Das UN-Büro für Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) spricht für 2022 von 74.785 von Menschenhandel Betroffenen aus 156 Staaten (2021: 55.290 Betroffene). Im Bericht "Global Estimates of Modern Slavery" schätzen ILO, IOM und Walk Free, dass 2021 rund 50 Millionen Menschen weltweit von moderner Sklavereibetroffen waren. Die Zahlen der UNODC sind deutlich niedriger, da sie auf registrierten Fällen von Behörden basieren. "Global Estimates of Modern Slavery" nutzt Daten aus Befragungen und Schätzungen.
Zahlen für die EU: Auf EU-Ebene werden regelmäßig Berichte von GRETA und Statistiken von Eurostat veröffentlicht. Diese stammen von offiziellen Stellen und Behörden der EU-Länder. Laut Eurostat waren in der EU 2024 insgesamt 9.678 Menschen von Menschenhandel betroffen – rund 8 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon waren rund 63 Prozent Frauen und Mädchen. Rund 84 Prozent der Betroffenen waren von sexueller Ausbeutung (46 Prozent) und Zwangsarbeit (37 Prozent) betroffen.
Zu weiteren Zahlen zu den Betroffenen von Menschenhandel in der EU.
Betroffene von Menschenhandel in Deutschland: Auch hier ist die genaue Anzahl der Betroffenen wegen des großen Dunkelfelds (siehe unten) schwer zu bestimmen. Das BKA veröffentlicht Daten zu abgeschlossenen Verfahren.
Laut BKA wurden 2024 insgesamt 576 Ermittlungsverfahren (2023: 509) im Bereich Menschenhandel und Ausbeutung abgeschlossen, das ist der höchte Stand seit 2000. Darunter waren 364 Verfahren (2023: 319) zu sexueller Ausbeutung und 41 (2023: 37) zu Arbeitsausbeutung.
Laut einem Bericht des Deutschen Instituts für Menschenrechte gab es in Deutschland im Zeitraum 2020-2022:
- 3.155 Betroffene von Menschenhandel, erfasst durch Ermittlungsbehörden,
- 2.652 neue Fälle bei Fachberatungsstellen zu Menschenhandel (siehe unten),
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1.052 Verdachtsfälle bei arbeitsrechtlichen Beratungsstellen.
Der bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) veröffentlicht jährlich Daten aus den Fachberatungsstellen zu Menschenhandel in Deutschland. 2024 registrierten sie insgesamt 868 Fällevon Menschenhandel, davon 198 neue Fälleund 24 Prozent mehr als im Vorjahr. 659 dieser Fälle konnten ausgewertetwerden. Die Mehrzahl der Betroffenen war von sexueller Ausbeutung betroffen, gefolgt von Arbeitsausbeutung. Rund 84 Prozent waren Frauen.
Woher kommen die Betroffenen?
Migrant*innen sind besonders gefährdet, in ausbeuterische Verhältnisse zu gelangen, doch es sind auch viele Personen aus Deutschland betroffen.
Im Jahr 2024 stammte laut Bericht des Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) rund die Hälfte der Klient*innen von Fachberatungsstellen aus westafrikanischen Ländern. Nur acht Prozent waren deutsche Staatsangehörige, das sind weniger als im Lagebild des Bundekriminalamts. Laut BKA sind deutsche Betroffene häufiger über ihre Rechte informiert, haben größeres Vertrauen in Behörden und bringen ihre Ausbeutung daher mit größerer Wahrscheinlichkeit zur Anzeige.
Das Bundeskriminalamt (BKA) spricht von einer hohen Dunkelziffer von Betroffenen, da diese selten zur Polizei gehen. Gründe dafür sind:
- Betroffene erkennen sich oft nicht als "Opfer".
- Sie haben Angst vor Behörden, insbesondere aufgrund rechtlicher Probleme wie einem unsicheren Aufenthaltsstatus.
- Sie haben Angst vor den Tätern. Häufig besteht eine emotionale, finanzielle oder auf den Wohnort bezogene Abhängigkeit von den Tätern.
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Sie befürchten Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung.
Eine Analyse des Deutschen Instituts für Menschenrechte 2025 zeigt, dass unter Kindern und Jugendlichen minderjährige unbegleitete Geflüchtete besonders gefährdet sind, Opfer von Menschenhandel zu werden. Fehlende Kommunikation zwischen Behörden und Fachberatungsstellen, unklare Zuständigkeiten sowie mangelnde Sensibilisierung für die Bedarfe der unbegleiteten geflüchteten Minderjährigen seitens der Akteure erschweren die Identifizierung und den Schutz unbegleiteter geflüchteter Minderjähriger vor Menschenhandel.
Was führt dazu, dass eine Person von Menschenhandel betroffen ist?
Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) sind Armut und fehlende Lebensperspektiven die Hauptursachen. Der Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) spricht zudem von Krisen, Diskriminierung, Gewalt und mangelnder sozialer Absicherung als weitere entscheidende Risikofaktoren. Der UN zufolge erhöhen eine restriktive Migrationspolitik und fehlende Zugänge zum regulären Arbeitsmarkt das Risiko für Ausbeutung. Weitere Faktoren sind globale Ungleichheiten und die hohe Nachfrage nach billigen Arbeitskräften.
Verurteilungen wegen Menschenhandel
Laut dem Monitor Menschenhandel in Deutschland 2024 wurden in Deutschland zwischen 2020 und 2022 insgesamt 509 Personen wegen Menschenhandel und Ausbeutung verurteilt.
603 Tatverdächtige wegen Menschenhandel und Ausbeutung gab es 2024 (2023: 566 ) laut Bundeslagebildes des BKA (2025). Rund 25 Prozent der Tatverdächtigen waren Deutsche.
International: 2022 wurden 2.443 Personen in 75 Ländern wegen Menschenhandels verurteilt. Zudem gab es 20.623 Tatverdächtige in 76 Ländern. Laut dem UNODC Global Report stieg die Zahl der Verurteilungen zwischen 2020 und 2022 um 36 Prozent, besonders in Europa und Subsahara-Afrika. 74 Prozent der Menschenhändler sind Staatsbürger des verurteilenden Landes, während 26 Prozent aus dem Ausland stammen. Zudem waren rund 70 Prozent der Täter Männer, 26 Prozent Frauen und 4 Prozent Minderjährige.