Zahl antimuslimischer Straftaten

Straftaten gegen Muslime werden in Deutschland erst seit 2017 systematisch erfasst. Viele Delikte sind politisch rechts motiviert. Die meisten Betroffenen melden antimuslimische Vorfälle und Straftaten nicht.

2025 zählte die Polizei 1.328 islamfeindliche Straftaten, darunter Körperverletzungen, Beleidigungen, Propagandadelikte und Sachbeschädigungen. Die Zahlen sind vorläufig und nicht mit den Vorjahreszahlen vergleichbar. Es können Nachmeldungen folgen.für 2. Halbjahr Bundestag (2026): “Drucksache 21/4220”, S. 8, LINK; für Quartal 1 und 2 (2025): "Drucksache 21/2705", S. 2-3, LINK (eigene Berechnung: Quartal 1: 469 + Quartal 2: 316 + 2. Halbjahr: 543 = 1.328)

2024 hatte die Polizei 1.848 islamfeindliche Straftaten gezählt, darunter 83 Körperverletzungen. Die Gesamtzahl war im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel angestiegen (+ 26 Prozent) und hatte einen neuen Höchststand erreicht. Von 2022 auf 2023 hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt (+ 140 Prozent). Der Großteil der Delikte war 2024 politisch rechts motiviert (86 Prozent).Bundesinnenministerium (2025): "Fallzahlen politisch motivierter Kriminalität 2024", S. 13, (eigene Berechnung), LINK;

Welche Statistiken gibt es neben den polizeilich erfassten Fällen?

Nicht alle antimuslimischen Vorfälle werden angezeigt oder von der Polizei als muslimfeindlich erkannt: Die Europäische Grundrechteagentur (FRA) stellte in einer Umfrage zwischen 2021 und 2022 fest, dass nur 12 Prozent der Betroffenen muslimfeindliche Vorfälle und Straftaten melden. Eine nicht-repräsentative Studie des zivilgesellschaftlichen Bündnisses ClaimClaim - Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit ist ein Bündnis aus 50 muslimischen und nicht-muslimischen zivilgesellschaftlichen Initiativen. LINKzeigt: In Deutschland meldet die Mehrheit der Betroffenen Übergriffe nicht und nimmt keine Beratungsangebote in Anspruch (57 Prozent).European Union Agency for Fundamental Rights (2024): "Being Muslim in the EU", S. 64, LINK; Perry, S. et al. (2023): "Erfahrungen und Umgangsstrategien von Betroffenen von antimuslimischem Rassismus", S. 17, 18, 24f, LINK

Claim führt daher jährlich eigene Zählungen durch. 2024 erfasste das Bündnis 3.080 strafbare und nicht strafbare VorfälleGezählt wurden Fälle von 26 Beratungs- und Meldestellen aus 13 Bundesländern, Fallmeldungen des Meldeportals "I-Report", Fallzahlen aus Antworten auf parlamentarische Anfragen und aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität sowie Fälle aus Pressemeldungen der Polizei und Medienberichten.. Dazu zählen Beleidigungen, Körperverletzungen, Tötungen oder Bedrohungen. Besonders häufig betroffen sind muslimische Frauen. Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um knapp 60 Prozent gestiegen (2023: 1.926). Zudem haben schwere Delikte wie Körperverletzungen, Tötung und versuchte Tötung zugenommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass mehr Beratungsstellen als im Vorjahr Fälle für den Bericht gemeldet haben. Claim geht sowohl bei den selbst erfassten als auch bei den polizeilich registrierten Zahlen von einem großen Dunkelfeld aus.Claim et al. (2025): "Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus 2024", S. 13f, 25, (2024): "Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus 2023", S. 25, LINK

Antimuslimische Vorfälle und Straftaten nach dem 7. Oktober 2023

Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 gab es Berichte, dass antimuslimische Vorfälle in Deutschland zunahmen.

  • Insgesamt war die Zahl der antimuslimischen Straftaten 2023 deutlich gestiegen. Schon vor dem Angriff der Hamas hatte die Zahl der registrierten Straftaten zugenommen. Der Mediendienst hat zur Entwicklung mit Fachleuten gesprochen.
  • Das Netzwerk Claim registrierte im Oktober 2023 einen starken Anstieg von Meldungen und Beratungsanfragen. Zwischen 7.10. und 31.12.2023 zählte Claim 679 antimuslimische VorfälleClaim zählt strafbare und nicht strafbare Vorfälle von Beratungs- und Meldestellen aus fünf Bundesländern, Fallmeldungen des Meldeportals "I-Report" und Fälle aus Pressemeldungen der Polizei und Medienberichten.

  • In einer Chronologie (2024) zeigte ZEIT Online eine Auswahl antimuslimischer Vorfälle und Straftaten in Deutschland seit dem Überfall der Hamas auf Israel.Deutscher Bundestag (2024): "Drucksache 20/11292", LINK; (2023): "Drucksache 20/9262", LINK, eigene Berechnungen; Claim (2024): "Zivilgesellschaftliches Lagebild antimuslimischer Rassismus, Fälle 2023", S. 27f, LINK; (2023): "Pressemitteilung - Gewaltvolle Übergriffe, Drohungen, Diskriminierungen: Zahl antimuslimischer Vorfälle bundesweit erneut gestiegen", LINK; "Claim warnt vor einer Zunahme von antimuslimischem Rassismus: Aktuell drei antimuslimische Vorfälle pro Tag in Deutschland", LINK; Bundeskriminalamt (2024) auf Anfrage des MEDIENDIENST; ZEIT Online (2024): “Was Muslimen in Deutschland passiert”