Die Wahlbeteiligung unter Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist niedriger als die der Gesamtbevölkerung. Sie hat aber in den letzten Jahren zugenommen. Die Daten stammen aus Befragungen zur Wahlbeteiligung und sind mit Vorsicht zu betrachten: Es kommt häufig zu Overreporting – Befragte geben an, gewählt zu haben, obwohl dies nicht der Fall war.
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Im Integrationsbarometer 2022 gaben rund 88 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund an, bei der Bundestagswahl 2021 gewählt zu haben, bei Menschen mit Migrationshintergrund waren es 70,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl lag bei 76,6 Prozent.
- Einer repräsentativen Befragung (German Longitudinal Election Study) zufolge betrug der Unterschied in der Wahlbeteiligung bei den Bundestagswahlen 2021 knapp sieben Prozentpunkte (95,2 Prozent Wahlbeteiligung bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte im Vergleich zu 88,4 Prozent bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte). 2017 waren es gut 13 Prozentpunkte, 2013 noch 28 Prozentpunkte.
Für die Bundestagswahl 2025 liegt keine Befragung zur Wahlbeteiligung vor, aber zum Interesse an der Bundestagswahl: Dabei zeigten Wahlberechtigte ohne Migrationshintergrund in einer Befragung des DeZIM-Instituts mit rund 90 Prozent das größte Interesse an der Wahl und Personen mit Migrationshintergrund aus Nahost, Nordafrika und der Türkei mit 82 Prozent das niedrigste.
Fehlendes Vertrauen in politische Systeme, mangelnde Informationen über die Politik oder auch Diskriminierungserfahrungen können dabei eine Rolle spielen: Wenn man sich willkommener und zugehöriger fühlt, geht man eher wählen. Die Studie des DeZIM zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund seltener glauben, dass politische Parteien aktuelle Probleme lösen können.
In der Befragung des DeZIM-Instituts 2024/2025 schätzen weniger Menschen mit Migrationshintergrund eine bestimmte Partei als wählbar ein als in der Befragung ein Jahr zuvor. Den Forschern zufolge zeigt sich hier eine zunehmende Entfremdung von der Politik, vor allem bei Personen mit Bezügen zur Türkei, Nahost und Nordafrika. Dies bestätig Hinweise darauf, dass sich Wähler mit Migrationshintergrund nicht durch die bestehenden Parteien vertreten sehen und nicht glauben, dass Parteien aktuelle Probleme lösen können.
Im Vergleich zu anderen Gruppen stellen Befragungen immer wieder eine besonders niedrige Wahlbeteiligung unter Türkeistämmigen fest. Ihr Interesse an der Bundestagswahl 2025 war unter Personen mit Bezug zur Türkei und der MENA-Region in einer Befragung am niedrigsten.