Selbstständige und Gründer mit Migrationshintergrund

Menschen mit Migrationshintergrund gründen überdurchschnittlich häufig Unternehmen. Schätzungen zufolge stellen sie mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze. Viele Gründer berichten, dass sie bei Behörden und Banken Rassismus erleben.

Das Biotechnologie-Unternehmen "Biontech" oder der Computerspiele-Entwickler "Crytek" sind zwei prominente, längst etablierte Beispiele: Die Zahl der von Migrant:innen gegründeten Unternehmen in Deutschland wächst.

Im Jahr 2022 hatten 19 Prozent der UnternehmensgründungenDaten-Grundlage ist das IAB/ZEW-Gründungspanel – eine repräsentative Stichprobe neu gegründeter Unternehmen aus dem Mannheimer Unternehmenspanel, einer umfassenden Unternehmensdatenbank. Für die Stichprobe des Panels werden junge Unternehmen, die nicht älter als sieben Jahre sind, nach Gründungsjahr sowie Branchen geschichtet. Klassische "Start-Ups" machen circa ein Viertel der Unternehmen in der Stichprobe aus.laut Selbstauskunft mindestens eine Gründerperson mit MigrationsbezugDer Migrationsbezug der Gründerpersonen wird hier durch Selbstauskunft in Telefoninterviews erfasst. Es handelt sich dabei um eine Selbstwahrnehmung der Befragten anhand von Fragen zur Migrationserfahrung. , so eine ZEW-Studie von 2025. Ihr Anteil ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Viele dieser Gründer und Gründerinnen leben schon lange in Deutschland, etwa die Hälfte hat die deutsche Staatsbürgerschaft.ZEW, Bertelsmann (2025): "Innovatives Gründen durch Menschen mit Migrationsbezug", Link

2024 gab es 924.000 Selbstständige mit Migrationshintergrund in Deutschland. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen sind Alleinunternehmer*innen. Etwa 47 Prozent (434.000) sind Selbstständige mit Beschäftigten – und sorgen für zahlreiche Jobs: Verschiedenen Schätzungen zufolge stellen sie über zwei Millionen ArbeitsplätzeNach verschiedenen Schätzungen stellten Migrantenunternehmen mindestens 2,27 Millionen Arbeitsplätze (Bertelsmann, 2020) und bis zu 2,7 Millionen Arbeitsplätze (Friedrich-Ebert-Stiftung, 2014). Siehe: Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (2014):"Ökonomische Bedeutung und Leistungspotenziale von Migrantenunternehmen in Deutschland", Seite 71 sowie Bertelsmann Stiftung (2020): Migrantenunternehmen in Deutschland zwischen 2005 und 2018, Seite 32.Statistisches Bundesamt (2025): "Bevölkerung in Privathaushalten nach Migrationshintergrund und Beteiligung am Erwerbsleben" mit Zahlen für 2024, Link

Im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung gründen Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufigLaut der KfW-Studie lag die Gründungsquote bei Migranten bei 137 von 10.000 Erwerbstätigen, im Vergleich zu 117 in der Gesamtbevölkerung Unternehmen. Im Jahr 2019 ging jede vierte Existenzgründung auf Menschen mit MigrationshintergrundIn der KfW-Studie zählen hierzu "Als Migrantinnen und Migranten zählen alle Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht oder nicht von Geburt an besitzen", siehe KfW-Research (2020): "Wieder mehr migrantische Gründungen", Seite 1zurück (26 Prozent). Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sank dieser Anteil 2020 auf 21 Prozent.KfW-Research (2022): "Anteil migrantischer Gründungen rutscht im Corona-Jahr 2020 erstmals seit einer Dekade wieder unter Bevölkerungsschnitt", Link

Zahlen zum Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in den Vorständen großer Unternehmen gibt es in unserer Rubrik "Wie viele Führungskräfte haben Migrationshintergrund?"

Attraktiv für ausländische Gründer*innen

Deutschland ist attraktiv für Gründer*innen aus dem Ausland. Mehr als jedes fünfte Startup wird von ZugewandertenIm Monitoring werden Menschen gezählt, die selbst im Ausland geboren sind und Migrationserfahrung haben.Quellegegründet (21 Prozent). Das ist das Ergebnis des "Migrant Founders Monitoring 2023", einer Umfrage unter rund 380 "migrantischen Unternehmensgründer*innen". Allerdings: Einige berichten auch von Problemen, Kapital für ihre Gründungen zu bekommen, zum Beispiel durch staatliche Hilfen oder "Risiko-Kapitalgeber". Ein Drittel berichtet von Rassismuserfahrungen, zum Beispiel durch Behörden oder Banken.Deutsche Startups (2023): Migrant Founders Monitor, Seite 4 und Seite 20

Immer mehr Selbstständige mit Migrationshintergrund arbeiten im Bereich "öffentliche und private Dienstleistungen", zum Beispiel im Gesundheits- oder Erziehungsbereich (28 Prozent) und immer weniger im Gastgewerbe oder Handel (26 Prozent).Bertelsmann Stiftung (2020): Migrantenunternehmen in Deutschland zwischen 2005 und 2018, Seite 25 und Seite 26, Link