Wie viele postsowjetische Migranten leben in Deutschland?

Knapp fünf Millionen Migranten aus dem Raum der ehemaligen Sowjetunion leben in Deutschland. Unter ihnen sind 2,7 Millionen Spätaussiedler und rund 220.000 jüdische Kontingentflüchtlinge. Zuletzt kamen viele Ukraine-Flüchtlinge hinzu.

Postsowjetische Migrant*innen sind Personen, die aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zugewandert sind und ihre Nachkommen. 2025 waren es etwa 4,9 Millionen Personen. Rund 3,9 Millionen von ihnen sind selbst zugewandert und haben hauptsächlich Bezüge zur Ukraine (ca. 32 Prozent), zur Russischen Föderation (ca. 27 Prozent) und zu Kasachstan (ca. 25 Prozent). Statistisches Bundesamt (2026): Bevölkerung in Privathaushalten 2025 nach Migrationshintergrund, LINK; Statistisches Bundesamt (2026): Bevölkerung in Privathaushalten 2025 nach Einwanderungsgeschichte, LINK; eigene Berechnungen

Statistisch werden Personen aus der Ukraine zur Gruppe hinzugezählt. Seit der Ausweitung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sind viele Geflüchtete aus dem Land hinzugekommen. Mehr zu ukrainischen Geflüchteten finden Sie hier.

Neben ukrainischen Geflüchteten sind laut Migrationsforscher Jannis Panagiotidis in einer Expertise aus dem Jahr 2021 zwei weitere Gruppen zentral:

  1. Russlanddeutsche (Spät-)Aussiedler*innenLaut Definition des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind sie "Personen deutscher Herkunft, die in Ost- und Südosteuropa sowie in der Sowjetunion unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs gelitten haben (...) (und die) aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit noch Jahrzehnte nach Kriegsende massiv verfolgt" wurden. und ihre Familienangehörigen, welche die Bundesrepublik Deutschland seit den 1950er Jahren aufnimmt. Laut Mikrozensus lebten 2025 rund 2,7 MillionenDas Statistische Bundesamt ging 2016 noch davon aus, dass ca. 3.2 Millionen (Spät-)Aussiedler*innen in Deutschland lebten. Seit 2017 wird die Gruppe genauer erfasst, etwa weil das Geburtsland der Eltern neuerdings mit abgefragt wird. Dadurch wurde deutlich, dass viele Menschen zuvor mitgewählt wurden, die nicht unter die Definition von Aussiedler*innen und Spätaussiedler*innen fallen - etwa weil sie ihren Geburtsort außerhalb von Europa und Asien haben.(Spät-)Aussiedler*innen in Deutschland. In den 1990er Jahren erreichte ihre Zuwanderung den Höchststand. Statistisches Bundesamt (2026): Statistischer Bericht - Bevölkerung nach Migrationshintergrund - Erstergebnisse 2025. Tabelle 12211-05, LINK; BAMF (2026): Migrationsbericht der Bundesregierung 2024. S. 155, LINK; Panagiotidis, Jannis (2021): Postsowjetische Migration in Deutschland: Expertise für den MDI. S. 2, LINK

  2. Jüdische Kontingentflüchtlinge und ihre Familienangehörigen: Seit den 1990ern Jahren erhielten den Status als Kontingentflüchtling rund 222.000 eingewanderte Jüd*innen aus der ehemaligen Sowjetunion. Die meisten von ihnen kamen bis 2004 nach Deutschland. 2024 waren es mit 1.488 Personen wieder etwas mehr als in den Jahren zuvor. BAMF (2026): Migrationsbericht der Bundesregierung 2024. S. 134, LINK; Panagiotidis, Jannis (2021): Postsowjetische Migration in Deutschland: Expertise für den MDI. S. 2, LINK

(Spät-)Aussiedler*innen erhalten seit der frühen Nachkriegszeit einen besonderen Schutz in der Bundesrepublik. Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer bot ihnen ab 1953 mit dem Bundesvertriebenengesetz an, gemeinsam mit ihren Familien einzuwandern und hier volle Bürger*innenrechte zu genießen. Laut Definition des Bundesinnenministeriums handelt es sich um "Personen deutscher Herkunft, die in Ost- und Südosteuropa sowie in der Sowjetunion unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges gelitten haben (...) (und die) aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit noch Jahrzehnte nach Kriegsende massiv verfolgt" wurden. Bis Ende 1992 eingewanderte postsowjetische Migrant*innen erhielten den Rechtsstatus "Aussiedler". Seit 1993 erhalten sie den rechtlichen Status "Spätaussiedler", nach der Anerkennung erhalten sie umgehend die deutsche Staatsangehörigkeit. BAMF (2013): (Spät-)Aussiedler in Deutschland. Eine Analyse aktueller Daten und Forschungsergebnisse, S. 18, LINK; BMI (o. J.): Spätaussiedler, LINK; BMI (2020): Willkommen in Deutschland. Zusatzinformationen für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern, S. 12, LINK; BMJ (o. J.): Gesetz über die Angelegenheiten von Vertriebenen und Flüchtlinge, BVFG, LINK; BMJ (o. J.): §4 Bundesvertriebenengesetz, BVFG, LINK.

Jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion erhielten in der DDR sowie später im wiedervereinigten Deutschland Schutz vor zunehmendem Antisemitismus in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten. Gesonderte Asylanträge waren nicht nötig, der Nachweis einer jüdischen Identität genügte. Damit ging eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis einher. Die damalige Bundesregierung verstand die Aufnahme dieser Menschen auch als symbolische Wiedergutmachung für die Shoah. Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Jüdische Kontingentflüchtlinge und Russlanddeutsche, LINK; Bundeszentrale für politische Bildung (2005): Shoa und Antisemitismus, LINK; Panagiotidis, Jannis (2021): Postsowjetische Migration in Deutschland. Eine Einführung, S. 47f; Panagiotidis, Jannis (2021): Postsowjetische Migration in Deutschland. Expertise für den MDI, S. 2, LINK

Das änderte sich mit der Reform des Zuwanderungsgesetzes im Jahr 2005. Seitdem müssen sie belegen, dass eine jüdische Gemeinde sie aufnehmen würde. Zudem müssen sie Deutschkenntnisse sowie – bis auf wenige Ausnahmen – eine "positive Integrationsprognose" vorweisen. Rechtliche Grundlage ist §23 Abs. 2 AufenthG sowie eine Anordnung des BMI. Durch die Änderung sind seit 2005 jährlich viel weniger jüdische Kontingentflüchtlinge aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen als zuvor. BAMF (2019): Jüdische Zuwandernde, LINK; BAMF (2022): Anordnung des Bundesministeriums des Innern in der Fassung vom 18. März 2022, LINK; BPB (2017): Jüdische Kontingentflüchtlinge und Russlanddeutsche, LINK; Bundesjustizministerium (o. J.): Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet, LINK