbeit finden, die Beschäftigungsquote liegt für 2023/2024 zwischen 25 und 30 Prozent. Seit einer ersten Befragung (August bis Oktober 2022) hat sich der Anteil von 16 Prozent nahezu verdoppelt.
Frauen aus der Ukraine sind den Befragungen zufolge seltener erwerbstätig als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass viele alleinerziehend sind und fehlende familiäre Netzwerke und Kinderbetreuungsmöglichkeiten die Teilnahme am Arbeitsmarkt erschweren: In einer Befragung 2023/2024 gaben die Hälfte der Frauen im erwerbsfähigen Alter mit Kindern an, ohne Partner in Deutschland zu leben.
Befragungen unter ukrainischen Flüchtlingen
Seit Herbst 2022 werden geflohene Ukrainer*innen von mehreren Forschungsinstituten regelmäßig in Bezug auf ihre Arbeitsmarktintegration befragt, zuletzt vom IAB-BAMF-SOEP (Juli 2023 bis Januar 2024, LINK) sowie im Frühjahr 2024 (LINK) vom BiB mit dem Familiendemographischen Panel (FReDA). Die ersten zwei Befragungen führen die Institute gemeinsam im Herbst 2022 (LINK) und im Frühjahr 2023 (LINK) durch.
Wie viele Ukrainer*innen sind arbeitslos?
Arbeitslos gemeldet waren laut der Bundesagentur für Arbeit im Januar 2026 rund 219.000 Ukrainer*innen. Bei einem Großteil dürfte es sich um Kriegsflüchtlinge handeln, denn vor Kriegsausbruch waren lediglich rund 8.000 Ukrainer*innen als arbeitssuchend gemeldet.
Insgesamt waren im Januar 2026 rund 523.000 Ukrainerinnen und Ukrainer bei der Arbeitsagentur als erwerbsfähig gemeldet. Über die Hälfte steht jedoch aktuell nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung – etwa, weil sie als alleinerziehendes Elternteil ein Kind betreuen, Integrationskurse oder eine Weiterbildung besuchen.
Wie viele Ukrainer*innen besuchen Integrationskurse?
Im Juli 2025 waren laut Arbeitsagentur rund 63.600 Ukrainerinnen und Ukrainer in Integrationskursen eingeschrieben und standen dem Arbeitsmarkt damit nicht zur Verfügung.
Inzwischen haben rund 350.000 Ukrainer*innen einen Kurs absolviert, etwa 90 Prozent von ihnen mit Deutschkenntnissen auf B1- oder A2-Niveau (Stand: Juli 2025).
Wenige Flüchtlinge aus der Ukraine hatten bei ihrer Einreise Deutschkenntnisse – rund 80 Prozent gaben bei einer Befragung an, kein Deutsch zu sprechen. Das änderte sich in den darauffolgenden Monaten: Nach rund zwei Jahren Aufenthalt schätzen über die Hälfte ihre Deutschkenntnisse als gut oder eher gut ein.
Hohe Arbeitsbereitschaft
Die Bereitschaft, in Deutschland zu arbeiten, ist unter ukrainischen Geflüchteten hoch: Im Rahmen der IAB-BAMF-SOEP-Befragung 2023/2024 gaben 94 Prozent der nicht-erwerbstätigen Geflüchteten an, einer Arbeit in Deutschland nachgehen zu wollen. Die Häfte gibt zudem an, dabei Unterstützung zu benötigen – bei der Arbeitssuche oder beim Deutschlernen.
Hohe Qualifikation – und hohe Hürden
Ukrainer*innen, die nach Deutschland geflohen sind, haben im Durchschnitt ein hohes Bildungsniveau. 52 Prozent der Männer und 58 Prozent der Frauen der Befragung 2023/2024 gelten als „hochqualifiziert“, besitzen also einen Hochschul- oder Fachhochschul-Abschluss.
Viele Geflüchtete aus der Ukraine arbeiten hier unter ihrer Qualifikation und unter dem Niveau der Tätigkeiten, die sie in der Ukraine ausgeübt haben. Bei Männern sind es 50 Prozent der Befragten, unter den Frauen 57 Prozent. Aktuell sind besonders viele im Gastgewerbe oder der Reinigung sowie der Erziehung und Sozialarbeit tätig. Gerade ukrainische Frauen steigen oft über Helfertätigkeiten in den Arbeitsmarkt ein.
Der Arbeitsagentur zufolge gingen im Juli 2025 rund 45 Prozent der berufstätigen Flüchtlinge aus der Ukraine einer Tätigkeit im „Helferbereich“ nach – etwa im Dienstleistungsbereich, der Zeitarbeit, im Gast– oder Baugewerbe.
Der Anteil der Ukrainer*innen, die als Fachkraft arbeiten, hat sich der Arbeitsagentur zufolge deutlich erhöht: Knapp 40 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer hatten im Juli 2025 eine Stelle als Fachkraft, der Wert hat sich im Vergleich zum Beginn des Vorjahrs fast verdoppelt. Knapp 15 Prozent der berufstätigen Ukrainer*innen sind als Expert*innen oder Spezialist*innen tätig.
Die letzte Befragung des BiB ergab, dass rund die Hälfte der Ukrainer*innen Berufserfahrung für sogenannte Engpassberufe mitbringt. Gerade im Bereich Gesundheit, Pflege und Handel, wo der Bedarf an Arbeitskräften hierzulande besonders hoch ist, sei das Potenzial unausgeschöpft, so die Analyse des BiB.
Anerkennung der Berufsabschlüsse
Für viele Ukrainerinnen und Ukrainer ist es schwer, einen Job zu finden, der ihrer Qualifikation entspricht. Eine Hürde ist neben den Sprachkenntnissen die Anerkennung der Berufsabschlüsse, die oft notwendig ist. Der IAB-BAMF-SOEP-Befragung zufolge fehlen vielen Informationen oder Unterstützung beim Anerkennungsverfahren.
Seit 2022 gibt es immer mehr Anträge auf Anerkennung ukrainischer Berufs- und Hochschulabschlüsse. Das zeigt ein Monitoring des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Demnach lagen 2024 7.335 Anträge auf Anerkennung ukrainischer Berufsqualifikationen vor – ein Höchstwert. Die meisten Anträge erfolgten 2024 in den Berufen Ingenieur*in, Pflegefachperson, Lehrer*in, Erzieher*in sowie Ärztin beziehungsweise Arzt. In 40 Prozent aller Fälle werden die Qualifikationen voll anerkannt. Auch die Anträge auf Zeugnisbewertungen ukrainischer Hochschulabschlüsse erreichten 2024 mit rund 45.100 Anträgen einen Höchstwert. Sie haben sich im Vergleich zu 2022 verzehnfacht.
Arbeitsmarktintegration im europäischen Vergleich
Einer Studie des ifo-Instituts (Juli 2025) zufolge sind für ukrainische Geflüchtete bei der Entscheidung für ein Zielland besonders gute Jobchancen entscheidend – Sozialleistungen hingegen spielen eine deutlich kleinere Rolle.
Das Institut für Arbeitsmarkt– und Berufsforschung (IAB) zeigte in einer Studie 2024: Die Beschäftigungsquote der Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland lag im europäischen Vergleich im Mittelfeld. Wie schnell und nachhaltig Arbeitsmarktintegration der Kriegsflüchtlinge gelingt, hänge mit Faktoren wie etwa offenen Stellen, Betreuungsangeboten sowie politischen Integrationsstrategien zusammen. Die seien europaweit sehr unterschiedlich, so die Studie.
Arbeitsmärkte und Sozialsysteme unterscheiden sich in den Ländern stark – das kann die Arbeitsmarktintegration für die Neuankömmlinge erschweren oder erleichtern:
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Arbeitsmarkt: Dort, wo eine große Nachfrage nach Beschäftigten im Niedriglohnsektor herrscht (etwa in den Niederlanden oder Litauen), haben mehr ukrainische Kriegsflüchtlinge Arbeit. Als mögliche Gründe hierfür nennen die Autor*innen die vergleichsweise geringen sprachlichen und rechtlichen Hürden. Geringer ist die Arbeitsmarkintegration mit starken Kündigungsschutz–Regelungen oder hoher Arbeitslosigkeit.
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Sozialstaat: Ob höhere Sozialleistungen zu geringeren Beschäftigungsquoten unter Ukrainer*innen führen, dafür fand die Studie eine schwache Tendenz, aber keine eindeutigen Belege. Den Autor*innen zufolge können geringere Sozialleistungen unerwünschte Langzeitfolgen haben: Personen würden tendenziell schnell eine Tätigkeit aufnehmen und eher einen Beruf unterhalb ihres Qualifikationslevels ausüben.
Wie schnell Neuankömmlinge Arbeit finden und auf welchem Qualifikationsniveau sie arbeiten hängt von den Integrationsansätzen der Länder ab:
- In Polen und Dänemark etwa gilt das "work first“ -Prinzip: Neu Zugewanderte sollen schnell ein Arbeitsverhältnis finden, Spracherwerb und andere Integrationsmaßnahmen sind nachrangig.
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In Deutschland hingegen besuchen Personen erst Sprach- und Integrationskurs, parallel läuft die Anrerkennung ihrer beruflichen Qualifikationen. Sie stehen dem Arbeitsmarkt dann später zur Verfügung.