Schreckt Rechtspopulismus Fachkräfte ab?

Regionen mit starken rechtspopulistischen Bewegungen oder einer starken AfD haben Nachteile beim Anwerben von Fachkräften aus dem In- und Ausland. Zahlreiche Unternehmen sprechen sich jedoch gegen Rechtspopulismus und Rassismus aus.

Der Fachkräftemangel ist in den letzten Jahren zu einem der größten Probleme der deutschen Wirtschaft geworden. Aktuelle Zahlen haben wir hier zusammengestellt. Es gab Medienberichte, denen zufolge migrationsfeindliche Einstellungen ausländische Arbeitskräfte abschrecken, zum Beispiel Pflegekräfte

Ausländische Arbeitskräfte werden von "fremdenfeindlichen" Einstellungen in einer Region abgeschreckt. Das konnte eine Studie des Institituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 2025 auf einer breiten ZahlenbasisBeschäftigungs-Daten der Bundesagentur von allen Zuwanderern, die zwischen 2003 und 2019 nach Deutschland kamen und hier eine Beschäftigung aufgenommen haben. nachweisen. Die Studie zeigte, dass "fremdenfeindliche" Einstellungen zu einer geringeren Arbeitsmigration in Landkreise Deutschlands führten. Besonders zeige sich das für Ostdeutschland. Dorthin gebe es weniger Zuwanderung, weil dort der Zuspruch zu rechtsradikalen Einstellungen besonders hoch sei. Gleichzeitg ist der demographische Wandel deutlich weiter fortgeschritten und der Bedarf an Zuwanderung größer. IAB (2025) Fremdenfeindlichkeit bremst die Zuwanderung, Interview (IAB), Linksowie "Do xenophobic attitudes influence migrant workers’ regional location choice?", PLoS ONE, Link sowie "Who wants to live among racists? The impact of local right-wing attitudes on interregional labour migration in Germany. Journal of Ethnic and Migration Studies, Link

Besonders Arbeitskräfte aus der EU zögen seltener in Landkreise, in denen rechte Einstellungen häufiger waren. In einer weiteren Publikation stellten sie fest: Bei Umzügen innerhalb Deutschlands reagierten vor allem junge Arbeitskräfte und Hochqualifizierte und mieden diese Regionen eher. Die Forscherinnen werteten die Beschäftigungs-Daten von allen Menschen aus, die zwischen 2003 und 2019 nach Deutschland kamen und hier eine Beschäftigung aufgenommen hatten. IAB (2025) Fremdenfeindlichkeit bremst die Zuwanderung, Interview (IAB), Linksowie "Do xenophobic attitudes influence migrant workers’ regional location choice?", PLoS ONE, Link sowie "Who wants to live among racists? The impact of local right-wing attitudes on interregional labour migration in Germany. Journal of Ethnic and Migration Studies, Link

Mehr zur Studie in unserem Podcast

Die rechtspopulistischen und teils rechtsextremen Positionen der AfD  belasten vermutlich den Wirtschaftsstandort Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Forschungs-Übersicht von 2024, die empirische Studien zum Thema ausgewertet hat. Wo die AfD oder ähnliche rechtspopulistische Bewegungen stark seien, gebe es "einen nicht zu unterschätzenden Nachteil bei der Anwerbung von in- und ausländischen Fachkräften". Unter anderem wird auf ein Experiment hingewiesen, wonach Dresden weniger attraktiv sei für inländische Fachkräfte, weil dort über Jahre "asyl- und migrationskritische Kundgebungen" stattfanden.Leibniz-Zentrum für europäische
Wirtschaftsforschung (2024): Rechtspopulismus und Standortattraktivität, Seiten 2 und 5, Link

Unternehmen sehen AfD kritisch

Mehr als 500 Unternehmen haben sich Anfang 2024 gegen Rechtspopulismus ausgesprochen. Auch die deutschen Handwerks-Betriebe sprachen sich gegen "Hetze und Rassismus" aus. Bei direkten Befragungen sehen die Vertreter von Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden die AfD kritisch: Die Mehrheit lehnt laut einer Befragung des WZB 2024 den Kontakt zur Partei ab und sieht von ihr keine positiven Beiträge zur Wirtschaft in Deutschland. Vielmehr werde die Partei als "systemfeindlich und systemgefährdend" angesehen. Ein Grund: die wirtschaftspolitischen Ideen der AfD. Kritisch sehen die Wirtschaftsvertreter*innen Forderungen nach dem Austritt aus der EU oder dem Euro-Raum und die Ablehnung von Zuwanderung.Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) (2024): Die deutsche Wirtschaft und die AfD, Seite 25, Link

Qualifizierte Arbeitskräfte fühlen sich abgeschreckt

Intoleranz und Diskriminierung beeinflussen stark, ob qualifizierte Arbeitskräfte in ein Land gehen wollen oder nicht, das belegen Studien. Zwar ist Deutschland beliebt bei Studierenden, aber nur mittelmäßig beliebt bei ausgebildeten Arbeitskräften. Ein wichtiger Grund: Die als mittelmäßig wahrgenommene Willkommenskultur ("inclusiveness"), so OECD-Befragungen.QuelleOECD (2019): Measuring and Assessing Talent Attractiveness in OECD Countries, Seite 19 und Seite 47, Link
In einer Online-Umfrage (MethodikAn der nicht-repräsentativen Online-Umfrage beteiligten sich rund 12.000 Teilnehmer aus 173 Ländern. Damit Ergebnisse gewertet wurden, mussten mindestens 50 Teilnehmer aus einem Land antworten. Für Deutschland antworteten "rund 1.000 Personen", Link) unter mehr als 12.000 "Expats" landete Deutschland 2023 unter beliebten Zielen zum Arbeiten auf Platz 49 von 53 weltweit. Die Hauptgründe für die Unzufriedenheit vieler Expats: die fehlende Willkommenskultur. Drei von zehn Expats finden, dass die deutsche Bevölkerung "nicht freundlich" zu ausländischen Arbeitskräften sei (weltweit: 18 Prozent). Die Ergebnisse von solchen Online-Umfragen sind offenbar wenig zuverlässig und weichen teils stark voneinander ab.Internations (2024): Expat City Ranking 2023, Link