Wie kommen Menschen aus der Illegalität?

In Deutschland gibt es keine bundesweiten Regularisierungsprogramme wie in anderen EU-Ländern. Für manche Personen ist die Duldung ein Ausweg aus der Illegalität.

Durch eine sogenannte Regularisierung können irreguläre Migrant*innen einen Aufenthaltstitel erhalten. In Deutschland gibt es keine Regularisierungsprogramme. Am ehesten kommen Menschen zunächst über eine Duldung aus der Irregularität.Charlotte Fiala (neue Caritas) (2015): "Regularisierung - die bisher vernachlässigte Option"

In manchen EU-Staaten gibt es offizielle Programme zur Regularisierung, andere sehen die Regularisierung einzelner Personen vor.Albert Kraler u.a. (ICMPD) (2014): „Final Report. Feasibility Study on the Labour Market Trajectories of Regularised Immigrants within the European Union (REGANE I)”, S. 47, 58; Kate Brick (mpi) (2011): „Regularizations in the European Union: The Contentious Policy Tool”, S. 1; Leïla Bodeux und Shannon Pfohman (Caritas Europa) (2021): „Policy Paper. Demystifying the regularization of undocumented migrants”

Internationale Beispiele für Regularisierungen

Spanien: Seit den 1980er Jahren gab es in Spanien immer wieder Legalisierungen von Personen ohne Aufenthaltstitel. So erhielten im Jahr 2005 fast 500.000 irreguläre Migrant*innen eine Aufenthaltsberechtigung. Anschließend wurde gesetzlich verankert, dass irreguläre Migrant*innen eine Regularisierung beantragen können. Grundlage hierfür ist die „Verwurzelung” (span. arraigo) in Spanien. Irreguläre Migrant*innen können eine Arbeits- und Aufenthaltsberechtigung erlangen, wenn sie nachweisen können, dass

  • sie sich seit drei Jahren durchgängig in Spanien aufgehalten haben,
  • sie einen Arbeitsvertrag unterzeichnet haben, der mindestens ein Jahr gültig ist
  • sie sozial in die spanische Gesellschaft eingegliedert sind oder sich Familienmitglieder legal in Spanien aufhalten.Kevin Fredy Hinterberger (A&W Blog) (2017) „Die ‚Bekämpfung‘ undokumentierter Beschäftigung: Spaniens Regularisierungen als Vorbild?; Kevin Hinterberger (2020) „Regularisierungen irregulär aufhältiger Migrantinnen und Migranten. Deutschland, Österreich und Spanien im Rechtsvergleich”, S. 257f.; ICMPD (2007) „REGINE Regularisations in Europe. Study on practices in the area of regularisation of illegally staying third-country nationals in the Member States of the EU”, S.83-93; Ministerium für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration Spanien (2026): „FAQ Regularisierungen”, S. 5

Im April 2026 verabschiedete die spanische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez eine weitere einmalige Regularisierung per Dekret. Personen, die sich bereits vor dem 1. Januar 2026 im Land aufhielten, seit mindestens fünf Monaten dort leben und keine Vorstrafen haben, können bis Ende Juni 2026 einen Antrag auf Regularisierung stellen und einen einjährigen Aufenthaltstitel mit sofortiger Arbeitserlaubnis erhalten. Die Regierung geht von 500.000 berechtigten Personen aus. Kritiker bemängeln unter anderem, dass Staatenlose von der Regularisierung ausgeschlossen sind.DW (2026): Spanien gibt 500.000 Migranten Rechtssicherheit; nd (2026): Spanien: Legalisieren statt abschieben

Portugal: Während der Corona-Pandemie hat die portugiesische Regierung zwei Dekrete, das erste am 27. März 2020, das zweite am 8. November 2020, zur Regularisierung erlassen. Um die prekäre Situation irregulärer Migrant*innen in der Pandemie zu verbessern und ihnen einen Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen, wurden insgesamt 376.700 irreguläre Migrant*innen vorübergehend regularisiert.European Website on Integration (2021): Portugal: „More than 356 000 immigrants provisionally legalised during COVID-19 pandemic„; Jose Leitao (FES) (2020): Regularisations in times of COVID-19

Die Organisation PICUM (Platform for international cooperation on undocumented migrants) hat eine Übersicht über verschiedene Ansätze von Regularisierungen weltweit erstellt.PICUM (2022): "Regularisation mechanisms and programmes: Why they matter and how to design them"