2025
Rund 153.500 Menschen erreichten 2025 die Grenzen der Europäischen Union über das Mittelmeer. Das sind rund 23 Prozent weniger Ankünfte als im Vorjahreszeitraum.
In Griechenland kamen über die Land- und Seegrenzen rund 47.800 Personen an. Das sind etwa 23 Prozent weniger Geflüchtete als im Vorjahr. Die meisten landeten auf die Insel Kreta (ca. 19.900 Personen), die neuerdings zum Haupt-Ankunftspunkt im östlichen Mittelmeer geworden ist. Besonders auf der Libyen-Kreta Route hat sich die Zahl der Ankünfte mehr als verdreifacht. Die meisten Geflüchtete, die Griechenland erreichten, kamen aus Aufghanistan (rund 26 Prozent), dem Sudan (21 Prozent) und Ägypten (20 Prozent). Darüber hinaus erreichten rund 2.400 Personen die Insel Zypern (63 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr)
In Italien ist die Zahl der Ankünfte über die zentrale Mittelmeer-Route mit rund 66.000 Personen nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr geblieben. Hier kamen insbesondere Personen aus Bangladesch (31 Prozent), Ägypten (14 Prozent) und Eritrea (12 Prozent) an.
In Spanien (inklusive der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln) gab es 2025 rund 54.800 Ankünfte – davon 17.700 auf den Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean. Das sind 14 Prozent weniger Ankünfte als 2024. Die meisten Personen kamen aus Algerien (29 Prozent), Mali (20 Prozent) und Marokko (15 Prozent).
2024
Im Gesamtjahr 2024 erreichten 199.400 Menschen die Europäische Union über das Mittelmeer.
- Zentrale Mittelmeer Route (Italien und Malta): etwa 66.500 – vor allem aus Tunesien, Ägypten und Bangladesh.
- Westliche Mittelmeer-Route: rund 63.300 Menschen – von ihnen 46.500 Personen über die Kanarischen Inseln.
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Östliche Mittelmeer-Route: rund 62.000 Personen – aus Palästina, Afghanistan und Somalia. Weitere 6.100 Personen erreichten die Insel Zypern.
Seenotrettung im Mittelmeer
Das Mittelmeer – insbesondere das Gebiet zwischen der libyschen und italienischen Küste – gilt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) als eine der gefährlichsten Grenze der Welt: Viele Menschen kommen bei der Überfahrt ums Leben.
Wer für die Seenotrettung von Geflüchteten zuständig ist, hängt von der Region im Mittelmeer ab:
Im westlichen Mittelmeer kümmert sich vor allem die staatliche "Sociedad de Salvamento y Seguridad Marítima" aus Spanien um die Rettung von Geflüchteten. Dabei wird sie von der spanischen "Guardia Civil" unterstützt. Seit Februar 2019 arbeitet sie auch mit der marokkanischen Küstenwache zusammen. Laut Medienberichten werden Geflüchtete seitdem verstärkt in Marokko, Algerien und Mauretanien an Land gebracht. Daten zur Zahl der Personen, die von den jeweiligen Küstenwachen aufgegriffen wurden, sind nicht verfügbar.
Im östlichen Mittelmeer sind Einheiten der griechischen und türkischen Küstenwache sowie die europäische Frontex-Operation "Poseidon" für die Seenotrettung zuständig. Von den rund 112.500 Menschen, die 2024 die Seereise über die östliche Mittelmeer-Route unternommen haben, wurden etwa die Hälfte von der türkischen Küstenwache aufgegriffen und zurück in die Türkei gebracht. Seit dem EU-Türkei-Abkommen werden alle Geflüchtete, die von der türkischen Küstenwache aufgegriffen werden, zurück in die Türkei gebracht.
Im zentralen Mittelmeer wurden 2024 etwa 40 Prozent der Menschen, die die Überfahrt versuchen, von der libyschen und tunesischen Küstenwache aufgegriffen. Die libysche Küstenwache bringt die Schutzsuchenden wieder nach Libyen, wo sie in der Regel wegen "illegaler Zuwanderung" inhaftiert werden. Zudem patrouillieren die italienische Küstenwache sowie vereinzelt Nichtregierungsorganisationen in diesem Gebiet.
Seenotrettung als Pull-Faktor?
Immer wieder wird diskutiert, ob Seenotrettung als Pull-Faktor wirkt – also ob mehr Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer wagen, weil sie wissen, dass es Rettungsaktionen gibt. Eine Studie des DeZIM-Instituts 2023 zeigt, dass das nicht der Fall ist: Seenotrettung habe keinen Effekt auf die Überfahrten im Mittelmeer. Die Forscher*innnen haben dafür zahlreiche Daten von 2011 bis 2020 ausgewertet. Andere Faktoren hätten hingegen einen Einfluss: etwa Konflikte, Naturkatastrophen oder Rohstoffpreise. Pushbacks, wie von der libyschen Küstenwache, senken die Anzahl an Überfahrten.